Krise der Linken

„Links sein“ steht seit langem kaum noch für Emanzipation, Freiheit und Fortschritt. Was sich heute „links“ nennt, ist das Gegenteil von progressiv. Mit denjenigen, die in der ersten französischen Nationalversammlung auf der linken Seite Platz genommen hatten, hat es nichts mehr zu tun. Dort saßen die, die sich für Wandel und Veränderung einsetzten, die Experimentierfreude, Innovation und Fortschritt als etwas Positives begriffen und die Fahne von Vernunft, Freiheit, Wissenschaft und den säkularen Werten der Aufklärung hochhielten. Diese Progressiven – was gleichzusetzen war mit Linken – gingen davon aus, die Welt von morgen zu einem besseren Ort machen zu können. Diese Haltung bestimmte linke Politik bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die heutige Linke hingegen hat sich von ihren aufklärerischen Wurzeln entfernt: Sie ist misanthropisch, pessimistisch und relativistisch geworden. Mit ihrer romantischen Skepsis gegenüber Wissenschaft, Technologie, Wachstum, Fortschritt und letztlich auch Freiheit richtet sich die ergrünte Linke gegen alles, was die historische Linke wollte.

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