Krise der Linken

„Links sein“ steht seit langem kaum noch für Emanzipation, Freiheit und Fortschritt. Was sich heute „links“ nennt, ist das Gegenteil von progressiv. Mit denjenigen, die in der ersten französischen Nationalversammlung auf der linken Seite Platz genommen hatten, hat es nichts mehr zu tun. Dort saßen die, die sich für Wandel und Veränderung einsetzten, die Experimentierfreude, Innovation und Fortschritt als etwas Positives begriffen und die Fahne von Vernunft, Freiheit, Wissenschaft und den säkularen Werten der Aufklärung hochhielten. Diese Progressiven – was gleichzusetzen war mit Linken – gingen davon aus, die Welt von morgen zu einem besseren Ort machen zu können. Diese Haltung bestimmte linke Politik bis ins frühe 20. Jahrhundert. Die heutige Linke hingegen hat sich von ihren aufklärerischen Wurzeln entfernt: Sie ist misanthropisch, pessimistisch und relativistisch geworden. Mit ihrer romantischen Skepsis gegenüber Wissenschaft, Technologie, Wachstum, Fortschritt und letztlich auch Freiheit richtet sich die ergrünte Linke gegen alles, was die historische Linke wollte.

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Wo sind all die Progressiven hin?

Essay von Frank Furedi

Die Linke steht bestenfalls noch für eine Zombieversion des Fortschrittsideals. Heute wird Progressivismus von ihr fast ausschließlich auf soziale Gerechtigkeit reduziert. Dabei ist die positive Zukunftsorientierung völlig verloren gegangen.Für die Wiederbelebung fortschrittlicher Ideen mehr

Radikalismus 1968 und heute

Analyse von Maria Grasso

Von den einen als einer der größten Befreiungsmomente der Geschichte begrüßt, von den anderen als Quelle allen modernen Übels verteufelt: 1968 hat ein umstrittenes Vermächtnis. Manche sehen „68“ als Beginn einer neuen Ära, andere als Höhepunkt einer Reihe politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen, die bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreichen. Eines aber steht fest: Die Politik hat sich in den letzten 40 Jahren stark gewandelt. mehr

Retter der amerikanischen Seele?

Rezension von Josie Appleton

Das neue Buch von Thomas L. Friedman Hot, Flat, and Crowded (Was zu tun ist) ist symptomatisch für die mittlerweile tiefe Verwurzelung des grünen Denkens in der Psyche der westlichen und speziell der US-amerikanischen Eliten. mehr

Die Linke, Palästina und Israel

Kommentar von Klaus Bittermann

Eine Polemik. - Es ist ein eigenartiges Phänomen. Da können in Afrika die größten Gräuel und Hungersnöte wüten – wenn in Palästina die Waffen sprechen, dann hat bei der deutschen Linken kein Konflikt der Welt dagegen eine mediale Chance. Israels Tun wird hierzulande von einigen Redaktionsräumen genau überwacht. Merkwürdig also, dass den deutschen Aufklärern entgangen sein soll, dass Israel gleich am ersten Tag nach Ablauf des Waffenstillstands im Dezember mit 80 Raketen beschossen wurde. Zwar hat niemand den Beschuss bestritten, aber für die deutsche Linke handelte es sich dabei offenbar höchstens um ein nicht erwähnenswertes Bagatelldelikt. mehr

Weiterführende Literatur