Illustration: Jan Robert Duennweller

Protestkultur

Der politische Betrieb in Deutschland und Europa steckt in einer tiefen Krise. Personalisierung, Inszenierung und Moralisierung ersetzen zunehmend die demokratische Auseinandersetzung um Konzepte und gesellschaftliche Ziele. Bei den Bürgern wächst das Misstrauen in die Institutionen der Politik. Politische Vertreter werden heute maßgeblich nach ihren persönlichen Motiven bewertet. Ob sie damit auch etwas erreichen, ist weniger wichtig. Parallel zur Krise der politischen Institutionen sind neue Organisationen auf den Plan getreten, die zum Teil großen Beifall ernten – von „Occupy“ über die spanische Podemos bis zum Klick-Aktivismus in den sozialen Netzwerken. Auffällig ist, dass diese Politik nicht zielgerichtet ist. Es kommt einzig auf die Form des wenig fokussierten Protests an. Es zählt nicht so sehr, was dabei herauskommt, wichtig ist, dass man dabei ist. Auf diesem Wege droht Politik zur Geste zu werden. Mit Gesten aber lassen sich keine Probleme lösen.

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