Humanitäre Interventionen

Das Ende des Kalten Krieges löste die Epoche des humanitären Interventionismus aus. Anlass für die vielfältigen Interventionen seit Beginn der 1990er Jahre wurden – von Jugoslawien über Afghanistan bis in den Irak – lokale Krisen und Konflikte. Die dortigen westlichen Eingriffe wurden maßgeblich bestimmt von subjektiven Fehleinschätzungen: übertriebene Furcht vor Instabilität selbst in entlegeneren Regionen, Überbewertung kultureller Unterschiede – und die daraus folgende Annahme, durch massive politische oder militärische Einwirkung von außen Ordnung schaffen zu müssen und zu können. Am Ende wurde die Lage in der Regel nur verschlimmert. Dass andere Völker oder Regierungen eigene Konflikte haben, die uns nicht unmittelbar betreffen, geriet in Vergessenheit. Der Drang zur Konstruktion von Feindbildern und die Projektion moralischer Überlegenheit wurden zu Leitmotiven westlicher Weltpolitik. Diese Politik ist gescheitert. Gerade angesichts der aktuellen Weltlage brauchen wir eine Renaissance vernünftiger, auf Kooperation zwischen souveränen Nationalstaaten beruhender internationaler Beziehungen.

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Der feige Nato-Krieg in Libyen war ein Paradebeispiel für kopflosen Militarismus. Wie der Sturz Gaddafis jetzt als Erfolg kluger und entschlossener westlicher Führer umgedeutet werden soll, erinnert Brendan O’Neill an das Gebaren des „Ministeriums für Wahrheit“ aus dem Roman 1984 mehr