Freier Wille

Den Schicksalsgöttinnen kann niemand entrinnen, glaubten die alten Griechen. Die Idee eines frei bestimmten Lebens setzte sich erst Jahrtausende später in der Renaissance durch. Seit dem 19. Jahrhundert ist sie wieder unter Beschuss. Heute behaupten viele Neurowissenschaftler, unsere Gehirne – die offenbar nicht dasselbe sind wie „wir“ – bestimmten unser Leben. Für Soziobiologen haben unsere Gene die Aufgabe der griechischen Schicksalsgöttinnen übernommen. Das Ergebnis sehen wir jeden Tag um uns, wenn nicht in uns. Passive Verbraucher lösen aktive Bürger ab, unorganisierte Arbeitnehmer fühlen sich „denen da oben“ ausgeliefert, Tierrechtler erkennen den essenziellen Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht – den freien Willen. Politiker nutzen derweil die Chance, unser Leben zu lenken. Wir brauchen eine Renaissance der Renaissance. Der Mensch muss sich wieder frei entscheiden, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

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Von Medien und Massen

Kommentar von Kolja Zydatiss

Besonders in der Mittelschicht gilt Kritik an der Werbung als schick. Anfällig für Manipulation sind angeblich immer nur „die Anderen“. Dabei lassen wir uns alle nicht so leicht beeinflussen mehr

Freiheit statt Stillzwang

Kommentar von Ella Whelan

Nach dem Übergewicht sagt die britische Gesundheitsverwaltung dem nächsten vermeintlichen Übel den Kampf an: dem Stigma des Stillens in der Öffentlichkeit. Dabei geht es in Wirklichkeit nicht um mehr, sondern um weniger Freiheit für Frauen. mehr

Wir können auch anders

Essay von Hanko Uphoff

Der freie Wille hat einen schweren Stand. Deterministische Konzepte dominieren die aktuelle philosophische Diskussion über Freiheit. Kaum ein Philosoph argumentiert, dass wir auch hätten anders handeln können, als wir faktisch getan haben. Ein Versuch. mehr

Why are you free?

Kommentar von Thilo Spahl

Der Tübinger Psychologe Boris Kotchoubey hat ein anschauliches und präzises Buch geschrieben, in dem er darlegt, warum es sinnlos ist, sich Menschen als Wesen ohne freien Willen zu denken. Eine Rezension von “Why are you free? Neurobiology and Psychology of Voluntary Action” mehr

Angriff der Gutgeräte

Analyse von Monika Bittl

Piepende Bügeleisen, Waschmaschinen oder Autos nerven nicht einfach nur, sie empören regelrecht. Die Schriftstellerin möchte ihren Alltag nicht von gutmeinenden Geräten durchregulieren lassen. mehr

Der Kult ums Hirn

Analyse von Boris Kotchoubey

Hier wird mit den Mythen der modernen Neurowissenschaft aufgeräumt. Sie bietet oft nicht mehr als Pseudoerklärungen. Die Gehirnmechanik allein liefert nicht den Schlüssel zum Verständnis der Conditio humana mehr

Den Kinderarzt-Irrtum vermeiden

Kommentar von John T. Bruer

Die Hirnforschung soll neue Bildungs- und Erziehungsprogramme liefern. John T. Bruer hält die Faszination für die Synapsenbildung, die hierzulande beispielsweise im FAZ-Feuilleton verbreitet wird, für einen fatalen Irrtum. mehr

Phänomenologie und Monade

Essay von Hanko Uphoff

Anlässlich des 70. Todestages des Begründers der modernen Phänomenologie, Edmund Husserl, einige grundlegende Besonderheiten seines in radikaler Weise von der Subjektivität ausgehenden Ansatzes. mehr

Die Eigentümer des Intellekts

Essay von Boris Kotchoubey

„Jeder beschwert sich über sein Gedächtnis, aber niemand beschwert sich über seinen Intellekt“, sagte La Rochefoucauld. Vielleicht deshalb glauben wir alle, der biologischen Art von „vernünftigen Menschen“ anzugehören. Und doch gibt es welche, die mehr können. Sie sind mit ihrem Intellekt nicht bloß zufrieden – sie machen ihn zu ihrer Sonderbezeichnung, zu ihrem Differenzierungsmerkmal. Nur relativ wenige Männer (und noch weniger Frauen) bezeichnen sich als „Intellektuelle“, was offensichtlich darauf hinweist, dass ihr Intellekt etwas anderes sein sollte als die Vernunft eines normalen Otto Homosapiens. mehr

Weiterführende Literatur