Schule

Schon immer gab es Tendenzen, soziale Probleme, wie z.B. Jugendkriminalität, auf „schlechte Elternschaft“ zurückzuführen. So wurde die allgemeine Schulpflicht auch damit begründet, dass Kinder zuhause „unzivilisiert“ aufwüchsen. Ellen Richards, eine der Begründer der modernen Sozialarbeit, schrieb 1918, dass „die Schulen bald die Aufgabe der Eltern übernehmen müssten, nicht, weil sie es wollten, sondern, weil das Elternhaus seine Pflichten nicht erfülle“. Heute scheint diese Forderung weitestgehend Realität. Aus Bildungsinstitutionen werden zunehmend Erziehungsinstitutionen mit sozialarbeiterischem Anspruch. Selbst in Gymnasien geht es heute weniger um die Vermittlung von Wissen und Bildungsinhalten als um das Erlernen von „Kompetenzen“ für das spätere Berufsleben. Dass gute Schulbildung die Grundlagen für ein freies und autonomes Erwachsenenleben schaffen kann, hört man hingegen kaum noch. Es gilt, die Bildung als Zweck an sich selbst zu verteidigen.

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Editorial

Von Thomas Deichmann

Der Kult ums Kind - Die Kampagne „Du bist Deutschland“, mit der seit 2005 für „mehr Kinderfreundlichkeit“ geworben wird, ist nett gemacht und mitunter rührend. Doch langsam wird sie ermüdend, zumal sie sich bei näherer Betrachtung nur als weiteres Beispiel für den Kult erweist, den wohlsituierte Mittelschichtvertreter um Kinder treiben. So als würde unser Nachwuchs nicht schon genug betüddelt, gehen die Initiatoren offenbar davon aus, dass Kinder vor allem hilflose und unterdrückte Opfer sind. Deshalb bemüht man sich um „eine positivere Einstellung gegenüber Kindern in Deutschland“. Ziel ist es zudem, Menschen zu motivieren, „sich verstärkt für Kinder zu engagieren“. mehr