27.09.2019

Die Klimastreiker müssen erwachsen werden

Von Andrea Seaman

Titelbild

Foto: Anders Hellberg via Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Junge Leute, die den Weltuntergang durch den Klimawandel befürchten, sind wie Greta Thunberg auf indoktrinierenden Unterricht hereingefallen. Zu oft tritt Öko-Alarmismus an die Stelle von Fakten.

Von Sydney über London, Berlin bis New York haben Tausende von Kindern und viele Erwachsene letzte Woche einen so genannten Klimastreik durchgeführt. Sie forderten „dringende Maßnahmen" zur Bekämpfung des „Klimazusammenbruchs".

Übertreibung war an der Tagesordnung. Der Guardian-Kolumnist Owen Jones, der sich an Demonstranten in London wandte, warnte davor, dass der Planet einem „Mord" erliegt. Plakate von Demonstranten, mit den Botschaften „Tötet uns nicht" oder „Handelt jetzt oder wir werden sterben", spiegelten Jones‘ schreckliche Warnungen wider. Unterdessen hatte die jugendliche Ökoprophetin Greta Thunberg gerade dem US-Kongress mitgeteilt, dass der Klimawandel die „größte Krise ist, in der sich die Menschheit je befunden hat".

Sie alle sollten den Rat meines alten Geographielehrers befolgen. Obwohl er leidenschaftlich davon überzeugt war, dass ein Klimawandel auf gefährlichem Niveau stattfindet, hatte er dennoch die Ehrlichkeit, uns vor unkritischem Denken zu warnen: „Wenn Sie das nächste Mal Fieber haben", meinte er, „schauen Sie, in welchem Zeitraum Ihre Temperatur um ein paar Grad Celsius ansteigt, berechnen Sie dann mit dieser Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs, wann Sie verdunsten, und geraten Sie dann wie verrückt in Panik". Wir lachten und staunten über die zum Nachdenken anregende Botschaft: Dinge in der Natur gehen allermeist nicht blitzartig den Bach runter, also bleibt ruhig.

„Die meisten Geographielehrer in der westlichen Welt verbreiten beim Thema Klimawandel Furcht im Klassenzimmer.“

Es ist erschütternd zu sehen, wie dieses einfache wahre Prinzip meines Geographielehrers von den meisten Medien allgemein ignoriert wird. Nehmen wir zum Beispiel den Guardian, der berichtet, dass „die Insekten der Welt auf dem Weg zum Aussterben sind". Anscheinend „geht die Gesamtmenge der Insekten um steile 2,5 Prozent pro Jahr zurück". Francisco Sánchez-Bayo von der University of Sidney, der an der Erarbeitung dieser Ergebnisse beteiligt war, bringt die Logik dahinter auf den Punkt: „In 10 Jahren haben wir ein Viertel weniger, in 50 Jahren nur noch die Hälfte und in 100 Jahren haben wir keine" Insekten mehr.

Sánchez-Bayo brilliert darin, alberne Berechnungen durchzuführen, scheint aber ignorant zu sein, wenn es um lebende, widerstandsfähige kleine Käfer geht, die im gleichen Guardian-Artikel als „bei weitem die vielfältigsten und reichhaltigsten Tiere“ anerkannt werden, „die die Menschheit um das 17-fache überwiegen". Schwankungen in der globalen Insektenpopulation sind nicht auf mathematische Worst-Case-Szenario-Übertreibungen reduzierbar. Sicher, die Insektenpopulationen mögen an manchen Stellen etwas zurückgegangen sein, aber was soll's? Sinkende Insektenpopulationen sind schließlich oft der Auftakt zu ihrem erneuten Anstieg – durch die Reduzierung der Raubtiere aufgrund des anfänglichen Rückgangs ihrer spezifischen Insektenkost. Zu spekulieren, dass es in hundert Jahren überhaupt keine Insekten mehr geben wird, bedeutet, aus einem gegenwärtigen Datensatz zu extrapolieren und das schlechteste Zukunftsszenario zu projizieren – oder besser gesagt zu imaginieren.

Diese Art von gedankenloser Übertreibung durchdringt die Debatte über den Klimawandel am stärksten. Owen Jones, Greta Thunberg, Emmanuel Macron und alle anderen, deren kritische Fähigkeiten sich verflüchtigt haben, predigen: „Unsere Welt stirbt" oder „Unser Haus brennt. Wortwörtlich“. Sie könnten genauso gut befürchten, dass das bemerkenswerte Ausmaß, in dem sie sich bei der Diskussion über den Klimawandel erhitzen, sie bald wortwörtlich entzündet.

Meine Klasse hatte großes Glück, einen anständigen Geographielehrer erwischt zu haben, der intellektuell ehrlich genug war, seine Ideologie aus seinem Unterricht herauszuhalten. Die meisten Geographielehrer in der westlichen Welt sind begeistert dabei und manchmal durch staatliche Richtlinien gezwungen, beim Thema Klimawandel im Klassenzimmer Furcht zu verbreiten. Greta Thunberg verrät, dass sie in der Schule eine quasi-göttliche Offenbarung darüber erlebt hat, wie die Welt untergehen würde, als sie einem Propagandafilm über den Klimawandel ausgesetzt war.

„Dass Greta in letzter Zeit keine Schule besucht hat, könnte der Grund dafür sein, dass sie nicht viel über ‚unsere Zivilisation‘ weiß.“

Solche schändlichen, fast allgegenwärtigen Versuche, Kinder in Schulen einer Gehirnwäsche zu unterziehen, erinnern an autoritäre Regimes. Solche Übertreibungen von Lehrern ermutigen ihre jungen Schüler, ihnen nachzueifern. Wenn der Lehrer der nachgeplapperten Behauptung des Kindes zustimmt, dass der Klimawandel ein Armageddon verursachen wird, denken einige Kinder, dass sie dies außerhalb der Schule wiederholen können, ohne irrsinnig falsch zu liegen. So kann Greta Thunberg alle Arten von Mist frei postulieren, wie z.B. dass der Klimawandel „höchstwahrscheinlich zum Ende unserer Zivilisation, wie wir sie kennen, führen wird", oder dass „jeden einzelnen Tag“ „bis zu 200 Arten aussterben“.

Das ist Unsinn, nicht auf empirische Daten gestützt. Dass Greta in letzter Zeit keine Schule besucht hat, könnte der Grund dafür sein, dass sie nicht viel über „unsere Zivilisation" weiß. Aber angesichts der Filme, die Gretas Schule ihren Schülern aufzwingt, wird sie selbst dort nicht erfahren, wie großartig unsere moderne Zivilisation darin ist, zu überleben, die Existenz der Menschheit und der natürlichen Welt massiv zu verbessern, die Natur unserem Willen gefügig zu machen. Thunberg muss stattdessen ein Buch lesen, um das zu lernen – zum Beispiel Matt Ridleys „The Rational Optimist“, oder vielleicht etwas von Steven Pinker. Und was diesen Stuss über 200-Arten-pro-Tag betrifft, wette ich, dass Greta nicht 10 Arten nennen könnte, die in den letzten Wochen ausgestorben sind, wenn man sie zur Rede stellt, obwohl es ja fast 3000 davon geben soll. Vielleicht kann sie uns stattdessen mit ihren imaginären Aussterberaten hochrechnen, wann der Planet kein Leben mehr beherbergt?

„Nicht alle Schüler tappen in die Falle, die das ideologische Programm ihrer Lehrer für sie bereithält.“

Doch es gibt Hoffnung. Nicht alle Schüler tappen in die Falle, die das ideologische Programm ihrer Lehrer für sie bereithält. Die Falle besteht darin, die Schüler dazu zu bringen, beim Problem des Klimawandels alles schwarz und weiß, ohne jede Nuance, zu sehen, um sie mit dem Geist des Fanatismus zu erfüllen. Greta ist natürlich direkt darauf reingefallen. Aber ihre Klassenkameraden in der Schule schienen vernünftiger gewesen zu sein. Greta erzählt, wie verblüfft sie war, dass ihre Klassenkameraden, obwohl sie „besorgt" wirkten, als sie den Film über den Klimawandel sahen, anschließen „begannen […], über andere Dinge nachzudenken". Es ist keineswegs beunruhigend, sondern inspirierend, dass sich die meisten Schüler weigern, sich von den angsteinflößenden Bemühungen ihrer Lehrer verzehren zu lassen.

Zu viele, von Thunberg bis Jones, haben sich der Katastrophe und dem Worst-Case-Denken der Umweltbewegung verschrieben. Ihre Masche ist zu der Absurdität geworden, über die sich mein alter Geographielehrer lustig gemacht hatte. Sie denken gerne moralisierend, schwarz-weiß: Entweder wir handeln jetzt oder die Natur treibt uns schnell in die Hölle; entweder du bist mit uns oder du bist gegen uns (und die Natur). Aber der Klimawandel ist kein Schwarz-Weiß-Problem. Es bedarf des kritischen Denkens, der Reflexion und vor allem der Debatte. Genau das ist es, was Thunberg, Jones, ihre streikenden Kumpanen und der Rest der Ökofanatiker ablehnen.