Illustration: Hannah Brückner

Nudging

Was spricht dagegen, Menschen dazu zu bringen, sich besser zu ernähren, sich mehr zu bewegen, mehr auf andere zu achten? Nudging ist zum Modewort dafür geworden. Und es beschreibt alle Techniken und Ansätze, Leute durch geschickte Beeinflussung zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen, sie „anzuschubsen“. Das Problem: Es geht dabei nicht um Freiwilligkeit. „Nudging“ bedeutet, Leute zu etwas zu bringen, was sie eigentlich nicht tun wollen. Angeblich, weil sie zu träge, undiszipliniert oder dumm sind. „Nudging“ ist somit die vermeintlich nette Schwester der Reglementierung. Dahinter steht ein negatives Bild des Menschen. Es unterstellt, dass Leute nicht in der Lage sind, das eigene Verhalten zu reflektieren und zu steuern. Beim „Nudging“ geht es nicht darum, mit Argumenten für neue Haltungen zu werben. Man will das Bewusstsein hintergehen und das Individuum subtil beeinflussen – in einer Weise, die einem genehm scheint. Der neue Paternalismus kommt nur in einem freundlicheren Gewand daher, ist aber in Wahrheit perfider als seine historischen Vorgänger. Diese setzten auf Verbote und Zwang; „Nudging“ hingegen setzt auf Manipulation.

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Nudging gefährdet Ihre Urteilsfreiheit

Essay von Frank Furedi

Als neue Form des Paternalismus etabliert sich das Nudgen („Anschubsen“). Mittels sogenannter Entscheidungsarchitektur sollen Menschen zum „richtigen“ Verhalten motiviert werden. Das beeinträchtigt die moralische Autonomie und die öffentliche Debatte. mehr

Der lange Abschied des Homo oeconomicus

Analyse von Jan Schnellenbach

Das neue Modell des Homo oeconomicus zeigt, dass der Mensch systematisch Fehler macht. Die Herausforderung liegt im Umgang mit diesen Erkenntnissen. Die Regierung liegt daneben, wenn sie meint, uns in die richtige Richtung schubsen zu können. mehr

Nudgen statt entscheiden

Essay von Mareike König

Die Entscheidungsfreiheit ist die Grundlage des individuellen Denkens. Je seltener man es uns überlässt, Entscheidungen zu treffen, desto weniger können wir uns im eigenständigen Denken üben. Nudging nimmt uns diese Freiräume für die Selbstentwicklung. mehr

Bastelanleitung für den braven Bürger

Essay von Johannes Richardt

Nudging gilt als der sanfte Paternalismus. Er behauptet, ohne Zwang auszukommen. Der sanfte Paternalismus ist aber nicht so harmlos, wie er auf den ersten Blick erscheint. Sein trübes Menschenbild unterhöhlt die Fundamente einer freien Gesellschaft mehr

Angies Schubs-Einheit

Analyse von Johannes Richardt

Bundeskanzlerin Merkel baut ein Team von Verhaltenswissenschaftlern auf, das nach britischem Vorbild eine Politik sanfter Anschubser forcieren soll.Diese Form des Paternalismus beruht auf Manipulation und nicht auf Freiheit. mehr

Wir lassen uns nicht herumschubsen

Essay von Sean Collins

Der Libertäre Paternalismus will Menschen zu sozialgefälligen Entscheidungen anleiten. In der „Anschubs-Theorie“ , zeigt sich das pessimistische Menschenbild einer Elite, die sich die Bewältigung der eigentlich wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben nicht mehr zutraut mehr

Wissenschaftlich gelenkte Individuen

Analyse von Julian Mintert

Mit Hilfe der modernen Verhaltensforschung will der „libertäre Paternalismus“ Menschen vor „schlechten“ Entscheidungen bewahren – ohne offenen Zwang, dafür aber durch subtile Beeinflussungsversuche. Aus philosophischer Perspektive ist das entmündigend. mehr

Weiterführende Literatur