03.03.2017

Wölfe statt Atom, Fahrräder statt Milch

Kommentar von Christoph Lövenich

Titelbild

Foto: Sven Scheuermeier via Unsplash / CC0

Energie, Verkehr, Ernährung, Wölfe – an beispielhaften Sendungen zu diesen Themen zeigt sich die inhaltliche Einseitigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten steht in den letzten Jahren zunehmend wegen inhaltlicher Einseitigkeit in der Kritik. Bildet die Arbeit der Redakteure, Dokumentarfilmmacher und anderen Beteiligten die Realität ab oder die verstellt die eigene Weltsicht ihre Perspektive? Werfen wir einen Blick auf ein paar willkürlich ausgewählte Fernsehsendungen aus den letzten Wochen.

Atomenergie

In der Reihe „die story“ zeigte der WDR den Beitrag „Strahlendes Erbe, teuer bezahlt - Wie Atomkonzerne den Staat schröpfen“. Es geht dabei um die finanziellen Folgen des Atomausstiegs. Als Zeugen treten mit einem MdB der Grünen, einem Greenpeace-Atomexperten, dem grünen Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutzes und der Professorin Claudia Kemfert („Miss Energiewende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung“) die üblichen Kernkraftgegner und Erneuerbaren-Fans auf. Die Atomenergie ist mit 190 Milliarden Euro subventioniert und der Ausstieg kostet dem Steuerzahler ebenfalls eine Menge Geld, da von Seiten der staatlichen Politik zugunsten der einschlägigen Energieunternehmen eingegriffen worden sei, so das Verdikt. Der Sinn des ganzen Unterfangens wird selbstverständlich nicht hinterfragt.

Die (indirekte) Subventionierung der effizienteren Kernenergie war nämlich das preisgünstigere Geschäft verglichen mit der Subventionierung der Regenerativen Energien, die in die Taschen von Herstellerfirmen, Hauseigentümern (Solarpanels) und Großgrundbesitzern (Windräder) fließt. Frank Asbeck, Chef des Solarworld-Konzerns, besitzt mittlerweile mehrere Schlösser. Auch wenn der parteispendable Asbeck seit Jahrzehnten den Grünen angehört, sind damit keineswegs Fahrradschlösser gemeint… Die Energiewende, nach Urteil des Wirtschaftsprofessors Horst Demmler „die größte Verschwendung und die dreisteste Klientelpolitik, die es in der Bundesrepublik je gegeben hat“ wird insgesamt sowieso noch mal viel teurer. Wo bleibt hier der Sendeeifer der Öffentlich-Rechtlichen?

Autos

Die WDR-Verbrauchersendung „Markt“ enthält eine Rubrik namens „Gegen den Strich“, in der kürzlich die Forderung „Alle Autos raus aus der Stadt!“ erhoben wurde. Ein offenbar nicht ganz neues Plädoyer, wird doch ein 45 Jahre alter TV-Beitrag zitiert, in dem sich die damaligen Kollegen schon sicher waren: „Das Auto muss aus den Zentren der Städte vertrieben werden.“ Vorbild soll dabei Amsterdam sein (allerdings als traditionelle Fahrradstadt wenig vergleichbar), die O-Töne im Beitrag stammen Großteils von der Grünen Lerke Tyra vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Düsseldorf – hauptberuflich Referentin im NRW-Umweltministerium.

„Der Veganismus wird durch Sendungen in den Massenmedien erst hochgepusht“

Argumentatorisch müssen neben dem unterschwelligen Feindbild Auto die Emissionen herhalten. Dabei bringen die Umweltzonen, die immer mehr innerstädtische Autofahrbeschränkungen nach sich ziehen, für die Luftqualität nichts. „Verzichten Sie doch mal auf Ihren Wagen“ predigt der WDR dessen ungeachtet, Einschränkung und Askese als ökologischer korrekter Weg in eine wenig ambitionierte Zukunft. Wobei man Ausnahmen für Elektroautos vorschlägt. Dann sind wir mal gespannt, wann die Kölner Anstalt ihre Ü-Wagen auf Solarbetrieb umstellt und Intendant Tom Buhrow von seinem dienstlichen Audi A 8 L in eine Fahrrad-Rikscha wechselt.

Milch

Milch – Ein Glaubenskrieg“ tobt, wie der Titel einer dieses Jahr im deutsch-französischen Kanal Arte ausgestrahlten SWR-Doku reißerisch verkündet. Die meisten Normalbürger werden sich darunter wenig vorstellen können, aber auch bei der weißen Flüssigkeit und ihren Verarbeitungsformen wittern Gegner krankmachende Einflüsse und böse Manipulation durch Lobbying der Hersteller (siehe Tabak, Fertignahrung usw.). Der österreichische Arzt Maximilian Ledochowski kann seine Milchthesen zwar nicht hinreichend wissenschaftlich belegen, aber wenigstens mit Überzeugungskraft vertreten: „Wenn Sie fragen, wem Sie glauben sollen – mir! Einfach weil ich glaube daran, dass ich recht habe!“ Nach der Doku interviewt die französische arte-Moderatorin noch wohlwollend einen Journalisten, der die Meinung vertritt, man esse wegen der mächtigen Milchwirtschaft zu viele Milchprodukte, bevor sie dann zu einer der diversen Veganismus-Sendungen überleitet, mit denen die Massenmedien dieses Phänomen überhaupt erst hochgepusht haben.

Wölfe

Das Magazin „Netz Natur“ des eidgenössischen SRF wird bei 3sat ausgestrahlt. Vor ein paar Wochen widmete sich eine aktuelle Folge der zunehmenden und umstrittenen Wolfspräsenz. Die Sendung hat die Sympathien klar verteilt: Wolfskritiker im Schweizer Parlament werden als Berner „Wölfe“ mit Raubtieren gleichgestellt, und letztere wiederum vermenschlicht: „In einer Wolfsfamilie geht es häufig fürsörglich und freundlich zu.“ Was umfangreiches Bildmaterial zeigen soll, während andererseits nur wenige Sekunden lang von den „gewitzten“ Wölfen gerissene Beutetiere zu sehen sind. Der Mensch habe sich mit dem Wolfsbefall „abzufinden“ und „zu arrangieren“, als müsse er schicksalhaft hingenommen und könnte nicht aus rationalen Gründen – wie im Deutschland des 19. Jahrhunderts – durch Ausrottung beendet werden.

„Wer für Transgendertoiletten ist, muss wohl auch die Verbreitung der Wölfe befürworten“

Stimmen, denen es um die Gefährdung der Landwirtschaft und die Bedrohungslage für den Menschen geht, wird emotionale Getriebenheit, die „Angst vor dem bösen Wolf“ unterstellt, umgekehrt sei es einem zitierten Sozialpsychologen zufolge „Zeichen einer gewissen höheren Intelligenz, Wölfe zu behalten“. Landwirte, Landbevölkerung, gewisse – inbesondere populistische – Politiker sind den Ökos und der urbanen Intelligentsia offenbar zu primitiv, um ihrer politisch korrekten Haltung zu folgen. Natursendung hin oder her – deutlich wird, dass es eigentlich überhaupt nicht um das Tier geht, sondern um menschlichen Revierkampf. Wer gegen Trump ist und für Transgendertoiletten, der muss wohl auch die Verbreitung der Wölfe in Mitteleuropa befürworten.

Die genannten Sendungen stehen exemplarisch für die Berechenbarkeit des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, bei einer Vielzahl von Themen überwiegend aus einem einseitigen Blickwinkel Stimmungen zu machen. Sie reflektieren und verbreiten die Anschauungen und Vorurteile der Kreise, in denen die Journalisten privat und beruflich sozialisiert worden sind. Öko-Denken, Gutmenschentum, politische Korrektheit, Regulierungswahn oder auch Ernährungsobsessionen gehören dort zum guten Ton. Es geht weniger um eine adäquate Abbildung der Fakten oder der Interessen der Zwangsgebührenzahler, sondern man will deren Haltungen in eine bestimmte Richtung formen. .Wenn immer gewarnt wird, sich nicht einseitig nur aus dubiosen Facebookquellen oder dissidenten Blogs zu informieren, so gilt dies erst recht für Radio und Glotze, wo weit mehr Menschen betroffen sind, und ein kritischer Umgang dringend Not tut.