12.10.2016

Weniger Raucher, weniger Freiheit

Kommentar von Rob Lyons

Titelbild

Foto: Riccardo Fissore via Unsplash (CC0)

In Großbritannien gibt es weniger Raucher denn je. Kein Grund zum Jubeln, sondern zur Kritik an drakonischer Bevormundung des individuellen Lebensstils.

In Großbritannien liegt die Raucherquote heute niedriger denn je, wie eine kürzlich veröffentlichte Statistik der Gesundheitsbehörde Public Health England zeigt. 2015 gaben 16,9 Prozent der Erwachsenen an, Raucher zu sein, 2012 waren es noch 19,3 Prozent. Früher, 1974, haben noch mehr als die Hälfte der Männer und über 40 Prozent der Frauen in England geraucht. Also gute Neuigkeiten, oder?

Fraglos ist die Botschaft, dass Rauchen das Risiko für eine Vielzahl von Krankheiten erhöht, durchgesickert. Deshalb fangen weniger Menschen mit dem Rauchen an, und mehr wollen aufhören. Es gibt in Großbritannien derzeit doppelt so viele ehemalige Raucher wie aktuelle Raucher. So viel zu der Behauptung, Rauchen mache so süchtig, dass man unmöglich aufhören könne. Oder zu der Behauptung, rauchende Jugendliche unterzeichnen ihr eigenes Todesurteil, das Jahrzehnte später vollstreckt werde.

Ein weiterer positiver Aspekt: Viele Raucher sind zur weniger risikoreichen Alternative E-Zigarette gewechselt. Das Dampfen ist zur beliebtesten Methode avanciert, mit dem Rauchen aufzuhören. Mehr als eine Million Menschen geben an, die E-Zigarette hätte ihnen dabei geholfen, während nur 700.000 Nikotin-Kaugummis oder -Pflaster benutzt haben. Dem NHS (National Health Service) laufen die Kunden für ihre Anti-Raucher-Angebote weg, und Rezepte für entsprechende Produkte sind von 2 Millionen vor 10 Jahren auf 1,3 Millionen gesunken. Dass es effektiver ist, Menschen eine Alternative zu bieten, statt ihr Vergnügen zu einer Sucht zu erklären, überrascht kaum.

„Bei einem effektiven Steuersatz von 400 Prozent auf Zigaretten wird der Preis zur Abschreckung“

Aber es gibt natürlich noch einen weiteren Grund für sinkende Raucherquoten: Der nicht enden wollende Krieg gegen Tabak. Obwohl der stärkste Rückgang bei den Raucherzahlen der Raucher vor den drakonischsten Maßnahmen auftrat, feiern Aktivisten dennoch den Erfolg der Einschränkungen. Deborah Arnott, Geschäftsführerin der Lobbygruppe Action on Smoking and Health (ASH), sagte dem Guardian: „Der andauernde Rückgang in der Verbreitung des Rauchens ist dem seit vielen Jahren erfolgenden, umfassenden und voranschreitenden staatlichen Vorgehen zur Tabakbekämpfung geschuldet. Dazu zählen Steuererhöhungen, Medienkampagnen, Maßnahmen gegen Schmuggel, Rauchfrei-Gesetze, Werbeverbote, und nicht zuletzt das Verbot von sichtbaren Tabakwaren in den Geschäften sowie von attraktiven Verpackungen.“

Offensichtlich übertreibt Arnott den Erfolg dieser Maßnahmen, um ihre Umsetzung zu rechtfertigen. Sie scheint davon so begeistert, dass sie die Einführung einfarbiger Verpackungen (Plain Packaging) für die sinkende Zahl an Rauchern mitverantwortlich macht, obwohl diese Maßnahme erst nächstes Jahr in Kraft tritt. Diese Maßnahme ist wohl so außergewöhnlich, dass sie sogar rückwirkend funktioniert.

Dennoch ist diese Palette an Strafmaßnahmen wahrscheinlich nicht ohne Wirkung geblieben. Man muss kein Ökonom sein, um zu verstehen, dass bei einem einem effektiven Steuersatz von 400 Prozent auf Zigaretten der Preis zur Abschreckung wird.

Aber sollten wir wirklich die Korken knallen lassen, weil viele Raucher dazu gezwungen wurden aufzuhören – nicht weil ihnen keinen Genuss mehr bereitet, sondern weil es ihnen zu teuer wurde, oder weil es ihnen nur noch zu Hause erlaubt ist? Rauchen zählt zu den ersten Lebensgewohnheiten, die dem Lifestyle-Paternalismus zu Opfer fallen. Wie um alles in der Welt kann das ein Grund zur Freude sein?