23.12.2021

Keine Angst vor Omikron

Von Julius Felix

Die Omikron-Variante des Coronavirus wird zur Panikmache genutzt. Dabei ähnelt nach bisherigen Erkenntnissen der Krankheitsverlauf in den meisten Fällen einer herkömmlichen Erkältung.

Eine renommierte Expertin aus Südafrika entdeckt eine neue Variante und wie reagiert die so genannte „westliche Welt“? Das Panik-Orchester spielt sein Varianten-Konzert. Das ist inzwischen eine Tradition, widerstrebt aber jeder Evidenz und sogar Grundlagenwissen zu Coronaviren.

Auf dem üblichen Weg von der Pandemie in die Endemie sind die dominant werdenden Varianten immer ansteckender, aber weniger gefährlich. Das haben wir schon bei Delta gesehen. Es gibt also gar keine wissenschaftliche Basis, vor Varianten, die das Virusgeschehen künftig dominieren könnten, irgendeine Panik zu verbreiten. Man muss sie beobachten, aber dabei eben auch die sprichwörtliche Kirche im Dorf lassen.

Typischerweise verläuft die Evolution in eine Richtung, die maximale Verbreitung anstrebt. . „Aus Sicht“ des Corona-Virus ist es daher sehr vorteilhaft, wenn sich das Virus im oberen Nasenrachenraum vermehrt. Damit entfernt es sich immer weiter von der Lunge, wo es größeren Schaden anrichten kann. Das macht es mit der Zeit weniger gefährlich. Diese vereinfachte Faustformel bestätigt sich auch in wissenschaftlichen Untersuchungen. Eigentlich sind die Daten nämlich sehr vielversprechend, weil Omikron in der Lunge zehnmal weniger wütet als der Wildtyp, bei dem schon rund 80 Prozent der positiv darauf getesteten Personen nur einen milden bis asymptomatischen Verlauf erlebten.

Abb. 1: Replikation des Virus in der Lunge (man beachte die logarithmische Skala), Quelle: Medizinische Fakultät der Universität von Hong Kong.

Das Virus ist also ansteckender, aber ungefährlicher und stellt somit einen weiteren Schritt hin zur Endemie dar. Die Symptome sind noch erkältungsähnlicher als bei Delta: Prof. Tim Spector, der in Großbritannien die Symptome trackt, geht davon aus, dass die meisten Londoner, die denken, sie hätten nur eine Erkältung, tatsächlich Omikron haben, berichtet der Guardian.

„Während sich alle vorherigen Wellen in Fall- und Todeszahlen bemerkbar machten, ist dies bei dieser Welle bisher nicht der Fall.“

Im gleichen Artikel kommt auch Prof. Robert Dingwall von der Nottingham Trent University zu Wort, der gegenüber dem Daily Telegraph erklärte: „Mein Bauchgefühl sagt, dass Omikron der von uns erwarteten Grippepandemie sehr ähnlich ist – viele krankheitsbedingte Fehlzeiten in kurzer Zeit, die öffentliche Dienstleistungen und wirtschaftliche Tätigkeit erschweren werden, aber nicht so schwerwiegend, dass sie ein großes Problem für den NHS [das britische Gesundheitssystem] und Bestattungsunternehmen wären.“

Aber sich nur auf Bauchgefühl zu verlassen, genügt nicht. Eine viel solidere Grundlage sind die Daten, die aber auch Mut machen. In der folgenden Abbildung sieht man, wie in den vorherigen Covid-19-Wellen die Fallzahlen mit der Todesrate positiv korrelierten, und dass dies in der Omicron-Welle nicht mehr der Fall ist. Ein Highlight wurde auf die Zeitpunkte gesetzt, zu denen es gleiche Fallzahlen bei Delta und Omikron gab (gepunktete, horizontale Linke). Die jeweiligenTodeszahlen (gelbe Punkte) unterscheiden sich beträchtlich.

Abb. 2: Verlauf von Omikron in Südafrika, Quelle: South African Medical Research Council.

Mit diesen Daten ist das South African Medical Research Council (saMRC) auch an die Öffentlichkeit gegangen. Darüber ist leider kaum berichtet worden, zu sehr war das Panik-Orchester bereits ins Crescendo verfallen. Aufhorchen ließ dann die Entdeckerin der fraglichen Virusvariante selbst, Angelique Coetzee, in einem vielrezipierten Interview im britischen Fernsehen. Sie erklärt: „Egal, ob die Patienten jung oder alt waren, egal, ob geimpft oder ungeimpft, egal, ob mit oder ohne Vorerkrankungen, wir sehen milde Verläufe, ohne die Notwendigkeit, die Patienten zu hospitalisieren.“ Damit fällt jeder Grund der Furcht vor dieser Variante weg.

Inzwischen, genauer seit dem 4. Dezember 2021, sinkt die Reproduktionsrate des Virus in Südafrika wieder. Auch die Fallzahlen gehen bereits merklich zurück. Während sich alle vorherigen Wellen in Fall- und Todeszahlen bemerkbar machten, ist dies bei dieser Welle bisher nicht der Fall.

Abb. 3: Fall- und Todeszahlen in Südafrika, Quelle: Our World in Data (Screenshot).

Man sieht nun, ein paar Tage nach der obigen Grafik, dass sich dieser oben erwähnte Befund fortsetzt und die Welle bereits ihren Scheitelpunkt überschritten hat. Erzielt wurde dieser Turn-Around nicht durch irgendwelche Maßnahmen im Land, denn die rechtlichen Einschränkungen, die dort getroffen werden, sind ein Bruchteil dessen, was man etwa aus Österreich oder Deutschland kennt. In Südafrika ist ungefähr jeder Vierte „vollständig geimpft“ und zu Boostern gibt es keine Angaben – man geht sogar davon aus, dass die meisten bis März auf ihre dritte Dosis warten müssen. Die „Welle“ brach also letztendlich einfach so und dies nicht als Welle der Verwüstung, die man aktuell in der westlichen Welt herbeiredet.

Das zeichnet sich bereits auch in Großbritannien ab. Ebenso in Dänemark: Dort gibt es 15.000 Fälle, von denen 0,2 Prozent hospitalisiert wurden und weniger als 0,03 Prozent auf der Intensivstation liegen. In Botswana, dem zentralen, nördlichen Nachbarland Südafrikas zeigt sich das im Kleinen: 15 Fälle mit Omikron, von denen nur drei milde Symptome aufweisen. Alle anderen, unter denen auch vier Ungeimpfte sind, haben keinerlei Symptome.

Nun zurück nach Südafrika: Aus einem Medien-Briefing des dortigen Gesundheitsministeriums geht im Vergleich der Wellen sehr deutlich hervor, dass die Krankenhausaufnahmen während der Omikron-Welle in allen Altersgruppen deutlich zurückgegangen sind.

„Die angeblichen Gefahren, die man zur Implementierung einer Impfpflicht heranzieht, zeigen sich sehr deutlich bei Omikron eben gerade nicht mehr.“

Die Chance auf einen schweren Verlauf oder sogar auf den Tod ist bei Omikron so gering wie bei keiner Variante. Aufgrund vorläufiger Daten könnte die Sterblichkeit um den Faktor 30 reduziert sein. Der Krankheitsverlauf ähnelt in den meisten Fällen einer herkömmlichen Erkältung stark. Also wird es hohe Fallzahlen geben, wie in jedem Winter, und es werden auch Menschen mit, aber eben nur selten wegen, Covid-19 auf die Intensivstationen gelangen.

Wenn sich Omikron als dominierende Variante durchgesetzt hat, wird die Milderung des Verlaufs im Rahmen des Eigenschutzes durch die Impfung für die meisten Menschen noch marginaler sein als sie es zuvor schon war und somit ist die Diskussion um eine Impfpflicht auch nicht mehr sinnvoll zu führen. Die angeblichen Gefahren, die man zur Implementierung einer Impfpflicht heranzieht, zeigen sich sehr deutlich bei Omikron eben gerade nicht mehr. Dass eine natürliche Immunität viel breiter und solider ist als eine erimpfte, ist bei SARS-CoV-2 so wie bei allen vergleichbaren Viren völlig unstrittig. Das erklärt zum Beispiel Dr. Florian Deisenhammer, der die Immunität bereits seit vielen Monaten im Rahmen seiner Tätigkeit an der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht: „In aller Regel ist die durchgemachte Erkrankung aus Immunisierungssicht viel wirksamer als eine Impfung.

Wie sinnlos eine Impfpflicht wäre, sieht man an einer Privatuniversität in den USA. Die hat nämlich bereits eine solche und verzeichnete allein in der vergangenen Woche über 900 positive Testergebnisse – die meisten davon schrieb man Omikron zu. Somit wäre es viel sinnvoller, nun Lockerungen anzustreben und den Ausstieg aus den Zwangsmaßnahmen zu organisieren.