05.12.2016

Gesund bleiben bis ins hohe Alter

Kommentar von Thilo Spahl

Titelbild

Foto: Curtis Mac Newton via Unsplash / CC0

Viele Leute zerbrechen sich den Kopf darüber, wie das Volk gesund gehalten werden kann. Einer Studie zufolge lässt sich das Volk selbst davon nicht übermäßig beeindrucken.

Der Krankenhauskonzern Asklepios hat in einer Studie 1200 repräsentative Bundesbürger befragen lassen, wie sie es mit der Gesundheitsvorsorge im Alltag halten. Die Ergebnisse sind insgesamt eher beruhigend: Die meisten scheinen es mit dem Gesundbleibenwollen nicht unbedingt zu übertreiben und legen keinen großen Wert auf wohlmeinende Ratschläge von Gesundheitspolitikern, Präventionsforschern und Krankenkassen. Nur knapp ein Viertel achtet im Alltag „auf jeden Fall“ bewusst auf die Gesundheit.

Ein paar Ergebnisse geben mir aber doch zu denken. Beunruhigend finde ich, dass von den unter 30-Jährigen nur 63 Prozent ihren Gesundheitszustand als gut bezeichnen. Mehr als ein Drittel der in der Blüte der Jugend Stehenden fühlt sich also nicht besonders gesund. Wie kann das sein? Und noch schlimmer: Nur 45 Prozent dieser jungen Menschen zählen sich zu den „Aktiven“. Und der Rest? Vegetiert vor sich hin?

Auch beim Sport sorgen die unter Dreißigjährigen bei mir für Verwunderung. 45 Prozent von ihnen treiben Sport. Das ist okay. Aber ein Drittel davon hat sich vorher erstmal vom Arzt untersuchen lassen, ob er oder sie auch dazu geeignet ist. Im Ernst? Fitness-Check-Up nennt sich das. 29 Prozent machen sowas angeblich jährlich. Vielleicht sind aber auch in der Umfrage die Begriffe durcheinandergekommen und sie haben gemeint, es sei gefragt worden, ob sie jedes Jahr zum Arzt gehen. Das habe ich mir jetzt, wo ich 50 geworden bin, auch vorgenommen: Einmal im Jahr Blutuntersuchung und beantworten, wie ich mich fühle, ob ich Sport treibe, rauche und Alkohol trinke. Antworten: Sport treiben ja, mit dem Fahrrad zur Arbeit, wenn das zählt. Rauchen nein. Alkohol ja. Im Durchschnitt geht der Deutsche ja 18-mal im Jahr zum Arzt. Das halte ich für mich persönlich für etwas ambitioniert.

„Es scheint eine gewisse Skepsis gegenüber den Volkserziehungsbemühungen von Gesundheitsaposteln zu geben.“

Es gibt aber wie gesagt vor allem erfreuliche Ergebnisse: Nur 31 Prozent befolgen Gesundheitstipps aus Informationskampagnen. Es scheint also noch eine gewisse Skepsis gegenüber den Volkserziehungsbemühungen von Gesundheitsaposteln zu geben. Und tröstlich: Am meisten wird auf den Arzt gehört. 88 Prozent geben an, seinem Rat zu folgen.

Was die Gesundheitsvorsorge im Alltag anbetrifft, scheinen sich die meisten noch nicht kirre machen zu lassen. Die Top drei der konkreten Gesundheitsvorsorge im Alltag sind: Ausreichend Wasser trinken (72 Prozent) und schlafen (67 Prozent) sowie Treppen steigen statt den Fahrstuhl zu nehmen (58 Prozent). Das lässt sich ja alles relativ mühelos bewältigen. Vor allem Nummer Zwei. Nummer Eins, also das Wasser, lässt mich allerdings wieder etwas rätseln. Entweder die Leute haben es angekreuzt, weil sie dachten, diese einfache Maßnahme können sie locker mitnehmen. Das kann keiner so genau überprüfen. Nicht mal man selber, weil man ja gar nicht so genau weiß, wieviel Wasser ausreichend ist. Ich hätte da ohne weiteres auch ein Kreuzchen gemacht, weil ja Bier zu rund 95 Prozent aus Wasser besteht. Oder die Leute trinken wirklich dauernd Wasser und versuchen gar, der Forderung aus dem viel kolportierten Märchen von den drei Litern, die man sich täglich einverleiben solle, nachzukommen. Man beobachtet seit Jahren doch so einige Leute, die Wasserflaschen mit sich herumtragen. Einige davon tun es wahrscheinlich im Bemühen, sich diesem Sollwert zu nähern. Aber ich glaube nicht, dass das viele sind. Vielleicht drei Prozent. Die andern 69 haben einfach Ja gesagt, um einen einfachen Pluspunkt auf der Vorsorgeseite zu haben.

Gesundheits-Apps kommen auf acht Prozent und Fitnessarmbänder auf sechs. Das ist okay. Den Armbändern gebe ich keine große Zukunft. Kaufen oder geschenkt bekommen und mal ausprobieren sind das Eine. Sich dauerhaft davon nerven lassen das Andere. Immerhin sind angeblich 17 Prozent der Nutzer bereit, die Daten auch mit der Krankenkasse zu „teilen“ (brüderlich wahrscheinlich) und nicht meiner Meinung, dass hier der Spaß aufhört. Ich habe mir auch schon mal eine Bauchmuskel-App runtergeladen, was ohne große Anstrengung gelang.