06.08.2015

Eine Kampagne nach NGO-Art

Essay von Georg Keckl

Die Kampagne gegen die Massentierhaltung setzt auf manipulative Tricks. Emotionen ersetzen Argumente. Viele Massenmedien lassen sich vor den Karren der Ideologen spannen. Die Methoden wiederholen sich seit dem Streit um die Shell-Tankboje Brent Spar.

Bei der Debatte um die „Massentierhaltung“ haben große Teile der Bevölkerung inzwischen Mythen als Fakten akzeptiert. Wer es besser weiß, wird affekthaft moralisch verurteilt. Statt einer rationalen Einschätzung der Sachlage wird bedingungsloses Mitgefühl für angeblich misshandelte Tiere gefordert – und eine bedingungslose Verurteilung ihrer angeblich großkapitalistischen Peiniger. Dabei stimmt beides nicht. Die meisten der über 200.000 viehhaltenden Betriebe in Deutschland sind tatsächlich Einzelunternehmen, häufig Familienbetriebe. 1 Es ist also der Mittelstand, den Tierrechtler im Visier haben. Im Gegensatz zu ihrem Selbstverständnis kämpfen die Öko-Aktivisten nicht gegen die „Großen“ – ihre Fehlinformationen und manipulativen Kampagnen schaden den kleinen Leuten. Weiter unten wird aufgezeigt, wie Tierrechtler darauf setzen, dass die Öffentlichkeit nicht mit dem bestehenden Tierschutzgesetz vertraut ist – und noch nie einen Fuß in einen landwirtschaftlichen Betrieb gesetzt hat.

Das Strickmuster solcher Kampagnen wird bei einem Vergleich mit der schon 20 Jahre zurückliegenden Greenpeace-Aktion um die geplante Versenkung der Shell-Tankboje Brent Spar deutlich. Erfolgreiche NGO-Kampagnen verlassen sich regelmäßig auf bestimmte manipulative Methoden. Dazu gehören die extreme Vereinfachung des jeweiligen Sachverhalts, maßlose Übertreibungen, eine dramatische, die Gefühle ansprechende Bildsprache und schließlich das Einbetten der Massenmedien. Diese werden als Multiplikatoren oder sogar als Mit-Aktivisten benutzt – und lassen dies häufig auch zu. Am Ende einer erfolgreichen Kampagne hat die Öffentlichkeit eine andere Meinung zum jeweiligen Thema – eine, die schlicht und ergreifend falsch ist, ganz egal, mit welchem ideologischen Hintergrund man die Sachlage betrachtet.

Die Kampagne „Das Meer ist keine Müllkippe“

Die Brent Spar war ein ausgedientes, abgepumptes, schwimmendes Öllager im Besitz der britischen Shell und Esso. Sie dümpelte auf dem „Brent“-Ölfeld im britischen Teil der nördlichsten Nordsee zwischen den Shetland-lnseln und Norwegen umher, hatte die Form einer riesigen Tonne, einer Schwimmboje. Greenpeace bezeichnete die Boje stets als „Ölplattform“ 2, um sprachlich eine Verbindung mit den viel größeren Ölbohrplattformen herzustellen. Die britische Regierung erlaubte nach eingehenden Prüfungen und mehreren Gutachten im Jahr 1995 die Versenkung der Tankboje in tiefen britischen Hoheitsgewässern, weitab jeder deutschen Küstenlinie. Das war öffentlich bekannt, Shell UK teilte die Details dazu auch bereitwillig Greenpeace mit. Greenpeace sah die Chance, die Versenkung als große Umweltverschmutzung darzustellen. Dafür waren jedoch einige Tricks nötig:

1) Problem erfinden: Der Spiegel beschrieb das Motto: „Die Gutachten seien gekauft. Was an Land gebaut wird, muss wieder ans Land zurück. Kein Kind wirft eine Dose in den Dorfteich – doch Shell versenkt eine Plattform.“ 3 Das Leitmotiv der Kampagne wurde „Das Meer ist keine Müllkippe“. Die verbliebene Menge der Ölreste in der Brent Spar spielte weniger eine Rolle 4, es ging um die scheinbar heimliche „Müllentsorgung“ eines reichen Bösewichts in unseren Meeren. Ob eine Versenkung der Brent Spar umweltschonender, für die Meeresfauna nützlich und für die Menschen ungefährlicher als eine Verschrottung des Monsters an Land gewesen wäre, wie es die britischen Behörden sahen, wurde ausgeblendet. Hamburg wurde zum Ausgangspunkt der Aktionen. Von hier aus schipperten die Aktivisten zu den Shetlands, kletterten auf die verlassene Boje und dekorierten sie mit Spruchbändern. Leider griffen die Medien den Betriebsausflug nicht auf. Die Aktion wäre aus finanziellen Gründen beendet worden, wenn Shell UK die Boje ein weiteres Jahr dort dümpeln gelassen und sie erst nach Abzug von Greenpeace versenkt hätte. Aber Shell UK fühlte sich provoziert und schickte noch rechtzeitig große Schiffe, Wasserwerfer und Polizei zur Räumung der Plattform.

„Die ‚Gut gegen Böse‘-Show brachte so viel Quote, dass sich Medienvertreter vom Missionsgeist der Aktivisten anstecken ließen“

2) Moralgeschichte erzählen: Mit der Räumungsaktion hatte Greenpeace die Bilder, die es für die medienwirksame Einfach-Mär brauchte: Der böse Industriekonzern Shell hat die dumme britische Regierung samt korrupter Berater beeinflusst, das schmutzige Ding im sauberen Meer zu versenken, statt es zur Recyclingtonne zu bringen. Nun rissen sich die Medien um Bilder und Mitfahrgelegenheiten bei Greenpeace. Alle Nachrichten starteten wochenlang mit dem Thema und den passend gelieferten Bildern dazu. Der Proteststurm in Deutschland und angrenzenden Ländern wurde zum medialen Orkan.

3) Maßlos übertreiben: Mit den ersten Action-Bildern setzte eine atemlose „Kriegsberichterstattung“ ein. Es ging nicht mehr um die bestmögliche Entsorgung der Boje. Es ging um die Rettung unserer Meere. Als Greenpeace falsche Zahlen über riesige Ölreste in der Boje veröffentlichte und Shell Lügen vorwarf, wurde die Position von Shell unhaltbar.

4) Emotionalisieren mit dramatischen Bildern: Im Spritznebel der Wasserwerfer gelang es einem Greenpeace-Hubschrauber, die Boje neu zu besetzen, gefilmt wie für einen Hollywood-Blockbuster. Viele Kunden tankten nach entsprechenden Boykottaufrufen nicht mehr bei Shell, die Kirchen schlossen sich dem Protest an.

5) Medien „einbetten“: Die „Gut gegen Böse“-Show im Nordatlantik brachte so viel Quote und Auflage, dass sich die Medienvertreter auf dem Greenpeace-Schiff vom Missionsgeist der Aktivisten anstecken ließen, sie wurden erfolgreich „embedded“ 5, also eingebunden, wie man das heute nennt. Als schließlich die Emotionen so hochkochten, dass die erste Shelltankstelle in Hamburg angezündet wurde und sogar Tote zu befürchten waren, kam ein erster Moment der Überlegung in die Kampagne. Aus pragmatischen Gründen dachte man darüber nach, die Berichterstattung abebben zu lassen.

6) Öffentliche Meinung verändern: Niemand interessierte sich mehr für die Argumente von Shell, es wurde nur noch negativ über die Firma berichtet. Lediglich die britische Regierung mit dem uncharismatischen Premierminister John Major beharrte bis zuletzt auf der Versenkung als vernünftigster Entsorgung. Die deutsche Umweltministerin Angela Merkel merkte schon damals schnell, woher der Meinungswind blies und schloss sich der Forderung der NGOs an. Shell UK zog die Notbremse und gab bekannt, dass die Boje in einem norwegischen Fjord verschrottet werden soll, was allgemein als Sieg von Vernunft und Moral gefeiert wurde.

Bei den Siegesfeiern lagen sich Medien und Umweltschützer auf dem Greenpeace-Schiff mit Freudentränen in den Armen. Nach dem Rausch befiel manche Medien ein Katzenjammer. Hatte man sich zu stark von den netten, jungen, attraktiven Greenpeaceleuten vereinnahmen lassen? Wäre es für Umwelt und Menschen vielleicht doch besser gewesen, die Boje zu versenken? Was sagten eigentlich die Gutachten? Die ZEIT brachte im Jahr 1997 sogar die Überschrift „Versenkt die Brent Spar“ 6, denn Greenpeace „hatte genau das getan, was sie dem Multi vorwarf: aus Eigeninteresse der Wahrheit den Kragen umgedreht“. Auch Greenpeace merkte, dass der Sieg zu total sein könnte, insbesondere als die norwegischen Behörden auf der nun eben nicht versenkten Boje nachmessen konnten und feststellten, dass die Greenpeace-Zahlen zu den Restölmengen falsch und die von Shell richtig waren.

„Greenpeace benutzte das Meer selbst schon als ‚Müllkippe‘“

Um weiteren Imageschaden zu vermeiden, hat sich Greenpeace schnell für den „Messfehler“ bei Shell entschuldigt. Einige Medien berichteten sogar, dass es natürlich sprudelnde Ölquellen in der Tiefsee gibt, dass es für die Umwelt sinnvoll sein kann, Schiffe zu versenken, statt sie verschrotten zu lassen. Vor Gibraltar lässt die britische Regierung, sehr zur Freude der Meeresschützer, alte Schiffe reihenweise versenken 7. So entsteht ein künstliches Riff mit vielen Meeresbewohnern. Greenpeace hatte das Meer selbst schon als „Müllkippe“ benutzt, versenkte es doch acht Jahre (1987) vor Brent Spar ihr von den Franzosen beschädigtes Schiff Rainbow Warrior in der Südsee 8, statt es im Hochlohnland Neuseeland an Land verschrotten zu lassen. Große Teile der Brent Spar sind im Jahr 1999 übrigens doch noch versenkt worden. Die Metallringe bilden das Fundament eines Fähranlegers bei Stavanger 9.

Kampagne zur „Massentierhaltung“

Das Story-Fundament aller Öko-Kampagnen ist der Mythos von der heilen Wildnis, die insbesondere Großunternehmen angeblich zerstören. Das vom Menschen ungenutzte Meer stellt man sich als irgendwie „rein“ und „natürlich“ vor. Sobald der Mensch es für sein Leben nutzt, gilt es als „verschmutzt“, auch in Fällen wie Brent Spar, die es gar nicht im herkömmlichen Sinne verschmutzt hätte. Der Mensch tut bei der Förderung von Rohstoffen und der Massenproduktion dabei nichts anderes, als das, was er für sein Überleben tun muss. Er fördert und produziert, was die vielen Milliarden Menschen auf dem Planeten benötigen. Wir brauchen große Mengen Öl und sehr viele Tiere, weil es sehr viele Menschen gibt – wie die Öko-Aktivisten mit ihrer Kritik an einer „Überbevölkerung“ selbst betonen. Öko-Aktivisten fordern in der Regel nicht den offenkundig katastrophalen Total-Verzicht auf die Naturnutzung, sondern eine deutliche Reduktion. Wenn man dem Meer schon Fische entnimmt, sollte man wenigstens nichts hineinwerfen. Wenn man schon Tiere für ihr Fleisch hält, dann wenigstens nicht zu viele.

„Wenig später bot Frau Höhn die einfache Lösung an, auf die sich alle begeistert einigten“

Die Kampagne gegen die Massentierhaltung geht nicht von einer bestimmten NGO aus, auch wenn die veganen Tierrechtsorganisationen mit ihren Aktionen und Bildern die publizistische Speerspitze der Kampagne stellen. Es ist eine inzwischen sehr breite Bewegung mit vielen überzeugten Aktivisten und noch mehr opportunistischen oder modischen Mitläufern. Das Grundmuster der Kampagne ist einfach und der mediale Sieg beinahe vollkommen. Moderne Massentierhaltung gilt als Tierquälerei, vorher ging es den Tieren angeblich besser. Beispielhaft war das Kampagnenstrickmuster in der ARD-Talksendung Hart aber Fair vom 15.06.2015 mit dem Thema „Fleischesser am Pranger – kommt jetzt das Ende der Wurst?“ zu erkennen 10. Die Sendung wurde von ca. vier Millionen Zuschauern 11 verfolgt. Sie hat ein hohes Ansehen, gilt als fair und korrekt.

Freie Fahrt für Demagogie

In der Anmoderation meinte Herr Plasberg: „Und man weiß es ja auch, Tiere aus Massenhaltung, die leben kurz und mies“. Dabei dürfte niemand im Studio gewesen sein, der die moderne Tierhaltung kennt. Etliche Zeitungen kritisierten immerhin, dass nur noch über die „Massentierhalter“ geredet wurde, nicht mit ihnen 12. Bärbel Höhn, die Umwelt- und Verbraucherschutzexpertin der Grünen, gab ab der Sendeminute 31 das vertraute Kampagnenmuster mit einer humorvollen Bettgeschichte rhetorisch gekonnt zum Besten: „Wenn sie gucken, wieviel Platz lassen wir einem Schwein: Für ein großes Schwein von 110 kg, das weiß jeder, wer auch mal jemanden mit 110 kg gesehen hat, das ist ein Gewicht, da gibt es 0,75 Quadratmeter. Jetzt kucken sie mal Ihr Bett zu Hause, ein Meter mal zwei Meter, nicht das Ehebett, sondern ein Einzelbett, da müssen Sie sich vorstellen, in diesem Bett, ein Meter mal zwei Meter, gibt es drei Schweine von 110 kg. Und ich finde drei Schweine im Bett ist zu viel.“ Die üblichen Kampagnenstrategien der NGOs lassen sich anhand der Sendung nachvollziehen:

1) Problem erfinden: Drei dicke Personen in einem Einzelbett, das geht doch nicht! Das geht allerdings auch bei Schweinen nicht. Die falsche Rechnung fiel nicht auf: Drei Schweine mit je 0,75 Quadratmetern passen rein mathematisch nicht in ein zwei Quadratmeter großes Einzelbett. Das einfache Horrorbild bestimmte den weiteren Verlauf der Diskussion.

Wenig später bot Frau Höhn die einfache Lösung an, auf die sich alle begeistert einigten 13, Zitat: „Und Bio ist die Voraussetzung, dass es ein Quadratmeter für ein 110 Kilogramm Schwein ist, da sind eben zwei Schweine in einem Bett. Ist OK, habe ich immer gesagt.“ Wirklich empörend, dass die bösen Landwirte so am Platz für die unschuldigen Schweine knausern! FAZ Online schrieb dazu: „Den fünf Gästen gelang es, sich in der Diskussion über notwendige Standards in der Nutztierhaltung auf eine gemeinsame Sicht zu einigen, sie konnten gemeinsam ein Konzept entwickeln, hinter das sich mit Sicherheit auch die Masse der Zuschauer stellen würde.“ 14 Also, drei Schweine in einem Einzelbett ist Quälerei und zwei 110-Kilogramm-Schweine in einem Einzelbett ist „artgerechte Haltung“?

Natürlich haben die Tiere mehr Platz, als Frau Höhn das verfälschend darstellt. Von 50 Kilogramm bis 110 Kilogramm müssen die Tiere mindestens 0,75 Quadratmeter Platz pro Tier haben. Bei Halbwüchsigen ist das ausreichend, aber bei den 110-Kilogramm-Tieren sorgen weitere gesetzliche Vorschriften für mehr Platz. Die Schweine müssen gleichzeitig ungehindert liegen, aufstehen, sich hinlegen und eine natürliche Körperhaltung einnehmen können. Jedem Schwein ist jederzeit Zugang zu gesundheitlich unbedenklichem und in ausreichender Menge vorhandenem Beschäftigungsmaterial zu ermöglichen. Verstößt der Landwirt gegen diese gesetzlichen Platzvorschriften 15, macht er sich strafbar. Wenn es zu eng in der Bucht werden würde, würden schwächere Tiere verhungern und verdursten, weil sie nicht an das Wasser und das Futter kämen, oft von stärkeren Tieren weggebissen würden, die nicht gestört werden wollen. Das hält kein Schwein physisch und psychisch aus. Und den Tierhaltern würde es auch wirtschaftlich schaden.

„Es ist rentabler, die Tiere leiden zu lassen, als den Biostatus durch eine Antibiotikabehandlung zu verlieren“

3) Maßlos übertreiben: Natürlich wäre die Folgen so einer tierquälerischen Haltung nach dem Bild von Frau Höhn für Gesundheit und Wohlbefinden der Schweine katastrophal. Frau Höhn: „Also ich verstehe, dass Sie eine hohe Qualität haben und Ihre Lieferanten genau ankucken, aber wenn wir sehen bei Untersuchungen, auch in NRW, wo 90 Prozent der Tiere Antibiotika bekommen haben, und die sollen sie eigentlich nur kriegen, wenn sie krank sind, das heißt 90 Prozent der Bestände sind krank, ja. Da will ich doch von solch kranken Tieren kein Fleisch. Ich will doch genau, dass es denen gut geht, und deshalb finde ich, müssen wir etwas gegen diese Haltungsform, die so viel Medikamenteneinsatz erfordert, müssen wir etwas tun.“

Wenn Sie – oder ein Tier – krank sind und Antibiotika bekommen, heißt das nur, dass da mal eine Krankheit war, nicht dass „90 Prozent der Tiere krank sind“. Biotiere bekommen weniger Antibiotika – und auch darum sterben sie häufiger. Sie sind nicht gesünder. Sie werden nur weniger behandelt. 16 Konventionelle Tierhalter drängten ihre Tierärzte bisher eher, schneller Antibiotika zu geben, damit die Tiere auch bei unklaren Symptomen eventuell schneller wieder gesund werden. Biobetriebe zögern das eher hinaus. Es ist rentabler, die Tiere leiden zu lassen, als den Biostatus durch eine Antibiotikabehandlung zu verlieren. 17 Der Gesundheitsstatus von Bio-Schlachttieren, die es bis dahin überlebt haben, ist nicht besser, oft schlechter als der von Tieren aus konventioneller Haltung. 18

4) Emotionalisieren mit dramatischen Bildern: Aus dem Mastbereich konnten natürlich keine Bilder à la Höhn gefunden werden, darum nun ein Schwenk in die Zucht. Die Gruselbilder lieferte ein Einspielfilm: dicke Sau, eingezwängt in einen SM-artigen Käfig mit süßen Ferkeln ringsum. Tobias Fülbeck von der Huffington Post schrieb dazu: „Damit die Sau sich nicht ‚plumpsen‘ lässt, damit nicht ‚ganz viele‘ Ferkel erdrückt werden, verteidigt Schweinemäster Niels Schilling die Eisenstangen-Fixierung, die an eine perfide Vorrichtung aus der Horror-Reihe Saw erinnert.“ 19 Das Ding mag für den Laien wie ein Folterinstrument ausschauen, es ist aber ein Lebensrettungsinstrument.

Das „Folterinstrument“ ist auch in Biobetrieben zugelassen, was schon böse Kommentare verursachte. 20 Wenn die Sau ihre Ferkel erstickt, ist das Tierquälerei, weil man es oft mit dem Ferkelschutzkorb verhindern kann. Da geht es um eine Moralabwägung: Entweder während der kurzen Zeit, wo die Ferkel noch zu klein und tapsig sind, die Muttersau in den Käfig stecken oder Ferkel qualvoll ersticken lassen. Der Korb ist so konstruiert, dass die Sau sich nur langsam und umständlich ablegen kann. So haben mehr Ferkel unter ihr Zeit zum Weglaufen.

5) Medien „einbetten“ und 6) die öffentliche Meinung verändern. Wenn Herr Plasberg in der Anmoderation schon als Wahrheit verkündet: „Und man weiß es ja auch, Tiere aus Massenhaltung, die leben kurz und mies“, dann ist das Endziel der Kampagne, über „eingebettete“ Medienvertreter einen Bewusstseinswandel ohne kritische Reflektion zu bewirken, schon erreicht worden. Ein noch besseres Beispiel für die erfolgreiche Medieneinbettung findet sich in der Kritik zu der Sendung in der Online-Ausgabe der FAZ. Dort ist zu lesen: „Für diesen Verbraucher bot die Sendung einen leichten Zugang, sich mit einer Thematik auseinanderzusetzen, die nicht nur dann brisant ist, wenn gerade irgendwo ein Dioxin-, ein Ehec- oder ein Pferdefleischskandal für Schlagzeilen sorgt.“ 21 Es ist der absolute Kampagnenerfolg, wenn die Medien selbst Skandale, die nichts mit Fleisch und der Massentierhaltung zu tun haben, nun diesen anlasten. An Ehec sind besonders Veganerinnen und Vegetarierinnen gestorben, es war der größte Lebensmittelunfall der Nachkriegsgeschichte mit 53 Toten und tausenden Erkrankten, kam aber nun gerade aus dem Bereich der jungen, veganen Landwirtschaft. Da wird nicht mal mehr mit Mist gedüngt, weil Mist ja von Tieren kommt.

„Man muss nur so tun, als würde man sich auf der moralisch vermeintlich richtigen Seite befinden“

Die Krönung des Kampagnenerfolges lieferte Bild unter der Schlagzeile: „Gaga-Talk bei Hart aber fair“ 22 Wer nun meint, Bild hätte für die Fleischesser-Mehrheit in ihrer Leserschaft eine Bresche geschlagen, stellt verwundert fest, dass hier gegen das angebliche Ziel der Sendung, „das Gewissen der Fleischesser zu beruhigen“ protestiert wurde: „Die bekannt massiven Umweltschäden und das Tierleid durch die Massentierhaltung“ wären nicht ausreichend zur Sprache gekommen, die Sendung wäre das „Wurst-Case-Szenario“ gewesen. Peta hat das postwendend auf der Twitter-Seite des Autors lobend kommentiert: „Hui. Von diesem @Bild Kommentar können wir SEHR viel unterschreiben!“

Mission erfolgreich

Bärbel Höhn von den Grünen hat schon öfter die Wut der Bauern auf sich gezogen. Ist es verwunderlich, dass die Grünen von allen in einem deutschen Landtag vertretenen Parteien die wenigsten Stimmen von Landwirten erhalten? Dabei gehört Landwirtschaft zu ihrem Markenkern. Damit wollen sie in den Bundestagswahlkampf. Tatsächlich wählen nicht mal Biobetriebe nennenswert Grün 23. Dafür ist der Anteil der Landwirte, die die Grünen ob dieser rhetorischen Überlegenheit und juristischen Tricksereien ablehnen, sehr hoch. Trotzdem ist festzustellen, dass Frau Höhn das Kampagnenziel von der „Vereinfachung“ über die „Emotionalisierung“ bis zur Einbettung vieler Journalisten vor einem Millionenpublikum maximal erreicht hat.

Leider zeigen die Beispiele von Brent Spar und der Massentierhaltung, dass sich Öko-Aktivisten so ziemlich alles erlauben können, ohne dass Massenmedien und Öffentlichkeit eine kritischere Auffassung von ihnen entwickeln würden. Sie mögen ihre Fehler haben, kämpfen aber für „eine gute Sache“, glaubt man. Sie kämpfen nicht für eine gute Sache.