19.01.2015

Verbot gehört in den Papierkorb

Kurzkommentar von Horst Rehberger

Bundesumweltministerin Hendricks fordert ein gentechnikfreies Deutschland. Währenddessen hat man in England die Vorteile der grünen Gentechnik erkannt und will den kommerziellen Anbau zulassen. Die Wissenschaft gibt den Briten Recht.

Die grüne Gentechnik soll in Deutschland lückenlos verboten werden. Das forderte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks anlässlich der Grünen Woche in Berlin. Nach einem Beschluss der EU können Regierungen nun gentechnisch veränderte Pflanzen, die auf EU-Ebene zugelassen wurden, auf ihrem Territorium verbieten. Solch ein „Opt-Out“ will Hendricks für Deutschland gesetzlich festlegen. „Die grüne Gentechnik hat sich als Holzweg erwiesen“, so die Bundesumweltministerin in einem Positionspapier. [1]

Man fragt sich, ob in der Bundesregierung die eine Hand weiß, was die andere tut. Eine Broschüre des Forschungsministeriums zog vor kurzem eine Bilanz zur biotechnischen Sicherheitsforschung. Das Fazit der mit vielen Millionen Euro geförderten Wissenschaftler und ihrer zahlreichen Studien: Es gibt keine besonderen Umweltrisiken bei gentechnisch veränderten Pflanzen. Im Gegenteil. Trocken- oder salztolerante Pflanzen werden die Menschheit in die Lage versetzen, den Herausforderungen des Klimawandels wirksam zu begegnen. Und der Goldene Reis, von Greenpeace und Grünen seit vielen Jahren von Deutschland aus weltweit bekämpft, wird dafür sorgen, dass Vitamin-A-Mangel, die Ursache von Blindheit und Tod hunderttausender Menschen, noch in diesem Jahrzehnt wirksam bekämpft werden kann.

„Die Haltung der Bundesregierung zur grünen Gentechnik ist schizophren“

Die Haltung der Bundesregierung zur grünen Gentechnik ist schizophren: Gentechnisch veränderte Futtermittel werden seit vielen Jahren importiert. Rund 80 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland kommen mit der Gentechnik in Berührung, bevor sie gekauft und verzehrt werden. Gentechnisch veränderte Nutzpflanzen dürfen hier trotzdem nicht angebaut werden. Die Opt-Out-Strategie ist Balsam für den Zeitgeist; sie ist kein wirksames Rezept für eine wissensbasierte Wirtschafts- und Umweltpolitik.

Deutschland, das Land, in dem die grüne Gentechnik groß wurde, koppelt sich so vom wissenschaftlichen Fortschritt ab. Anders als England, wo bis Frühling 2015 der kommerzielle Anbau genetisch modifizierter Pflanzen legalisiert werden soll. Lord de Mauley, britischer Umweltminister, bezeichnet Biotechnologie als „zentral für die Agrarwirtschaft des 21.Jahrhunderts“ [2] und spricht sich für Forschung und Anbau aus. Angesichts der wirtschaftlichen und humanitären Möglichkeiten sei ein Verbot schlicht regressiv.

Das hat der Regierungspartner der SPD schon erkannt. Die CDU beschloss auf dem Bundesparteitag Anfang Dezember in Köln, dass eine sachliche Diskussion darüber nötig sei „wie grüne Gentechnik helfen kann, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.“ Genannt wird neben der Trockenheits- und Salzresistenz von Pflanzen die Nutzung von Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe für umwelt- und klimafreundliche Produkte. Auch an deutschen Hochschulen und Wissenschaftsinstituten solle Forschung in diesem Bereich „möglich sein und gefördert werden.“ Deshalb darf man hoffen, dass die Initiative der Umweltministerin zum Verbot der grünen Gentechnik schlussendlich dort landet, wo sie hingehört: im Papierkorb.