21.02.2017

Das wundersame Schrumpfen der Schokoriegel

Kommentar von Rob Lyons

Titelbild

Foto: riteshman via Pixabay / CC0

Staatliche Zuckerbekämpfung kann darauf hinauslaufen, dass man fürs gleiche Geld weniger Schokolade erhält.

Die Kreuzritter der Volksgesundheit haben sich neuerdings den hehren Kampf gegen den Zucker auf die Fahnen geschrieben. Nun zeichnet sich einmal mehr das Resultat ab: Die Verbraucher zahlen am Ende drauf, aber einen gesundheitlichen Vorteil bekommen sie dafür nicht.

Die britische Gesundheitsbehörde PHE übt Druck auf die Lebensmittelhersteller aus, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu reduzieren.Das ideale Ergebnis sei eine „Neuformulierung“, also die Herstellung genau derselben Produkte, aber schlicht mit weniger Zucker. Diese Aufgabe ist allerdings alles andere als trivial zu lösen. Wie reduziert man die Zuckermenge in einem Schokoriegel – also ein ausgesprochen zuckerreiches Produkt –, ohne gleichzeitig dessen Geschmack und Beschaffenheit negativ zu beeinflussen? Die Antwort lautet: nicht ohne Schwierigkeiten.

Eine Möglichkeit bestünde in der Verwendung von Süßstoffen. Diese schmecken allerdings nicht genau wie Zucker, und viele schätzen sie deshalb nicht. Während es noch vergleichsweise einfach ist, Süßstoff in ein Erfrischungsgetränk wie Cola light zu mischen, ändert er jedoch durchaus die Textur – das „Mundgefühl“ – des Getränks. Bei einem Stück Schokolade, das zu einem hohen Prozentsatz aus Zucker besteht, stellt dies offensichtlich eine noch deutlich größere Herausforderung dar.

„Sobald diese Maßnahme gescheitert ist, werden die Gesundheitsspinner weitere Schritte verlangen“

Allerdings wurden diesbezüglich bereits Fortschritte gemacht. Der Lebensmittelriese Nestlé, Hersteller von zum Beispiel KitKat und Aero, ließ Ende letzten Jahres verlauten, man habe Unsummen in die Forschung investiert und schließlich eine Lösung gefunden, wie auch mit einer geringeren Menge Zucker das gleiche Erlebnis von Süße erzeugt werden kann. Die praktische Anwendung im Produkt könne sich allerdings als recht schwierig erweisen.

Dies führt uns geradewegs zu einer anderen Möglichkeit, Zucker einzusparen: die Verringerung der Portionsgröße. So verwundert es nicht, dass Nestlé nun eingeräumt hat, die Forderungen der PHE können auch erfüllt werden, indem man die Schokoriegel einfach kleiner macht. Ein ähnlicher Fall hatte früher bereits hitzige Diskussionen ausgelöst. Der Hersteller Mondelez kündigte Ende letzten Jahres in Großbritannien an, den Abstand zwischen den Zacken seiner Toblerone-Schokolade zu vergrößern, um deren Gewicht zu verringern. Der Grund dafür sei allerdings nicht die Gesundheit, sondern u.a. steigende Rohstoffpreise. Nichtsdestotrotz führte die Ankündigung zu einer Welle der Empörung, die verdeutlicht, mit welcher Verärgerung Schokoladenliebhaber auf das Schrumpfen ihrer favorisierten Produkte reagieren können.

Lässt man bahnbrechende technologische Durchbrüche einmal beiseite, wird das Ziel der Zuckervermeidung wohl dazu führen, dass wir weniger Schokoriegel für unser Geld bekommen. Die Auswirkungen all dessen auf die Gesundheit werden verschwindend gering sein. Das Zurechtstutzen eines Vierer-KitKat (213 kcal) um 20 Prozent verringert die Kalorienaufnahme um kaum mehr als 40 kcal, das entspricht etwa einer Viertelscheibe Toastbrot mit Butter. Unser Leben wird um dieses bisschen weniger lebenswert sein, ohne erkennbaren Nutzen.

In Deutschland arbeitet die Bundesrgierung übrigens an einer entsprechenden „Nationalen Reduktionsstrategie“. Sobald sich dann am Ende herausgestellt hat, dass diese Maßnahme bei der Bekämpfung der Fettleibigkeit krachend gescheitert ist, werden die Gesundheitsapostel wiederkommen und weitere Schritte einfordern. Vielleicht sollten sich die Zuckerfanatiker mal einen einschlägigen Werbeslogan zu Herzen nehmen: „Have a break“.