22.01.2016

Nicht viel trinken, bis der Arzt kommt

Kommentar von Rob Lyons

In Großbritannien gelten neue gesundheitsbehördliche Richtlinien für den Alkoholkonsum. Wieder einmal wurde die empfohlene Höchstmenge willkürlich heruntergesetzt. Ein Angriff auf unsere Gesundheit als auch Freiheit.

Es ist Freitag, das Wochenende steht bevor. Doch bevor ich das herrliche erste Feierabendbier in Händen halte, muss ich zu einem Werk greifen, das gleichermaßen absurd, bizarr, komisch, possenhaft, aberwitzig, widersinnig, grotesk und lächerlich ist. All diese Vokabeln beschreiben treffsicher die neuen Richtlinien für Alkoholkonsum [1], die jüngst von den obersten Gesundheitsbeamten Großbritanniens (Chief Medical Officers) herausgegeben worden sind.

Diesen „führenden Medizinern“ zufolge soll es gefährlich sein, regelmäßig mehr als zwei Einheiten Alkohol pro Tag zu trinken. Zur Klarheit: Das entspricht einem großen Glas relativ schwachen Biers oder einem einzigen Glas Wein. Mit anderen Worten, einer lächerlich kleinen Menge Alkohol. Ein so banales bisschen Alkohol, von dem man nicht mal im Ansatz beschwipst wird, kann man sich gleich sparen und abstinent bleiben.

Die für das Austeilen von Gesundheitsratschlägen zuständigen Quacksalber behaupten nämlich, dass jedes noch so geringe Maß an Alkohol das Krebsrisiko erhöhen kann. Ungemein großzügig, wie sie eben sind, üben sie jedoch Nachsicht mit uns und legen nahe, dass bis zu 14 Einheiten pro Woche – mittlerweile wird für Männer und Frauen die gleiche Menge empfohlen – so „ungefährlich“ seien wie andere normale Aktivitäten (z.B. Autofahren). In Deutschland liegt der einschlägige Wert für Männer etwas unter aktuellem britischem Niveau, der für Frauen sogar deutlich niedriger.

„Maßvolle Trinker leben länger als Abstinenzler“

Donnerwetter, herzlichen Dank. Die Botschaft von oben lautet also, dass man in einem Rahmen trinken darf, der sich in einem Bereich bewegt wie die ganz und gar ungefährlichen Aktivitäten. In Wahrheit aber besteht hinreichender Anlass zu der Annahme, dass ein maßvoller Alkoholkonsum unserer Gesundheit insgesamt durchaus zuträglich sein kann. Die neuen Richtlinien stellen das als unzutreffend hin und geraten so in Widerspruch zu einer Fülle gegenteiliger Forschungsergebnisse. Diesen zufolge leben maßvolle Trinker länger als Abstinenzler.

Im Leben geht es allerdings um mehr als nur um die Vermeidung des Todes. Alkohol ist der Treibstoff etlicher Annehmlichkeiten, von der ruhigen Entspannung am Ende eines harten Tages bis hin zur feuchtfröhlichen Nacht, wenn man mit Freunden einen draufmacht. Warum sollten wir uns mit dem Fingerhut an Alkohol, den die Strenggläubigen zubilligen, bescheiden, wenn uns ein weiteres Glas so viel mehr Freude bereiten würde?

Die eigentliche Gefahr bedroht dabei nicht unsere Gesundheit, sondern unsere Freiheit. In einem ersten Schritt wird per Richtlinie festgelegt, was denn ein „verantwortungsvolles“ Maß des Trinkens sein soll. Als zweiter Schritt – wenn die Menschen diese Richtwerte sinnigerweise ignorieren – wird mit lauter Fanfare gefordert, dass „etwas unternommen werden muss“. Üblicherweise beinhaltet das den Schutz „unseres Gesundheitssystems“ vor den Kosten, die – in diesem Fall – die Alkoholkonsumenten angeblich verursachen, wobei die massiven Steuern, mit denen sie bereits zur Finanzierung des Gesundheitswesens beitragen, geflissentlich übersehen werden. Und der dritte Schritt besteht in staatlichen Maßnahmen: höhere Steuern, Mindestpreise, noch größere und erschreckendere Warnhinweise, rigoroses Vorgehen gegen jüngere Alkoholtrinker usw.

Daher bringen diese Richtlinien, obgleich sie zweifellos eine Mischung aus Verwunderung und Heiterkeit hervorrufen werden, ernsthafte Risiken mit sich. Ähnlich wie Raucher allzu oft zu ihrem Schaden feststellen mussten, könnten die Schergen der Volksgesundheit bald schon das Ende unseres Rechts einläuten, uns einen Drink zu genehmigen, wenn uns der Sinn danach steht