21.05.2021

Etwas ist faul im Gesundheitsstaate

Von Klaus Alfs

In seinem Buch „Der Staatsvirus“ geht der Arzt Gunter Frank der Coronapolitik auf den Grund. Er deckt auf, was in ‚normalen‘ Zeiten mehr als einen Aufschrei hervorgerufen hätte.

Gunter Frank ist Allgemeinmediziner mit Hausarztpraxis in Heidelberg sowie Autor zahlreicher Artikel und Bücher. Unter anderem hat er das Buch „Schlechte Medizin" geschrieben, das ich sehr empfehlen kann. Bis vor einigen Jahren war er noch in Fernseh-Talkshows präsent, scheint allerdings bei den Sendern inzwischen als persona non grata zu gelten. Wikipedia verleumdete ihn als „rechten Verschwörungstheoretiker“, doch Frank konnte erwirken, dass der entsprechende Passus wieder gelöscht wurde. Solche tadelnden Einträge ins Internet-Klassenbuch sind nämlich kein Pappenstiel, sondern zielen auf die gesellschaftliche Ächtung und ökonomische Vernichtung der betroffenen Personen.

Wer, wie ich, viele Texte und Bücher von Gunter Frank gelesen hat, findet darin keine Spur von rechten Verschwörungstheorien, sondern glasklare, nüchtern vorgetragene Argumentationen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau, die für jeden Laien verständlich sind. Frank schafft es, alles Wesentliche zu einem Thema zu sagen, ohne sich dabei in Details zu verlieren. Hinzu kommt eine in jeder Zeile spürbare Humanität, ein wirkliches Interesse am Wohlergehen der Menschen. Für mich ist Frank der Inbegriff einer integren Person und ein Arzt, wie man ihn sich nur wünschen kann – 100 Prozent vertrauenswürdig.

Seit März 2020 veröffentlicht er auf der Achse des Guten Berichte und Zwischenrufe zur Coronalage. Bereits in den ersten Berichten waren im Kern alle Kritikpunkte enthalten, die im Verlauf des galoppierenden Wahns immer bedeutsamer wurden. Nun hat er seine Gedanken zur Corona in einem Buch zusammengefasst. Es handelt sich dabei aber nicht um eine Sammlung der bereits veröffentlichten Berichte, sondern um ein neu geschriebenes, enorm gut strukturiertes Werk. Auf knapp 200 Seiten – gegliedert in drei logisch aufeinander aufbauende Blöcke – erfahren die Leser alles, was sie über Corona wissen müssen, um voll im Bilde zu sein.

„Es drängt sich die Frage auf, was zum Teufel mit der Gesellschaft los ist, dass sie den Fehlalarm partout nicht als solchen erkennt und die selbstfabrizierte Misere mit immer höheren Dosen toxischer Mittel bekämpft.“

Nach guter wissenschaftlicher Sitte wird dort nacheinander untersucht, was der Fall ist, wie gehandelt wird und was diese Handlungen motiviert. Im ersten Teil werden Fakten im Hinblick auf die Frage gewichtet, ob es eine Epidemie nationaler Tragweite gab oder gibt. Antwort: Nein, zu keinem Zeitpunkt. Im zweiten Teil werden die Maßnahmen im Hinblick auf die Frage untersucht, ob sie verhältnismäßig waren oder sind. Antwort: Nein, zu keinem Zeitpunkt. Kommt man wie Frank zu diesen Schlüssen, drängt sich die Frage auf, was zum Teufel mit der Gesellschaft los ist, dass sie den Fehlalarm partout nicht als solchen erkennt und die selbstfabrizierte Misere mit immer höheren Dosen toxischer Mittel bekämpft.

Im dritten Teil zeichnet der Autor einen Prozess der Ideologisierung nach, der durch das emsige Treiben moralisierender Inkompetenznetzwerke kräftig vorangetrieben wird. Deren Mitglieder bezeichnet Frank als „Neopuritaner“ (ich würde sie ganz altbacken „Jakobiner“ nennen). Hinter dem Moralismus, so meine Interpretation, steht der blanke Herrschaftswille, die Lust an der Macht, welche sich scheinheilig als deren Gegenteil ausgibt und als Kampf für die Erniedrigten und Beleidigten tarnt. Eine Gesellschaft, die darauf hereinfällt, ist verloren.

Frank präsentiert keine Verschwörungstheorien, sondern zeigt auf, welche psychischen und gesellschaftlichen Mechanismen am Werk sind; wie sich Moralismus und Gruppenmoral in gesellschaftlichem Zwang manifestieren, wenn es ausreichend engagierte Netzwerke gibt, die ihre Ideologie mittels apokalyptischer Panikmache zu verbreiten und institutionell zu verankern wissen. 1 Eine Schlüsselrolle kommt Frank zufolge den Universitäten und der Presse zu. Beide produzieren immer weniger Wissen und immer mehr „Haltung“, was den Korridor als legitim geltender Meinungen so lange einengt, bis die Gesellschaft totalitär erdrückt wird. Sein Fazit: Die Gesellschaft verliert ihre Immunität. Der demokratische Rechtsstaat ist durch den grassierenden Despotismus der Dilettanten in akuter Gefahr.

„Das RKI präsentiert wertlose Zahlen, die nur der Panikmache dienen.“

Meine Ergänzung: Noch im Jahr 2019 hat der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, eindringlich vor der fortschreitenden Aushöhlung des Rechtsstaates gewarnt. Es hat nichts mehr genutzt. Kurz danach kam Corona und blieb.

Folgende im Buch dargelegten Tatbestände würden in einer funktionierenden Demokratie zu riesigen Skandalen, Rücktritten, zu Untersuchungsausschüssen, Schadensersatzklagen und Strafprozessen führen.

  • Teil 1, Kapitel 3 Noch immer werden Covid-Patienten sehr oft invasiv beatmet, obwohl klar ist, dass diese Behandlung in aller Regel kontraproduktive Wirkung hat. Das „Moerser Modell“ bietet eine alternative Behandlungsmöglichkeit, die, wo sie angewendet wird, nachweislich erfolgreicher ist. Durch führende Verbandsvertreter der Intensivmedizin wird aber verhindert, dass sich dieses Modell allgemein durchsetzt, was durch nichts anderes erklärt werden kann, als durch das „Platzhirsch-Problem“ (Frank) und den Semmelweis-Reflex. Dieses Verhalten kostet bundesweit viele Menschenleben. Und Leute wie Karl Lauterbach können sich hinstellen und verkünden, das Virus sei so schlimm, dass die Hälfte der Covid-Intensivpatienten invasiv beatmet werden müsse. Nein, genau das muss sie eben nicht!
  • Teil 1, Kapitel 7Das Robert-Koch-Institut hat es bis zum heutigen Tage nicht fertiggebracht, eine repräsentative Kohorte zusammenzustellen, die kontinuierlich auf alle wichtigen Parameter hin untersucht wird. Denn nur so könnte man etwas wirklich Valides über die Verbreitung des Virus herausfinden. Stattdessen präsentiert das RKI wertlose Zahlen, die nur der Panikmache dienen. Es ist in der Tat erstaunlich, dass gebildete Menschen diesen himmelschreienden Skandal nicht als solchen erkennen. Ich selber habe von Beginn an darauf aufmerksam gemacht und bin weitgehend auf taube Ohren gestoßen.
  • Teil 1, Kapitel 10 Das Innenministerium hat in Gestalt des Staatsekretärs Markus Kerber Wissenschaftler angeschrieben und sie gebeten, Szenarien zu entwerfen, auf deren Basis (wörtlich) „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ geplant werden können. Die Wissenschaftler ließen sich nicht lange bitten und lieferten binnen Tagen. Meines Wissens hat von der etablierten Presse nur die Welt darüber berichtet, ansonsten herrschte weitgehend Schweigen bzw. eine erstaunliche Gleichgültigkeit. Der konkrete Nachweis, dass Wissenschaftler auf Anweisung hin gewünschte Resultate liefern, die wiederum massive Einschränkungen der Grundrechte auf unbestimmte Dauer legitimieren, ist für die Presse kein gefundenes Fressen! Es gibt keinen Sturm der Entrüstung, keine Kampagne gegen die Verantwortlichen. Weder Kerber noch Seehofer müssen zurücktreten. Was sagt das über das politische Klima aus? Meine Antwort: Klimakatastrophe durch Windstille im Blätterwald.
  • Teil 1, Kapitel 10 Das berüchtigte Panik-Papier des Innenministeriums ist schon als solches ein Skandal. Dort wird unter anderem geraten, Kinder in Angst und Schrecken zu versetzen, indem man ihnen einredet, ein zu enger Kontakt mit Eltern und Großeltern führe zum „qualvollen Erstickungstod“ derselben. Noch skandalöser ist allerdings der Tatbestand, dass er von gänzlich fachfremden Autoren ohne Expertise verfasst worden ist, die Sympathie mit dem chinesischen Regime bekunden. Man fragt sich, warum es im Ministerium eine Abteilung für Krisenmanagement mit etwa 60 Mitarbeitern gibt.
  • Teil 1, Kapitel 10 Das führt zum nächsten Skandal, den Gunter Frank als persönlich Betroffener ausführlich dokumentiert. Der im Innenministerium tätige Oberregierungsrat Stephan Kohn hat nämlich im April 2020 auf eigene Faust eine Nutzen-Schaden-Analyse vorgelegt, die von einer Reihe Experten, darunter auch Gunter Frank, erstellt worden ist. Eine solche Analyse hat es nämlich vorher nicht gegeben. Die gesamte Regierung ist einfach so in den Lockdown gesprungen. Hätte sie vorher den Nutzen gegen den Schaden abgewogen, hätte sie diesen Sprung tunlichst vermieden. Das zeigt die Analyse sehr deutlich. Wie war nun die Reaktion auf Kohns Initiative? Er wurde rausgeworfen und muss nun um seinen Beamtenstatus bangen. Das Ministerium tat seine Analyse als irrelevante Privatmeinung ab, und in der Presse wurde er als psychisch gestört dargestellt. Bis heute hat es von der Regierung keinerlei Reaktion auf den Inhalt der Analyse gegeben.

Wer angesichts solcher erwiesenen Tatbestände zu dem Schluss kommt, dass mit der gesamten Corona-Politik etwas faul sein könnte, sollte unbedingt Franks Buch lesen, um ermessen zu können, wie sehr die ganze Sache stinkt. Sein Buch ist besonders geeignet für alle, die zwar Unbehagen empfinden, sich aber kein Urteil zutrauen. Investieren Sie ein paar Stunden Zeit in die Lektüre des Buches! Danach können Sie gut einschätzen, wie es um die Gefährlichkeit des Virus, die Wirkung der Maßnahmen und die Kompetenz der Verantwortlichen bestellt ist. Ihre 19 Euro sind sehr gut angelegt. Versprochen. 2