29.07.2026

Wie eine 25-Jährige der Trans-Lobby die Stirn bietet

Von Sabine Beppler-Spahl

An der Universität Cambridge hat sich eine Frauengruppe gegründet, zu der (Trans-)Männer keinen Zutritt haben. Das empört die Woken, von denen es an Hochschulen überproportional viele gibt.

Jung, weiblich, fortschrittlich, transgenderfreundlich? Umfragen scheinen diese Assoziationskette zu bestätigen: Junge Frauen der Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2012) stehen der Transgenderbewegung besonders aufgeschlossen gegenüber.

„Junge Frauen sind definitiv die Bevölkerungsgruppe, die am ehesten ihre Unterstützung für die Trans-Ideologie bekundet“, bestätigt auch Maeve Halligan – mit 25 Jahren selbst Angehörige der „Gen Z“, aber zugleich eine ihrer profiliertesten Kritikerinnen. Bekannt wurde die Cambridge-Studentin, die einen Masterstudiengang in Literatur belegt, im Mai dieses Jahres durch ihr Plädoyer beim renommierten Cambridge-Union-Debattenwettbewerb. Zur Debatte stand der Antrag: „Dieses Haus ist der Ansicht, dass der moderne LGBTQ+-Aktivismus seiner eigenen queeren Community schadet.“ Halligans Verteidigung des Antrags geriet zu einer denkwürdigen Abrechnung mit der Transgender-Ideologie.

Schon zuvor hatte sie an ihrer Universität für Aufsehen gesorgt: Gemeinsam mit zwei Mitstreiterinnen gründete sie die Cambridge University Society of Women – und zog damit den Unmut, wenn nicht offenen Hass der Translobby auf sich. Fortan wurde sie als Reaktionärin und Faschistin beschimpft, es gab Appelle an die Universitätsleitung, den Verein zu verbieten.

„Exclusionary“ (ausgrenzend) lautete der Vorwurf – und trifft damit unfreiwillig den Kern dessen, worum es der Transbewegung eigentlich geht: die Leugnung der Realität zweier Geschlechter und das Bestreben, jede natürliche wie soziale Grenze aufzulösen. Weil es in dieser Ideologie keine klaren Trennungsmerkmale zwischen Frauen und Männern gibt – die biologischen Merkmale gelten als veränderbar und irrelevant –, kann und darf es dementsprechend auch keinen Verein geben, der „Transfrauen“ (Männer, die sich als Frauen fühlen) ausschließt.

Dabei war es nie das Ziel des Vereins, sich ausschließlich gegen die Transideologie zu positionieren, erklärt Halligan. Die Gründerinnen hatten schlicht eine Lücke im umfangreichen universitären Vereinsleben entdeckt: Einen Ort, an dem Frauen unter sich – ohne die Anwesenheit von Männern – über Themen wie Abtreibung, Pornokultur, generationenübergreifenden Feminismus oder weibliche Genitalverstümmelung sprechen konnten, gab es nicht. Alle bestehenden Vereine, die den Namen „Frau“ trugen, zählten auch biologische Männer, wenn sie sich als Frauen sahen, zu ihren Mitgliedern.

„‚Wir nehmen Geschlecht ernst‘, sagt Halligan – ein Satz, der die gesamte Transideologie im Kern trifft.“

Diese Lücke sollte die „Society of Women“ füllen, offen für alle eingeschriebenen Studentinnen, aber nicht für Männer. Der Vorwurf der Transfeindlichkeit lässt sich schon deshalb nicht halten, weil auch „Transmänner“ – biologische Frauen, die sich als Männer identifizieren – willkommen sind. Nur Männern – und damit auch den sogenannten „Transfrauen“ – bleibt der Zutritt verwehrt. „Wir nehmen Geschlecht ernst“, sagt Halligan – ein Satz, der die gesamte Transideologie im Kern trifft. Denn deren Anspruch ist radikal: Niemand soll mehr unterscheiden dürfen, wer Mann und wer Frau ist. Geschlechtsorgane und Chromosomen gelten als bedeutungslos, die Realität als verhandelbar. Der Erfolg des Vereins zeigt, dass ein Bedarf für einen eigenen Raum für Frauen bestand: Innerhalb weniger Monate traten bereits 50 Studentinnen bei.

Dass die Ideologie gerade in der Generation Z auf so breite Zustimmung stößt, ist dennoch kein Zufall. Es ist die Generation, die ihr als Teenager stärker ausgesetzt war als jede andere zuvor – zu einer Zeit, als es noch keine breitere, rationale öffentliche Kritik oder Gegenbewegung gab.

Halligan erinnert sich, wie das Thema ihre Schule erreichte, als sie etwa 13 Jahre alt war. Lobbygruppen stilisierten Trans-Sein zum Vorbild und zur Norm; arglose, wohlmeinende Journalisten und Pädagogen griffen die Botschaft oft unkritisch auf. Trans war „cool“: Als Vanity Fair 2015 den früheren Zehnkampf-Olympiasieger Bruce Jenner als Frau auf dem Cover zeigte – unter dem Titel „Call Me Caitlyn“ –, gewann dieser innerhalb von nur vier Stunden über eine Million neue Twitter-Follower und brach damit einen Guinness-Weltrekord. Jugendbücher wie Meredith Russos „If I Was Your Girl“ (deutsch: „Als ich Amanda wurde“) wurden mit Lobby-Preisen überhäuft, führten Bestsellerlisten an und wurden von Lehrern empfohlen.

Diese Entwicklung kam jedoch nicht aus dem Nichts. Sie traf auf fruchtbaren Boden, weil sie der gesellschaftlichen Grundstimmung jener Zeit entsprach: Alles, was herkömmliche Grenzen – ob sozial oder natürlich – zu überwinden versprach, galt als progressiv. Die Errungenschaften der Schwulenbewegung reichten nicht mehr aus – auch die Unterscheidung der Geschlechter musste fallen, erschien vielen als logischer nächster Schritt, als Befreiung von den Fesseln alter Konventionen.

Dass die Realität eine andere ist, haben inzwischen zahlreiche junge Menschen, die sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen, auf tragische Weise erkannt. So kam es beispielsweise zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, bei denen ehemalige Patienten des „Gender Identity Development Service“ (GIDS) der Tavistock-Klinik in Großbritannien die Klinik verklagten, weil sie sie als Minderjährige zu einer Geschlechtsumwandlung ermuntert habe. Die Klinik musste schließen, nachdem die unabhängige Cass-Untersuchung unter Leitung von Dr. Hilary Cass die Einrichtung als für Kinder unsicheren Ort eingestuft hatte. Der Bericht kritisierte explizit den Einfluss von Aktivistengruppen innerhalb der Klinik, die eine „gender-affirming care“ förderten.

„Zwar gehören junge Frauen zu den stärksten Befürwortern der Trans-Ideologie – doch sie gehören zugleich zu jenen, die am stärksten unter ihr leiden.“

Halligan erwähnt auch das einstimmige Urteil des britischen Supreme Court vom April 2025, wonach sich die Begriffe „Geschlecht“, „Mann“ und „Frau“ im Gleichstellungsgesetz von 2010 ausschließlich auf das biologische Geschlecht bei Geburt beziehen. Trotzdem hält all das die Translobby nicht davon ab, Vereine wie den von Halligan als diskriminierend zu brandmarken. Wer sich gegen sie stellt, gilt als kaltherzig, konservativ, als „TERF“.

Der gesellschaftliche Konformitätsdruck sei entsprechend enorm, sagt Halligan. Anerkennung winkt, wer sich offen als entschiedener Verbündeter der Trans-Bewegung zeigt: „Wir haben zugelassen, dass ein System entsteht, in dem man belohnt wird, wenn man mitmacht, und bestraft, wenn man sich dagegenstellt. Es gibt Belästigung, aber vor allem soziale Ausgrenzung. Man wird unglaublich einsam, wenn man die Trans-Ideologie nicht teilt – man gilt als seltsam, sobald man findet, dass Männer niemals Frauen und Frauen niemals Männer werden können.“

Ist Halligan also besonders mutig? Es sei nicht normal, dass junge Frauen sich der Ideologie widersetzen, sagt sie selbst. Ihr aber sei es darum gegangen, ein Zeichen zu setzen. Zwar gehören junge Frauen zu den stärksten Befürwortern der Trans-Ideologie – doch sie gehören zugleich zu jenen, die am stärksten unter ihr leiden. Studien zeigen, dass deutlich mehr junge Frauen als Männer Hormonbehandlungen wegen Geschlechtsdysphorie erhalten. Unter jungen Frauen herrsche, so Halligan, ein selbstzerstörerischer Zwiespalt – und genau deshalb habe sie das Gefühl gehabt, gemeinsam mit anderen einen Schutzraum schaffen zu müssen.

Die breite, vor allem im akademischen Milieu verankerte Unterstützung für die Trans-Bewegung hat vielen jungen Frauen geschadet – etwa indem sie ihnen suggerierte, ihre Probleme ließen sich durch Pubertätsblocker und Operationen lösen. Sie hat zudem ein Klima geschaffen, in dem immer mehr Menschen sich selbst zensieren, statt öffentlich zu sagen, was sie wirklich denken. Umso mehr verdienen Halligan und ihre Mitstreiterinnen Respekt für ihren Mut und ihre Initiative. Zu hoffen bleibt, dass noch mehr junge Frauen diesen Mut finden.

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