27.01.2022

Skepsis ist heute wichtiger denn je

Von Frank Furedi

Titelbild

Foto: Matt Neale via Flickr / CC BY 2.0

In einer Welt, in der in allen möglichen Bereichen, von Lockdowns bis Klimawandel, dogmatische Gewissheiten vorherrschen, sind kritische Fragen unbedingt erforderlich.

Dank der Aufklärung, der Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens und der Technik konnte sich der skeptische Geist in der Neuzeit weitgehend wohl fühlen. Aber das gilt jetzt nicht mehr, wie es scheint.

Denn die Meinungsfreiheit, auf die die skeptische Betrachtung der Welt angewiesen ist, ist in den letzten Jahren immer mehr unter Beschuss geraten. Sie wird zunehmend als ein Problem, ein Risiko, eine Bedrohung dargestellt. Freie Meinungsäußerung schadet den Schwachen, heißt es, und macht die Schwachen zu Opfern. Politiker, Akademiker und Kommentatoren sprechen heute routinemäßig von der „Militarisierung der freien Rede“, meist durch ruchlose, rechtsextreme Kräfte. Eine Gruppe von Juraprofessoren von renommierten Ivy-League-Universitäten argumentierte kürzlich sogar, die Redefreiheit, die unter dem einst sakrosankten Ersten Verfassungszusatz geschützt ist, gefährde dank Trumps Gebrauch davon nun die Demokratie selbst. 1

Dass die freie Meinungsäußerung – die eigentliche Voraussetzung für die Demokratie – mittlerweile als Bedrohung für selbige dargestellt werden kann, verdeutlicht, dass diejenigen, die die kulturellen und politischen Institutionen kontrollieren, in zunehmendem Maße nicht mehr bereit sind, abweichende Meinungen zu tolerieren. Und wenn die freie Meinungsäußerung als so bedrohlich angesehen wird, dann folgt daraus, dass diejenigen, die sie praktizieren, eine Gefahr für die Gesellschaft sind. Besonders jetzt, während der Pandemie. Dies ist offenbar das Schicksal des zeitgenössischen Skeptikers.

Schauen wir uns nur an, wie zuletzt über sogenannte Lockdown-Skeptiker gesprochen wurde. Sie wurden beschuldigt, „Blut an den Händen zu haben“ und „tödliche Überzeugungen“ zu vertreten. 2 Sie sollten geächtet, zensiert und gedemütigt werden. Ein Kolumnist des Guardian forderte sogar, einem bestimmten Wissenschaftler, der den Lockdown-Konsens kritisierte, den Zugang zu den Medien zu verwehren, um zu verhindern, dass er seine Meinung öffentlich vertreten kann. 3 Skeptizismus wird nun routinemäßig als gefährlich dargestellt, als etwas, das unterdrückt werden muss, damit wir nicht alle leiden. 4

„Die Meinungsfreiheit, auf die die skeptische Betrachtung der Welt angewiesen ist, ist in den letzten Jahren immer mehr unter Beschuss geraten.“

Es ist nicht nur die Kritik an Lockdowns, die unter Beschuss gekommen ist. Kritik an weiteren Ansichten des Establishments wird auf ähnliche Weise behandelt – nämlich als gefährlich oder bedrohlich. Tatsächlich haben die Versuche unserer kulturellen, politischen und bildungspolitischen Eliten, jegliche Kritik zu dämonisieren, zur breiteren Dämonisierung von Skepsis im Allgemeinen beigetragen. Denken Sie an den Schwefelgeruch, der denen anhaftet, die als Euroskeptiker oder Klimaskeptiker bezeichnet werden. Sie werden nicht als bloße Verfechter abweichender Meinungen dargestellt, sie werden uns als moralisch minderwertig und potenziell gefährlich verkauft.

Ebenso werden ihre Bücher, Artikel und Rundfunkauftritte so behandelt, wie mittelalterliche Kirchenautoritäten mit ketzerischen Texten umgegangen sind: als Quellen des Verderbens. Nehmen wir Joseph Stiglitz’ Rezension von Bjørn Lomborgs Buch „False Alarm: How Climate Change Panic Costs Us Trillions, Hurts the Poor, and Fails to Fix the Planet“. Der Wirtschaftsnobelpreisträger erklärt, dass „es geradezu gefährlich wäre, wenn es [Lomborg] gelänge, jemanden zu überzeugen“. 5

Oder nehmen Sie die hysterische Kritik an den Autoren der „Great Barrington Declaration“, die die Lockdowns in Frage stellt, und Lockdown-skeptische Einzelpersonen wie Sunetra Gupta, eine Professorin für theoretische Epidemiologie an der Universität Oxford. Sie werden persönlich und beruflich verleumdet, und – noch beunruhigender – ihre Kritiker wollen sie aus der Öffentlichkeit verbannen. 6 Dies hat alle Merkmale einer modernen High-Tech-Hexenjagd.

Natürlich redet niemand davon, die Skeptiker bei lebendigem Leibe zu verbrennen oder sie zu ertränken. Aber das kulturelle und akademische Establishment scheint zu wollen, dass Skeptiker aus dem öffentlichen Leben entfernt werden. Insbesondere skeptische Wissenschaftler. Ihre Mainstream-Gegner fordern, dass Fernseh- und Radiomacher diese „randständigen“ Wissenschaftler nicht mehr mit dem angeblich fadenscheinigen Argument der journalistischen Ausgewogenheit in ihre Sendungen einladen. 7 Die Ansichten der Skeptiker, so wird unterstellt, haben einfach nicht das gleiche akademische und wissenschaftliche Gewicht wie die des Mainstream-Konsenses.

„Es ist nicht nur die Kritik an Lockdowns, die unter Beschuss gekommen ist. Kritik an weiteren Ansichten des Establishments wird auf ähnliche Weise behandelt – nämlich als gefährlich oder bedrohlich.“

Dieses Argument ist nicht neu. Besorgt über die Präsenz des Klimaskeptizismus in den Medien behauptete die amerikanische Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes, dass die „Ethik des Journalismus nicht für die Wissenschaft funktioniert“. 8 Sie bestand darauf, dass Debatten über wissenschaftliche Themen nur von bezahlten Mitgliedern wissenschaftlicher Institutionen geführt werden sollten, deren Argumente in Fachzeitschriften mit Peer-Review veröffentlicht wurden. Einem anderen Kommentator zufolge sei es eine Form von moralischer Feigheit, Klimaskeptikern Zugang zu den Medien zu gewähren, die vermutlich aus der Weigerung resultiere, sich auf die Seite der einen und einzigen Wahrheit zu stellen. 9

Im vergangenen, von der Pandemie dominierten Jahr hat sich dieser Kreuzzug gegen die Skepsis verschärft. Zum Beispiel haben Big-Tech-Unternehmen wie YouTube, Twitter und Facebook die Zensur und Regulierung der Debatte über die Corona-Politik mit der Bedrohung durch die Pandemie gerechtfertigt. Als YouTube-Chefin Susan Wojcicki ankündigte, dass alles, was den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation widerspricht, entfernt werde, schien sie sich mit der Stimme Gottes auf Erden zu verwechseln.

Die moralische Abwertung des Skeptikers

Historisch gesehen wurde der Ruf nach Zensur damit begründet, dass ein Text entweder politisch subversiv oder moralisch verderblich sei. Diese Rechtfertigung ist heute ein wesentlicher Bestandteil des Anti-Skepsis-Dogmas.

In dieser Hinsicht ist es bezeichnend, dass Stiglitz Lomborg vorwarf, mit seinem Buch „False Alarm“ „geistige Verschmutzung“ zu verursachen. Dieser Begriff erinnert an die Anschuldigung, die in früheren Zeiten gegen ketzerische und moralisch verdorbene Literatur erhoben wurde – nämlich, dass sie moralisch verunreinigend oder eine Form von moralischem Gift sei. So unterschied Josiah Leeds in „Concerning Printed Poison“ (1885) zwischen dem „obszönen“ und dem „verderblichen Einfluss billiger Romane“, die seiner Meinung nach zwar nicht „notwendigerweise schmutzig“ seien, aber dennoch eine „giftige“ Wirkung auf die Gesellschaft zeitigten. 10

„Lockdown-Skeptiker werden persönlich und beruflich verleumdet, und – noch beunruhigender – ihre Kritiker wollen sie aus der Öffentlichkeit verbannen.“

Natürlich werden die Skeptiker von heute nicht der Obszönität oder der moralischen Verderbtheit beschuldigt. Nein, sie werden des „Leugnens“ beschuldigt. 11 Dies ist ihre böse Tat, ihre Ketzerei. Indem man Skepsis als Leugnung kategorisiert, schreibt man der Ausübung des Skeptizismus eine böse Absicht zu. Der Skeptiker stellt also nicht eine Position des Establishments in Frage oder zweifelt sie an, sondern er leugnet die Wahrheit der Position des Establishments. Die quasi-religiöse Kraft dieser Strategie ist so groß, dass der Guardian, der größtenteils den Positionen des Establishments anhängt, 2019 seinen Styleguide aktualisierte und darin festgelegte, dass Klimaskeptiker von nun an als „Leugner der Klimawissenschaft“ bezeichnet werden sollten. 12 Es überrascht nicht, dass dieselbe rhetorische Strategie auch auf diejenigen angewandt wurde, die der Lockdown-Politik skeptisch gegenüberstehen, wobei Vorwürfe des „Corona-Leugnens“ in den sozialen Medien und in der Presse mittlerweile gang und gäbe sind. 13

Die Idee des Leugnens ist sicherlich theologisch aufgeladen, leitet sie sich doch von der einst unverzeihlichen Sünde des Leugnens von Gottes Wort ab. Aber ein großer Teil seiner heutigen moralischen Kraft beruht auf der Assoziation mit der Leugnung des Holocausts. Dies ist der Begriff, der auf diejenigen angewandt wird, die die menschliche Tragödie des Holocausts leugnen und dadurch zu dessen nachträglichen Kollaborateuren werden – ein Akt der Leugnung, der zu Recht als böse angesehen wird. Denselben Begriff auf diejenigen anzuwenden, die die Position des Establishments zu Lockdowns oder zum Klimawandel in Frage stellen, ist ein grober Missbrauch des Vermächtnisses des Holocausts.

Traurigerweise ist solch schamloser Missbrauch der Shoah Standard unter den Feinden der Skepsis. Sie haben den Akt der Holocaustleugnung in ein allgemeines Übel verwandelt, eine frei schwebende Blasphemie, die allen möglichen skeptischen Positionen zugeschrieben werden kann. So formuliert z.B. eine Kommentatorin: „Leugnen ist schädlich und kann schlimme Auswirkungen haben. Die Leugnung des Klimawandels führt zur Unterlassung von Maßnahmen, die einen gesunden Planeten erhalten würden. Die Verleugnung von Masken führt zu einer erhöhten Ausbreitung und Sterblichkeit durch das Covid-Virus.“ 14

Tatsächlich hat es oft den Anschein, die Moralapostel hätten sich so sehr daran gewöhnt, alles als Leugnung zu betrachten, dass sie nicht mehr wissen, wie eine Meinungsverschiedenheit aussieht. Das ist kaum verwunderlich. Der Vorwurf des Leugnens wird durch eine Intoleranz gegenüber jedem genährt, der die überlieferte Weisheit in Frage stellt.

„Der Vorwurf des Leugnens wird durch eine Intoleranz gegenüber jedem genährt, der die überlieferte Weisheit in Frage stellt.“

Im Mittelalter war das Verbrechen der Ketzerei mit der Leugnung eines Glaubenssatzes der katholischen Kirche verbunden. Wenn Ketzer sich weigerten, von ihrem falschen Glauben abzulassen, wurden sie mit der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen bestraft. Diese Praxis blieb auch nach der Reformation bestehen. In England z.B. zogen Bartholomew Legatt und Edward Wightman den Zorn der Kirche von England auf sich, weil sie die Gottheit Christi leugneten. Beide wurden 1612 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wightman gilt als der letzte Ketzer, der in England auf diese Weise hingerichtet wurde.

Die heutigen Leugner werden nicht als Sünder behandelt, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, sondern oft als psychisch kranke Individuen, die von der Mainstream-Debatte ausgesperrt werden müssten, während sie auf eine Therapie warten. Tatsächlich ist dies eines der charakteristischen Merkmale des zeitgenössischen antiskeptischen Denkens: die Psychologisierung derjenigen, die sich des Leugnens schuldig gemacht haben. Skeptiker liegen nicht nur falsch; sie sind auch krank. So wurde auf einer akademischen Konferenz 2009 allen Ernstes die Frage gestellt, ob diejenigen, die den Klimawandel leugnen, „an einer Sucht nach Konsum leiden“. 15

Leugnen ist sogar Teil des Vokabulars der Psychologie geworden. Es wird als Abwehrmechanismus beschrieben, der einen Patienten von der Realität abschirmt. 16 Als quasi-diagnostische Kategorie eingesetzt, verwandelt der Leugnungsbegriff die Skepsis in ein psychologisches Problem. Mit dem Skeptiker, der als Leugner begriffen wird, darf nicht auf Augenhöhe debattiert werden. Er ist als moralisch und geistig minderwertig zu behandeln. So erklärt Celeste Kidd, eine Kognitionswissenschaftlerin in Berkeley: „Wir wissen noch nicht, ob man Menschen die Neigung, an zweifelhaften Überzeugungen festzuhalten, abtrainieren kann […]. Wenn Menschen sich ihrer Fehlbarkeit bewusst sind, könnte man ihnen beibringen, ihr Verhalten entsprechend zu mäßigen. Wir untersuchen die Realisierbarkeit dieser Idee. Wir werden es testen und sehen, ob es klappt. Denn so funktioniert Wissenschaft.“ 17

„Die Pathologisierung der Skepsis erlaubt es den in Machtpositionen Stehenden, Kritiker nicht nur als falsch, sondern auch als krank abzutun.“

Wenn „Wissenschaft“ wie Gehirnwäsche „funktioniert“, dann steckt die Gesellschaft in großen Schwierigkeiten. Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass „Wissenschaft“ in der Sowjetunion so praktiziert wurde, dass diejenigen, die abweichende Ansichten vertraten, routinemäßig als psychisch gestört diagnostiziert wurden. Überraschend ist das nicht. Die Pathologisierung der Skepsis erlaubt es den in Machtpositionen Stehenden, Kritiker nicht nur als falsch, sondern auch als krank abzutun.

Was ist Skeptizismus?

In einer Zeit, in der Skepsis routinemäßig von den Verfechtern des Status quo verleumdet und verdammt wird, ist es wichtig zu klären, was der Begriff wirklich bedeutet und warum wir ihn verteidigen sollten.

Als philosophische Einstellung gibt es den Skeptizismus schon seit den alten Griechen. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagte Sokrates. Er meinte damit, dass Unwissenheit der Ausgangspunkt für eine konsequente Suche nach der Wahrheit ist. Dies charakterisiert die bestimmende Haltung des Skeptikers: die Aussetzung des Urteils. Ein Skeptiker ist also jemand, der nicht entschieden hat oder nicht in der Lage ist, zu entscheiden, was wahr, richtig oder gut ist.

Diese Aussetzung des Urteils bedeutet nicht unbedingt eine Verweigerung des Urteils. Sie kann die Aufschiebung des Urteils bedeuten, während der Skeptiker das vorliegende Problem weiter erforscht. Im Gegensatz zum Zweifel, der ein negatives Urteil hinsichtlich der Wahrheit beinhaltet, stellt die Skepsis eine Vorform des Urteils dar. Sie steht im Gegensatz zu Dogmen und einer Haltung der unhinterfragten Gewissheit. In manchen Fällen kann die Aussetzung des Urteils natürlich ein Akt des Ausweichens sein. Aber die Aussetzung des Urteils kann auch ein Auftakt zu einer Verpflichtung sein, auf der Suche nach Klarheit und Wahrheit weiterzuforschen.

Als philosophische Orientierung stellt der Skeptizismus eine Herausforderung für die allzu menschliche Versuchung dar, sich einem Dogma hinzugeben. Für die alten Griechen ging es beim Skeptizismus nicht darum, eine bestimmte Behauptung nicht zu glauben oder zu leugnen. Der echte Skeptiker behauptete selten zu wissen, dass eine bestimmte Aussage falsch sei. Skepsis bedeutete Untersuchung. Obwohl er durch eine komplexe Reihe von Gründen motiviert sein kann, liegt dem Skeptizismus die Überzeugung zugrunde, dass die Wahrheit schwer zu entdecken ist.

„Es kann keine Freiheit des Denkens geben ohne das Recht, skeptisch zu sein.“

Wie jede gute Idee sollte auch der Skeptizismus nicht dogmatisch verfolgt werden. Es gibt keinen Grund, die Idee des Wissens im Allgemeinen im Interesse einer unendlichen, skeptischen Untersuchung aufzugeben. Eine skeptische Vernunft akzeptiert die Ergebnisse z.B. wissenschaftlicher Forschung als wahrscheinlich und ist lediglich offen für die Möglichkeit, dass sie in Zukunft modifiziert und sogar verworfen werden müssen.

Dieses Potenzial, Wissen zu entwickeln, ohne den Anspruch auf Gewissheit oder die Entdeckung der Wahrheit zu erheben, ist in der heutigen, ausgesprochen unsicheren Welt von entscheidender Bedeutung. Es ist nicht nur für die Entwicklung der Wissenschaft essentiell, sondern auch für das Gedeihen eines demokratischen öffentlichen Lebens. Es kann keine Freiheit des Denkens geben ohne das Recht, skeptisch zu sein. Deshalb ist die heutige Dämonisierung des Skeptikers – als Leugner, Verderber, moralisch Minderwertiger – nicht nur Ausdruck polemischer Exzesse seitens der Unterstützer des Establishments; sie ist auch ein Angriff auf den menschlichen Forschergeist selbst.

Die Gesellschaft braucht Skepsis, um sich zu entwickeln. Skepsis ermutigt die Gesellschaft, Annahmen und selbstverständliche „Fakten“ in Frage zu stellen, die sonst erstarren und zu Dogmen werden könnten. Sie ermöglicht es unserem intellektuellen Leben, sich neuen Erfahrungen zu öffnen. Kurz gesagt, sie ist das Gegenmittel gegen ein Übermaß an Gewissheit.

Eine skeptische Haltung ist gerade jetzt besonders wichtig. In diesem gefährlichen Moment, in dem die Menschheit mit der tödlichen Bedrohung Covid-19 konfrontiert ist, besteht die Versuchung, die Debatte zu schließen und die Redefreiheit einzuschränken. Unter den aktuellen Umständen können abweichende Meinungen leicht als Bedrohung für die Gesundheit der Menschen karikiert werden. Manche meinen gar, dass die Debatte selbst ein Luxus sei, den wir uns nicht mehr leisten könnten. Doch gerade in einer Notsituation wie der Pandemie werden Debatte und freie Meinungsäußerung unverzichtbar. Sie sind die Mittel, mit denen wir die Kreativität und die Weisheit der Menschen freisetzen können, um die Krise zu bewältigen, in der wir uns jetzt befinden.

Der Biologe Thomas Henry Huxley schrieb im 19. Jahrhundert, dass „Skepsis die höchste aller Pflichten ist; blinder Glaube die unverzeihliche Sünde“. Heute mehr denn je ist es wert, diese Aussage zu beherzigen. Unsere zukünftige Freiheit könnte davon abhängen.