30.09.2026
Schwarze Magie und Nathan der Weiße
Nach dem Tod des Cambridge-Professors Jason Arday fragen sich manche nicht, wie der Schwindler dorthin gelangen konnte, sondern eröffnen eine Hexenjagd auf Nathan Cofnas, der ihn bloßgestellt hatte.
30 Marathons in 35 Tagen, davon 9 mit angebrochenem Wadenbein, 1000 Kilometer gelaufen an 6 Tagen innerhalb von 12, ein paar Millionen an Spenden für gemeinnützige Zwecke gesammelt – das sind ganz beachtliche Leistungen für jemanden, der wegen seines Autismus erst mit 11 sprechen und das Lesen wie Schreiben noch später erlernt habe. Und Brunnen gebohrt hat er gleich auf zwei Kontinenten. Jason Arday, jüngster schwarzer Professor in der Geschichte der britischen Renommier-Uni Cambridge war zu allem Überfluss in der Lage, einen maskierten Messermann, der ihn bedrohte, zu erkennen, obwohl dieser für andere und die Überwachungskameras unsichtbar blieb.
Nach Vollbringung diverser solcher Wunder machte Arday im August seinem irdischen Dasein im Alter von 41 Jahren ein Ende. Nachdem der schwarze Magier mehrere Jahre als Vorzeigefigur der Woken Bildungssoziologie gelehrt und uns kurz vor seinem Tod mit einer Autobiographie beglückt hatte, war er zuletzt wegen schnöden Plagiierens ins Gerede geraten. Seine Doktorarbeit habe über 100 Übereinstimmungen (in wie vielen Tagen?) mit einer Dissertation von 2009 aufgewiesen. Vom gefeierten Star der universitären DEI-Dreifaltigkeit (Diversity/Equity/Inclusion) – das Akronym steht im Lateinischen für Götter, hier die der Woken – zu jemandem, den ein zusammenkrachendes Kartenhaus unter sich begrub. Erst sein Rücktritt – per offenbar mit KI verfasstem Schreiben –, dann der Suizid. Manche kritisieren, dass Prof. Arday es sich damit einfach gemacht habe, andere sehen darin den selten gewordenen Fall eines Menschen, der Verantwortung übernommen hat.
Wieder andere fragen, wer noch Schuld an diesem Todesfall trägt. Vielleicht ein postmoderner Wissenschaftsbetrieb, der linke Identitätspolitik hochhält, und so Arday wegen seiner Hautfarbe, seines Migrationshintergrunds über ghanaische Eltern und seine behauptete „Neurodiversität“ überhaupt erst auf ein derartiges Podest gehoben hat – ohne dass er zuvor Forschungsleistungen in einem Umfang erbracht hätte, die man bei einer Berufung auf einen Cambridge-Lehrstuhl erwarten würde. Vielleicht manche Kollegen und Medien, die ihn als Kaiser mit neuen Kleidern gepriesen, um nicht zu sagen: ihn quasi als Freak herumgereicht haben.
Aber einige halten noch an ihrer dunklen Lichtgestalt fest – dem turmhohen Lügengebäude und der mangelnden akademischen Substanz zum Trotz. Diese brauchen einen Sündenbock und wurden in einem Wissenschaftler von der Ostküste fündig: Nathan Cofnas, einem amerikanischen Philosophen, der in Oxford promoviert hat und bis letztes Jahr in besagtem Cambridge tätig war. Cofnas war daran beteiligt, den über dessen Doktorarbeit hinausgehenden Plagiatsverdacht gegen Arday publik zu machen. Die DEI-Galionsfigur habe gar nicht so ungeschickt abgeschrieben, „er ist nicht so geistig behindert wie er behauptet“. Lob für des Kaisers neue Kleider war aus dem Munde des Philosophen nicht zu erwarten: „Es gibt Tausende Jason Arday an Universitäten in der ganzen westlichen Welt. Bei Arday stach nur besonders hervor, dass er das Plagiieren und Lügen über sein persönliches Leben zu weit getrieben hatte, wodurch sich ein Ansatz für eine Mediengeschichte ergab.“
„Wenn Cofnas ganz Unrecht hätte – wozu dann die Quoten?“
Cofnas behauptet zwar, autistischer zu sein als es Arday tatsächlich gewesen war, passt aber ethnisch nicht in die linksidentitäre Opferschublade: „Große Nase, dunkelbraunes krauses Haar, aus New York City.“ Noch schlimmer: Er ist nicht links. Seine Forschungsinteressen zur Philosophie der Biologie, insbesondere zu Ethnie, IQ und gesellschaftlichem Erfolg, bringen seit Jahren Kräfte an Unis gegen ihn auf, er gilt ihnen als „Eugeniker“ und „Rassist“. Darunter machen sie es nicht.
In Cambridge gab es Protest gegen seinen Verbleib, und er verlor zwischenzeitlich zwar nicht seine Stelle, wurde aber von einem College der Uni entfernt, das seine DEI-Kritik als inakzeptable Götterlästerung betrachtete. Alle immerhin 58 Beschwerden, die gegen Cofnas eingereicht worden waren, erklärte die Hochschule für unbegründet, und er konnte seinen befristeten Vertrag bis zum Schluss erfüllen. Dass der Wissenschaftler als Gastredner 2023 im Institutskolloquium der Psychologen an der TU Chemnitz aufgetreten war, sorgte für „einige Erregung bei den Studierenden, Vertreter*innen des Mittelbaus und einigen Professoren“, wie das Institut intern verbreitete.
Besonders angeeckt ist er mit seiner Vermutung, ohne Quoten könnten es Schwarze in den USA außerhalb von Sport und Unterhaltungsbranche kaum in gesellschaftliche Spitzenpositionen bringen und die Zahl schwarzer Harvard-Professoren würde gegen Null tendieren. Das kann man unterschiedlich betrachten, aber wenn Cofnas ganz Unrecht hätte – wozu dann die Quoten? Seitdem Harvard seine Zulassungspolitik, die schwarze und lateinamerikanische Studienbewerber strukturell bevorzugt hatte, nach rechtlichen Auseinandersetzungen ändern musste, studieren dort neuerdings mehr junge Leute ostasiatischer Herkunft, die bisher gemessen an Intelligenz und Ehrgeiz unterrepräsentiert waren. Wer steht also für Rassendiskriminierung – Cofnas oder die „Affirmative Action“?
Cofnas hat sich wissenschaftlich darum verdient gemacht, Thesen des US-Antisemiten Prof. Kevin MacDonald über die Rolle der Juden auseinanderzunehmen, mit denen sich andere gar nicht erst beschäftigt hatten. Nun wird ihm zuweilen vorgeworden, sich als Jude über ‚dumme Schwarze‘ erheben zu wollen. Er wendet dagegen ein, dass er auch dazu publiziert hat, wie einer Studie unter der US-Bevölkerung zufolge Rechte – wie er – dümmer seien als linke Amerikaner.
„Entscheidend ist, ob man eine breite wissenschaftliche Diskussion befürwortet oder sie per Cancel Culture unterdrücken will.“
Sicherlich sind Ansätze und Aussagen Cofnas‘ diskussionswürdig, aber allzu schlichte Zusammenhänge zwischen Ethnie, IQ und Erfolg propagiert er ohnehin nicht. Kulturelle Einflüsse sind wichtig, ebenso wichtig ist jedoch, linken Reflexen zu widerstehen, die den Menschen als blank slate, als unbeschriebenes Blatt Papier, betrachten, das durch Umwelteinflüsse wie ‚Erziehung‘– typischerweise seitens des Staates – relativ beliebig ausgefüllt werden könne und solle. Auf die Spitze treibt man die Leugnung der Evolutionsbiologie heute dort, wo die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen in Abrede gestellt wird. Schon bei Pflanzen zeitigte der Lyssenkoismus zu Stalins Zeiten – Genetik sei eine bourgeoise Verirrung – fatale Folgen. Nicht nur die Körperlänge der Niederländer oder der weltweite Schwanzvergleich sind Ergebnisse genetischer Evolution, auch beim IQ kann diese eine Rolle spielen. Man muss allerdings aufpassen, das nicht laut zu sagen.
Nun kommt es nicht darauf an, welche Sichtweise man bei Cofnas teilt. Entscheidend ist, ob man eine breite wissenschaftliche Diskussion befürwortet oder sie per Cancel Culture unterdrücken will. Nach mehreren Jahren in England trat der Philosoph im Frühjahr eine Postdoc-Stelle an der Uni Gent in Belgien an. Eine hinter malerischen Fassaden linksgrünversiffte flämische Stadt mit Antisemitismusproblem an der Uni und darüber hinaus. Bereits im März versuchten einschlägige Kreise, den missliebigen Wissenschaftler wieder los zu werden. In verschiedenen offenen Briefen empörten sich hunderte Wissenschaftler und Studenten der Uni über den selbernannten „Rassenrealisten“, auch die übliche Online-Petition wurde gestartet. Ein Antwerpener Richter tat seine Einschätzung kund, dass Cofnas unter dem Mantel der Wissenschaftsfreiheit volksverhetzende Äußerungen tätige, die nach belgischem Recht verboten seien.
Nach Ardays Tod warf man ihm unangemessene öffentliche Kritik am Cambridge-Scharlatan vor, anschließend wurde er von der Genter Uni suspendiert. Daran beteiligt: Petra De Sutter, Rektorin der Hochschule. Früher Vize-Ministerpräsidentin Belgiens für die Grünen, noch früher ein Mann mit dem Vornamen Paul. In ihrer Antrittsrede hatte „Transfrau“ De Sutter letztes Jahr mehrere von KI halluzinierte Falschzitate bekannter Persönlichkeiten verwendet. In diesem Klima rechnete der Betroffene mit seiner Entlassung.
Ganz so weit kam es dann doch nicht. Die Uni Gent verhängte eine Disziplinarstrafe – wofür, erklärte sie nicht öffentlich –, der zufolge Cofnas im Home Office arbeiten muss, nicht mehr in der Lehre tätig sein darf und sich in seinen Forschungsaktivitäten strikt auf die in der Stellenbeschreibung beschriebenen Gebiete zu beschränken hat. Er selbst spricht vom Thema „Zukunft des Liberalismus“, das er mit einem Stellenumfang von 60 Prozent bis zum Ende seiner auf ein Jahr befristeten Anstellung bearbeite. Währenddessen laufen weitere universitäre Ermittlungen.
„Sowohl die Berufung und Vergötterung Ardays spricht Bände über den Zustand westlicher Universitäten als auch die Verketzerung Cofnas‘.“
Dass es allerdings (noch) nicht zum Rausschmiss kam und seine Suspendierung aufgehoben wurde, lag möglicherweise nur an der Intervention des US-Botschafters in Belgien. Offenbar hatte das Washingtoner Außenministerium Wind von dem Fall bekommen und sich für die Wissenschaftsfreiheit und den eigenen Staatsbürger eingesetzt. Mangelnde Meinungsfreiheit in Europa macht die Trump-Regierung ja schon länger zum Thema, siehe die Rede von Vizepräsident Vance auf der letztjährigen Münchner Sicherheitskonferenz.
Ein öffentlicher Aufruf mit fast 1000 unterzeichnenden Wissenschaftlern und ein kleinerer mit rund 180 Unterschriften sprechen sich für Wissenschaftsfreiheit aus und gegen die Versuche der Uni Gent, Nathan Cofnas in dieser zu beschränken. Zu den Unterstützern gehören z.B. Novo-Autor Prof. Frank Furedi, der deutsche Intelligenzforscher Prof. Heiner Rindermann und 14 Forscher aus Oxford. Ein Hoffnungsschimmer vor dem Hintergrund einer sich immer stärker gegen Häretiker und Heterodoxe richtenden akademischen Unkultur.
Sowohl die Berufung und Vergötterung Ardays spricht Bände über den Zustand westlicher Universitäten, insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften, als auch die Verketzerung Cofnas‘. Seine Chancen auf eine weitere akademische Karriere, gar eine Professur, stehen schlecht. Stattdessen empfange er seit Ardays Tod Morddrohungen. Schon im April habe er nach eigener Aussage eine Gehirnerschütterung erlitten, nachdem er im Anschluss an einen Vortrag in Gent mit einer Glasflasche beworfen worden war. Als Überbringer der Botschaft lebt man zuweilen gefährlich. Ob die Botschaft ankommt und der Universitätsbetrieb das woke Joch noch abschütteln kann, bleibt fraglich.