01.07.2026
Abschiedsbrief einer Klimaaktivistin der anderen Art
Von Judith Curry
Eine Klimaforscherin, die seit Jahren führende Narrative kritisiert, stellt ihren einschlägigen Blog ein. Nicht aus Resignation verabschiedet sie sich, sondern vielmehr aus Optimismus.
Vorbemerkung der Redaktion:
Judith Curry ist eine der wenigen Klimaforscher, die sich der Politisierung der Wissenschaft und dem alarmistischen Narrativ der Klimakatastrophe verweigert haben. Wir haben immer wieder Texte von ihr in deutscher Übersetzung veröffentlicht. Sie verabschiedet sich nun, indem sie optimistisch einen „Sieg“ konstatiert. Wie nachhaltig dieser sein wird, muss sich noch zeigen. Im Gegensatz zu den USA ist der Einfluss der Klimaschutzideologie auf Politik und Medien in Deutschland sicher nicht in vergleichbarem Maße zurückgegangen. Aber auch hierzulande mag der Höhepunkt überschritten sein und die Chancen für einen rationaleren Umgang mit dem Problem des Klimawandels steigen wieder etwas. Der deutsche Text ist geringfügig gekürzt, und es sind ein paar Verlinkungen eingefügt, die im Original nicht gesetzt wurden.
RIP Climate Etc.
Es ist an der Zeit, den Sieg über die Klimadummheit zu verkünden und weiterzumachen.
Nun, die Definition von „Sieg“ ist hier ungefähr so vage wie die für den Iran-Krieg. Hier eine Zusammenfassung der Gründe, warum „Climate Etc.“ eingestellt wird:
- In der Klimadebatte wurden große Fortschritte erzielt, und das politische Klima hat sich gewandelt.
- Meine Interessen haben sich in andere Richtungen entwickelt.
- Der logistische Aufwand und die Kosten für den Betrieb des Blogs sind beträchtlich.
Stand der Klimakriege
In den letzten zwei Jahren gab es einige entscheidende Schlachten, insbesondere die Wahl von Präsident Trump, den Klimabericht des (DOE) [US-Enerigeministerium, Anm. d. Red.] und die weit verbreitete Erkenntnis, dass RCP8.5 ein unrealistisches Emissionsszenario ist. Infolgedessen haben viele Nachrichtenagenturen ihre Klimaredaktion aufgegeben oder erheblich verkleinert; in den Medien hört man nicht mehr so viel über den Klimawandel (insbesondere im Zusammenhang mit extremen Wetterereignissen). Zudem dürfen wir die Auswirkungen der erheblich gekürzten Mittel für klimabezogene NGOs nicht unterschätzen, da die Mittel von USAID und anderen Quellen versiegen.
Die Anführer der Klimaalarmismus-Bewegung haben sich zwar nicht geschlagen gegeben, aber viel gejammert, insbesondere über Präsident Trump und das RCP8.5-Szenario. Sie versuchen nach wie vor, die Autoren des DOE-Berichts zu diskreditieren. Ausgelöst durch den DOE-Bericht haben sie es weitgehend aufgegeben, den Zusammenhang zwischen Erwärmung und Extremwetterereignissen zu betonen, obwohl es eine Hardcore-Gruppe gibt, die sich der Zuordnung von Extremereignissen verschrieben hat, um damit Rechtsstreitigkeiten gegen Unternehmen der fossilen Brennstoffindustrie zu unterfüttern. Mit dem Wegfall des Extremwetter-Zusammenhangs konzentrieren sich die Klimaalarmisten nun auf klimatische „Kipppunkte“, was bei der Öffentlichkeit jedoch einfach keinen Anklang findet (Extremwetterereignisse waren viel alarmierender).
„Unsere Energieversorgung im Namen der Beseitigung von CO2-Emissionen einzuschränken, ist heute eine viel schlechtere Idee als noch vor wenigen Jahren.“
Vor allem aber hat das gesamte Thema seine politische Relevanz verloren. In den vergangenen Monaten haben wir beobachtet, wie die ganze Welt wegen des drohenden Verlusts des Zugangs zu Öl aus dem Nahen Osten in Panik geriet und große Bedenken hinsichtlich des massiven zusätzlichen Strombedarfs für Rechenzentren laut wurden. Unsere Energieversorgung im Namen der Beseitigung von CO2-Emissionen einzuschränken, ist heute eine viel schlechtere Idee als noch vor wenigen Jahren, und das scheint weithin anerkannt zu sein (sogar in Europa). Am aussagekräftigsten ist, dass das Weltwirtschaftsforum (WEF) den Klimawandel als Thema fallen gelassen hat und sich nun auf KI (und Gesundheit) konzentriert.
Wir befinden uns vielleicht an einem Wendepunkt; man kann nur hoffen, dass die Klimabranche ihre Bemühungen weg von der ständigen Wiederholung des Mantras vom CO2-Klima-Steuerknopf und hin zum Verständnis regionaler Klimaschwankungen, insbesondere unter dem Einfluss natürlicher Schwankungen, verlagert, um die Bemühungen zur Verringerung der Anfälligkeit gegenüber Wetterextremen zu unterstützen. Und um herauszufinden, wie wir besser mit der Natur zusammenarbeiten können, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.
Es geht weiter
Als ich meinen Ruhestand an der Georgia Tech [Georgia Institute of Technology, Anm. d. Red.] plante, betrachtete ich [den Blog, Anm. d. Red.] „Climate Etc.“als Absicherung gegen Langeweile im Ruhestand. Ha! Es scheint, als wäre es mir unmöglich, mich zu langweilen – es gibt einfach zu viele interessante Dinge zu tun, zu lernen und zu überdenken.
Nachdem ich mein Buch „Climate Uncertainty and Risk“ veröffentlicht und am DOE-Klimabericht mitgearbeitet habe (ich habe Überarbeitungen meiner Abschnitte vorgenommen – wer weiß, wann das jemals veröffentlicht wird), habe ich ehrlich gesagt nicht mehr viel zum Thema „Klimakriege“ zu sagen. Ich habe kein Interesse daran, mich mit Leuten wie Michael Mann, Andrew Dessler und Co. anzulegen (interessiert es überhaupt noch jemanden, was die zu sagen haben?).
Abgesehen von den „Klimakriegen“ interessiere ich mich nach wie vor sehr für das faszinierende und komplexe Klimasystem; ich nehme neue Forschungsergebnisse sporadisch auf, sobald ich darauf stoße (was manchmal ziemlich zufällig sein kann). Aber der Großteil der Klimawissenschaft ist langweilig geworden … zu viel Mega-Modellierung und Politik, und zu wenig Nachdenken. Jedenfalls habe ich kein Interesse mehr daran, für die Öffentlichkeit über diese Themen zu schreiben.
„Ich bin weiterhin als Beraterin zu klimabezogenen Themen tätig, unterstütze Rechtsstreitigkeiten und entwickle regionale Szenarien im Jahrzehntmaßstab."
Meine beruflichen Interessen konzentrieren sich eher auf Extremwetterereignisse in Zeitskalen von Stunden bis zu einem Jahr – das ist der Schwerpunkt meines Unternehmens Climate Forecast Applications Network (CFAN) –, sowie auf Entscheidungsfindung unter Unsicherheit und Risikowissenschaft. Es ist eine faszinierende Zeit für die Wettervorhersage, und CFAN beschäftigt sich intensiv mit den neuen Möglichkeiten, die KI bietet. Ich verfasse Berichte zu einer Reihe verwandter Themen, die an die Kunden von CFAN versendet werden (sie werden nicht veröffentlicht). Ich bin weiterhin als Beraterin zu klimabezogenen Themen tätig, unterstütze Rechtsstreitigkeiten und entwickle regionale Szenarien im Jahrzehntmaßstab, um die Risikobewertung für spezifische Kundenbedürfnisse zu unterstützen.
Auf Twitter (ich bringe es nicht über mich, es „X“ zu nennen) war ich in den letzten Monaten ziemlich still; vielleicht sollte ich meine Kommentare dort wieder verstärken – ich habe immer noch viel zu sagen, und kurze Kommentare als Reaktion auf einen Artikel oder eine Nachricht sind derzeit genau der richtige Aufwand.
Jetzt, da meine Enkelin die Highschool besucht (ja, sie interessiert sich sehr für Naturwissenschaften), verfolge ich wieder genauer, was an den Universitäten vor sich geht – denen ich vor fast einem Jahrzehnt angewidert den Rücken gekehrt hatte.
Was uns persönlich betrifft: Nach einer großen Verkleinerung unseres Haushalts und dem Umzug in eine viel kleinere und einfachere Wohnung konzentrieren Peter und ich uns ganz auf unsere neue Hündin Lucy, nachdem unsere früheren Hunde Bruno und Rosie dem Alter erlegen sind. Und darauf, den Garten an unserem neuen Wohnort anzulegen.
Ein friedliches Leben mit Familie und Freunden, das Erkunden der Welt und ihrer neuen Entwicklungen über meinen Laptop und jede Menge Spaß mit KI.
Blog-Logistik und Kosten
„Climate Etc.“ ist, gemessen an Blog-Jahren, ein wirklich alter Blog – seit 2010. Seitdem hat sich WordPress modernisiert und weiterentwickelt. Hacking und Sicherheit sind zu einem immer größeren Problem geworden. Die Art und Weise, wie „Climate Etc.“ ursprünglich eingerichtet wurde, ist ziemlich veraltet.
[…]
Ich habe ein Konto bei Substack eingerichtet; sollte ich jemals wieder Lust haben, mit dem Bloggen anzufangen, werde ich dort zu finden sein. Ich kann auch längere Beiträge auf Twitter (X) verfassen, obwohl das für alles Technische etwas umständlich ist. Alles, was ich schreibe und das berichtenswert ist, werde ich an WUWT schicken.
Aber ehrlich gesagt sehe ich über diesen aktuellen Beitrag hinaus kein Bloggen oder andere öffentliche Texte in meiner Zukunft.
Nachruf
„Climate Etc.“ ist noch nicht tot, aber es befindet sich im Hospiz, und alle lebenserhaltenden Maßnahmen werden eingestellt (ich zahle kein Geld mehr für die technische Betreuung). Mal sehen, wie lange die Patches usw., für die ich bereits bezahlt habe, die Seite noch zugänglich halten werden.
„Climate Etc.', ein Experiment, das 2010 im Zuge von ClimateGate begann, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen.“
„‚Climate Etc.“, ein Experiment, das 2010 im Zuge von ClimateGate begann, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Es war einer der Höhepunkte meiner Karriere, und ich bin euch allen, die ihr hier mitgewirkt habt (insbesondere den Gastbloggern), sowie den neuen Freunden und Kollegen, die ich über den Blog kennengelernt habe, unendlich dankbar. Mein Buch „Climate Uncertainty and Risk“ ist eine Zusammenfassung der Themen, die wir auf dem Blog behandelt haben, und stellt das Vermächtnis dieses Blogs dar.
Beim Verfassen dieses Beitrags habe ich in Erinnerungen geschwelgt an die Stammgäste und „Charaktere“, die auf diesem Blog gekommen und gegangen sind. Ein erstaunlicher Querschnitt von Menschen mit vielfältigen Fachkenntnissen aus vielen verschiedenen Teilen der Welt.
Mein tiefster Dank gilt allen Gastautoren und Kommentatoren, die dazu beigetragen haben, „Climate Etc.“ zu einem lebendigen, anregenden und gelegentlich einflussreichen Ort zu machen. Meine allerbesten Wünsche an jeden einzelnen von euch.