21.08.2014

Prostituierte gehören sich selbst

Kommentar von Andreas Müller

Die Bundesregierung will Flatrate-Bordelle und Gangbang-Partys verbieten. Dies ist ein Eingriff in Freiheitsrechte der Prostituierten dar. Moral hat in der Gesetzgebung nichts zu suchen. Prostituierte sollten selbst über ihre Körper verfügen dürfen

Die Große Koalition möchte das Prostitutionsgesetz von 2002 umfassend überarbeiten. Die Regierung betont den Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel. Zu den Vorschlägen gehören verpflichtende Gesundheitsuntersuchungen für die Prostituierten und Auflagen für Bordelle, um räumliche, gesundheitliche und hygienische Mindestanforderungen zu garantieren. [1] Einigkeit besteht bislang allerdings nur bei einem ganz anderen Vorhaben: Dem Verbot von sogenannten Flatrate-Bordellen. Auch ein Verbot von Gangbang-Partys ist geplant. [2] Dabei vermischen Union und SPD Kriminalitätsbekämpfung mit Sittenwächter-Politik. Der Staat möchte nicht nur Zwangsprostitution bekämpfen, sondern auch in das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung eingreifen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) betont, dass es hierzulande leichter sei, ein Bordell als eine Imbissbude zu eröffnen. [3] Dabei stellt man sich die Frage, warum man es den Menschen überhaupt schwer machen möchte, ein Unternehmen zu eröffnen. Man könnte schließlich auch die Eröffnung einer Imbissbude erleichtern statt die Eröffnung eines Bordells mit mehr Bürokratie zu versehen.

„Das Gesetz möchte Prostituierte nicht nur vor gewalttätigen Zuhältern, sondern auch vor sich selbst schützen.“

Beim geplanten „Prostituiertenschutzgesetz“ geht es allerdings um mehr als um Bürokratie. Das Gesetz möchte Prostituierte nicht nur vor gewalttätigen Zuhältern, sondern auch vor sich selbst schützen. Wie sonst ist es zu erklären, dass es neben Auflagen für Bordelle auch Verbote von bestimmten Praktiken wie Flatrate-Sex und Gang-Bang-Partys geben soll?

Beim „Flatrate-Sex“ halten sich Männer ein paar Stunden oder die Nacht lang in einem Club auf. Dort werden sie von Frauen unterhalten, unter anderem mit Sex. Es handelt sich offenbar um eine Art von „Geisha“-Dienstleistung – wie die Unterhalterinnen in Japan heißen – nur weniger exklusiv. Bei Gangbang-Partys haben derweil mehrere Männer Sex mit einer Frau. Solange sich die Frauen freiwillig bereit erklären, diese Dienstleistungen anzubieten, geht das den Staat nichts an. Der Staat hat die Aufgabe, individuelle Rechte zu schützen und nicht, individuelle Rechte zu verletzen. Verbietet der Staat Frauen, mit mehreren Männern Sex zu haben oder sie eine Nacht lang sexuell zu versorgen, so tritt der Staat in die Rolle eines Zwangszuhälters. Der Staat schreibt Frauen dann vor, mit wie vielen Männern sie wie lange Sex haben dürfen.

„Der eigene Körper ist das Eigentum jedes Menschen – er gehört weder einem Zwangszuhälter noch dem Staat.“

Die Familienministerin nennt diese Praktiken „menschenunwürdig“ [4]. Ob eine Tätigkeit für einen Menschen unwürdig ist, kann dieser Mensch allerdings selbst entscheiden. Niemand darf dazu gezwungen werden, an Orgien teilzunehmen. Ebenso darf niemand gezwungen werden, nicht an bestimmten Orgien teilzunehmen – doch genau dies plant nun der Staat. Diesen staatlichen Eingriff in individuelle Rechte kann man zutreffender „menschenunwürdig“ nennen als die wildesten Sex-Partys.

Um es mit den Worten der amerikanischen Schriftstellerin und Philosophin Ayn Rands zu sagen: „Auf dem Weg zum Etatismus hat jede Einschränkung von Menschenrechten mit der Unterdrückung der am wenigsten attraktiven Ausübenden eines gegebenen Rechts begonnen.“ [5] Man muss von der Prostitution nicht moralisch überzeugt sein, um die Rechte von Menschen zu würdigen und zu achten, die sexuelle Dienstleistungen anbieten. Ich bin es nicht, also gehe ich weder zu Prostituierten, noch prostituiere ich mich selbst. Der eigene Körper ist das Eigentum jedes Menschen – er gehört weder einem Zwangszuhälter, noch dem Staat.