17.12.2025

Geschichtsklitterung im Film

Von James Heartfield

Titelbild

Foto: Buecherwurm_65 via Pixabay / CC0

Ein neuer Kinofilm über den arabischen Widerstand gegen den britischen Kolonialismus im Palästina der späten 1930er Jahren, „Palestine 1936", verzerrt die Geschichte zuungunsten der Juden.

„Palestine 36" ist ein neuer Film über den arabischen Widerstand gegen den Kolonialismus im britisch regierten Palästina der späten 1930er Jahre. Es ist eine bewegende und eindrucksvolle Geschichte, die jedoch unter einem großen Problem leidet: Sie ist nicht wahr.

Annemarie Jacirs Film sieht mit seiner Mischung aus wunderschön inszeniertem Leben in den Bergdörfern, Stadtansichten von Haifa und Cocktailpartys im Jazz-Zeitalter sehr authentisch aus. Er ist reich an aufwendigen Szenen, die mit Geldern von BBC Films und dem British Film Institute finanziert wurden. Die schauspielerischen Leistungen von Karim Daoud Anaya als Yusuf und Yafa Bakri als Witwe Rabab bewegen. Jeremy Irons, der den britischen Hochkommissar Arthur Wauchope spielt, und Robert Aramayo als britischer Geheimdienstoffizier Orde Wingate sind famose Music-Hall-Schurken.

Die Darstellung des Konflikts, auf dem der Film basiert – die Ereignisse von 1936 bis 1939 – ist weit weniger überzeugend. Jacir geht davon aus, dass die Briten im Auftrag der jüdischen Siedler handeln, die als bösartige und räuberische „Kolonisatoren” dargestellt werden. Die Wahrheit über die sogenannte Große Revolte ist jedoch, dass die Führer der palästinensischen Araber eher gegen die Juden als gegen den britischen Imperialismus waren – sie sagten sogar ganz offen, dass sie Großbritannien unterstützt hätten, wenn dieses die jüdische Einwanderung in das Mandatsgebiet Palästina gestoppt hätte.

„Im gesamten Film werden die Juden als das Problem dargestellt, während Großbritannien vorgeworfen wird, sich auf ihre Seite zu stellen."

Im gesamten Film werden die Juden als das Problem dargestellt, während Großbritannien vorgeworfen wird, sich auf ihre Seite zu stellen. In einer Szene beobachtet Rababs Tochter Afra die jüdischen Frauen beim Bau ihrer Siedlung und fragt, warum sie gekommen sind. Ihre Mutter antwortet: „Ihre Länder wollen sie nicht [...]. Ich weiß nicht, warum.“ Im Film wird gezeigt, wie den Juden von den Briten Land zugeteilt wird, das den Arabern weggenommen wurde. Das entsprach jedoch nicht der britischen Politik. Das Land, das die Juden 1936 besaßen, hatten sie von arabischen Eigentümern gekauft. „Palästina steht nicht zum Verkauf“, sagen die Demonstranten im Film. In Wahrheit stand es jedoch zum Verkauf, und zwar zu einem für die arabischen Landbesitzer recht lukrativen Preis.

Die Szene, in der die Hafenarbeiter von Haifa eine Waffenlieferung für die Siedler entdecken, hat sich tatsächlich so zugetragen. Aber auch hier wird den Zuschauern wieder eine tendenziöse Darstellung geboten. Einer der Hafenarbeiter fragt: „Warum, glaubst du, bewaffnen sie sich?“ Die offensichtliche Schlussfolgerung ist, dass die jüdischen Kolonisten planen, Palästinenser zu ermorden. Tatsächlich dienten die Waffen jedoch in erster Linie der Selbstverteidigung der Juden. Araber hatten 1920, 1921 und 1929 Hunderte von Juden getötet – historische Ereignisse, die in „Palästina 1936“ nicht erwähnt werden.

In Jacirs Darstellung begann der Konflikt, weil Juden begannen, Araber zu töten. Tatsächlich ist der erste Todesfall, den wir sehen, der eines Dorfbewohners, der mit den Siedlern sprechen wollte. Im wirklichen Jahr 1936 war das erste Opfer jedoch Israel Hazan, ein 70-jähriger jüdischer Einwanderer aus Saloniki, Griechenland. Er wurde auf seinen Knien erschossen, als er die arabische Miliz, die ihn entführt hatte, um Gnade anflehte. Erst im Sommer 1938 setzten sich die radikaleren Führer der jüdischen „Irgun“-Miliz mit ihrem Plädoyer für eine Gegenwehr durch, die sie rücksichtslos durchführten: „Zum ersten Mal seit Beginn des Großen Aufstands, zum ersten Mal in der Geschichte Palästinas, töteten Juden mehr Araber als umgekehrt“, schrieb der israelische Journalist Oren Kessler in seinem Buch „Palestine 1936“. Die Bombenanschläge der Irgun werden in Jacirs Film nachgestellt, jedoch zeitlich vorverlegt, sodass sie dort eine Ursache für den arabischen Terror sind statt einer Reaktion darauf.

Ein weiteres Ziel des Films ist der halb-fiktive Muslimrat, der in Jacirs Darstellung die Revolte nicht anführt und mit den Juden kollaboriert. Mit der Begeisterung für zionistische Verschwörungstheorien, die auf der pro-palästinensischen Seite dieser Debatte nur allzu verbreitet ist, lässt Jacir die Journalistin Khuloud Atef (Yasmine Al Massri) die Schecks der Zionisten aufdecken, die der Rat erhalten habe, um die Bewegung zu verraten.

„Die Bombenanschläge der Irgun werden in Jacirs Film zeitlich vorverlegt, sodass sie dort eine Ursache für den arabischen Terror sind statt einer Reaktion darauf."

Die tatsächliche Führung der Großen Revolte war in der Tat schlecht, allerdings nicht, weil sie von Zionisten geleitet worden wäre. Vielmehr wurde sie vom Arabischen Hohen Komitee von Mufti Haj Amin al-Husseini (auf dem der Muslimrat basieren muss) geleitet. Husseini war keineswegs zu versöhnlich, sondern drängte auf eine Konfrontation bis zur Selbstzerstörung. Sein Aufruf zu einem Generalstreik machte den Weg frei für die zionistische Arbeiterbewegung Histadrut, ihren eigenen Hafen in Tel Aviv zu bauen und damit den arabischen Hafen von Haifa auszuschalten. Die Unterstützung des Muftis für den Terror gab den jüdischen Milizen der Haganah und der militanteren Irgun die Rechtfertigung, sich zu bewaffnen. Und Husseinis Boykott der Königlichen Untersuchungskommission, die mit der Untersuchung der Ursachen des Konflikts beauftragt war, gab dem Zionisten Chaim Weizmann („Freund der britischen herrschenden Klasse“) die Gelegenheit, den Vorsitzenden Lord Peel von der Vernünftigkeit der zionistischen Position zu überzeugen.

Vor allem aber wurde der Arabische Hohe Rat gegründet, um Juden daran zu hindern, nach Palästina zu kommen, und nicht, um das Land unabhängig zu machen. Seine Daseinsberechtigung war rein sektiererischer Natur und trug ebenso wie die Irgun zur späteren Teilung des Landes bei.

Im gesamten Film stellt Jacir die Briten als völlig voreingenommen zugunsten der Juden dar – eine weitere Verzerrung. Es gab ebenso viele britische Vertreter, die sich für die arabische Sache einsetzten, wie solche, die sich für die andere Seite stark machten. Genauer gesagt neigten die Briten dazu, diejenigen zu bevorzugen, die ihnen am wenigsten Ärger bereiteten, was bedeutete, dass sie 1936 die Juden gegen die Araber und 1947/48 die Araber gegen die Juden unterstützten. Die Empfehlungen der Peel-Kommission von 1937, die die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat vorschlug, wurden tatsächlich vom Außenminister Anthony Eden abgelehnt. Er tat dies, weil die britische Regierung befürchtete, dass die Empfehlungen die arabische Welt in die Arme Nazi-Deutschlands treiben würden – was ohnehin geschah.

Jacirs Film endet damit, dass Kareem aus dem Gefängnis entlassen wird und sich Kuloud und seiner Kindheitsfreundin Afra bei Protesten für Palästina anschließt. Da er im Film jedoch etwa 12 Jahre alt ist, als er inhaftiert wird, und etwa 20, als er freigelassen wird, wäre Palästina zu dieser Zeit von zionistischen Protesten und einem jüdischen Kampf um nationale Befreiung erschüttert gewesen – eine reale Geschichte, die Jacirs Film nicht darzustellen vermag.

„Palestine 36" feierte als offizieller Oscar-Beitrag für Palästina seine Weltpremiere auf dem Toronto International Film Festival, wo er mit 20-minütigen Standing Ovations geehrt wurde. In Deutschland kommt der Film im Mai 2026 in die Kinos..

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