21.11.2014

Lupinen als politisch korrekter Gaumenschmaus

Kurzkommentar von Thilo Spahl

Am Mittwoch ist der mit 250.000 Euro dotierte Deutsche Zukunftspreis 2014 verliehen worden. Er wurde Ernährungsforschern zuteil: Lupinen sollen künftig Milch und Wurst ersetzen können. Der Autor beabsichtigt dennoch, an seinen Essgewohnheiten festzuhalten.

„Verdammt, Sie stirbt, und alles, was Sie uns bringen, sind Lupinen. Alles, was wir in den letzten Wochen vier Wochen gegessen haben, war Lupinensuppe, geröstete Lupinen, gekochte, gedämpfte in Soße. Lupinen in Körbchen mit sautierten Lupinen, Lupinen Meringué, Sorbet, wir sitzen auf Lupinen, schlafen drauf und füttern die Katze damit, wir verbrennen Lupinen, wir ziehen die Mistdinger sogar an. .“ - Monty Python [1]


Es gab Zeiten, da entsprach die vegane Lebensweise nicht dem Ideal des guten Lebens. Diese Zeiten liegen in der Vergangenheit. Mit dem „Deutschen Zukunftspreis 2014 Preis für Technik und Innovationen“ wurden vom Bundespräsidenten Joachim Gauck am 19. November zwei Damen und ein Herr ausgezeichnet, denen es gelungen ist, die Genießbarkeit von Lupinen durch die Eliminierung grasigen Beigeschmacks in einem aufwändigen technischen Prozess zu verbessern.

Der 19. November 2014 war also ein guter Tag für Veganerinnen und Veganer und Verächter fleischlicher Produkte sonstigen Geschlechts. Für sie besteht Grund zur Hoffnung, dass sich ihre Ernährungssituation dank einer neuen Quelle wertvoller Proteine zum Besseren verändern wird.

„Ein guter Tag für die Schwachen unter uns, für die Unbeherrschten, die Fleisch-Junkies“

Es war gewiss auch ein guter Tag für Deutschland. Der ausgezeichnete Peter Eisner, Leiter der Abteilung Verfahrensentwicklung, Pflanzliche Rohstoffe und Lebensmittel am Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung erinnert sich an die Anfänge seiner Forschung, die nun endgültig Früchte trägt: „Ende der 1980er-Jahre hat unser damaliger Institutsleiter erkannt, wie wichtig es ist, über einheimische Proteinpflanzen zu verfügen.“ [2] Die Lupinen weisen den Weg in die Unabhängigkeit. In Zukunft werden wir nicht mehr auf den Import von Sojabohnen aus Ländern angewiesen sein, die das Recht veganer und nichtveganer Konsumenten auf gentechnikfreie Ernährung mit Füßen treten.

Der 19. November war gewiss auch ein guter Tag für den modernen Großstadtbewohner, der schon seit 2011 das vegane Lupinen-Speiseeis Lupinesse [3] der ausgezeichneten Firma Prolupin GmbH aufgrund dessen Milch-, Laktose-, Cholesterin-, Gluten- und Gentechnikfreiheit zu schätzen weiß und sich jetzt auch noch auf weitere Produkte freuen darf – von veganen Eiweißdrinks über vegane Mayonnaise bis hin zu fruchtigen Smoothies mit Lupinenproteinen. Und er war gut für Studierende, die einen Master in „Nachhaltiger Dienstleistungs- und Ernährungswirtschaft” anstreben. [4]

Ein guter Tag war jener letzte Mittwoch natürlich auch für die Schwachen unter uns, für die Unbeherrschten, die Fleisch-Junkies. Mit den Produkten der Zukunft sollen nicht zuletzt Menschen angesprochen werden, die ihren Konsum toter Tierteile reduzieren möchten. Sie haben berechtigte Hoffnung, dass die Entwicklung der Verfahrenstechnik zur Herstellung der sensorischen Ununterscheidbarkeit von Schweineschnitzel und Lupinenschnitte solche Fortschritte macht, dass es in absehbarer Zeit möglich wird, von fürsorglichen Mitmenschen ein Exemplar der zweiten Art für eines der ersten untergeschoben zu bekommen.

Gut war jener 19. November schließlich insgesamt und im Großen und Ganzen im Sinne der Nachhaltigkeit für die Welt. Aber auch für Maria L. Sanz und ihre Kollegen war es ein guter Tag. Die Autoren der Studie „Lupinenallergie: ein versteckter Killer im Haushalt“ [5] werden als Experten sicher in Zukunft gefragter sein. Und für die EU. Sie kann beanspruchen, Voraussicht bewiesen zu haben, als sie 2006 beschloss, Lupineneiweiß als „verstecktes Nahrungsmittelallergen“ einzustufen und der Deklarationspflicht zu unterwerfen.
Na, lieber Leser, Appetit bekommen? Wie wär‘s dann mit einer „Pikanten Lupinen-Pfanne“? [6]