07.02.2022

In Schweden ist Corona offiziell vorbei

Von Sebastian Rushworth

Titelbild

Foto: Sabine Beppler-Spahl

Das Land kann als Kontrollgruppe betrachtet werden. Es erlaubt uns, zu beurteilen, wie notwendig oder nützlich Lockdowns waren.

Die schwedische Regierung hat beschlossen, ab dem 9. Februar alle Beschränkungen im Zusammenhang mit Corona aufzuheben. Außerdem darf bei Veranstaltungen und an öffentlichen Orten nicht mehr der Nachweis einer Impfung verlangt werden. Darüber hinaus empfiehlt die Gesundheitsbehörde, Corona nicht mehr offiziell als „Gefahr für die öffentliche Gesundheit" einzustufen. Schweden ist nach Dänemark und Norwegen das dritte nordische Land, das die Corona-Beschränkungen aufhebt.

Mit dieser Entscheidung wird die Tatsache akzeptiert, dass Corona nicht mehr als Pandemie, sondern als endemische Krankheit gilt. Die Gesundheitsbehörde schätzt, dass sich in der vergangenen Woche 500.000 Schweden mit Covid-19 infiziert haben (das ist doppelt so viel wie die Zahl der bestätigten Fälle). Gleichzeitig starben nur 181 Menschen an bzw. mit der Krankheit (möglicherweise mehr „mit" als „an"). Damit liegt die derzeitige Sterblichkeitsrate von Corona in der gleichen Größenordnung wie bei anderen Erkältungskrankheiten. Wie von vielen seit langem vorhergesagt, hat sich Covid-19 zur fünften Coronavirus-Erkrankung der „Erkältungszeit" entwickelt.

Jetzt, da die Pandemie offiziell vorbei ist, erscheint es mir interessant, zurückzublicken und zu sehen, wie schlimm sie tatsächlich war. Bevor wir das tun, sollten wir uns daran erinnern, dass Schweden während der gesamten Pandemie sehr locker war. Das heißt, das Land dient als nützliche „Kontrolle", um zu verstehen, wie sich die Pandemie auswirkt, wenn man keine Lockdowns verhängt, Schulen nicht schließt und die Menschen nicht zum Tragen von Masken zwingt.

„Auf einen starken Rückgang der Sterblichkeit in einem Jahr folgt in der Regel ein Anstieg der Sterblichkeit im darauffolgenden Jahr."

Wenn wir verstehen wollen, wie tödlich die Pandemie war, dann ist die Gesamtsterblichkeit die beste Kennzahl, die wir betrachten sollten. Sie ist die einzige Kennzahl, die nicht leicht manipuliert werden kann. „Corona-Todesfälle" sind keine gute Kennzahl, weil sie interpretierbar sind. Verschiedene Ärzte, verschiedene Krankenhäuser und verschiedene Länder definieren Corona-Todesfälle unterschiedlich. Und oft werden in offiziellen Statistiken „Todesfälle mit Corona" (d. h. Todesfälle aus anderen Ursachen, bei denen die Person zufällig Corona oder zumindest einen positiven Corona-Test hatte) als „Corona-Todesfälle" gewertet, was es schwierig macht, festzustellen, wie tödlich die Krankheit tatsächlich ist.

Das staatliche schwedische Statistikamt (SCB) erstellt hervorragende Statistiken, möglicherweise die zuverlässigsten offiziellen Statistiken der Welt. Und Harold auf Twitter hat auf der Grundlage dieser Statistiken sehr hilfreiche Diagramme erstellt. Hier die Gesamtsterblichkeit in Schweden von 1991 bis 2021, mit freundlicher Genehmigung des SCB und von Harold.

Abb. 1: Gesamtsterblichkeit in Schweden 1991-2021, Quelle: s.o.

Was sehen wir?

Nun, wir sehen einen allmählichen Rückgang der Gesamtsterblichkeit über den Zeitraum von 30 Jahren, von etwa 1100 Todesfällen pro 100.000 in den frühen 1990er Jahren auf durchschnittlich etwa 900 Todesfälle pro 100.000 in den letzten fünf Jahren. Dieser Rückgang dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass die Lebenserwartung in Schweden in den letzten 30 Jahren erheblich gestiegen ist, von 78 Jahren im Jahr 1991 auf heute 83.

Als nächstes sehen wir eine ungewöhnlich niedrige Gesamtsterblichkeit im Jahr 2019. Damit war Schweden „reif" für ein überdurchschnittlich schlechtes Jahr 2020, und zwar aufgrund der einfachen Tatsache, dass auf Jahre mit unterdurchschnittlicher Sterblichkeit in der Regel Jahre mit überdurchschnittlicher Sterblichkeit folgen (denn Untersterblichkeit bedeutet, dass es zu Beginn des nächsten Jahres mehr sehr gebrechliche Menschen gibt, die kurz vor dem Tod stehen). Dies wird in der obigen Grafik deutlich: Auf einen starken Rückgang der Sterblichkeit in einem Jahr folgt in der Regel ein Anstieg der Sterblichkeit im darauffolgenden Jahr. Es war also immer zu erwarten, dass die Sterblichkeit im Jahr 2020 über dem Durchschnitt liegen würde.

„2021 war das am zweitwenigsten tödliche Jahr der schwedischen Geschichte!"

Dann kommen wir zum Jahr 2020, und wir sehen eine Auswirkung der Pandemie (in Kombination mit der ohnehin erwarteten leicht überdurchschnittlichen Sterblichkeit) mit einer Gesamtsterblichkeit von etwa 945 pro 100.000 Menschen, verglichen mit dem Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre, der 900 pro 100.000 Menschen beträgt. Im Jahr 2020 gab es also 45 zusätzliche Todesfälle pro 100.000 Menschen im Vergleich zum Durchschnitt der vorangegangenen fünf Jahre, was etwa 4.600 Menschen entspricht. Das bedeutet, dass die Pandemie in Verbindung mit der Tatsache, dass das Jahr 2020 auf ein Jahr mit einer ungewöhnlich niedrigen Gesamtsterblichkeit folgte, zu etwa 4.600 zusätzlichen Todesfällen führte, was 0,04 Prozent der schwedischen Bevölkerung entspricht.

Was können wir daraus schließen?

Ja, es gab einen kleinen Anstieg der Sterblichkeit im Jahr 2020 aufgrund von Corona, aber er war verdammt gering. Ich sage nicht, dass Corona für Teile der Bevölkerung keine ernste Bedrohung ist. Aber alle Behauptungen, dass es sich um eine enorm tödliche Pandemie auf dem Niveau der Spanischen Grippe handelt, sind eindeutig übertrieben. Das wird besonders deutlich, wenn wir einen Blick auf das Jahr 2021 werfen. Wie aus dem obigen Schaubild hervorgeht, gab es im Jahr 2021 überhaupt keine Übersterblichkeit. Tatsächlich war 2021 das am zweitwenigsten tödliche Jahr der schwedischen Geschichte!

Und das, obwohl die offiziellen Statistiken für 2021 zusätzliche 6000 Todesfälle mit bzw. an Corona in Schweden ausweisen. Bei den meisten dieser 6000 Todesfälle handelte es sich entweder um Todesfälle „mit" und nicht „an" Corona, oder die Menschen, die an Corona starben, waren größtenteils dem Tod so nahe, dass sie auch ohne Corona im Jahr 2021 gestorben wären.

Wenn wir die Daten nach Monaten aufschlüsseln (wiederum mit freundlicher Genehmigung von Harold und SCB), sehen wir etwas Interessantes. Hier ist das Diagramm:

Abb. 2: Statistische Abweichungen der Sterblichkeit in Schweden, Quelle: s.o.

Wir sehen, dass es in Schweden von April bis Juni 2020 und dann noch einmal von November 2020 bis Januar 2021 eine Übersterblichkeit gab. In allen anderen Monaten des Zweijahreszeitraums lag die Sterblichkeit unter dem, was zu erwarten gewesen wäre. Die durch das Virus verursachte Übersterblichkeit konzentrierte sich also auf zwei kurze Zeiträume, einen im späten Frühjahr 2020 und einen weiteren im Winter 2020/2021. Außerhalb dieser kurzen Zeiträume war eigentlich nicht viel los. Die schwedische Regierung hat die Pandemie jetzt offiziell für beendet erklärt, aber wenn man sich die Gesamtsterblichkeitsstatistiken ansieht, sieht es wirklich so aus, als wäre die Pandemie schon vor einem Jahr beendet gewesen.

So sieht also die Corona-Bilanz von Schweden aus, dem Land, das nie in den Lockdown gegangen ist und das in der Anfangsphase der Pandemie weithin als „Paria-Staat" verunglimpft wurde. Wenn man sich die Gesamtsterblichkeitsstatistiken ansieht und die Zahl der tatsächlich Verstorbenen betrachtet, wird deutlich, dass Schweden wahrscheinlich das Land war, das am vernünftigsten auf die Pandemie reagierte, mit Maßnahmen, die dem Ausmaß der Bedrohung weitgehend angemessen waren. Der Rest der Welt hat im Vergleich dazu mit Vorschlaghämmern auf Fliegen eingeschlagen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie die Gesamtsterblichkeitsdaten in anderen Ländern aussehen. Da Schweden mit seinen sehr geringen Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Jahr 2020 nur eine geringfügige Übersterblichkeit und im Jahr 2021 keine Übersterblichkeit zu verzeichnen hatte, ist es klar, dass Covid-19 selbst keinen großen Schaden angerichtet hat. Das bedeutet, dass eine im Vergleich zu Schweden höhere Sterblichkeitsrate in den Lockdown-Ländern nicht allein auf das Virus selbst zurückzuführen sein kann. Sie muss noch andere Gründe haben. Da der einzige Unterschied zwischen Schweden und den anderen Ländern während des Zweijahreszeitraums das Fehlen bzw. Vorhandensein von Lockdowns ist, lässt sich eine solche übermäßige Sterblichkeit mit ziemlicher Sicherheit durch Lockdowns erklären.

„Trotz der harten Maßnahmen gab es in den USA also deutlich mehr Corona-Tote als in Schweden!"

Nehmen wir die USA als Beispiel. Im Gegensatz zu Schweden wurden in weiten Teilen der USA drakonische Lockdowns verhängt. Haben diese Corona-Todesfälle verhindert? Nun, wenn wir uns nur die nackten Zahlen ansehen, können wir keinen Vorteil feststellen. Offiziellen Statistiken zufolge sind bisher 0,27 Prozent der US-Bevölkerung an oder mit Corona gestorben, verglichen mit nur 0,16 Prozent der schwedischen Bevölkerung – trotz der harten Maßnahmen gab es in den USA also deutlich mehr Corona-Tote als in Schweden!

Dies steht im Einklang mit den zahlreichen Belegen für die Unwirksamkeit von Lockdowns. Da wir nun also wissen, dass Lockdowns das Virus nicht aufhalten können, würden wir erwarten, dass sich die Pandemie in den USA ähnlich wie in Schweden auf die Gesamtsterblichkeit auswirkt, d. h. man würde einen geringen Anstieg der Gesamtsterblichkeit erwarten. Wenn hingegen in den USA ein viel stärkerer Anstieg zu verzeichnen ist als in Schweden, dann ist dieser Anstieg wahrscheinlich auf Lockdowns zurückzuführen. Was sehen wir also?

Nun, hier ist ein Diagramm der Gesamtsterblichkeit für die letzten sieben Jahre, das auf Daten der CDC beruht:

Abb. 3: Gesamtsterblichkeit in den USA, Quelle: Autor.

Wir sehen einen Anstieg der Gesamtsterblichkeit in den Jahren 2020 und 2021, der deutlich höher ist als in Schweden. In Schweden beträgt der relative Anstieg der Gesamtsterblichkeit für 2020-2021 im Vergleich zu den vorangegangenen fünf Jahren ein Prozent (von durchschnittlich 900 Todesfällen pro 100.000 in den Jahren 2015-2019 auf durchschnittlich 912 Todesfälle pro 100.000 in den Jahren 2020-2021).

In den USA beträgt der relative Anstieg der Gesamtsterblichkeit dagegen 18 Prozent! (Von 860 Todesfällen pro 100.000 im Zeitraum 2015-2019 auf 1016 Todesfälle pro 100.000 im Zeitraum 2020-2021). Das ist ein 18-fach höherer Anstieg der Sterblichkeit während der zwei Jahre der Pandemie in den USA als in Schweden!

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die USA weniger als doppelt so viele Corona-Todesfälle zu beklagen haben wie Schweden (wie bereits erwähnt, 0,27 % der US-Bevölkerung gegenüber 0,16 % der schwedischen Bevölkerung), aber 18-mal so viele überzählige Todesfälle! Dieser enorme Unterschied lässt sich eindeutig nicht durch das Virus erklären. Er muss durch etwas anderes erklärt werden. Die einzige vernünftige Erklärung, die mir einfällt, ist, dass dies auf die katastrophalen Auswirkungen von Lockdowns auf die öffentliche Gesundheit zurückzuführen ist. Es wird interessant sein zu sehen, ob die US-Bevölkerung ihre politischen Führer in den kommenden Jahren für diese massiv zerstörerische Fehleinschätzung verantwortlich machen wird.