19.03.2015

Golden Rice Report 2 – Bangladesch

Analyse von Hans-Jörg Jacobsen

Der zweite Bericht der Golden Rice Asian Tour. Dabei geht es um die Legalisierung des gentechnisch veränderten „Goldenen Reis“, der als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen Vitamin-A-Mangel gilt. In Bangladesch gibt es bei dessen Anbau Komplikationen

Von den Philippinen ging es nach Bangladesch, dies aus zwei Gründen: Zum einen wollten wir erfahren, wie weit die Arbeiten zur Einkreuzung der Gene für die-Vitamin A-Synthese in die für Bangladesch wichtigen Reissorten gediehen sind, zum anderen wollten wir unseren Respekt für die politische Führung in Bangladesch zum Ausdruck bringen, die 2013 als erstes Land in Asien eine gentechnisch verbesserte Gemüsesorte, die Bt-Aubergine (oder Bt-brinjal) für den Anbau freigegeben hatte. Auf dem Programm standen eine Pressekonferenz (die sehr gut besucht war), ein Termin bei der Landwirtschaftsministerin, der Besuch eines Feldes mit der Bt-Aubergine sowie beim Bangladesh Rice Research Institute (BRRI).

Wenn man nach Bangladesch kommt, kommt man in ein Land in Unruhe, sowohl politisch als auch was den Straßenverkehr angeht. Die gegenwärtige Opposition hatte die letzten Wahlen boykottiert, erkennt nun, da sie in der Konsequenz nicht mehr im Parlament vertreten ist, dass das keine gute Entscheidung war und versucht mit Anschlägen und Demonstrationen, bald wieder Wahlen zu erzwingen. Was den Straßenverkehr betrifft, so ist in Bangladesch eine rote Ampel weniger als eine freundliche Empfehlung, entsprechend viel Zeit verbringt man auf der Straße im Stau.

Umso wohltuender ist die klare Haltung der Regierung zur Gentechnik in der Landwirtschaft. Die langjährige Landwirtschaftsministerin Matia Chowdhury bekennt sich angesichts der Probleme, die das Land zu lösen hat, klar zum Einsatz gentechnisch verbesserter Nutzpflanzen. Frau Chowdhury ist damit der seriöse Gegenentwurf zu der Anti-GMO-Diva und Hochstaplerin Vandana Shiva. Sie argumentiert sachlich und erklärt auch, warum sie im Oktober 2013 die Bt-Aubergine zum Anbau freigegeben hatte. Da die Aubergine in Bangladesch das wichtigste Gemüse ist, wird sie in großen Mengen (aber auf kleinen Feldern) angebaut. Um überhaupt Auberginen produzieren zu können, muss zur Abwehr von Schadinsekten, vor allem dem „Fruit and Shootborer“ (FSB), bis zum Tag der Ernte mit Insektiziden gearbeitet werden. Das führt zu Gesundheitsschäden bei den Anwendern und zu heftigen Rückständen im Produkt sowie zu hohen Kosten, auch für die Umwelt.

„Hunderttausende Kinder müssen weiterhin an Vitamin A-Mangel erblinden und sterben“

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wer im Vorfeld dieser Entscheidung die Proteste gegen die Zulassung angeführt hatte. Das waren neben diversen aus dem Ausland finanzierten „Umweltschutzorganisationen“ auch die Insektizidhersteller. Dazu muss man wissen, dass in Ländern wie Bangladesch oder Indien Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die bei uns aufgrund ihrer Toxizität kaum eine Zulassung erhalten hätten.

Im Oktober 2013 wurden Auberginensetzlinge an 20 ausgesuchte Landwirte im ganzen Land verteilt, mittlerweile bauen 108 Landwirte die insektenresistente Aubergine an. Es ist damit zu rechnen, dass das Saatgut auch seinen Weg nach Indien und die benachbarten Länder finden wird. Ein Versuch der Anti-GMO-Mafia, mit gefälschten Bildern der Öffentlichkeit weis zu machen, der Versuch sei gescheitert, ist, nachdem Mark Lynas das überprüft hat und die Fälschung entlarven konnte, ins Leere gelaufen.[1]

Weniger klar ist die Situation beim Goldenen Reis. Die Freilandversuche wurden vom BRRI durchgeführt und verliefen nach dem auch in Bangladesch sehr umfänglichen Prüf- und Genehmigungsverfahren erfolgreich. Die Erträge einiger Linien stimmten und die Produktion der Vitamin A-Vorstufe war wie erwartet hoch. Trotzdem hat das IRRI, das federführende internationale Institut auf den Philippinen, den Stopp der Arbeiten angeordnet. Die Begründungen dafür waren nicht schlüssig und standen im Widerspruch zu den Ergebnissen, die von den Wissenschaftlern in Bangladesch gefunden worden waren. Sie haben daher dort massive Verärgerung ausgelöst. Wir werden der Sache nachgehen und dabei die Rolle des IRRI genauer untersuchen. Immerhin, im April will das IRRI neues Saatgut nach Bangladesch liefern, dann sollen die Arbeiten weitergehen.

Es ist schon eine aberwitzige Situation: Überzogene Regularien zur Verhinderung nicht vorhandener Risiken sorgen dafür, dass weiterhin hunderttausende Kinder an Vitamin A-Mangel erblinden und sterben müssen. Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung, ein gegenüber politischen Pressionen fast wehrloses internationales Agrarforschungszentrum wie das IRRI mit einer geradezu diktatorischen Federführung zu beauftragen, vielleicht nicht ganz klug gewesen.