16.03.2015

Golden Rice Report 1 – Philippinen

Analyse von Hans-Jörg Jacobsen

Ein Bericht von der Golden Rice Asian Tour. Mit der Tour setzt sich die Kampagne „Allow Golden Rice Now!“ für die Legalisierung des gentechnisch veränderten „Goldenen Reis“ ein. Der Reis gilt als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen Vitamin-A-Mangel.

Wir sind in Asien unterwegs, um den Kampagnen westlicher NGOs gegen die Einführung von Goldenem Reis etwas entgegenzusetzen. Unsere erste Station sind die Philippinen.

Was ist der Goldene Reis? Goldener Reis ist ein gentechnisch verbesserter Reis, der in der Lage ist, Vitamin A zu synthetisieren. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erblinden in Asien und Afrika jährlich zwischen 250.000 und 500.000 Kinder durch den Mangel an Vitamin A. Bis zu zwei Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Immunschwäche, weil ihre Hauptnahrungsquelle Reis kein Vitamin A enthält und ihr Immunsystem sich nicht richtig entwickeln konnte.

Die Kampagne „Allow Golden Rice Now!“ wurde 2013 an einem Küchentisch im Norden von Vancouver Island von Patrick Moore, seiner Frau Aileen und seinem Bruder Michael ins Leben gerufen. Patrick war 1972 einer der Gründer von Greenpeace, hat die Organisation aber in den 1980er-Jahren verlassen, weil sie immer stärker ihre ursprünglichen Ziele verraten hat.
Auslöser war die von Greenpeace organisierte Zerstörung eines Versuchsfeldes in den Philippinen. Angebliche „Reisbauern“ verwüsteten einen Freilandversuch mit einer neuen Variante des Goldenen Reis. Die Meldung und die Bilder, die – wer mag Böses dabei denken –  in Echtzeit von Greenpeace verbreitet wurden, zeigten junge, modisch gekleidete Menschen mit grell gefärbten Haaren, Tattoos auf dem ganzen Körper, mit Smartphones und Videokameras in den Händen bei ihrer Aktion.

„Alle renommierten wissenschaftlichen Organisationen haben dem Goldenen Reis Unbedenklichkeit bescheinigt“

Wer die Philippinen kennt, weiß, dass die kleinen Reisbauern nicht so aussehen und nicht so ausgestattet sind. Sie kämpfen jeden Tag um das Überleben ihrer Familien. Ein Reisfeld zu zerstören, käme ihnen nie in den Sinn. Sie sind davon geprägt, dass man den Reis pflegen und anbauen muss, um ihn zu ernten. Greenpeace und seine mit deutschen Spendengeldern finanzierten philippinischen Helfer warben „Urban Activists“ an, denen jeder Respekt vor der Kulturpflanze Reis abgeht. Die Öko-Aktivisten kennen nur das Stadtleben.

Am ersten Tag unserer Tour waren wir beim International Rice Research Institute (IRRI) in Los Banos, um uns über den aktuellen Stand der Arbeiten am Goldenen Reis zu informieren. Das IRRI ist ein internationales Forschungszentrum mit dem globalen Mandat zur Verbesserung der Reiszüchtung. Es wurde im Jahr 1960 von Stiftungen gegründet und wird heute überwiegend durch Mittel aus den entwickelten Ländern finanziert, auch aus Deutschland. (Um den Grünen im Bundestag eine kleine Anfrage zu ersparen: Nein, es fließen keine Bundesmittel in die Forschung zum Goldenen Reis.) Das IRRI hält auch die globale Genbank aller bekannten genetischen Ressourcen, zurzeit sind es 127.000 verschiedene Genotypen.

Die Forschungsergebnisse des IRRI stehen allen interessierten Ländern frei zur Verfügung. Da es sich beim IRRI um eine weltweit respektierte Institution handelt, wurden hier auch alle weiteren Entwicklungsarbeiten zum Goldenen Reis konzentriert. Der Prototyp des Goldenen Reises war Ende der 1990er Jahre von Ingo Potrykus (ETH Zürich) und Peter Beyer (Uni Freiburg) entwickelt worden und wurde 2005 entscheidend optimiert. Da es sich um ein humanitäres Projekt handelt, wird das Saatgut für den Goldenen Reis nicht teurer als konventionelles Saatgut sein. Einmal erworben, kann es auch selbst nachgebaut werden.

Es wurde in unseren Gesprächen mit den Wissenschaftlern des IRRI sehr deutlich, dass die hohen Anforderungen an die biologische Sicherheit und die besonders komplizierte Antragstellung auf den Philippinen die Hauptursachen dafür sind, dass der Goldene Reis noch nicht auf dem Markt ist. Das IRRI nimmt diese Regelungen sehr ernst, um das Projekt nicht zu gefährden. Eine nicht beachtete Vorschrift kann zu gravierenden juristischen Konsequenzen und zum Ende des Projekts führen.

Diese Haltung ist verständlich, führt aber angesichts der Tatsache, dass umfängliche weltweite Forschungen bislang keinerlei Hinweis auf besondere Risiken durch gentechnisch veränderte Pflanzen ergeben haben, zu der Frage, ob derartige Regelungen heute noch sinnvoll sind.
Alle renommierten Institutionen und wissenschaftlichen Organisationen haben dem Goldenen Reis Unbedenklichkeit bescheinigt. Die Ablehnung durch die organisierten Gentechnikgegner wird nach wie vor lediglich mit den berühmten „unbekannten Risiken“ begründet.

„Offenbar geht es den Gegnern des Goldenen Reises nicht um die Linderung von Leid“

Es ist schon bizarr: Täglich erblinden und sterben Kinder, und substanzlose Anwürfe und völlig überzogene Regularien sorgen dafür, dass dieses unnötige Leiden nicht gestoppt wird. Offenbar geht es den Gegnern des Goldenen Reises nicht um die Linderung von Leid. Vielmehr ist es wohl der drohende Gesichtsverlust, der sie in diesen brutalen Zynismus verfallen lässt. Auch zeigt sich an der von Greenpeace finanzierten Kampagne die Bigotterie: Greenpeace behauptet, dass es andere Wege gäbe, den Vitamin A-Mangel zu bekämpfen, setzt aber keinen Cent seiner Spendenmillionen ein, um tätig zu werden. Stattdessen werden zweifelhafte Organisationen wie Masipag auf den Philippinen finanziert, um die Drecksarbeit für Greenpeace zu erledigen. Masipag ist ein Bündnis von Ökobauern und NGOs, die gegen Gentechnik vorgehen.

Die nächste Station war der Presseclub in Manila, wo wir eine sehr gut besuchte Pressekonferenz abhielten. Horst Rehberger, ehemaliger Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt, wies in seinem Statement darauf hin, dass es in Deutschland Umweltgruppen gibt, die der Meinung sind, es gäbe ohnehin zu viele Menschen auf dem Planeten. Darin stecke die Anmaßung, dass sie es offenbar zu entscheiden hätten, wer auf diesem Planeten leben darf und wer nicht. Kern der Pressekonferenzen war ein Vortrag von Patrick Moore, in dem er seine Vergangenheit bei Greenpeace erläuterte, warum er seit 30 Jahren nichts mehr mit der Organisation zu tun haben will und warum er die Kampagne „Allow Golden Rice Now!“ gegründet hat.

Masipag, der verlängerte Arm von Greenpeace auf den Philippinen, hatte eine Protestaktion gegen unsere Pressekonferenz angekündigt, die aber nicht stattfand. Seltsamerweise fanden sich auf deren Website dennoch Bilder von einer angeblichen Demo. [1] Sie waren identisch mit Bildern einer Masipag-Demo von vor 6 Monaten. Es ist schon lustig, zu sehen, wie diese Organisationen das Mittel einer virtuellen Demo einsetzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie merken dabei nicht, dass sie in vorzüglicher Weise die Substanzlosigkeit ihrer Argumente gegen den Goldenen Reis belegen.

Unsere nächste Station wird Dhaka in Bangladesch sein. Dann geht es weiter nach Indien.