24.10.2019

Die „Klimakrise”, von der niemand spricht

Von Rob Lyons

Titelbild

Foto: tpsdave via Pixabay / CC0

Zehntausende werden sterben und die Ernteerträge werden dramatisch sinken.

Während sich die Aktivisten von Extinction Rebellion an die Gebäude und Straßen Londons kleben und die Großen und Guten der Welt an Greta Thunbergs Lippen hängen, kommt ein Klimaereignis auf uns zu, das uns viel, viel früher betreffen wird als die „Klimakatastrophe", die im Mittelpunkt so vieler Aufmerksamkeit steht.

Schauen wir uns nur die Auswirkungen an, die es auf das Vereinigte Königreich haben wird. Zehntausende Menschen werden sterben. Infektionskrankheiten werden sprunghaft ansteigen, manchmal mit tödlichen Folgen. Die Sonne wird für große Teile des Tages vom Himmel verschwinden – einige nördliche Teile Großbritanniens werden bald weniger als sechs Stunden Tageslicht pro Tag verzeichnen. Die pflanzliche Produktion wird dramatisch zurückgehen. Reisen werden manchmal schwierig, ja sogar unmöglich sein. Die Menschen werden in die Geschäfte strömen, um Schutzkleidung zu kaufen. Wir werden reichlich zusätzliche Energie produzieren und verbrauchen müssen, was bedeutet, dass die Stromrechnungen der Haushalte in die Höhe schnellen werden.

Aber das Vereinigte Königreich hat Glück – uns wird es nicht am härtesten treffen. In vielen anderen Ländern werden die Bedingungen weitaus extremer sein. Darüber hinaus haben führende Wissenschaftler bestätigt, dass dieses gefährliche Klimaereignis von nun an jedes Jahr stattfinden wird. Teile der südlichen Hemisphäre werden etwa sechs Monate später ähnliche Probleme haben wie die nördliche Hemisphäre.

Das Klimaereignis, wovon hier die Rede ist, ist natürlich der Winter. Es mag lächerlich scheinen, den Winter mit den obigen Begriffen zu beschreiben, obwohl alles oben Geschriebene der Wahrheit entspricht (abgesehen von der Notwendigkeit, dass „führende Wissenschaftler" seine Ankunft bestätigen müssen). Der Temperaturabfall von Sommer zu Winter ist enorm, selbst in einem gemäßigten Land wie Großbritannien. Laut der Wetterbehörde UK Met Office variieren die durchschnittlichen täglichen Höchsttemperaturen im Londoner Greenwich Park von 23,4 Grad Celsius im Juli bis 8,1 Grad Celsius im Januar – ein Rückgang von über 15 Grad. Die Differenz zwischen der höchsten Temperatur in einem bestimmten Jahr und der niedrigsten liegt noch viel höher.

Zehntausende Menschen sterben im Winter. Erkältungen und Grippe grassieren und töten einen kleinen Teil der Millionen, die darunter leiden. Unterkühlung bringt tragischerweise immer noch viele Menschen um. Tatsächlich sterben bei kaltem Wetter weitaus mehr Menschen als bei Hitzewellen. Einige Nutzpflanzen werden im Winter angebaut, aber zum größten Teil leben wir von Lagerbeständen und Importen. Kein Wunder, dass das Game of Thrones Meme „Winter is coming" auf solche Resonanz stößt.

Die Gründe, warum die meisten Menschen keine Angst vor dem Winter haben, sind Wohlstand aufgrund wirtschaftlicher Entwicklung und die menschliche Anpassungsfähigkeit. Natürlich ist dieser Prozess nicht neu. Jede Gesellschaft, die kalte Winter erlebt hat, hat die Mittel entwickelt, um damit fertig zu werden, oder ist verschwunden. Aber die Grenze zwischen Überleben und Vernichtung muss in der Vergangenheit oft sehr dünn gewesen sein.

Heute leben wir in solide gebauten Häusern mit viel Energie zum Heizen. Wir verfügen auch über gute Verkehrsmittel und gute Kommunikationsnetze. Es gibt immer reichlich Nahrung, es sei denn, durch starken Schneefall treten im örtlichen Supermarkt ein oder zwei Tage Engpässse bei Brot, Milch und frischem Gemüse auf. Wir können die Kranken und Gebrechlichen behandeln. Dank der Einführung billiger elektrischer Beleuchtung sind die langen Nächte kein Problem.

Da es im Winter nach wie vor viele zusätzliche Todesfälle gibt, könnten wir natürlich noch viel mehr tun. Aber insgesamt haben wir uns schon ziemlich gut an die kalte Jahreszeit angepasst. Tatsächlich freuen sich viele Menschen darauf  ̶  weil sie Freude an der Weihnachtszeit haben oder gerne ein kleines Vermögen dafür bezahlen, dass sie mit dem Sessellift auf einen Berg gebracht werden, um ihn auf Skiern wieder hinunter zu fahren.

„Es waren immer Anpassung und technologische Entwicklung, mit denen wir die Härte der Natur überwunden haben. Darüber sollten wir angesichts der Panik über den Klimawandel nachdenken.“

Es waren immer Anpassung und technologische Entwicklung, mit denen wir die Härte der Natur überwunden haben. Darüber sollten wir angesichts der Panik über den Klimawandel nachdenken. Roger Hallam, Gründer von Extinction Rebellion, warnt vor dem „langsamen und qualvollen Leiden und Sterben von Milliarden von Menschen", das angeblich durch den Klimawandel verursacht wird. Aber die weltweiten Todesfälle durch Naturkatastrophen sind im letzten Jahrhundert stark zurückgegangen. Und die Weltbevölkerung wächst trotz sinkender Geburtenraten, denn fast jeder lebt länger als zuvor. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich diese Trends umkehren werden.

Unterdessen würde die von den Öko-Aktivisten vertretene Politik weitaus mehr Leid verursachen als der von ihnen befürchtete Klimawandel. Der Government's Digest of UK Energy Statistics (DUKES) für 2018 macht deutlich, wie sehr wir trotz der Subventionen für kohlenstoffarme Energie immer noch auf fossile Brennstoffe angewiesen sind: „Fossile Brennstoffe bleiben die dominierende Energiequelle, haben aber mit 80,1 Prozent einen Rekordtiefstand erreicht. Das Angebot an erneuerbaren Energien hat zugenommen, ihr Beitrag macht 10,2 Prozent des Endverbrauchs aus." Dennoch glaubt Extinction Rebellion, dass wir die „Netto-Null"-Emissionen, d.h. die vollständige Beseitigung fossiler Brennstoffe, bis 2025 in nur sechs Jahren erreichen können. Würden wir auf die Ökosoldaten hören, wären wir mit unglaublichen Härten konfrontiert, besonders im Winter.

Wir sollten einen Moment innehalten und eine großartige menschliche Leistung würdigen. Der Winter ist kein Grund mehr, Angst zu haben. Und lasst uns die Panik über das Klima in einen größeren Zusammenhang rücken.