13.04.2026

Der Preis ist heiß

Von Jörg Michael Neubert

Titelbild

Foto: ResoneTIC via Pixabay

Die Spritpreise an der Tankstelle sind stark gestiegen. Statt Steuern und Abgaben zu senken, greift der Staat mit einer wirkungslosen Einschränkung der Preisfestlegung ein. Es ginge auch anders.

Es gibt wohl wenige Dinge, die den deutschen Volkszorn derartig in die Höhe treiben wie starke Preissteigerungen an der Tankstelle. Wie aktuell gerade wieder in Folge des Iran-Krieges zu beobachten. Wie üblich melden sich daraufhin wie in einer guten Choreografie die üblichen Akteure zu Wort. Der ADAC spricht von zu starken Preiserhöhungen durch die Mineralölkonzerne und auch die Politik will im Wahljahr 2026 nicht untätig bleiben.

Zwar soll es diesmal keinen Tankrabatt geben, aber Bundeswirtschaftsministerin Reiche kündigt an, dass das Vorgehen der Mineralölkonzerne vom Kartellamt geprüft werden soll. Ob und wann es hier konkrete Ergebnisse geben wird, bleibt offen. Unabhängig davon wurde im parlamentarischen Schnellverfahren eine Gesetzesänderung nach österreichischem Vorbild beschlossen. Tankstellen dürfen nur noch einmal am Tag, um 12 Uhr, ihre Preise erhöhen. Preissenkungen sind dagegen jederzeit erlaubt. Erste Erfahrungen deuten bisher nicht darauf hin, dass dieses Gesetz eine preissenkende Wirkung hat. Der Liter Diesel erreichte zu Ostern fast diese magische Grenze von 2,50 Euro und hat sie aktuell teilweise bereits durchbrochen. Handelt es sich hier nur um Startschwierigkeiten der neuen Regelung oder gäbe es bessere Methoden? Und wer ist eigentlich schuld an der der Preismisere?

Steuer und Abgaben

Bekanntermaßen setzt sich der Kraftstoffpreis an der Tankstelle aus dem Preis des eigentlichen Produkts sowie Steuern und Abgaben zusammen. Beginnen wir mit den staatlichen Aufschlägen. Der Anteil der Steuern und Abgaben am Gesamtpreis betrug Ende März ca. 55 Prozent beim Benzin und ca. 44 Prozent beim Diesel. Diese setzen sich aus der Energiesteuer, der CO2-Abgabe sowie der Mehrwertsteuer zusammen. Da sowohl die Energiesteuer als auch die CO2-Abgabe absolute Zuschläge sind, ist damit der Anteil am Gesamtpreis gegenüber 2025 sogar gefallen. Das kann aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass trotz massiv gestiegener Produktpreise immer noch etwa die Hälfte des Preises durch Steuern und Abgaben bedingt ist. Zumal die Mehrwehrsteuer auf den gesamten Nettobetrag (inklusive Zuschläge) erhoben wird.

Worin der Nutzen des Erhebens von Zuschlägen liegt, bleibt dabei das Geheimnis des deutschen Staats. Hinzu kommt außerdem, dass der CO2-Preis in den letzten Jahren kontinuierlich angehoben wurde. Der erklärte Grund ist, die Bürger zu einem geringeren Spritverbrauch bzw. zum Kauf von E-Autos zu motivieren. So gesehen müsste die Politik sich also eigentlich freuen, dass die Preise steigen. Offensichtlich tut sie das nicht und wenn man dies aus verhaltensökonomischer Sicht betrachtet, wird auch schnell klar, warum. Eine kurzfristige, starke Preiserhöhung hat eine sehr hohe Salienz, sprich Sichtbarkeit. Jeder Autofahrer merkt, dass er plötzlich deutlich mehr bezahlen muss. Auf längere Sicht könnte es tatsächlich auch zu der angestrebten Verhaltensänderung führen, wenn der Bürger den neuen Preis als etwas Dauerhaftes wahrnimmt. Allerdings könnten die verantwortlichen Parteien bei den nächsten Wahlen abgestraft werden. Daher wird ein solche Maßnahme nicht umgesetzt.

„Steuern und Abgaben auf Kraftstoff dienen eher der Einnahmenmaximierung des Staats als irgendetwas anderem.“

Wählt man dagegen die bestehende Salami-Taktik, fallen die Preissteigerungen gering aus und die Bürger haben Zeit, sich an die neuen Preise zu ‚gewöhnen‘ oder – technischer gesprochen – sich einen neuen Referenzpreis anzueignen. Die nächste Preiserhöhung wird dann wieder im Vergleich zu diesem neuen, höheren Referenzpreis bewertet, so dass die Preissteigerung wieder marginal wirkt und keinen direkten Widerstand erzeugt. Ähnlich wie die Inflation macht dieses Vorgehen also alle Bürger im Laufe der Zeit ärmer (weil sie höhere Kosten für Kraftstoff entrichten müssen), ohne dass sie das direkt merken. Damit entfällt aber auch die intendierte Steuerwirkung fast vollständig. Was bleibt ist die Einsicht, dass die die Bürger weniger Geld im Portemonnaie haben, die Steuerungswirkung aber fast vollständig ausbleibt.

Steuern und Abgaben auf Kraftstoff dienen also eher der Einnahmenmaximierung des Staats als irgendetwas anderem. Sie sollen aber für den weiteren Verlauf als fix angenommen werden. Ob und wie weit sie sinnvoll sind, ist eine andere Diskussion. Wenden wir uns daher jetzt den Ölkonzernen und der Marktsituation zu.

Ursachen der Preissteigerungen

Nachdem Israel und die USA den Iran Ende Februar angegriffen hatten, stieg der Ölpreis schlagartig um über 50 Prozent auf nahezu 100 Dollar pro Barrel an, nur um sich dann zu erholen und kurz darauf weiter zu steigen und – Stand Ostern – bei etwa 110 Dollar zu notieren. Dementsprechend stiegen auch die Preise an den Tankstellen von durchschnittlich 1,72 Euro für Diesel und 1,76 Euro für Super E10 auf 2,16 Euro für Diesel und 2,02 Euro für Super E10. Also um ca. 25 Prozent für Diesel und 14 Prozent für Super E10. Aktuell liegen die Preise bei etwa 2,44 Euro für Diesel und 2,25 Euro bei Super E10, also nochmal knapp 12 Prozent bzw. 4 Prozent über dem Niveau von Anfang März. Aufgrund des aktuellen Waffenstillstands sind die Rohölpreise wieder gefallen, aber bisher ist noch keine Erleichterung an der Zapfsäule erkennbar.

Nun ist die Tatsache, dass die Preise kurzfristig massiv gestiegen sind, marktwirtschaftlich vollkommen in Ordnung. Bei dem Iran-Krieg handelt es sich um einen sogenannten externen Schock, also ein unerwartetes Ereignis, dass die massive Verknappung eines Gutes erwarten lässt. Daher auch die starke Marktreaktion. Die Frage und der Vorwurf, die in solchen Fällen nun immer im Raum steht, sind, ob die Mineralölkonzerne wirklich nur Ihre gestiegenen Kosten weitergeben oder auf Kosten der Verbraucher Ihre Gewinne erhöhen.

„Woher kommen also die Preise an der Zapfsäule?“

Die Antwort benötigt ein paar Erklärungen. Während die Preissteigerungen direkt nach dem Ausbruch des Krieges durch die Unsicherheit am Markt und die stark gestiegenen Beschaffungspreise noch zu erklären waren, sind spätere Preiserhöhungen nicht mehr durch den Rohölpreis alleine erklärbar. Woher kommen also die Preise an der Zapfsäule? Dazu muss man wissen, dass die großen Ölkonzerne alle hochgradig vertikal integriert sind, sprich sie kontrollieren fast die gesamte Lieferkette. Dabei sind die einzelnen Arbeitsschritte innerhalb des Konzerns als selbstständige Sparten organisiert. Sprich, jeder Verarbeitungsschritt muss selbst Geld erwirtschaften. Daraus ergibt sich dann grob folgende preissteigernde Kette:

Der Rohölproduzent verlangt mehr für sein Produkt, da sich der Weltmarktpreis erhöht hat. Gleichzeitig bleiben die Gewinnungskosten erstmal konstant, was die Gewinne auf dieser Ebene erhöht.
Bei der Raffinierung des Öls kommt es zum nächsten Schritt. Raffineriekapazitäten in Europa sind knapp und daher konnten die Margen hier in der letzten Zeit kräftig ausgeweitet werden. Dieser Mehrpreis schlägt sich auch im Preis des Endprodukts nieder. Zu beachten ist auch, dass die Ölkonzerne hier nicht immer Ihre eigenen Kunden sind. Je nachdem, wo das Öl raffiniert wird, müssen sie auch mal bei der Konkurrenz kaufen.
Auch an den Tankstellen selbst wird dann nochmal etwas Gewinn aufgeschlagen.

Oligopole Struktur

Dieser Mehrstufigkeit des Preisbildungsprozesses macht es den Konzernen auch leichter, die Preissteigerung dort anfallen zu lassen, wo Sie am wenigsten auffällt. In diesem Fall z.B. bei der Förderung und Raffinierung. Sie können dann immer auf gesteigerte Beschaffungspreise verweisen, um Preisänderungen zu erklären. Nun könnte man das als Ausnutzung einer marktbeherrschenden Stellung brandmarken und es ist nicht zu leugnen, dass es sich beim Tankstellmarkt in Deutschland um eine oligopole Struktur handelt. Sprich nur wenige Anbieter beherrschen den Markt.

Interessanterweise gibt es aber auch z.B. im Lebensmittelsektor eine oligopole Struktur in Deutschland (zugegebenermaßen mit weniger vertikaler Integration), aber hier führt ein sehr harter Wettbewerb zu tendenziell günstigeren Preisen. Fairerweise sei erwähnt, dass der Verbraucher Lebensmittel – im Gegensatz zu Kraftstoff – zumindest teilweise bevorraten kann. Außerdem herrscht im Lebensmittelmarkt entgegen dem Tankstellenmarkt keine totale Preistransparenz. Dieser Unterschied wird nochmal wichtig werden. Halten wir zunächst nur einmal fest, dass es im Tankstellenmarkt keinen derartigen Wettbewerb gibt.

„Es gibt kein formelles, sondern ein informelles Kartell.“

Bezüglich des Wettbewerbs noch ein Wort zu den freien Tanksstellen, die nicht an einen der großen Konzerne gebunden sind. Diese sind nicht unbedingt Teil des informellen Kartells und können so lokal den Wettbewerb etwas verbessern. Allerdings ist ihre Wirkung insgesamt nur gering und das aus mehreren Gründen.

Auch Sie beziehen Ihren Kraftstoff von den großen Konzernen und sind an deren Konditionen gebunden, was die Möglichkeiten der Preisgestaltung einschränkt.
Sie haben in Schnitt kürzere Öffnungszeiten als die großen Ketten, so dass diesen Zeitfenster zur Einnahmenoptimierung zur Verfügung stehen.

De facto zeigt sich also, dass die Marktstruktur für Kraftstoff in Deutschland durch wenige Konzerne beherrscht wird (und die freien Tankstellen nicht für ausreichend Wettbewerb sorgen) und das diese Struktur hier zu einem Wohlstandsverlust der Verbraucher in Form von (zu) hohen Kraftstoffpreisen führt. Den Wettbewerb zu sichern bzw. wieder herzustellen ist eigentlich Aufgabe des Kartellamts. Dieses war bisher aber entweder nicht willens oder nicht in der Lage, eine Verbesserung der Situation herbeizuführen. Daher hat die Politik jetzt reagiert und sich an dem versucht, was in der Ökonomie als Marktdesign bekannt ist. Grob gesprochen wird hier nicht direkt in den Markt eingegriffen, sondern lediglich die Spielregeln angepasst, also nicht so stark wie etwa bei der Mietpreisbremse gegen den Markt agiert wird.

Das neue Gesetz und sein Scheitern

Kommen wir daher nun zu dem in der Einleitung beschriebenen Bundesgesetz und dessen (Nicht)Wirksamkeit. Wie schon erwähnt, handelt es sich beim Kraftstoffmarkt in Deutschland um ein Oligopol. Das gilt sowohl für ganz Deutschland als auch für einen gegebenen lokalen Tankstellenmarkt. Da es sich bei Kraftstoff um ein homogenes Gut handelt, müssten in der Theorie die Anbieter stark untereinander konkurrieren. Jeder würde versuchen, den anderen zu unterbieten, um Kunden zu gewinnen und die Verbraucher müssten niedrigere Preise zahlen, wenn auch nicht so niedrige wie bei vollkommenem Wettbewerb. Genau das kann man beim vorher bereits erwähnten Lebensmittelmarkt beobachten. Im Tankstellenmarkt erscheint hingegen eher so zu sein, als würden die Akteure koordiniert handeln. Sprich, wenn einer die Preise erhöht, ziehen die anderen direkt nach. Oder anders ausgedrückt: Es wirkt, als wäre hier ein Kartell gebildet worden.

Die Frage ist: Stimmt das? Wagen wir dazu eine spieltheoretische Analyse der Situation. Wir nehmen an, dass die Mineralölkonzerne ein Kartell bilden und sich gemeinsam auf den Preis X, sagen wir: 2,20 Euro, einigen. Wir nehmen weiter an, dass dieser Preis einen deutlichen Gewinnaufschlag beinhaltet, aber auch nicht so hoch ist, dass er als vollkommen aus der Luft gegriffen erscheint. Aus der Gesamtsicht des Kartells ist jetzt alles gut. Jeder macht einen überproportionalen Gewinn. Technisch gesprochen eignen sich die Konzerne hier einen Teil der Konsumentenrente an. Wie ist aber die Sicht des einzelnen Mitglieds? Dieses kann jetzt folgende Überlegung anstellen: Wenn ich den Preis etwas senke, mache ich immer noch sehr viel Marge pro verkauften Liter. Aber es werden jetzt auch viel mehr Konsumenten zu mir kommen. Ich würde die etwas geringere Marge mit einem entsprechenden Mehrverkauf ausgleichen.

Sie sehen, auf was das hinausläuft. Jeder der Teilnehmer denkt so und das Kartell bricht innerhalb kürzester Zeit zusammen. Warum passiert das hier aber nicht? Warum defektiert keiner der großen Anbieter? Nun, das liegt wahrscheinlich daran, dass es kein formelles, sondern ein informelles Kartell gibt und dieses wurde ausgerechnet durch eine Maßnahme ermöglicht, die eigentlich zum Schutz der Verbraucher gedacht war. Seit 2013 müssen Tankstellen Ihre Preise an eine zentrale Meldestelle weitergeben, die diese dann direkt in eine Tank-App einspeist. Verbraucher können damit immer den aktuellen Benzinpreis vergleichen und so die Hoffnung den Wettbewerb ankurbeln, indem sie immer zu günstigsten Tankstelle fahren. Leider gilt diese Transparenz aber nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Konzerne. D.h. diese können jederzeit genau verfolgen, wie sich die Preise bei der Konkurrenz entwickeln und entsprechend reagieren. Damit entfällt aber der Vorteil, den ein Unterbieten des Wettbewerbs hätte, vollkommen.

„Die angeblich gut gemeinte Regelung führt als zu höheren statt niedrigeren Preisen.“

Oder anders ausgedrückt: Die Tank-App stabilisiert die Preise auf einem hohen Niveau, da sie die Preisdisziplin der Konzerne aufrechterhält. Was zu mehr Wettbewerb führen sollte, hat stattdessen selbigen weiter reduziert. In der Ökonomie wird dieses Phänomen als Tacit Collusion bezeichnet. Genau an diesem Punkt wollte nun die Regierung ansetzen. Mit der Regelung, dass die Preise nur einmal am Tag erhöht, jederzeit aber gesenkt werden können, hoffte man, den Wettbewerb anzukurbeln. Leider ist das Gegenteil eingetreten und das ist auch relativ logisch, wenn man die Marktsituation aus Sicht eines Ölkonzerns betrachtet. Dieser kann den Preis einmal am Tag erhöhen, sprich in seiner maximalen Höhe festlegen. Dieser Preis kann dann auf zwei Arten „falsch“ sein.

Der Preis ist zu hoch und er verliert Kunden an den Mitbewerb. Das ist aber kein Problem, da er die Preise ja jederzeit senken und aufgrund der totalen Markttransparenz auch weiß, wie tief er gehen muss.
Der Preis ist zu niedrig, da plötzlich Ereignisse eintreten, die eine starke Erhöhung nötig machen würden. Er hat jetzt keine Möglichkeit zu reagieren, sondern muss mit dem zu niedrigen Preis leben.

Was ist also die Folge? Die Anbieter erhöhen den Preis jeden Tag auf das gerade noch vertretbare Maximum, um keine Verluste zu machen. Die Tacit Collusion stellt dabei sicher, dass die anderen nachziehen. Am Ende ist der Verbraucher wieder der Verlierer, da er keine Möglichkeit hat, auf einen günstigeren Anbieter auszuweichen. Gleichzeitig kann er kurzfristig auch keine Substitution vornehmen, also etwas weniger fahren, sich ein sparsameres Fahrzeug anschaffen oder andere Verkehrsmittel nutzen. Die angeblich gut gemeinte Regelung führt als zu höheren statt niedrigeren Preisen.

Alternativvorschlag

Was wäre aber eine sinnvolle Maßnahme? Wenn man es mit mehr Wettbewerb ernst meint, dann müsste die Preisänderungsmechanik wie folgt aussehen: Tankstellen dürften Ihre Preise grundsätzlich nur noch einmal am Tag zu einem Stichzeitpunkt festlegen – also auch nicht später senken.

Was wäre die Folge? Jetzt würde das als Punkt 1 angeführte Risiko plötzlich real werden. Warum das? Erinnern wir uns dazu nochmal daran, warum das informelle Kartell stabil ist. Wenn ein Konzern die Preise senken würde, um Kunden zu gewinnen, könnten die anderen direkt nachziehen. Die Folge wäre, dass derjenige, der den Preis zuerst gesenkt hat, praktisch nur den negativen Preiseffekt, nicht aber den positiven Mengeneffekt (durch einen Mehrverkauf) erhält. Daher macht keiner den ersten Schritt, da er weiß, dass er im Endeffekt nur Geld verliert. Dieser Effekt würde durch eine solche Regelung negiert werden, da die Konkurrenz innerhalb des folgenden Zyklus nicht mehr reagieren kann. Ein Unterbieten der Konkurrenz wird jetzt attraktiv und das informelle Kartell bricht zusammen. Der gleiche Mechanismus hindert die Unternehmen am nächsten Tag aber auch daran, die Preise ‚unnötig‘ zu erhöhen, da sie wieder fürchten müssen, dass die Konkurrenz günstiger ist. Der Tankstellenpreis wird sich daher mehr den „wahren“ Preis und nicht einem künstlich erhöhten annähern.

Wenn der Konzern also zu konservativ preist, dann wird er Kunden an die Konkurrenz verlieren. Umgekehrt kann er evtl. kurzfristige Kosten nicht mehr einfach auf den Verbraucher umlegen, indem er die Preise erst (zu) hoch ansetzt und dann ggf. nach unten korrigiert. D.h. der Konzern muss das Risiko unvorhersehbarer Ereignisse selbst tragen. Aktuell wird diese Risikoprämie vollständig vom Verbraucher bezahlt. Wenn man es mit dem Wettbewerb also ernst meint, müsste man das Risiko des ‚Sich-Verkalkulierens' zurück auf die Konzerne übertragen. Eine Regelung, die Preisänderungen – egal in welche Richtung – nur ein einziges Mal pro 24 Stunden erlaubt, würde den aktuellen Zustand der risikolosen Preisgestaltung beenden. Die Konzerne könnten nicht mehr im Minutentakt auf die Konkurrenz reagieren. Wer zu teuer startet, bleibt den ganzen Tag auf seinem Benzin sitzen. Erst dieser echte Preisdruck würde die Machtbalance von den Oligopolisten zurück zum Verbraucher verschieben.

Fazit: Die Kraftstoffpreise werden auch auf absehbare Zeit auf hohem Niveau bleiben, was sowohl an staatlicher Einflussnahme als auch an einem ungünstigen Marktdesign liegt. Wie letzteres verbessert werden könnte, wurde hier kurz skizziert. Wenn dem Staat natürlich wirklich an günstigen Energiepreise gelegen wäre, könnte er auch einfach zusätzlich die steuerliche Belastung von Kraftstoffen senken, aber damit ist eher nicht zu rechnen und die nächste (nicht vollständig gerechtfertigte) Empörungswelle wäre so gut wie programmiert.

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