18.01.2021

Corona-Impfung – Gewinner und Verlierer

Von Christoph Lövenich

Titelbild

Foto: Greg Rubenstein via Flickr / CC BY 2.0

Die Covid-Impfungen sind weder ein Garant für mehr Gesundheit noch für die Wiedererlangung beschnittener Freiheiten.

„Normalität kommt nur wieder, wenn wir weitgehend die ganze Weltbevölkerung geimpft haben“, verlautbarte Bill Gates im April. Wer ist „wir“? Staaten aus aller Welt, Herstellerfirmen von Impfstoffen, mit denen Gates zusammenarbeitet und an denen er (bzw. seine Stiftung) beteiligt ist, wohl auch Mainstreammedien, die das Anliegen pushen und sich bisweilen einer freundlichen Überweisung erfreuen dürfen – alles unter Führung des mächtigen Microsoft-Magnaten.

Damit haben wir schon mal den prominentesten Profiteur der Impfwelle. Denn wenn der Ausnahmezustand bis zur weltweiten Durchimpfung anhalten soll, nützt dem globalen Gesundheitsguru beides: fortdauernde Beschränkungen, weil sich seine Stiftung im ersten Quartal 2020 in weiser Voraussicht mit Aktien von Lockdown-Gewinnlern wie Amazon und Apple eingedeckt hat, und Massenimpfungen schon wegen seines Anteils an BioNTech (seit September 2019 – wieder hervorragendes Timing) und anderen einschlägigen Unternehmen. Da steigen Umsätze, Bedeutung und Aktienkurse – trotz des Geredes, es soll mit den Impfstoffen kein Profit gemacht werden. Gates geht’s dabei  vielleicht nicht in erster Linie ums Geld, sondern vor allem um Macht und Ansehen als vermeintlicher Wohltäter und Weltimpfwart.. Dem wichtigsten WHO-Finanzier (über seine Stiftung und indirekt über die von ihm mitgegründete Impfallianz GAVI) dürfte  gewiss gelegen kommen, dass die Weltgesundheitsorganisation den Begriff „Herdenimmunität“ nun primär zur Impfstrategie erklärt, was vor ein paar Monaten noch anders lautete.

Zu den weiteren Nutznießern gehören Herstellerunternehmen, ob nun etablierte Pharmakonzerne (ebenfalls WHO-Spender) oder BioNTech mit seiner Mainzer Firmenanschrift „An der Goldgrube“ (kein Witz), Politiker, die mit dem Impfargument den Ausnahmezustand in einen Dauerzustand verlängern. Und die Mainstreammedien, die das Impfthema in Dauerschleife bespielen können, mit Berichterstattung über Pannen und Verzögerungen wie bei öffentlichen Großbauprojekten, Schuldzuweisungen sowie Kontroversen über Prioritäten bei der Impfzuteilung. Und mit geradezu bizarrer Pharma-Werbung, wie unlängst  das Spiegel-Cover zu BioNTech. Da lohnen sich die großzügigen Zahlungen der Gates-Stiftung an das Hamburger ‚Nachrichtenmagazin‘ doch. Für weitere Anlagetipps wenden Sie sich bitte an den Bankkaufmann Ihres Vertrauens, den Ex(?)-Pharmalobbyisten Jens Spahn.

„Hier geht es nicht um das Ob von Impfungen im Allgemeinen, sondern die Situation im Konkreten.“

Wie aber sieht es beim gemeinen Impfvolk aus? Impfungen sind eine „Erfolgsgeschichte“, da ist dem Arzt – und Corona-Experten bei der Achse des Guten – Gunter Frank zuzustimmen. Auch in der Praxis bin ich ausdrücklich kein Impfgegner, habe ich mir erst letzten Monat noch die Tetanus-Diphterie-Auffrischung in den Arm rammen lassen. Hier geht es aber nicht um das Ob von Impfungen im Allgemeinen, sondern die Situation im Konkreten. Und so bin ich gleichermaßen bei Gunter Frank, wenn er warnt, dass bei Covid wie schon bei der Schweinegrippe 2009 „ein nicht seriös geprüfter Impfstoff ohne Not […] empfohlen“ wurde. Normalerweise dauert alleine die Erprobung eines entwickelten Impfstoffes Jahre, bevor eine Zulassung erfolgen kann. Wie so vieles ab 2020 – vorher undenkbare Restriktionen oder etwa deren nachträgliche Legalisierung im Bundestag – wird die Gates-Impfung einfach durchgepeitscht

Pandemrix bei der Schweinegrippe war vor allem in Schweden ein Verkaufsschlager – mit dem Effekt, dass der Staat Millionen an Entschädigungen für Impfopfer mit Narkolepsie zahlen musste. Auch in Deutschland gab es Fälle, da das Robert-Koch-Institut ebenfalls zum nicht hinreichend auf Nebenwirkungen geprüften Impfstoff geraten hatte. Und das bei einer „besonders milden Form einer jährlichen Influenza“.1 Übrigens hatte ein gewisser Prof. Christian Drosten die Impfung gleichfalls angepriesen, da die Schweinegrippe – in Wahrheit ein Stürmchen im Wasserglas – „erheblich stärkere Nebenwirkungen zeitigt, als sich irgendjemand vom schlimmsten Impfstoff vorstellen kann.“

Mit dieser lukrativen Hysterie, bei der es um die zu große Nähe der WHO zu den Herstellern von Pandemrix und dem Medikament Tamiflu ging, beschäftigte sich in der Folge der Europarat. Dass seinerzeit dort engagierte deutsche Parlamentarier, Wolfgang Wodarg (SPD) und Andrej Hunko (Linke), heute zu den Kritikern der Corona-Politik gehören, nimmt nicht wunder. Selbst der WHO-nahe Epidemiologe Ulrich Keil wetterte damals gegen die Weltgesundheitsorganisation, das Paul-Ehrlich- und das Robert-Koch-Institut, sprach von „Angstkampagnen“ und fragte: „Wird die WHO dann im kommenden Jahr auch Schnupfen zur Pandemie erklären und dagegen impfen wollen?“

Veronika Hackenbroch, Medizin-Redakteurin des Spiegel schrieb dazu im September 2018: „Die Schweinegrippe-Pandemie, die die Glaubwürdigkeit von Behörden wie WHO, Robert Koch- und Paul-Ehrlich-Institut nachhaltig erschüttert hat, ist ein Lehrstück dafür, was passieren kann, wenn Hektik und hochkochende Emotionen die Diskussion bestimmen – und nicht Nachdenklichkeit, Fakten, Ehrlichkeit und ein klarer Kopf. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn Querdenker [!] nicht gehört werden, etwa der Epidemiologe Tom Jefferson, der für die Cochrane Collaboration und die Universität Oxford arbeitet, und bereits im Juli 2009 im Spiegel vor einer Influenza-Hysterie warnte und den Sinn einer Impfung infrage stellte. Stattdessen hielten die Behörden wie in einem kollektiven Wahn an der Vorstellung eines tödlichen Pandemie-Virus fest – auch, als alle Zahlen längst klar darauf hindeuteten, dass man von der Schweinegrippe nicht allzu viel zu befürchten hatte – und empfahlen die Massenimpfung mit dem kaum erprobten Impfstoff Pandemrix.“

„Mit einem spürbaren ‚Lebensschutz‘ sollte besser nicht gerechnet werden. Da wäre die Behebung von Vitamin-D-Mangel sehr wahrscheinlich ein besseres Rezept der Infektprävention – die hat jedoch weniger mächtige Nutznießer.“

Wie heißt es so treffend: Wenn man eine Lösung verkaufen will, muss man zuerst das Problem verkaufen. Das wird bei Covid-19 inzwischen als so monströs wahrgenommen, dass die Mehrheit der Menschen politische Maßnahmen aller Art als notwendig und die Impfung als heilsbringend auffasst. Tatsächlich ist Covid-19, insbesondere für Alte, viel gefährlicher als die Schweinegrippe. Andererseits werden weit mehr Menschen geimpft als damals, so dass schon in absoluten Zahlen mehr Schäden auftreten könnten. „Meilenstein“ oder „Desaster“ – beides wäre für Gunter Frank drin.

Nicht nur der Publizist, Optimist und britische Lord Matt Ridley begeistert sich für mRNA-Impfstoffe (wie die von BioNTech/Pfizer und Moderna). Es mag sein und ist zu hoffen, dass uns diese Innovation, die offenbar großes Potenzial bei vielen weiteren Krankheiten bis hin zum Krebs birgt, noch viel Freude bereiten wird, das ändert aber nichts am Umstand, dass ein überstürzt zugelassener und sich auf Angstkampagnen stützender Impfstoff auch ein Spiel mit dem Feuer bedeutet. Von offizieller Seite wird man auftretende Probleme jedenfalls herunterspielen.

Welcher Nutzen steht diesem Experiment gegenüber? Bis hinreichend viele Menschen aus den Risikogruppen geimpft sind und der Impfstoff seine Wirkung entfaltet – bei dem von BioNTech/Pfizer sind zwei Impfungen in einem Abstand von mehreren Wochen erforderlich ­– dürfte sowieso der Frühling gekommen sein, wie Rob Lyons bei Spiked zu Recht bemerkt – und damit der übliche saisonale Rückgang der Infektionen. Der Biowissenschaftler Prof. François Balloux meint dazu: „Ich gehe davon aus, dass die kommenden #COVID19-Impfstoffe tendenziell wirksam und sicher sind. Ich sage auch voraus, dass weit großflächige Impfkampagnen Leben retten werden. Allerdings bezweifle ich, dass Impfstoffe die Zeitspanne der Pandemie signifikant verkürzen werden, die ich für Mitte/Ende 2021 voraussage (± 6 Monate).“ Dies nachzuweisen, wird wiederum schwierig. Angesichts der minimalen Sterblichkeit bei unter 70-jährigen Corona-Infizierten sieht Infektionsepidemiologe Prof. Sucharit Bhakdi keine Möglichkeit, die Wirksamkeit einer Impfung dort statistisch sauber festzustellen. Denkbar ist, dass die Älteren in deutlichem Umfang profitieren. Allerdings könnte bei ihnen ein schwächeres Immunsystem die Wirksamkeit begrenzen.

Was auf Dauer gilt, steht erst recht in den Sternen. Minister Spahn spekuliert, dass die Wirkung Jahre anhalten könnte. Eventuell muss sie jedoch jährlich verändert werden wie bei der Grippeimpfung, was im Übrigen die 20-25.000 Grippetoten in der Saison 2017/18 (laut RKI) keineswegs verhindern konnte. Mit einem spürbaren ‚Lebensschutz‘ sollte besser nicht gerechnet werden. Da wäre die Behebung von Vitamin-D-Mangel sehr wahrscheinlich ein besseres Rezept der Infektprävention – die hat jedoch weniger mächtige Nutznießer.

„Die Freiheit steht in jedem Falle auf der Verliererseite, gegen die 2020 vermehrt zu Tage getretene naive Folgsamkeit in breiten Teilen der Bevölkerung und den Ausschluss von Kritik gibt es nämlich keine Impfung.“

Und was blüht den Ungeimpften? Niemand hat die Absicht, einen Impfzwang einzuführen – das kann so schnell Schnee von gestern sein wie die Versprechung, keinen zweiten Lockdown zu diktieren. Siehe etwa den jüngsten Söder-Vorstoß. In jedem Fall ist mit Nachteilen und Diskriminierung bei der Ausübung bestimmter Berufe oder Reisen zu rechnen, und wenn (noch) nicht im Inland, dann vielleicht beim Versuch, in ein anderes Land zu reisen. In Deutschland fährt man derzeit noch die Taktik, die Unterwerfung aller (ob geimpft oder ungeimpft) unter die Notstandsmaßnahmen als Gleichbehandlung zu verkaufen. Statt die Ausübung selbstverständlicher Freiheiten zum Privileg einiger zu erheben – wie jetzt aber bereits Außenminister Maas anregt –, sollen alle eingeschränkt bleiben. Eine Diskussion darüber, ob Geimpfte nicht vielleicht doch Überträger sein können, auch wenn sie selbst geschützt sind, steht bevor. In jedem Fall hat man in den Impfverweigerern einen Sündenbock in der Hinterhand, dem man die Schuld für die ‚alternativlose‘ Fortführung des Corona-Regimes in die Schuhe schieben wird.

Denn einer Illusion sollte sich niemand hingeben: Der einer schnellen ‚Normalisierung‘ auf dem Impfwege. Selbst wenn sich die Impfstoffe in der Praxis bewähren sollten, dürfte die Zeitschiene der Durchimpfung den Entscheidungsträgern bis kommenden Herbst Spielraum geben. Die Impfung, schreibt Lyons, dient nicht unserer Befreiung, sondern einem längeren Einschluss. Abgesehen davon, dass man viele Einschränkungen auch bei niedrigen Infiziertenzahlen aufrechterhalten kann, siehe Sommer 2020. Das gilt erst recht mit Blick auf die allgemeine Tendenz zu mehr Bevormundung und weniger Liberalisierung. Das große Missverständnis, dass Gehorsam gegenüber autoritären Regelungen zu deren Lockerungen führe, wirkt sich in gleicher Weise bei Impfgehorsam aus.

Die Freiheit steht in jedem Falle auf der Verliererseite, gegen die 2020 vermehrt zu Tage getretene naive Folgsamkeit in breiten Teilen der Bevölkerung und den Ausschluss von Kritik gibt es nämlich keine Impfung. Die liberal-demokratische Immunschwäche wird nicht verschwinden und lädt in Zukunft zu noch heftigeren Eingriffen ein. Verlierer sind zudem die Steuerzahler, die neben endlosen Massentests und Rückverfolgungsmaschinerien auch für die Impfungen zur Kasse gebeten werden (sowie gegebenenfalls später bei Entschädigungszahlungen).

Man braucht also nun wirklich kein genereller Impfgegner zu sein, um dieses Treiben abzulehnen. Die Impfzurückhaltung bei Teilen des medizinischen Personals vermag denn auch nicht zu verwundern. Politisch handelt es sich bei dieser Spritze ohnehin um eine Art „blaue Pille“. Sie bricht keine Ketten, das können wir nur selber tun.