27.06.2011

Bio für Europa, Malaria für Afrika

Kommentar von Rudolf Kipp

Uganda rettet mit dem Einsatz des Insektizids DDT zur Malariabekämpfung viele Menschenleben. Grüne NGOs wollen es verbieten, u.a. auch weil es landwirtschaftliche Produkte für den westlichen Bio-Markt „konterminiere“. Ökoimperialismus mit tödlichen Folgen

In Afrika sterben Kinder, damit in Deutschen Reformhäusern die Regale gut gefüllt sind. Das schreibt die Autorin Laura Koch kürzlich auf Spiegel-Online unter der Überschrift “Wie die Malaria-Wunderwaffe Bauern in die Armut treibt”. Zugegeben, sie drückt sich etwas anders aus. Bei ihr klingt das Ganze so: „Von Mücken übertragene Malaria tötet täglich Hunderte Menschen in Uganda – deswegen setzt die Regierung auf das Insektengift DDT. Doch der Pestizid-Einsatz hat gravierende Folgen für die Landbevölkerung: Lieferanten von Bio-Produkten können ihre Ware nicht mehr verkaufen, ihnen droht bittere Armut.“
Schon bei diesen den Artikel einleitenden Worten stellen sich zwei grundsätzliche Fragen. Erstens: Ist der Anbau von Bio-Produkten die einzige Möglichkeit für Bauern in Uganda, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten? Und zweitens: Wenn durch den Einsatz von DDT täglich hunderte Menschen vor dem Tod durch Malaria gerettet werden können, wie viele Ugander sollten wir bereit sein dafür zu opfern, dass in dem Land einige Bauern nach den Richtlinien europäischer und US-amerikanischer Bio-Verbände Nahrungsmittel produzieren können? Nebenbei bemerkt: Bei der Hälfte der Malariatoten handelt es sich um kleine Kinder.

Der Sündenfall der Ökobewegung

In aufgeklärten Kreisen gilt das seit Beginn der 60er Jahre von Umweltschutzverbänden und Regierungsorganisationen durchgesetzte DDT-Verbot als der Sündenfall der Öko-Bewegung. Dabei war spätestens Anfang der 70er klar, dass die Horrorgeschichten, welche man mit DDT in Zusammenhang brachte, keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhielten. Nichtsdestotrotz wurde ein weltweites Verbot der Substanz angestrebt und mit entsprechendem politischem und wirtschaftlichem Druck durchgesetzt.

Man kann den massiven Einsatz von DDT in der Landwirtschaft, der in den 60er Jahren stattgefunden hat, zu Recht kritisieren. Aus dieser Zeit stammen nach wie vor die Rückstände, welche man sogar im Fettgewebe von Tieren in der Arktis und Antarktis nachweisen kann. Diese Zeiten sind allerdings längst passé. Für den Einsatz in der Landwirtschaft hat man längst Ersatzstoffe gefunden, welche deutlich wirksamer sind und viel schneller abgebaut werden.

Wunderwaffe DDT

Bei der Bekämpfung der Anophelesmücke, dem Hauptüberträger von Malaria, liegt der Fall anders. Hier stellt DDT nach wie vor die wirksamste und zugleich kostengünstigste Waffe gegen die Seuche dar. Und das mit weit geringeren Mengen, als es beim Einsatz als Pflanzenschutzmittel üblich war. Hier genügt es, lediglich die Wände der Häuser in Risikogebieten zwei Mal im Jahr mit einer winzigen Menge DDT zu besprühen. Mücken die sich auf diesen Wänden niederlassen sterben umgehend.

Selbstverständlich existieren bei der Malariabekämpfung auch Alternativen zum Einsatz von DDT. Nur ist keine davon so wirksam wie DDT, und was in völlig verarmten Ländern in Afrika noch deutlich schwerer wiegt, keines ist so kostengünstig. Moskitonetze, welche von Spendenorganisationen und Umweltschutzgruppen immer wieder propagiert werden, funktionieren nur wenn sie richtig eingesetzt werden, völlig intakt sind, und auch nur während man darunter schläft. Wer sich ab Beginn der Dämmerung in ansonsten ungeschützten Häusern aufhält muss trotzdem mit dem Risiko einer tödlichen Infektion leben. Karbamate wirken ähnlich gut wie DDT, sind allerdings vier-bis sechsmal so teuer und müssen deutlich häufiger versprüht werden. Organophosphate können aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht in Häusern und Wohnungen versprüht werden. Und die häufig als neue Wunderwaffe gegen Malaria genannten synthetischen Pyrethroide erweisen sich als deutlich weniger wirkungsvoll.

Ökoimperialismus

Um es noch einmal klarzustellen. Beim Einsatz von DDT zur Bekämpfung von Malaria wird der Stoff nicht großräumig in der Landschaft versprüht, sondern äußerst gezielt und in sehr geringen Mengen eingesetzt. In sämtlichen Ländern, in denen DDT eingesetzt wurde, gingen die Zahlen der an Malaria Erkrankten deutlich zurück. Viele Länder, die sich dem Druck der Spendenorganisationen und Regierungen der westlichen Länder gebeugt haben, erlebten daraufhin eine erneute Explosion der Zahl der Erkrankten und Toten.

Vor diesem Hintergrund ist die Forderung eines DDT Verbotes, damit in den für satte westliche Länder hergestellten Bio-Produkten diese Substanz auch im Ultraspurenbereich nicht nachweisbar ist, besonders widerlich. Wir sind in unserem Wohlstand offensichtlich bereit, den vermeidbaren Tod von Millionen Menschen in Kauf zu nehmen. Und das nur, um uns vor äußerst hypothetischen Gefahren zu schützen. Das ist Ökoimperialismus in Reinform!