07.08.2026
Wie in der Provinz vernebelt und vertuscht wird
Auch lokal reagierten Zeitungen, Politiker und Organisationen auf den Anschlag beim CSD in Berlin, z.B. in Mannheim. Man gibt sich Mühe, den Elefanten im Zimmer möglichst zu übersehen.
Zu Recht ist Bundeskanzler Friedrich Merz scharf dafür verurteilt worden, dass er die konkrete Tat eines Islamisten und die damit verbundene Gefahr des Islamismus in einen Nebel von „Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dummen Redensarten und schlechten Witzen“ auflöst. Dass sich auf der provinziellen Ebene genau derselbe Versuch der Verschiebung der Beobachtung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit auf einen Nebenschauplatz vollzieht, der letzten Endes als ‚Lug und Trug‘ bezeichnet werden kann, soll hier am Beispiel Mannheims und seiner Lokalzeitung, des zur Funke-Mediengruppe gehörenden Mannheimer Morgen, gezeigt werden.
Zum Kommentar
Auf Seite 2, auf der im „Mannheimer Morgen“ traditionellerweise der Kommentar steht, ist Online-Redakteur Philipp Luther am 29. Juli der Meinung, wie es in der Zusammenfassung heißt, dass der Schutz „queerer“ Menschen keine Frage des Geldes sein darf. Bereits diese merkwürdige Forderung macht deutlich, dass der ‚Verursacher‘ des Berliner Attentats, im weitesten Sinne der Islamismus, wie beabsichtigt aus dem Blickfeld des Journalisten geraten ist. Dem Islamismus geht es bekanntlich nicht darum, „queere“ Gruppen anzugreifen, so sehr wohl CSD-Paraden wie auch Weihnachtsmärkte für ihn Zeichen der Dekadenz des Westens sind, sondern „Ungläubige“ zu treffen, zu terrorisieren und nach Möglichkeit zu töten. Nicht der Schutz „queerer“ Menschen sollte daher die Aufgabe eines funktionierenden Staates und einer funktionierenden Regierung sein, sondern der Schutz aller „Ungläubigen“, pathetisch formuliert, ‚von uns allen‘. Dass die gegenwärtige Bundesregierung samt allen Landesregierungen in diesem Sinne versagt, soll begreiflicherweise durch derartige Kommentare verdrängt und unterschlagen werden.
In dieser verschleiernden Perspektive fährt Luther fort, dass der Anschlag die „queere“ Community ins Mark getroffen hat. Wie der Bundeskanzler setzt er im nächsten Atemzug den Hass des Islamisten und zynische Ablehnungen in den Kommentarspalten – mir nicht bekannt, aber es wird sie wohl irgendwo geben – einander gleich, sie sind für ihn in perverser Weise auf derselben Ebene angesiedelt. Damit vermeidet es der Online-Redakteur nahezu unbemerkt, sich in einer substanziellen Form mit dem Islamismus auseinanderzusetzen. Wiederum wie Friedrich Merz hat er es geschafft, die Gefährlichkeit des Islamismus aus dem Blickfeld zu rücken und der Analyse zu entziehen. Wenn zynische Ablehnungen, „dumme Redensarten“ und „schlechte Witze“ genauso verwerflich sind wie vollzogene Morde und auf derselben Stufe stehen, lohnt es sich nicht, die Bedrohung der gesamten westlichen Zivilisation durch den Islamismus genauer und präziser zu betrachten. Nichtssagende Phrasen müssen dann genügen.
„‚Mannheim setzt Zeichen gegen Hass' lautet die verschwommene und au fond verlogene Formulierung, die jede konkrete und fassbare Pointierung und Zuspitzung vermissen lässt."
Im nächsten Absatz bemerkt Luther, dass der Anschlag der Freiheit aller Menschen in Deutschland galt – Irrtum: er galt dem Leben aller Menschen in Deutschland –, aber die „Queeren“ im Besonderen angriff. Dennoch reiche es nicht aus, die in Deutschland sehr im Argen liegende Strafverfolgung auf den Prüfstand zu stellen und die Polizei mit mehr Befugnissen auszustatten. Wie zu erwarten, lehnt der Online-Redakteur konkrete und wirksame Verbesserungen ab, sondern schlägt Symbolpolitik vor: Nach dem Vorschlag der SPD soll der „Schutz queerer Menschen im Grundgesetz“ verankert werden. Inwiefern ein solches Privileg im Kampf gegen den Islamismus hilfreich sein soll, erschließt sich keinem Leser. Aber der Kampf gegen den Islamismus bzw. die Auseinandersetzung mit dem Islamismus ist nicht die Sache des Journalisten, dem es herzlich gleichgültig ist, wie viele Menschen – nicht nur „Queere“! – in Deutschland noch durch Anschläge ums Leben kommen. Hauptsache, der „Schutz queerer Menschen“ steht in der Verfassung.
Zum ersten und einzigen Mal taucht der Begriff „Islamisten“, der sich im Mittelpunkt des Kommentars hätte finden müssen, im Schlussabsatz auf. Bezeichnenderweise heißt es, dass „Queere“ nicht nur von Islamisten und Rechtsextremisten bedroht sind, sondern gewissermaßen ‚von uns allen‘. Diese generelle Schuldzuweisung mag hier auf sich beruhen, speziell empörend ist die durch nichts gerechtfertigte Zusammenstellung von Islamismus und Rechtsextremismus. Der Popanz des niemals genau und präzise definierten „Rechtsextremismus“ dient letzten Endes wiederum dazu, sich nicht mit dem relativ gut beschriebenen Islamismus beschäftigen zu müssen. Dies hätte eine Anstrengung des Willens erfordert, die ein sozialdemokratisch geprägter ‚Denker' nicht auf sich nehmen will.
Zum Kundgebungsbericht
Nach dem Bericht der Lokaljournalistin Valerie Gerards vom gleichen Tag versammelten sich am Dienstag zuvor nach dem Anschlag rund 800 Menschen bei einer Kundgebung auf dem Mannheimer Marktplatz, um der Opfer des Anschlags auf den Berliner CSD zu gedenken. Die relativ geringe Zahl deutet bereits darauf hin, was Bürger sich von einer derartigen Veranstaltung erwarten: nichts! In dieser Hinsicht sind mindestens nach der Darstellung des Mannheimer Morgen die Erwartungen der Mannheimer nicht enttäuscht worden.
Schon die Überschrift über den Bericht illustriert wiederum, wie sehr man der Auseinandersetzung mit dem Islamismus – ich will gar nicht schreiben: dem Kampf gegen den Islamismus – aus dem Weg geht. „Mannheim setzt Zeichen gegen Hass“ lautet die verschwommene und au fond verlogene Formulierung, die jede konkrete und fassbare Pointierung und Zuspitzung vermissen lässt. Der Islamismus, soll wohl suggeriert werden, ist nicht besonders schlimm, er ist nicht besonders gefährlich, man kann sich mit ihm arrangieren, auch wenn nicht nur Attentate, sondern alltägliche Vergewaltigungen, Messerstechereien und Mordversuche in beängstigender Zahl zunehmen, es ist „der Hass“, der irgendwelche Probleme aufwirft. Sancta simplicitas!
Weiter im Text: Susanne Hun vom Queeren Zentrum Mannheim erläutert, warum es an diesem Abend geht: Es geht um gemeinsames Trauern, es geht darum, der Betroffenheit Raum zu geben und füreinander da zu sein. Mich als Leser macht allerdings diese absolut unpolitische Einstellung betroffen. Jeder normale, nicht von „Wokeness“ berührte Mensch ist wohl wütend über eine Weltanschauung, die Tötung der „Ungläubigen“ und die Errichtung einer ‚reinen, gläubigen‘ Gesellschaft auf ihre Fahnen geschrieben hat, und die Untätigkeit von Bundesregierung und Landesregierungen, die sich um die damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben der Bürger nicht das Geringste kümmern. Aber das gehört nicht zu den Fragen, auf deren Beantwortung Hun drängen will.
„In peinlicher Weise biedert sich Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) bei der ‚queeren‘ Community der Stadt Mannheim an, die im Grunde eine unbedeutende Minderheit bildet.“
Sie will den Blick auf die politische Debatte nach der Tat richten und dazu anmerken, dass der Täter in Berlin geboren wurde und deutscher Staatsbürger sei. Was will sie uns damit sagen? Ich weiß es nicht, ich vermute nicht, dass sie eine offenkundige Tatsache präsentieren will: Die Integration islamistischer Muslime muss, wie Seyran Ates, Ahmad Mansour, Susanne Schröter und viele andere immer wieder dargelegt haben, scheitern, weil Islamisten die gesamte westliche Zivilisation mit Freiheitsrechten, Demokratie, Trennung von Staat und Religion usw. ablehnen. Auch dies ein Faktum, das Hun, wohl alle Teilnehmer der Kundgebung und leider auch die meisten deutschen Politiker nicht zur Kenntnis nehmen wollen.
Die Rednerin des Queeren Zentrum Mannheim fordert eine konsequente Verfolgung radikaler und islamisierter Gewalt, was leider analytisch wiederum nicht präzise ist und mangelnde Reflexion verrät. Zum Ersten ist die Zusammenstellung erneut verstörend, zum Zweiten geht es nicht um islamisierte – was soll das sein? -, sondern um islamistische Gewalt, die sehr genau zu beschreiben ist und deren Ziele vollkommen verstehbar sind.
Und zum Schluss: Deutliche Worte findet Alex Banciu, Vorstandsmitglied des Queeren Zentrum Mannheim, gegen politische Akteure, die den Anschlag für eigene Zwecke nutzen wollen: „Lasst es. Benutzt uns nicht für euren Hass.“ Wer ist mit diesen „deutlichen Worten“ gemeint? Ich kenne nur politische Akteure, die Bundesregierungen und Landesregierungen zu Recht zur Rechenschaft ziehen, weil sie gegen den Islamismus nichts unternehmen wollen und den Schutz der Bürger nicht als Staatsaufgabe, sondern als eine eher leidige und lästige Angelegenheit ansehen. Im Grunde ist es deswegen sinnlos, auf die vielen Attentate und alltäglichen Gewalttaten in der Bundesrepublik zu verweisen, weil sich kein verantwortlicher Politiker aufgerufen sieht, an der verfehlten und katastrophalen Migrations- und Integrations-Politik irgendetwas zu ändern.
Zu Oberbürgermeister und Bürgermeister
In peinlicher Weise biedert sich Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) bei der „queeren“ Community der Stadt Mannheim an, die im Grunde eine unbedeutende Minderheit bildet. Er habe die Regenbogenflagge, die bekanntlich kein staatliches Symbol darstellt, am Rathaus auf Halbmast setzen lassen, als sichtbares Zeichen, „dass queeres Leben zu unserer Stadt gehört“ und dass Mannheim trauere, wenn solches Leben angegriffen werde. Wie viele Mannheimer diese Unterwerfung unter eine machtgierige und hegemoniesüchtige Gemeinschaft akzeptieren, kann ich nicht beurteilen. Für die Auseinandersetzung mit dem Islamismus bedeuten diese schwülstigen Worte und sinnleeren Zeremonien rein gar nichts. Aber, wiederum, diese Auseinandersetzung wäre auch zu anstrengend.
Leider muss auch noch angefügt werden, dass auch Specht sich gegen Versuche wendet, den Anschlag politisch zu instrumentalisieren – nach dem bekannten Motto: Das Attentat ist das Eine, aber die Versuche, es zu instrumentalisieren, müssen getadelt werden. Wie jeder weiß, geht es der Opposition allein darum, die mangelnde Sicherheit im öffentlichen Raum und die politische Vernachlässigung des Schutzes der Bürger anzuprangern, auf einer tieferen Ebene jedoch die fatale und desaströse Migrations- und Integrationspolitik herauszufordern, die diese ganzen unschönen Ereignisse nach sich gezogen hat. Solange diese berechtigten und politisch notwendigen Forderungen als „Instrumentalisierung“ gebrandmarkt werden, wird sich an der alltäglichen Unsicherheit und dem alltäglichen Schrecken jedoch nichts ändern.
„Wir werden nicht in die Falle derjenigen tappen, die nun die eine Gruppe gegen die andere Gruppe ausspielen wollen,“ endet der Oberbürgermeister reichlich mysteriös. Vielleicht sollte dies ein Hinweis darauf sein, dass Homosexuelle in islamischen Ländern, aber auch in Teilen Neuköllns nicht unbedingt erkennbar an die Öffentlichkeit treten sollten, doch lassen wir den „christlichen“ Politiker mit seinem geheimnisvollen Satz unbehelligt vor sich hindämmern.
„Es wäre interessant zu erfahren, ob auch in anderen Gemeinden und in anderen Lokalzeitungen jede Erörterung des Islamismus, vermieden wurde.“
Spechts Vize, Bürgermeister Torsten Riehle (SPD), und sein Ehemann Markus Schwarz als Schirmherren der „Monnem Pride“ setzen die traurige Darbietung fort, indem sie erneut jede Benennung der islamistischen Gefahr unterlassen. Riehle will seinen eigenen Worten nach sich nicht umschauen, wenn er mit seinem Mann zusammen über die Straße geht, aber er will partout nicht sagen, von wem er eigentlich bedroht wird. Ein Hinweis auf den 4. Oktober 2021, an dem in Dresden ein schwules Paar von einem Islamisten mit zwei Messern angegriffen und einer der Angegriffenen getötet wurde, ist wohl als Hintergrund der Aussage zu vermuten, aber dies deutlich zum Ausdruck zu bringen, überfordert den Mut des sozialdemokratischen Politikers.
Weitere Stimmen
Einen bemerkenswerten Salto mortale liefert anschließend der nachnamenlose Jascha vom Antidiskriminierungsbüro. Er konstatiert, dass der Hass gegen „queere“ Menschen der Idee folge, dass ihr Leben nicht wertvoll sei, was mir bisher nicht in den Sinn gekommen ist. Gekonnt verschweigt er, dass Homosexualität im Koran (wie auch in der Bibel) in mehreren Suren als Verstoß gegen die moralische Ordnung verurteilt und verboten wird, was für Islamisten eine ausreichende Grundlage für entsprechende Handlungen gegen Schwule bildet.
Zum Abschluss tritt das Forum der Religionen mit Ilka Sobottke für die christliche (evangelische) Gemeinde, Amnon Seelig für die jüdische Gemeinde und Nazim Oumzil für das Institut für Integration und interreligiöse Zusammenarbeit – kleine Notiz für religionswissenschaftlich Interessierte: Es gibt keine islamische Gemeinde – nach vorne. Pfarrerin Sobottke fällt durch ein sensationelles Bekenntnis auf, das gut in den Rahmen dieser der Vernebelung und Vertuschung dienenden Veranstaltung passt. Sie schämt sich dafür, dass läubige aus fast allen Religionen Gott für ihren Hass verantwortlich machen und „queere“ Menschen ausgrenzen. Vielleicht könnte jemand mal Pfarrerin Sobottke darauf hinweisen, dass der Gott des Korans (wie auch der der Bibel) Homosexualität als verdammenswertes Verbrechen betrachtet und mit schweren Strafen belegt. Dies soll jedoch nicht meine Sorge sein, sondern wiederum das Erstaunen darüber, wie auch Pfarrerin Sobottke es erreicht, den Islamismus mit keiner Silbe zu erwähnen und ihn darüber hinaus von jeder Verantwortung frei zu sprechen. Denn es sind schließlich nicht Islamisten, die diese schrecklichen und mörderischen Taten begehen, sondern Gläubige aus fast allen Religionen, die an allem schuld sind. Wie an dieser Stelle schon öfters bemerkt, Mut ist nicht jedermanns (und jeder Frau) Sache.
Fazit der Lektüre
Es wäre interessant zu erfahren, ob auch in anderen Gemeinden und in anderen Lokalzeitungen jede Erörterung des entscheidenden ‚Akteurs‘ beim Anschlag auf den Berliner CSD, nämlich des Islamismus, vermieden wurde. Meine pessimistische Schlussfolgerung lautet, dass angesichts dieser verblendeten und irren Reaktionen, die mit aller Gewalt den Elefanten im Zimmer nicht sehen wollen, die Serie islamistischer Attentate nicht abreißen, aber auch das ‚Stadtbild‘ alltäglichen Schreckens in der Bundesrepublik nicht verschwinden wird.