02.03.2018

Nein zu Diesel-Fahrverboten!

Von Thilo Spahl

Titelbild

Foto: ResoneTIC via Pixabay

Fahrverbote für Diesel sind hysterischer Unsinn.

In Deutschland sind über 15 Millionen Diesel PKW zugelassen. Nun drohen Fahrverbote. Doch die waren noch nie so unnötig wie heute. Die Anti-Diesel Kampagne wird von Hysterie getragen und von opportunistischen Politikern und Journalisten befördert.

Als Begründung für die Fahrverbote muss die gelegentliche Überschreitung von EU-Grenzwerten bei Stickoxiden herhalten. Ein Blick in die Daten zeigt, dass die nicht der Rede wert sind. Die Luft in unseren Städten ist so gut wie nie. An sehr wenigen Punkten gibt es Überschreitungen und dort auch nur sehr selten. Zu den Hotspots zählt bekanntlich das Neckartor in Stuttgart. Die Stadt ist wegen ihrer Kessellage besonders gefährdet für erhöhte Luftschadstoffwerte. Im Jahr 2007 wurde am Neckartor der Stundenwert von 200 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft 450-mal überschritten. Erlaubt sind 18 Überschreitungen pro Jahr. Im Jahr 2017 gab es hier gerade einmal noch drei Überschreitungen. Einsamer Spitzenreiter 2017 war die Landshuter Allee in München mit 12 Überschreitungen. An 381 von insgesamt 397 Messstellen in Deutschland wurden genau Null Überschreitungen registriert.

Etwas anders sieht es beim Jahresmittelwert aus. Hier liegt der Grenzwert bei sehr niedrigen 40 Mikrogramm. Überschreitungen wurden 2017 an 52 von 397 Stellen gemessen. Auf Platz 1 wieder die Landshuter Allee mit 78 Mikrogramm. Lediglich an fünf Stellen in Deutschland lag der Wert über 60.

Verglichen mit dem zulässigen Höchstwert von 950 Mikrogramm am Arbeitsplatz ist diese Belastung sehr gering. Und es ist nicht einsichtig, warum auf der Straße ein so viel niedrigerer Grenzwert gelten soll. Selbst wenn jemand den ganzen Tag an so einer Einfallstraße herumstehen würde, bräuchte er sich vor einer Gesundheitsgefährdung durch Stickstoffdioxid nicht zu fürchten. In vielen Ländern liegt die durchschnittliche Belastung in Wohnungen deutlich über 40 Mikrogramm. Sie entsteht vor allem durch Gasheizungen und –herde. Wer gemütlich an einem flackernden Gaskamin sitzt, kommt locker über 600. In Küchen wurden bis zu 2500 Mikrogramm gemessen. In finnischen Eislaufhallen Werte bis zu 7500. (Angaben der WHO).

„Die Grenzwerte werden in Deutschland nur an wenigen Stellen und auch nur geringfügig überschritten.“

Offenbar sind mittlere bis hohe Stickstoffdioxidkonzentrationen in der Luft nicht ungewöhnlich. Jahrzehntelange Forschung hat dabei keine klaren Ergebnisse hinsichtlich der Schädlichkeit ergeben. Die tierexperimentelle Forschung wird in den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) so zusammengefasst:

„Sowohl aus in vitro- als auch aus tiertoxikologischen Studien geht hervor, welche toxischen Wirkungen von Stickstoffdioxid beim Menschen auftreten können. Dennoch ist es aufgrund (a) der häufigen Verwendung extrem hoher Expositionskonzentrationen in experimentellen Studien, (b) der inhärenten Unterschiede zwischen Säugetierarten und (c) des Mangels an verfügbaren Informationen über die Gewebereaktion verschiedener Arten auf eine bestimmte Dosis Stickstoffdioxid schwierig, die Wirkungen, die tatsächlich durch eine bestimmte inhalierte Dosis oder Konzentration verursacht werden, quantitativ und mit einem gewissen Maß an Sicherheit zu extrapolieren.“

Bei Versuchen mit gesunden Probanden ließen sich Effekte erst bei sehr hohen Konzentrationen feststellen.

„Eine messbare Veränderung des Lungenwiderstandes, des Gesamtwiderstandes der Atemwege und der bronchialen Reaktionsfähigkeit auf Acetylcholin und Methacholin bei gesunden Probanden wurde bei Expositionen von mehr als 1880 μg/m3 beobachtet, obwohl in einer Studie die Expositionen, die weit darüber hinausgehen (7520 μg/m3 für 75 Minuten), keine Veränderung zeigten.“

Asthmatiker sind empfindlicher. Aber auch hier geht es um deutliche höhere Expositionen, als am Stuttgarter Neckartor zu messen sind: „Menschen mit Asthma, die bis zu 2,5 Stunden lang 560 μg/m3 ausgesetzt waren, können relativ geringe Veränderungen in der Lungenfunktion erfahren, aber das ist keineswegs konsistent in allen Studien. Studien mit viel höheren Expositionen haben keinen Effekt gezeigt und einige Studien, die kleine Effekte bei niedrigeren Expositionen zeigten, waren schwierig zu reproduzieren. Ähnliche Inkonsistenzen wurden beobachtet, wenn Menschen mit COPD untersucht wurden.“

Der WHO-Richtwert von 40 μg/m3 ist also sehr vorsichtig gewählt. Es ist schön, dass er in Deutschland nur an wenigen Stellen und auch nur geringfügig überschritten wird. Und es ist schön, dass das immer seltener vorkommt und in ein paar Jahren gar nicht mehr der Fall sein wird. Dabei sollte man es belassen, statt in einer vollkommen maßlosen Aktion die Besitzer von 15 Millionen Dieselfahrzeugen teilzuenteignen.

„Stickstoffdioxid aus Dieselabgasen geht im Grundrauschen unter.“

Stickstoffdioxid aus Dieselabgasen geht im Grundrauschen der unzähligen Umwelteinflüsse auf den menschlichen Körper unter. Durch absurde Rechenübungen soundsoviele Tote durch Dieselabgase zu ermitteln, ist reine Propaganda, die man mit jeder beliebigen Sache machen kann: Tote durch Durchlauferhitzer, Tote durch Deo Sprays, Tote durch Felgenabrieb beim Fahrrad (Ein Fahrrad hat typischerweise einen Felgenverschleiß von 0,1 Millimeter auf 1000 Kilometer: Beim Bremsen entweichen Metalloxide in die Umgebung. Das sind auf einen Kilometer umgerechnet drei bis vier Milligramm. Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liegt dagegen nur bei 0,2 bis 0,5 Milligramm.), Tote durch Bananen (enthalten radioaktives Kalium), usw. usf.

Was für Stickoxide gilt, gilt auch für die anderen Schadstoffe, die böse Verbrennungsmotoren uns bescheren: Die Belastung ist in den letzten Jahren massiv zurückgegangen. Die Stickoxidemissionen im Straßenverkehr sind seit 1990 laut Zahlen des Umweltbundesamts immerhin um rund 70 Prozent gesunken. Feinststaub (PM 2,5) und Feinstaub (PM 10) seit 1995 um rund 62 Prozent bzw. 50 Prozent, Schwefeldioxid seit 1990 um 99 Prozent, flüchtige organische Verbindungen um 92 Prozent, Kohlenmonoxid um 89 Prozent und Ruß seit 2000 um 68 Prozent.

Und ja, die neuen Diesel sind noch sauberer als die alten (und vor allem die manipulierten), die Emissionen werden also in den nächsten Jahren immer noch weiter sinken. Und zwar ganz ohne verlogene Kampagnen von Abmahnvereinen und ganz ohne Hysterie und ohne Generalangriff auf die deutsche Autoindustrie.

Wer mehr darüber lesen will, wie der Diesel vom Klimaretter zur vermeintlichen Dreckschleuder gemacht wurde, kann hier weiterlesen.