10.12.2021

Kritik am Klimaalarmismus: Zwei Bücher und ihre Folgen

Von Sebastian Lüning und Fritz Vahrenholt

Titelbild

Foto: derwiki via Pixabay / CC0

In der Klimaforschung gibt es viele wissenschaftliche Ergebnisse, die die pauschale Erzählung von der Katastrophe in Frage stellen. Doch die Chance, wahrgenommen zu werden, ist inzwischen minimal.

Wir haben ein Buch zum Klimawandel geschrieben, in dem wir uns gegen Alarmismus und alternativlose Energiepolitik einsetzen. Die Medien reagierten prompt und berichteten ausführlich: Die Zeit, Die Welt, Frankfurter Rundschau, Bildzeitung, taz, Phoenix TV, Hessischer Rundfunk, Neue Zürcher Zeitung, Der Standard, Wiener Zeitung, Financial Times Deutschland, Osnabrücker Zeitung … Wochenlang beschäftigten sich Journalisten und Klimawissenschaftler mit unserem kritischen Buch, versuchten, die unbequemen Argumente in einer großangelegten Medienlawine zu entkräften. Die Öffentlichkeit wurde durch die Berichterstattung auf das Buch aufmerksam und wollte sich selbst ein Bild vom Inhalt machen. So landete das Buch drei Wochen lang in den Top 20 der Spiegel-Bestsellerliste in der Kategorie Sachbücher. Es wurden 25.000 Exemplare verkauft, dazu gab es Übersetzungen in die englische und polnische Sprache. Die kritische Botschaft unseres Buches kam an und stimulierte die öffentliche Debatte. Was will man mehr als Autor? Ziel erreicht.

Das war im Februar 2012. Das Buch hieß „Die kalte Sonne“ (Hoffmann und Campe). Unser zentrales Anliegen war es, die natürlichen Klimafaktoren stärker berücksichtigt zu sehen, nicht die ganze Klimaschuld immer nur beim CO2 zu suchen. Wir platzierten uns in der Mitte der Klimadebatte, wollten zwischen den verhärteten Fronten mit wissenschaftlichen Argumenten vermitteln. Ja, CO2 erwärmt das Klima, aber bei weitem nicht so stark wie es Weltklimarat und angeschlossene Forscher annehmen. Das gefiel den führenden Klimawissenschaftlern jedoch überhaupt nicht. Sie beharrten auf ihrer Extremposition des hundertprozentig menschengemachten Klimawandels. Jeder, der etwas anderes behauptete, musste verrückt, dumm oder von dunklen Mächten bezahlt sein. Klimaaktivisten machten sich ans Werk und entstellten unsere Wikipedia-Profilseiten, damit auch jeder sofort sehen konnte, was für böse Buben die beiden Autoren sind. Einer vernünftigen Debatte verschloss sich das Establishment, Dialog war unerwünscht.

Der Mediensturm von 2012 klang nach einigen Monaten langsam ab. Wir begannen ein Blog (www.kaltesonne.de), in dem wir seitdem täglich über Neuigkeiten zum Thema Klimawandel und Energiewende berichten. Wir informieren dort eine kleine, treue Kalte-Sonne-Community von einigen tausend Lesern. Außerdem präsentieren wir auf unserem Youtube-Kanal „Klimawandel Crashkurs“ die wöchentliche Nachrichtensendung „Klimaschau“. Das Klima-Establishment lässt uns dort gewähren, denn in dieser winzigen Ecke des Internets können wir offenbar keine größeren Schäden anrichten.

„Einer vernünftigen Debatte verschloss sich das Establishment, Dialog war unerwünscht.“

Das Thema hat in den letzten Jahren drastisch an Fahrt aufgenommen. Die Klimawarnungen gestalteten sich immer schriller, Kinder und Jugendliche wurden vor den Aktivistenkarren gespannt, die totale Dekarbonisierung beschlossen. Mit den klimawissenschaftlichen Grundlagen will heute niemand mehr belästigt werden. The science is settled. Politiker kümmern sich jetzt nur noch um die Logistik der schnellen Umsetzung der vermeintlich alternativlosen Maßnahmen, mit denen sie meinen, den Weltklimaweltuntergang abzuwehren.

Angesichts der fortwährenden Dialogverweigerungshaltung und der offensichtlichen Schieflage in der Medienberichterstattung wurde es allmählich Zeit, unsere Thesen von 2012 zu überprüfen. Wo lagen wir richtig, wo gingen wir fehl? Was hat sich in der Wissenschaft in diesen Feldern während der letzten Jahre getan? So machten wir uns ans Werk und erstellten einen aktuellen Überblick zu den wichtigsten Themen der Klimadebatte und der Energiewende. Herausgekommen ist ein Klimalesebuch in 50 Kapiteln: „Unerwünschte Wahrheiten: Was Sie über den Klimawandel wissen sollten“ (Langen Müller, 352 Seiten). Erschienen Mitte September 2020, referenziert mit 2300 Fachpublikationen und anderen Quellen. Leser sagten uns, dass das neue Buch noch leichter, interessanter und überzeugender zu lesen sei als unser erstes Buch. Das freut uns.

Die Mainstream-Medien hat es aber offenbar gar nicht gefreut. Denn sie schwiegen diesmal überwiegend. Zunächst gab es keinen Mucks. Ein unerwünschtes Buch mit unbequemer Kritik. Es schien fast so, als hätten sich Zeitungen, Radiostationen und TV-Sender abgesprochen. Den Kritikern möglichst keine Bühne geben, Deplatforming, Cancel Culture. Sollen die Klimaquerulanten doch in ihrer kleinen „Blase“ bleiben, bloß keinen medialen Flächenbrand verursachen wie beim ersten Mal. So könnten die Gedanken der Redaktionen und Programmplaner in den Medienhäusern gewesen sein.

„Einige wenige der Interviewszenen wurden verstümmelt in ein DLF-Hitpiece gegen Klimakritiker eingebaut.“

Nur zwei Radiosender schienen „das Memo“ nicht bekommen zu haben. Der Deutschlandfunk (DLF) lud Fritz Vahrenholt anlässlich der Buchveröffentlichung zu einem längeren Interview in den Sender ein. Dieses sollte kurz darauf gesendet werden. Der anvisierte Sonntag kam, aber das Interview wurde kurzfristig aus dem Programm gekegelt. Was war passiert? Hatte Fritz Vahrenholt seinen Job vielleicht zu gut gemacht? Gab es zu wenige Angriffspunkte? Weshalb die Abweichung vom ursprünglichen Sendeplan? Ein, zwei Wochen später kam dann die Auflösung. Einige wenige der Interviewszenen wurden verstümmelt in ein DLF-Hitpiece gegen Klimakritiker eingebaut. 1 Die Redakteurin Sophie Stigler verwendet darin recht unfeine Worte und betitelt uns als „Klimafaktenleugner“. Darüber muss man angesichts der ausführlichen wissenschaftlichen Belege unserer Argumente durch Zitate aus der Fachliteratur schon schmunzeln.

Im DLF-Beitrag blitzt immer wieder die Handschrift des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) auf. Gleich zwei Verlinkungen gehen auf Webseiten, an denen der PIK-Forscher Stefan Rahmstorf beteiligt ist. So langsam wird klar, wer Sophie Stigler wohl „beraten“ haben könnte. Rahmstorf, die graue Eminenz im Hintergrund? Zur expliziten Kritik im Buch an Rahmstorfs Thesen gibt es vom DLF seltsamerweise kein Wort. Als hätte Rahmstorf Stiglers Feder (weg-)geführt. Das Highlight des Beitrags ist der Hamburger Klimaforscher Jochem Marotzke, der zunächst das Buch negativ kommentiert, um gleich darauf zuzugeben, dass er es gar nicht gelesen habe. Wenig überzeugend. Eine detaillierte Analyse und Entgegnung zum DLF-Beitrag haben wir in unserem Blog veröffentlicht („Kritiker-Bashing beim Deutschlandfunk: Sophie, Volker und Jochem teilen aus“). 2

Auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat „das Memo“ offenbar nicht erhalten, denn auch dieser Sender lud Fritz Vahrenholt zum Interview. Aus dem daraus entstandenen achtminütigen Beitrag bekommt man allerdings den Eindruck, dass auch der MDR-Redakteur Hanno Griess das Buch gar nicht gelesen hatte. Nicht einmal den Namen des Autors konnte er auf der MDR-Homepage korrekt schreiben. 3 Griess unterstellt uns pauschal, wir würden krude Ideen vertreten. Diese Information hatte der MDR-Mann übrigens von einem anonymen Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums. Viel vager geht es nicht. Der Redakteur glaubt ähnlich wie Greta an „die“ Wissenschaft und kann sich offenbar nicht vorstellen, dass es in der Wissenschaft verschiedene Sichtweisen gibt.

„Griess unterstellt uns pauschal, wir würden krude Ideen vertreten. Diese Information hatte der MDR-Mann übrigens von einem anonymen Wissenschaftler des Leibniz-Zentrums.“

In den sozialen und sogenannten „alternativen“ Medien sah es zum Glück anders aus. Am Tag der Veröffentlichung des Buchs sprach Fritz Vahrenholt im Mittags-Podcast „Indubio“ der Achse des Guten (achgut.com) ausführlich mit Burkhard Müller-Ullrich über die Klimadebatte, Energiewende und „unerwünschte Wahrheiten“. 4 Das Magazin Tichys Einblick beschäftigte sich gleich mehrfach mit unserem Buch, unter anderem in Form einer Rezension und eines Youtube-Interviews, wobei Letzteres bislang von mehr als 73.000 Nutzern angeschaut wurde. 5 Auf ScienceFiles veröffentlichte Michael Klein eine sehr ausführliche und kenntnisreiche Buchbesprechung. 6 Außerdem gab es Beiträge zum Buch auf der Webseite des Vereins „Europäisches Institut für Klima & Energie“ (EIKE) 7 sowie auf einigen anderen Plattformen.

Trotz des beredten Schweigens des Großteils der Mainstream-Medien und dank der Berichterstattung in den sozialen und alternativen Medien hat das Buch schließlich doch seine Leser gefunden. Zeitweise konnten Amazon und Thalia gar nicht schnell genug nachliefern und gerieten in Lieferengpässe, die allerdings nach einer Woche zum Glück behoben waren. Mittlerweile liegt das Buch in der 4. Auflage vor und kletterte zwischenzeitlich sogar auf Platz 36 der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher.

In unserem Buch kritisieren wir den Weltklimarat dafür, dass er nicht das gesamte Spektrum der klimawissenschaftlichen Meinungsvielfalt wiedergibt. Wie geht der auch IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) genannte Klimarat mit dieser Kritik um? Wir schrieben an die deutsche Koordinierungsstelle des IPCC und boten ein Freiexemplar des Buches an. Es wäre uns wichtig, dass der IPCC unsere Kritik entgegennimmt und eine Dialogmöglichkeit schafft. Die Koordinierungsstelle lehnte ab. Man wolle weder das Buch zugeschickt bekommen, noch könne man einen „Runden Klimatisch“ einrichten. Kein Interesse.

„Das Grundproblem der Klimadebatte: Kritik am Konzept der Klimakatastrophe ist unerwünscht und wird nicht gehört.“

Eine schockierende Reaktion einer staatlich finanzierten Stelle, die das Wissen zum Klimawandel koordinieren soll: Man möchte keine Kritik hören und auch keine Diskussionen hierüber führen. Stattdessen solle man sich doch an den IPCC-Berichten beteiligen. Was die IPCC-Koordinierungsstelle nicht wissen konnte: Genau dies hatte Sebastian Lüning bereits getan und war dabei auf genau dieselbe Verweigerungshaltung gestoßen. Auf unserem Youtubekanal „Klimawandel Crashkurs“ brachten wir hierzu eine „IPCC-Trilogie“, in der wir die politisierte Arbeitsweise des Weltklimarats beleuchteten. In Wahrheit hat Kritik letztendlich keine Chance, vom IPCC ernstgenommen zu werden. Auch ScienceFiles berichtete. 8

Dies führt uns zum Grundproblem der Klimadebatte: Kritik am Konzept der Klimakatastrophe ist unerwünscht und wird nicht gehört. Dies ist schon sehr überraschend für eine angeblich so aufgeklärte, demokratische Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Sollte es nicht Strukturen geben, die unsere Argumente unvoreingenommen und ergebnisoffen prüfen? Was wäre, wenn sich zahlreiche unserer Argumente als stichhaltig erweisen? Immerhin handelt es sich um eines der wichtigsten Themen der heutigen Zeit. Wie können wir die politischen Entscheider dazu bringen, das Buch zu lesen und den Kritikern zuzuhören? Viele Fragen, leider bislang ohne Antworten. Mit der Veröffentlichung von „Unerwünschte Wahrheiten“ haben wir unsere Kritik öffentlich präsentiert und fachlich ausführlich begründet. Der Ball liegt jetzt im Feld der Klimawarner. Ob sie wohl die Gelegenheit für eine faire Debatte nutzen werden?