27.09.2010

Ist Kernbrennstoff knapp? Oh nein!

Kommentar von Thilo Spahl

Es spricht alles dafür, dass das heutige Energieversorgungsproblem in ein paar Jahrzehnten Geschichte ist.

„Uran, der Rohstoff für die Atomkraft, wird spätestens in 65 Jahren weltweit nicht mehr verfügbar sein. Das ist die Aussage eines umfassenden Reports, den Greenpeace am Donnerstag in Berlin vorlegt. Damit ist klar, dass die Atomkraft gänzlich ungeeignet ist, die Versorgung Deutschlands mit Energie zu garantieren. Auch als Lösung für das Klimaproblem fällt sie aus.“ (Pressemitteilung von Greenpeace Deutschland vom 9.2.2006)


Ähnliches hören wir permanent. Für Uran gelte dasselbe wie für Kohle, Öl und Gas. Es gehe uns über kurz oder lang aus, weshalb wir die Sache besser gleich vergessen sollten.
Der letzte Woche vorgestellte Report „The Future of the Nuclear Fuel Cycle“ von US-Wissenschaftlern unter Leitung der MIT-Forscher Ernest Moniz, Mujid Kazimi und Charles Forsberg liefert ganz andere Prognosen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Uran in den nächsten 100 Jahren nicht knapp werde, selbst wenn die USA 1000 Kernreaktoren bauen und betreiben würden. Derzeit sind 104 im Einsatz und liefern 20% des US-Stroms. Wiederaufbereitung sei hierfür nicht notwendig und eine unnötige Ausgabe.


Da die Kosten für das Uran bisher nur zwei Prozent der Stromkosten ausmachen, sei auch ein drastischer Preisanstieg ohne große Bedeutung. Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass bei einer Ausweitung der weltweiten Reaktorkapazität von derzeit 400 auf 4000 der Preis für den Strom bei einer Laufzeit von 60 Jahren infolge des Preisanstiegs beim Uran lediglich um 1 Prozent steigen würde. Die Autoren sind der Meinung, dass neue Reaktortypen, die noch viel mehr aus dem Brennstoff herausholen können, mittelfristig nicht notwendig sind, man aber erforschen solle, was das beste Konzept für die Zukunft sein sollte.


Wenn wir in die fernere Zukunft schauen, wird noch sehr viel deutlicher, dass Energieknappheit bald als eine veraltete Vorstellung des späten 20. Jahrhunderts gelten wird. Die heute schon prinzipiell verfügbare Technik für den Bau von Thoriumreaktoren kann in Ruhe zur Marktreife gebracht werden. In Laufwellenreaktoren (siehe Blogbeitrag „Bill Gates will Energie ohne Ende” vom 14.4.10 könnte konventioneller „Atommüll“ verbrannt werden, usw.


Es spricht also alles dafür, dass wir in ein paar Jahrzehnten sicher sagen können, dass die Energieversorgung für Zehntausende von Jahren (auf Basis der dann schon vorhandenen Technologie!) gesichert ist. Und wir wollen ja nicht davon ausgehen, dass der Erfindungsreichtum der Menschen im 22. oder 45. Jahrhundert nicht noch weitere Optionen hinzufügen wird.


Ich glaube, es gibt auf den Novo-Seiten einige Besucher, die sich mit Kernenergie auskennen. Mich würde interessieren, ob es ernsthafte Einwände gegen die Annahme gibt, dass wir in diesem Bereich praktisch unbegrenzte Ressourcen haben.