30.03.2016

Flüchtlinge und Zwetschgen aus Damaskus

Essay von Zé do Rock

Die Migrationsdebatte bedarf vergleichender Darlegungen, findet der Schriftsteller Zé do Rock. Der Deutschbrasilianer informiert in einer eigenen orthographischen Variante über Kopftücher und Semmeln.

Nach Wikipedia is der älteste mensch in Deutschland der homo heidelbergiensis. Wenn das so stimmt, dann war kein hominide davor da, um die neuankömmlinge ‚flüchtlinge' oder ‚migranten' zu nennen. Und sie selber hatten kein wort für migranten, weil sie als menschen automatisch nomaden waren, nomadentum gehörte zum wesen des menschen. Der neandertaler is vom heidelbergiensis hervorgegangen, also wurden sie von nimanden als migranten oder flüchtlinge bezeichnet. Das heisst: die ersten flüchtlinge bzw. migranten waren die homo sapiens, aus dem nahost kommend, ursprünglich aus Afrika. Die übliche route halt. Wenn einer dort bei der Elbe sich über die homosapientisierung des abendlandes sorgen machte, dann hatte er recht. Die homo sapiens haben sie überrollt und vermutlich genetisch und kulturell assimiliert – hab ich mir immer so vorgestellt, und es mehren sich die beweise dafür.

Migranten waren sie eigentlich nich, also nich im traditionellen sinne. Darunter würde man normalerweise jemand verstehen, der bei der botschaft des entsprechenden landes ein arbeits- oder einwanderungsvisum gestellt und bekommen hat, und dann ganz normal einreist. Und eventuell sich sogar einbürgern lässt. Also nennen wir sie ‚flüchtlinge'. Sie flüchteten vor krieg oder schwacher konjunktur, wenig pfirsiche, keine bananen, keine ahnung. Die germanen flüchteten dann vor der kälte im norden, die kelten und dann die slaven vor der kälte im osten – und wer weiss auch vor der armut, auch wenn das leben in Germanien nich besonders paradiesisch gewesen sein soll, und die hygienischen standards viel zu wünschen übrig lieszen. Nur die römer kamen nich als flüchtlinge – bei ihnen wars deutlich besser – sondern als besatzer. Aber dafür werden sie jetz keine pluspunkte kriegen, besatzer sind meistens unangenehmer als flüchtlinge.

Ja und dann fing Germania an, selber flüchtlinge zu produziren: sie gingen in alle richtungen, nach osten, nach süden, nach westen. Die romanischen völker nennen dise bewegung „Die Invasion der Barbaren“, die germanischen völker nennen es „Völkerwanderung“ oder „Migration of peoples“. Durch dise bewegungen und ihre umgangsformen mit der lokalen bevölkerung haben sie der welt sogar ein neues wort geschenkt, ‚vandalismus'. In den letzten jahrhunderten hat Deutschland vile migranten exportirt – wegen den krigen, wegen der schlechten wirtschaft – in die USA, Brasilien, Canada, Argentinien, Südwestafrika, usw. Also wenn flüchten eine sünde is, haben die deutschen kräftig gesündigt.

„in einem rambo-film hilft Silvester Stallone den freundlichen taliban, den kampf gegen die russen zu gewinnen“

In den 90er jaren wurde plötzlich das probleem der asilanten den leuten bewusst. Sie waren oft afrikanische wirtschaftsflüchtlinge, jedenfalls gingen die proteste und anschläge gegen asilanten wie auch ire gegenproteste los. Man nannte die leute asilanten, weil sie um asyl gebeten hatten. Mit religion hatte das ganze nix zu tun: die asilanten san anders aus, konnten die sprache nich und waren nich ganz stubenrein. Die ausländergegner müssen mit 15 quadratmetern auskommen und die asilanten bekommen ein hotelzimmer! Und am ende nemen die einem noch den jobb und die frau weg! One die frau, OK, aber one jobb? Nun ja, man hat das problem mit neuen gesetzen gelöst, die haben es teoretisch fast unmöglich gemacht, in Deutschland um asyl zu bitten. Und es war eine zeitlang ru in disem sektor.

Islam als neues Feindbild

Es war aber auch die zeit, in der der kommunismus zusammenbröckelte, und plötzlich hatte der westen kein feindbild mer. Das war schnell gefunden, es war schon in der luft, erst mit Iran und dann mit den terroristischen anschlägen: der Islam. Auch wenn die meisten politiker im westen zwischen Islam und islamismus unterscheiden, geben vile von inen zwischen den zeilen zu versteen, dass die mohammedaner „anders" sind. Früher waren wir die demokraten und auf der andren seite die bösen kommunisten. Ansonsten gab es in naost wie in der ganzen welt länder, die für uns waren, und länder, die für die andren waren, also gute und böse länder. Kulturelle unterschide? Klar, die gab es, zwischen Deutschland und der Türkei, zwischen Frankreich und Indien, zwischen England und Angola, zwischen Schweden und Kolumbien. Natürlich fühlt sich der westler irgendwie überlegen: er weiss mer, wenigstens wo's drauf ankommt, er lebt besser und länger. Aber zum beispil in einem rambo-film hilft Silvester Stallone den freundlichen taliban, den kampf gegen die russen zu gewinnen – vermutlich wegen diser hilfe von Stallone mussten die russen abzin.

Und so hör ich immer wider von politikern: „Die meisten muslime sind anständige menschen", und man könnte denken, sie sprechen von 60 prozent oder 70 prozent der bevölkerung, wärend ein drittel, über 500 milionen menschen, dauernd unterwegs mit morden und plündern sind. Ich weiss nich, wie vile islamisten es gibt, die anschläge verüben und in den krig für Allah zin. Kommt natürlich auf die definition von „islamist" oder „terrorist“ an. Vileicht irgendwas richtung 100 000, sicher aber ser weit unter einer milion. Die islamische bevölkerung beträgt über anderthalbmiliarden. Das heisst: über 99,99% der islamischen bevölkerung sind keine terroristen.

Dann liest man überall, „Unsere zivilisation wurde angegriffen!", und ich hör immer wider raus, dass damit Berlin, Paris und New York gemeint sind, sicher aber nich Istanbul, Beirut oder Kairo, obwol unsere zivilisation im naost geboren wurde – Damaskus existirte schon, als die leute in der gegend von Paris noch in den bäumen wonten – und obwol die leute in naost einen vil höheren blutzoll wegen der islamisten zalen müssen. Klar, normale menschliche hirne befassen sich nich mit zalen, sondern mit welcher medienlavine man konfrontirt wird. Der anschlag in Ankara verdiente in einer groszen süddeutschen zeitung eine nachricht links unten, der anschlag in Paris ganze hefte. „Unsere freiheit, auszugeen, wird angegriffen." Als ginge der istanbuler oder beiruter nich ins kafee, der junge jakartaner nich in die disko, als würden sie den ganzen tag auf iren kamelen sitzen und überlegen, wie sie noch irgendwo in der welt ein par türme zu fall bringen könnten.

Ma macht es den muslimischen ausländern nich leicht, indem man inen dauernd eintrichtert, dass sie anders sind. Türken werden deutsche und ma „beschimpft" sie immer noch als türken. Vor der nazizeit waren die juden vollkommen integrirt, und vile hatten sogar vergessen, das sie juden waren: sie hatten ein deutschen pass, sie oder ire vorfaren hatten selbstverständlich für Deutschland gekämpft und diejenigen, die nich religiös waren, hatten kein grund mer, sich juden zu nennen. Aber sie wurden daran erinnert, litten darunter, und es blib inen nix anders übrig, als sich juden zu nennen – Hitler hat den juden ire identität zurück gegeben, und wer weiss, gäbe es one Hitler noch heute kein Israel. Nun ja, so is es vermutlich mit vilen muslimen, vor allem jungen muslimen – sie werden täglich daran erinnert, und manche können ire identität nur noch im Islam suchen.

„Ma macht es den muslimischen ausländern nich leicht, indem man inen dauernd eintrichtert, dass sie anders sind.“

Nu ja, jetz kommen vor allem muslimische flüchtlinge, und der hass kann eine klarere richtung bekommen als gegen „ausländer" oder „asylant" allgemein. Wir sind gegen muslime, weil sie uns erobern wollen. Und weil sie unsere gesetze nich respektiren, weil sie ire fraun unterdrücken, weil die fraun demonstrativ religiös kopftücher tragen, wenn nich gar eine burka. Aber wat nu? Tragen die fraun kopftücher, weil ire männer sie dazu zwingen, oder weil sie ire religion den nichtmuslimen aufdrängen wollen, weshalb sie es demonstrativ religiös tragen? Beide zusammen passt nich so richtig, aber das macht nix, solange vile daran glauben. Kopftücher tragen fraun seit vilen jartausenden, in allen ecken der welt, wie auch andre arten von kopfbedeckungen, wie hüte, perücken, usw. Kopftücher tragen aber heutzutage ausser muslimas und omas wenige fraun in deutschen und westlichen städten, wobei es auf dem land noch relativ verbreitet is, in Süd- und Osteuropa oft auch noch in den städten, zumindest ältere fraun.

Aber plötzlich mag ma sie im westen nich mer. So kommt es, das alle länder untergrenzen für kleidung ham – nackt darf normalerweise keiner rumlaufen – aber zwei länder des westens ham auch eine obergrenze: Frankreich und Belgien. Da sind burkas verboten. Weil sie ein simbol der unterdrückung der frau sind. Also wird im namen der freiheit verboten. Die tendenz is jedenfalls da, irgendwelche minderheiten oder irgendwelche menschen in bestimmten situationen zu schützen, wo alle ein preis dafür zalen müssen, manchmal sogar ein zimlich hohen. Also weil es unter den prostituirten welche gibt, die zur prostitution gezwungen werden – vermutlich eine kleine minderheit – verbitet ma gleich der ganzen branche, irer arbeit nachzugeen.

Muslimische Art von Respekt

Ich war immerhin in 25 ländern mit einer muslimischen merheit, meistens bin ich geträmpt. Meistens war es heiss und ich hatte shorts oder kurze hosen an. Obwol das absolut unüblich is in solchen ländern, hatte ich nie probleme damit (weiss natürlich nich, ob ich in Saudi Arabien welche hätte, das land darf man als turist nich betreten), Die leute waren meistens freundlich, ich genoss oft ire gastfreundschaft, und zu meiner kleidung sagten sie, was europäer vor ein par jarzenten ebenfalls sagten, wenn sie leute san, die ser anders angezogen waren: andre völker, andre sitten. Schokirend war nur zu sagen, ma glaubt nich an Gott – das war nich weit von zugeben, das ma bebis sexuell missbraucht, weshalb ich bald nur noch sagte, ich bin krist, womit sie absolut keine probleme hatten. Und es is nich so, das ich nich an Gott glaub, ich definir mich als unsicheren agnostiker – ma kann nix wissen, obwol ich mir auch darüber nich ganz sicher bin.

Einmal stand ich vor der schlange an eim u-ban-schalter in Kairo, und als ich endlich der erste war, hat sich eine frau vor mich gedrängelt. Ich fing an zu schimpfen, eine unveschämtheit is das, und die frau war nur erstaunt. Später hab ich erfaren, das fraun nich ansteen müssen. Sie krigen auch in den öffentlichen verkersmitteln die besten plätze vorne. Klar, fraun ham im allgemeinen weniger rechte in muslimischen ländern als in westlichen, aber es gibt auch vil respekt, und fraun sind für vile muslimische männer eine andre welt. Ich gebe flüchtlingen deutschunterricht. Am anfang hatte ich keine probleme, den leuten unanständige wörter beizubringen, aber immer wider sagen mir muslimische männer, sie finden es ser lustig, aber bitte, ich sollte die fraun damit ersparen, ma muss sie respektiren. Das mag wie eine kuriose form des respekts für westler scheinen, aber sie zeigt auch, das verachtung nich die einzige art des gefüls is, die muslimische männer für die fraun empfinden.

Einmal war ich mit meiner – damaligen – frau in der Türkei und sie wurde einmal angegrabscht, das is aber öfter im kristlichen Sizilien und in Griechenland passirt. Klar, das machen sie vermutlich vil seltener mit den eigenen fraun, vil weniger als sagen wir mal brasilianer, aber genügend muslimische männer und andre südländer ham eben gehört, das westliche fraun leicht zu krigen sind. Und verglichen mit iren fraun, sind sie es tatsächlich – ma kann sie auf der strasze ansprechen, und mit etwas glück kann ma mit denen sex haben, manchmal sogar sofort, one sie zu heiraten. Die wissen aber nur nich, wie leicht genau die fraun sind, und wissen nich, was sie dürfen und was nich.

Der ach so freie westen is übrigens vorreiter bei den verboten, die die bevölkerung „schützen" sollen – rauchverbote, alkoholverbote, drogenverbote, kleidungsverbote. Sogar immer mer ess-verbote, wie in den winer straszenbanen, nach dem motto „Ein leberkäs-esser, 20 mitriecher". In verschidenen US-staten sind deo und parfum in behörden und restaurants verboten. Inzwischen zit die ganze welt bei den verboten nach, die islamische inklusive, aber kommen tut die welle aus dem land der freiheit, den USA.

Von dem land kommen auch die kristlichen fundamentalisten – mein wahrig-wörterbuch von 1984 definirt noch fundamentalismus als „radikale Richtung der nordam. protestantischen Kirchen". Sie sind auch in Brasilien inzwischen stark vertreten, sie waren kaum 5 prozent der bevölkerung und machen jetz ein drittel aus. Da sind zwar auch amerikanische kirchen dabei, wie die Assembly of God und die adventisten, aber die gröszten sind brasilianisch, und es gibt hunderte denominazionen, teilweise mit zimlich abenteuerlichen namen wie „Pfingstkirche die Letzte Trompete" oder „die Schneball-Kirche". Die gröszte is die Igreja Universal do Reino de Deus, die Universelle Kirche vom Reich Gottes, vom Bispo (Bischof) Macedo. Die hat ableger in Lateinamerika, USA, Afrika, fernsesender überall. Ma sagt, Gott is der weg, und Bispo Macedo is die maut.

Der westen mag aus schöneren und unschöneren demokratien besteen, wärend die meisten islamischen länder keine sind. Aber es is nich so, das kristliche länder per definition demokratien sind und islamische länder diktaturen. Die türkinen durften vor den französinen wälen, ausserdeem  wimmelt es nur so von diktaturen in der dritten welt, und das sind oft kristliche länder. Bis vor wenigen jarzenten – weltgeschichtlich geseen vor ein par sekunden – gab es noch jede menge diktaturen in Europa. Aber ein vergleich von kristlichen mit muslimischen ländern machen wir selten, wir nemen liber das „beste" (aus unserer sicht) von der kristlichen welt, Westeuropa, und vergleichen es vorzugsweise mit dem schlimmsten von der andren seite, z.b. Saudi Arabien.

„deutsh is eine sprache, die die deutshis immer weniger sprechen wollen“

In den 60er fing man in Deutshland an, arbeiter aus dem ausland anzuwerben. Weil ma sie hir auf langer sicht nich wollte, nannte ma sie gleich ‚Fremdarbeiter'. Ma verbot inen teilweise, mit der lokalen bevölkerung in kontakt zu kommen. Aber sie sind nich zurück gegangen, und als der anti-islamismus konturen gewann, war ma plötzlich entsetzt, das sie immer noch nich richtig die sprache konnten und in gettos lebten: dort wo ma sie hinverfrachtet hatte. Das sie weniger integrirt sind als zum beispil italiener oder ex-jugos, asoziirte ma mit der tatsache, das sie muslime sind. Dabei ham zum beispil iraner keine probleme mit der integration. Erstens kamen sie nich als gastarbeiter und waren keine kleinbauern in Anatolien, sondern waren politische flüchtlinge oder gewönliche migranten, meistens eine mittelschicht, die sich vil besser an die deutshe mittelschicht anpasste. Und ein iraner kann nich damit rechnen, das er im obstladen um die ecke ein andren iraner trifft, der ihm obst verkauft. Der türke schon.

Vorteile der Flüchtlingswelle

Die integrationsfähigkeit einer volksgruppe is proporzional zum grad der änlichkeit zwischen der kultur der imigranten und der kultur des gastgeberlandes, andrerseits umgekeert proporzional zur grösze der migrirenden gruppe. In Deutshland bilden die türken gettos, in den USA nich, weil es dort nich genügend von inen gibt. Dafür sind die (kristlichen) mexikaner in Deutshland integrirt, in den USA bilden sie gettos, weil sie dort so vile sind. Aber die menge is nich immer bestimmend: in den USA sind die deutshen komplett integrirt, die italiener bilden gettos, obwol es von beiden gruppen jede menge gibt. Die deutshe kultur deckt sich grösztenteils mit der angelsäxischen, die romanische, italienische, katolische weniger. In Brasilien gibt es auch jede menge von beiden gruppen - es is das land mit den meisten italienern und bis 1945 war es das zweite land mit den meisten deutshen imigranten, nach den USA – aber dort sind die italiener komplett in der masse verschwunden, wärend die deutshen teilweise immer noch (zimlich falsches) deutsh sprechen, oft noch fachwerkhäuser baun und vil mer sauerkraut essen als die deutshländer (das sind die deutshen in Deutshland). Auch die sirer sind übrigens ser gut integrirt, vil besser als die deutshen – Brasilien is das land mit den meisten sirer-nachfaren, wobei Deutshland Brasilien in naher zukunft den rang ablaufen könnte.

Alle fordern plötzlich in Deutschland Tja, wenn es so sein muss, verlangt ma von den neuankömmlis, das sie übernacht deutsh lernen, dabei is das leben zu kurz, um deutsh zu lernen. Eine sprache, die die deutshis immer weniger sprechen wollen – in der fuszi-zone von Stuttgad hab ich die sprachen von allen reklamen an den läden gezält, und es gab zwar mer deutsh als francisch und italianisch, aber weniger als english. Spanische, und sogar francische filme krigen in disem land ein englishen titel – täte jemand so was in Francre, würden die francisen die eingerostete guillotine wider rausholen. Das programm zur beschleunigung und beförderung der deutshkurse für auslandis heisst sinnigerweise ‚Early Intervention".

So eine flüchtiswelle hat ire vorteile: die wirtschaft profitirt davon, die kultur profitirt davon, die rentenkassen werden durch die infusion von vilen jungen menschis entlastet – vorausgesetzt die meistis finden ein jobb. Sicher aber werden nich alle flüchtis arbeit finden, und es gibt bestimmt andre nachteile, wobei es bei den zalreichen faktoren fast unmöglich is, vorteile und nachteile gegeneinander zu rechnen, vor allem weil ma nich weiss, was noch kommt. Wenn nix dagegen getan wird, gibt es kein grund zu glauben, die kommenden massen werden kleiner werden. Nur die ofiziell unsicheren länder ham zusammen irgendwas um die hundert milionen wonis, und für nur wenige von inen is ir land eine bessere option als Deutshland. Und auch wenn die masse nich anschwillt, aber gleich grosz bleibt, werden die sozialen probleme warscheinlich waxen.

Meine stadt Sao Paulo musste jarzentelang 300 000 migris pro jar aus dem armen nordosten aufnemen – die mussten nich einmal um asyl bitten. Also jedes jar schwoll die stadt um die bevölkeru von Bonn an, und keine stadt in der welt kann järlich 300 000 neue jobs schaffen. Das fürte dazu, das Sao Paulo zu einer der gefärlichsten städte der welt wurde, und nur wider sicherer wurde (mit einer mordrate wie die von Frankfurt, was für deutshe verhältnisse vil is, für weltverhältnisse wenig), als der strom aus dem nordosten versiegte. Deutshland hat virmal sovile wonis wie Sao Paulo, und bekommt fast 4 mal so vile flüchtis, also eine relativ änliche situazion.

„‚Also bezin die beiris ire identität aus dem arabian, da könnten sie etwas toleranter gegenüber den neuen damaskis und sonstigen arabis sein.“

Keine frage, ideal wär es, das probleem vor ort zu lösen. Leicht wird das aber nich sein. Assad gegen rebellen aller art, unter inen sind demokratisch gesinnte rebellen, IS-kämpfer, kurden, Saudi Arabien, Iran, Russland, die Türkei, der Westen, alle mit iren eigenen interessen und simpatien. Der westen will verhandlus, schliszt aber gleich aus, das Assad bleibt – nur seine armee bräuchte ma. Sonst noch was? Vileicht können die amerikaner dem Assad ire army auslein, natürlich unter Assads kontrolle, wie wärs damit? Und doch wird es irgendwann friden in Siria geben, wenn es noch das land dann gibt. Jeder krig is irgendwann ausgegangen, auch wenn die lage oft komplizirt war. Sei es weil einer die gewinni war, oder weil alli wegen geldmangel und müdigkeit nich mer können.

Also versucht ma, die masse in der Türkie zu halten, oder die grenzen werden immer dichter, und irgendwann weiss ma nich mer, was Schengen bedeutet. Ein hoher preis für die wirtschaft und für die menschis. Vorläufig is es nur problematisch an den flüchti-ruten – ich war zum beispil in Salzburg und hätte an der grenze bei Freilassing stunden warten müssen, dann fur ich 10 oder 20 kilometer weiter nach norden und da war keine kontrolle und keine schlange. Solange das so bleibt, is es nich besonders problematisch, aber wenn alle grenzstationen wider kontrolirt werden, zalen alle drauf, zumindest mit irer zeit, und es heisst nich, das keine flüchtlinge über die grüne grenze kommen werden. Aber unwarscheinlich, das sie in solchen massen kommen, als masse über die grüne grenze is ma zimlich gut sichtbar.

Bevölkerungsmäszig mögen die saxis die gröszten gegnis der flüchtiwelle sein, politisch sind es bestimmt die beiris. Dabei is eines irer „nazionalsimbole" der zwetschgendatschi, aus zwetschgen gemacht, was man andernorts pflaumen nennt, und das wort kommt aus dem lateinischen davascenus, das widerum aus dem griechischen damaskenon kommt, was damaszener heisst, also die frucht aus Damaskus. Ausserdeem sind die stolz darauf, ire brötchen „semmeln“ zu nennen, was aus dem latin „semila“ stammt, was widerum aus dem arabiano „samid“ kommt, ein wort für „feines mel“. Also bezin die beiris ire identität aus dem arabian, da könnten sie etwas toleranter gegenüber den neuen damaskis und sonstigen arabis sein.