28.03.2019

Desinformation gegen Glyphosat

Von Holger Douglas

Titelbild

Foto: Chafer Machinery via Flickr / CC BY 2.0

Die Bio-Lobby führt eine Kampagne gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. NGOs mit Nähe zu Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern wollen seriöse Wissenschaftler zum Schweigen bringen.

Glyphosat gilt derzeit als das Supergift, das alles Leben zerstört und die Menschheit ausrottet. Allein bei der Nennung des Namens kriechen Schauder über den Rücken. Laut sind die Forderungen, das Teufelszeug zu verbieten. Doch auch nach über 40 Jahren weltweitem Gebrauch gibt es keinen Beweis dafür, dass Glyphosat schädliche gesundheitliche Folgen hat. Dennoch beginnen jetzt vor US-amerikanischen Gerichten wahre Schlachten darüber. Es geht um angebliche Gefahren – und um viel Geld, sehr viel Geld, das Bayer mit Monsanto als Schadensersatz bezahlen soll. Die Kläger behaupten, dass Glyphosat für ihre Krebserkrankungen verantwortlich sei. Da lohnt ein Blick auf die Akteure hinter den Kulissen.

Kategorisierung

Gerade steht eine Entscheidung vor einem amerikanischen Bundesgericht an. Mehr als 10.000 andere Kläger stehen auf der Matte und führen ihr Krebsleiden auf Glyphosat zurück. Bayer als neuer Eigentümer jedenfalls rüstet sich für eine teure Klagewelle. In San Francisco klagte Ed Hardemann, Glyphosat habe bei ihm Lymphdrüsenkrebs ausgelöst. Das Verfahren ist deswegen bedeutsam, weil es ein Musterfall in einer Sammelklage ist, in dem Beweise erhoben und Zeugen vernommen werden. Damit bekommt es den Charakter einer Richtungsentscheidung, die zwar nicht bindend für die anderen Verfahren ist, aber dennoch eine Einschätzung über künftige Erfolgsaussichten zulässt. In der ersten Phase des Prozesses hat eine Laien-Jury nun entschieden, Glyphosat habe zur Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers beigetragen. In der zweiten Phase soll nun geklärt werden, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte. Es geht um einen Industriekrieg, der mit härtesten Bandagen geführt wird. Ein Kampf, der mit voller Wucht tobt und gehöriges Vernichtungspotential birgt. Es stehen sich gegenüber:

  • der Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmittel Monsanto / Bayer und
  • finanzstarke NGOs, hinter denen wiederum ideologiegetränkte Firmen stehen, die z.B. Bioprodukte verkaufen wollen und daher Impfungen, Gentechnik und Chemotherapie ablehnen, da sie über ihre Alternativmedizin viele Millionen Dollar verdienen. Häufig sehen sie sogar Chemtrails als wahr an.

„Glyphosat ist grundsätzlich in der Lage, Krebs zu erzeugen. Rind-, Lamm- und Ziegenfleisch befinden sich auch in dieser Kategorie.“

Da kommt ein Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat als Hebel im Kampf um die Vorherrschaft gerade recht. Dieses wird seit über 40 Jahren weltweit erfolgreich angewendet, weil die Bauern ja Nutzpflanzen ernten wollen und keine Unkräuter. Vernünftige Alternativen gibt es nicht. Nur mit Glyphosat können sie Saatgut ausbringen, ohne vorher die Böden umzupflügen. Das spart Fahrten mit dem Traktor über den Acker und schont die Böden. Und es lässt auch Unkräuter verderben, also Leben, warum dann nicht auch menschliches Leben, so die bange Frage?

Glyphosat ist eine Steilvorlage, um eine Gefahr für alles Leben zu konstruieren. Einem unwissenden Publikum kann man immerhin vieles auftischen. Woher kommen Aussagen über die Gefährlichkeit von Glyphosat? Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt dazu ausdrücklich nichts. Doch deren Unterorganisation IARC, die internationale Agentur für Krebsforschung in Lyon, hat das Mittel in die Kategorie 2a eingestuft. Das bedeutet: Die Substanz ist grundsätzlich in der Lage, Krebs zu erzeugen. Rindfleisch, Lammfleisch und Ziegenfleisch befinden sich – nebenbei bemerkt – auch in dieser Kategorie. Von jedem Produkt gehen theoretisch beliebig viele Gefahren aus. Wie beim Salz. Zu viel davon kann auch tödlich sein. Erst nach einer Bewertung des Risikos setzt man sich ins Auto oder isst Salz. Der Friseurberuf gilt in dieser Kategorie ebenfalls als „wahrscheinlich krebserregend“. Sonnenstrahlen und Alkohol gehören nach der IARC in die Kategorie „sicher krebserregend“. Nach den IARC Kategorien befindet sich in Gruppe 4 „wahrscheinlich nicht karzinogen“ lediglich eine Substanz, Caprolactam, ein Ausgangsstoff für Kunststoffproduktion.

Das Vorgehen der IARC führt daher in die Irre. Denn grundsätzlich gehen von jedem Produkt beliebig viele Gefahren aus. Erst nach einer konkreten Bewertung lässt sich das tatsächliche Risiko einschätzen. Das IARC steht damit weltweit allein da. Glyphosat gehört zu den weltweit toxikologisch am umfassendsten untersuchten Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen. Und alle anderen Institutionen, etwa das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die europäische EFSA, die amerikanische EPA und auch das JMPR, das ebenso wie das IARC zur WHO gehört, bewerten Glyphosat als nicht krebserregend. Der Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung, Andreas Hensel, sagt: „Die Wissenschaft wird als Kampfmittel missbraucht.“ Und weiter: „Glyphosat ist seit 40 Jahren auf dem Markt. Es ist eine der am besten untersuchten Substanzen der Welt, es ist das wichtigste Pflanzenschutzmittel.“ Witzigerweise wurde in einigen Studien sogar ein umgekehrter Zusammenhang zwischen Glyphosat und Krebs gefunden. Bei sieben Krebsarten behinderte Glyphosat das Zellwachstum. Wäre es nicht der „Bringer“, wenn sich Glyphosat Mittel gegen bestimmte Krebsarten erwiese?

„Die Alternativen zu Glyphosat sind weniger umweltfreundlich.“

Die Bauern würde ein Verbot von Glyphosat in erhebliche Schwierigkeiten bringen. Es gibt trotz intensiver Forschung bisher keine Alternative. Sie könnten höchstens andere Herbizide verwenden, die nicht so umweltfreundlich wären wie Glyphosat. Und sie könnten ihr Anbauverfahren ändern. Sie müssten wieder mit dem Pflug über den Acker fahren, so wie sie das bis vor etwa 15, 20 Jahren getan haben. Damit werden die unerwünschten Unkrautpflanzen untergepflügt und der Boden für die Aussaat vorbereitet. Das kostet zusätzliche Fahrten über die Äcker und der Verbrauch von Diesel steigt. Außerdem hat dieses Verfahren erhebliche Auswirkungen auf den Zustand der Böden. Die Bauern sind stolz darauf, dass sie in den vergangenen Jahren mit ihren „pfluglosen Verfahren“ Bodenleben, Bakterienkulturen und Humusschicht stark verbessert haben. Diese Fortschritte wären hinfällig.

Desinformation durch NGOs

In Verruf gekommen ist Glyphosat vor allem, als sich NGOs professionell der Sache annahmen und den Kampf gegen das vermeintliche Supergift als lohnende Einnahmequelle entdeckten. Eine davon ist US Right to Know (USRTK), drei Personen, eine Website und eine Million Dollar Jahresetat. Damit kann man schon etwas anfangen. Eine der Hauptaktivistinnen ist Carey Gillam. Gegen sie erscheint der Chef des dubiosen deutschen Abmahnvereins Deutsche Umwelthilfe e.V., Jürgen Resch, wie ein Lehrling in Sachen aggressiven Ökogeschäfts. Sie arbeitete ursprünglich bei der Nachrichtenagentur Reuters, lebt heute in der Nähe von Kansas City mit Mann und drei Kindern und weist die Anschuldigung, eine Campaignerin zu sein, weit von sich: „Sie werden mich nicht auf einer Demonstration mit einem Schild sehen.“ Sie bezeichnet sich selbst als „Glyphosate geek“. Am 11. Oktober 2017 trat sie bei einer öffentlichen Anhörung zu „The Monsanto Papers und Glyphosate“ des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des EU-Parlaments auf.

Bei USRTK arbeitet sie für das satte Gehalt von ungefähr 100.000 US-Dollar pro Jahr. Diese militante Organisation wurde im Mai 2014 gegründet und versucht, Stimmung für Bio-Erzeuger und Bio-Händler zu machen. Hauptangriffsziel: Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Hinter USRTK steht wiederum die größte Bio-Lobby-Gruppe, die Organic Consumer Association (OCA). Diese aggressiv vorgehende „Verbraucherschutzorganisation“ bezuschusste USRTK vom Beginn 2014 bis 2018 mit insgesamt 1,125 Millionen US-Dollar. Die OCA bekämpft Gentechnik, Impfungen sowie Chemotherapie und hält sogar Chemtrails für real. Die Terrorangriffe vom September 2001 seien ein „Inside-Job“ gewesen, also eine Verschwörung amerikanischer Geheimdienste. OCA ist übrigens auch der Meinung, dass man Ebola mit Vitamin C vorbeugen kann. Im Zweifel eine tödliche Auffassung.

„Bestimmte NGOs säen effektiv Misstrauen.“

Gründungsdirektor von USRTK ist Gary Ruskin, er hat Religionswissenschaften und Public Policy studiert und gleich anschließend als Campaigner mit dem berüchtigten amerikanischen „Verbraucheranwalt“ Ralph Nader gearbeitet. Eine ihrer wirksamsten Waffen: Anfragen nach dem „Freedom of Information Act“ (FOIA). Damit können Behörden und öffentlich finanzierte Einrichtungen gezwungen werden, z.B. alle E-Mails herauszugeben, in denen bestimmte Personen, Firmen und Medien vorkommen. Diese Mails werden ausgewählt und veröffentlicht. So lassen sich selbst Reisekostenerstattungen, Vortragshonorare und die Teilnahme an Symposien skandalisieren und als Beleg für die fehlende Unabhängigkeit von Forschern darstellen. So kann effektiv Misstrauen gesät werden, während die NGOs als die Guten dastehen, die bloß gegen die böse Forschung kämpfen.

Sogar dem Wissenschaftsmagazin Nature kommen derartige Praktiken etwas seltsam vor: „Im PR-Krieg um gentechnisch veränderte Pflanzen hat sich eine neue Front eröffnet. Vierzig US-Wissenschaftler wurden von Aktivisten mit FOIA-Anfragen konfrontiert […]. Diese Wissenschaftler wurden ins Visier genommen, weil sie unbequeme Wahrheiten über die Gentechnik aussprechen.“ Denn, so Nature weiter, es liegen Welten zwischen den Ansichten von Öffentlichkeit und Wissenschaftlern über gentechnisch veränderte Lebensmittel: „Ein Bericht des Pew Research Center vom Januar 2015 zeigte, dass nur 37 Prozent der Öffentlichkeit glauben, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel sicher sind (89 Prozent der Wissenschaftler tun es). Anti-Wissenschaftsaktivisten wollen diesen Zwist aufrechterhalten.“

Die Aktivisten von USRTK wollten unter anderem einen Zugriff auf E-Mails bestimmter US-Forscher aus dem Jahre 2012. „Auf diese Weise sollte festgestellt werden, ob deren ‚Messaging‘ mit relevanten Unternehmen koordiniert wird, darunter Monsanto, Syngenta, DuPont, Dow und andere Biotechs, Handelsgruppen der Lebensmittelindustrie und deren Kommunikationsfirmen. Die Wissenschaftler hatten alle zu einer von der Industrie unterstützten Website namens GMOanswers.com beigetragen und/oder sich gegen das kalifornische Angebot zur Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ausgesprochen.“

Stigmatisierung von Wissenschaftlern

Danach schossen sich die Aktivisten in ihrer öffentlichen Kampagne auf Kevin Folta ein, einem Forscher der University of Florida, dessen E-Mails die USRTK-Aktivisten an drei Journalisten weitergegeben hatten. „Zwei von ihnen haben an einem PLOS-Blog mitgeschrieben (der jetzt entfernt wurde), während der dritte eine Nachrichtenstory für die New York Times schrieb, die eine Spende von 25.000 Dollar von Monsanto an Foltas Universität thematisierte. In beiden Fällen wählten die Reporter spezifische Sätze aus mehreren tausend E-Mails aus und hoben damit, meist aus dem Zusammenhang gerissen, Foltas Kontakt mit Monsanto hervor. Er sei industriehörig – und damit vermutlich ungeeignet, mit der Öffentlichkeit zu sprechen.“ Nature stellte fest: „Folta hat keine Gesetze gebrochen. Die Monsanto-Mittel waren eine Spende für das Outreach-Programm der Stiftung seiner Universität. Sie waren weder an ihn direkt noch an seine Forschung gebunden. Seine Offenlegung von Interessenkonflikten entsprach vollständig den Regeln seiner Universität. Er benutzte Industriegelder nie für persönliche Zwecke. Ja, er hat mit Unternehmen interagiert und er ist an einem Kommunikationsprogramm beteiligt, das von der Industrie (sowie von zahlreichen Privatpersonen, Stiftungen, Bauernbüros und dem US Pork Board, etc.) finanziert wird. Nichts davon ist schockierend oder gar ungewöhnlich.“

„Das Resümee der Zeitschrift Nature: ‚Desinformationspropaganda fliegt nun ungehindert mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus.‘“

Folta, so die Zeitschrift Nature weiter, sei ein begabter Kommunikator – einer der wenigen Wissenschaftler, die sich in der Öffentlichkeit engagiert haben: „Er ist keiner, der nur über öffentliches Engagement diskutiert, sondern auch mit einem Nicht-Fachpublikum direkt kommuniziert – auf Wissenschaftsmessen, in Schulen, Altenheimen, in Blogs und Podcasts.“

„Es gelingt auf diese Weise Demagogen und Anti-Wissenschafts-Fanatikern, hohen Schaden für die freie Meinungsäußerung anzurichten, die Informierten zum Schweigen zu zwingen und ein feindliches Umfeld zu schaffen.“ Das Resümee von Nature: „Desinformationspropaganda fliegt nun ungehindert mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus.“

Die Aktivistentruppe von OCA schießt u.a. gegen Michelle McGuire. Sie ist Biochemikerin und hat sich auf Muttermilch spezialisiert. Sie las Meldungen über alarmierend hohe Rückstände von Glyphosat in der Muttermilch. Daraufhin untersuchte sie 2015 in einer ausführlichen Studie die Muttermilch von 41 Frauen aus einer ländlichen Gemeinde auf Glyphosat-Spuren. Ihr eindeutiges Ergebnis: Die Proben enthielten kein Glyphosat und ebenso kein AMPA – auch dann übrigens nicht, wenn sich im Urin der Frauen Spuren von Glyphosat nachweisen ließen. Das bedeutet auch, dass die Natur eine wirksame Barriere aufgebaut hat, um Säuglinge vor kritischen Stoffen zu schützen. Drei Tage, nachdem eine Pressemeldung mit dem Ergebnis der Studie von Michelle McGuire erschienen war, stellte USRTK eine FOIA-Anfrage an sie und ihre Universität. McGuire rief den USRTK-Aktivisten Gary Ruskin an und sagte, dass sie ihm alle Informationen und Unterlagen, die er wünschte, geben würde. Aber Ruskin, so berichtet sie, verglich „gönnerhaft“ die FOIA-Nachfrage mit einer Zwischenprüfung. „Wir testen dich, um zu sehen, wie gut du warst“, beschimpfte er die Wissenschaftlerin und legte dann auf. Ruskin schrieb über seine Taktik auf der USRTK-Website: „Es geht darum, inwieweit Unternehmen wie Monsanto und ihre Spitzen unsere öffentlichen Universitäten und die Wissenschaftler, die dort arbeiten, als Werkzeuge nutzen, um ihre Agenda und ihre Gewinne zu fördern.“ McGuire wirft sich Naivität vor: „Es ist mir jetzt klar, dass ich unterschätzt habe, wie giftig diese ganze Anti-GVO-Propagandawelt geworden ist.“ Sie ahnte nicht, wie ihre E-Mails aus dem Zusammenhang gerissen werden könnten. „Ich sehe nun diesen von der FOIA getriebenen akademischen Terrorismus als das, was er ist: eine absolut disruptive und abschreckende Bedrohung für Wissenschaftler an öffentlichen Universitäten, die in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährung tätig sind.“

In einem anderen Fall berichtet die Agrarwissenschaftlerin und Tiermedizinerin Alison L. Van Eenennaam über ihre Erfahrungen mit einer USRTK-Anfrage nach dem FOIA. Sie forscht und lehrt im Bereich Tiergenetik und Biotechnologie an der University of California-Davis. Für ihre Forschung hat sie viele Auszeichnungen erhalten. Aus Sicht der Aktivisten ist diese aber unmöglich. Am 5. Februar 2015 erhielt sie ein Schreiben vom Chefaktivisten der USRTK, Gary Ruskin: „Ich stelle diesen Antrag im Namen von U.S. Right to Know, einer 501(c)(3) gemeinnützigen Lebensmittelforschungseinrichtung. Die gemäß diesem Antrag offenbarten Aufzeichnungen werden bei der Erstellung von Artikeln für die öffentliche Verbreitung verwendet. Dementsprechend bitte ich Sie, auf alle Gebühren im öffentlichen Interesse zu verzichten, da die Bereitstellung der mit diesem Antrag verlangten Informationen in erster Linie der Öffentlichkeit zugutekommt.“

„Die Religion ersetzt die Wissenschaft.“

„Die Anfrage betraf sämtliche Korrespondenz (Briefe, E-Mails), die seit dem 01. Januar 2012 an mich oder von mir und an oder von Mitarbeitern einer der folgenden Organisationen geschrieben oder erhalten wurde: Monsanto, Syngenta, Bayer oder Bayer Crop Science, BASF, DuPont oder Pioneer, Dow oder Dow AgroSciences, Ketchum, GMO Answers, Biotechnology Industry Organization, Council for Biotechnology Information, Grocery Manufacturers Association, Fleishman Hillard, Ogilvy & Mather, Winner & Mandabach, Bicker, Castillo&Fairbanks und die NGO ‚No on 37‘. Das sind mehr als 3 Jahre E-Mail-Verkehr.“ Im Fokus waren offenbar vor allem prominente Wissenschaftler, die mit Universitäten in den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten, welche im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion um gentechnisch veränderte Lebensmittel stehen. NGOs wie USRTK scheinen fast ihr Ziel erreicht zu haben. Wissenschaftler fragen sich mittlerweile: Lohnt sich öffentliches Engagement?

Für Van Eenennaam gilt: „Der politische Diskurs und die Beiträge in den Sozialen Medien zum Thema Biotechnologie und Gentechnik sind vergiftet.“ Immerhin kommt sie zu dem Schluss: „Ich halte es für unerlässlich, dass Wissenschaftler des öffentlichen Sektors einen Platz am Tisch einnehmen und sich nicht zum Schweigen bringen lassen, über bestimmte Technologien oder davor zurückschrecken, über kontroverse Themen zu sprechen.“ Die Organisation USRTK wertete ihre E-Mails aus, veröffentlichte sie teilweise im Netz und kommt zum Schluss: Alison Van Eenennaam sei eine Schlüsselfigur und Lobbyistin für die „Biotechnologie- und Gentechnik-Industrie.“ Sie wird als Propagandistin an den Pranger gestellt.

NGOs und ihre Hilfstruppen aus Heerscharen von Anwälten lassen den öffentlichen Raum mehr und mehr verkommen und treiben die Wissenschaft, sogar teilweise die Politik, vor sich her. Deren Grundlage: Angstmacherei. Mittlerweile glauben viele, dass Pflanzenschutzmittel wie Glyphosat krankmachen. Die Religion ersetzt die Wissenschaft. Sie verkaufen ihr „Bio“ umso besser, je mehr sie im Voraus Angst vor der „industriellen Landwirtschaft“ geschürt haben.