08.04.2016

Besser Mutti als Nanny

Kommentar von Thilo Spahl

Titelbild

Foto: Christoph Lövenich

Deutschland steht auf der Liste der Nanny-States ganz weit unten in Europa. Bei uns gibt es also relativ wenig staatliche Bevormundung. Gut, denn der Nanny-Staat hilft niemandem außer sich selbst.

Oh je, ein internationales Ranking und Deutschland landet auf Platz 27 von 28! Aber nein, kein Grund zu klagen. Denn es geht um staatliche Bevormundung. „Unten“ heißt in diesem Fall, dass wir relativ frei von Regulierungen in Hinblick auf Rauchen, Dampfen, Essen und Trinken sind. Da staunt man. Schließlich hat der gesellschaftliche Druck, nicht zu rauchen, wenig zu trinken, sich gesund zu ernähren, in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrlich nicht abgenommen. Ganz im Gegenteil. Aber im Rest von Europa sieht es offenbar noch schlimmer aus.

Christopher Snowdon, Leiter des Bereichs „Lifestyle Economics“ beim Londoner Institute of Economic Affairs und Novo-Autor, hat den Nanny State Index ermittelt. Zu jeweils einem Drittel gehen in die Berechnung gesetzliche Maßnahmen zur Reduzierung des individuellen Konsums von Nikotin, Alkohol und als ungesund betrachteter Nahrungsmittel ein. Punkte gibt es für künstliche Preiserhöhungen durch Steuern oder eingeschränkten Wettbewerb (Vertriebsmonopole), die Stigmatisierung von Konsumenten, die Einschränkung der Auswahl, Erschwerung des Konsums (Rauchen nur auf der Straße), Werbeverbote und Verschlechterung der Produktqualität.

Platz 1 belegt mit ordentlichem Vorsprung und einem Gesamtergebnis von 53,7 Punkten Finnland. Auf den Plätzen folgen Schweden mit 40,6 und Großbritannien mit 35 Punkten. Ebenfalls noch auf mehr als 30 Punkte kommen Irland, Ungarn, Griechenland und Litauen. Mit nur neun Punkten steht Deutschland dagegen wirklich sehr gut da, übertroffen bzw. unterboten nur noch von der Tschechischen Republik (8,8).

„Wir sind relativ frei von Regulierungen in Hinblick auf Rauchen, Dampfen, Essen und Trinken“

Zum finnischen Sieg tragen neben den berüchtigten Bier- Wein- und Schnapspreisen auch eine Steuer auf Süßwaren, Schokolade und Eiscreme, ein komplettes Werbeverbot für Spirituosen und Zigaretten, ein staatliches Alkoholverkaufsmonopol und das Verbot von Happy Hours sowie ein Quasi-Verbot von e-Zigaretten bei, da diese als Medizinprodukte eingestuft sind. Also nichts, was sich nicht auch hierzulande eifrige Gesundheitsschützer wünschen.

Video: Finnlands wichtigste Exportprodukte: Filme von Aki Kaurismäki, bevölkert von „melancholischen Sinnsoldaten, die rauchen, trinken und schweigen“(Birgit Glombitza). Hat ihnen noch niemand gesagt, dass der Sinn des Lebens in Gesundheit besteht?

Begründet werden die Maßnahmen in der Regel mit dem Ziel, die Menschen vor ihren eigenen Schwächen zu schützen. Erreicht wird dies nicht, wie die einfachen Grafiken mit der jeweiligen Nanny State Punktzahl auf der x-Achse und der Lebenserwartung, dem Pro Kopf-Alkoholverbrauch oder der Zahl der Raucher auf der y-Achse zeigen. Es ergibt sich keine Korrelation.

Nanny State Index

Abb.1: Verhältnis von Lebenserwartung und Grad an staatlicher Bevormundung (Bild: nannystateindex.org)

Bleibt nur der Nebeneffekt der Steuereinnahmen.