31.05.2013

Asse: Die unterdrückten Fakten

Essay von Helmut Fuchs

Deutschland tut sich schwer mit seinem radioaktiven Müll, und das schon seit Jahrzehnten. Nun soll bundesweit erneut ein passendes Endlager gesucht werden. Kommentar über die tatsächlichen Asse-Fakten, eine typisch deutsche Tragödie und die Spielbälle der Politik.

Ende April entschied das Bundeskabinett über einen entsprechenden Gesetzentwurf zum Thema Endlager. 1 Die öffentliche Wahrnehmung dazu ist vor allem von Angst und Skepsis geprägt. Im Zusammenhang mit dem ehemaligen Salzbergwerk Asse erreichten uns in den vergangenen Jahren bis heute fast wöchentlich Katastrophen-Schlagzeiten in der Art: „chaotisch aufgehäufte Fässer“, „Verdoppelung des eingelagerten Plutoniums“, „Abfälle enthalten Tierkadaver“, „sich bildende Gase können explodieren“, „Wasserzutritte sind verseucht“, „Verseuchte Lauge wird nach oben gepresst“, „Leukämiefälle häufen sich in der Umgebung“ etc.

Geschichtlicher Rückblick

Anfang des 20. Jahrhunderts, das von Armut geprägt war, wurde in dem Salzbergwerk Asse unter grober Vernachlässigung der Sicherheit bis zur äußersten Grenze des Salzstocks Salz abgebaut. Infolge des über längere Zeit wirkenden natürlichen Gebirgsdrucks ist die Grube und insbesondere der Schacht heute in einem zunehmend labilen Zustand.

Zum Zeitpunkt der Einlagerung von radioaktiven Abfällen wurde die Asse unter Bergrecht betrieben. Der damalige Kenntnisstand über den Umgang mit diesen Stoffen, die notwendige Konditionierung, die Dokumentation und die Endlagerung ist mit dem heutigen Wissensstand nicht vergleichbar. National wie auch international gab es in den 1960er und 1970er Jahren keine allgemein gültige Klassifizierung für radioaktive Abfälle. Bei der damaligen Einteilung der Abfälle in schwach- und mittelradioaktive Abfälle war daher in erster Linie nicht das radioaktive Inventar im Behälter, sondern die Strahlung an der Oberfläche der Behälter, die Ortsdosisleistung, relevant. Diese war für die Mitarbeiter der Asse maßgeblich, denn bei der Einlagerung mussten sie mit diesen Behältern umgehen. Die erprobte Stapelung der Fässer sollte damals aber auch durch die Einlagerungstechnik des „Verstürzens“ optimiert werden, um die Strahlenbelastung der Mitarbeiter zu minimieren (Prinzip des Strahlenschutzes). Im Vergleich zur Stapelung werden die Fässer so auch effektiver in das darüber eingeblasene Salz eingebunden: „Chaotisch aufgehäufte Fässer“ sind also keine Schlamperei, sondern dienen ausdrücklich dem Strahlenschutz!

Eingelagert wurden insgesamt 125.787 Fässer. Die Abfälle stammen aus den Forschungszentren Karlsruhe und Jülich (ca. 50% bzw. ca. 10%), und aus deutschen Kernkraftwerken (ca. 20%). Die verbleibenden ca. 20% sind Abfallgebinde von Landessammelstellen und aus der kerntechnischen Industrie. Die meisten Abfälle wurden in 200- oder 400-Liter-Fässern als Einweg-Abschirmbehälter oder als VBA-Gebinde („Verlorene Betonabschirmung“) eingelagert. Typische Abfälle sind beispielsweise Ionenaustauscherharze, Schlämme, Laborabfälle, auch minimale Reste von Tierversuchen aus der medizinischen Forschung, aktivierte Metalle, Filter oder Textilien aber auch geringe Mengen langlebiger Schwermetalle wie Uran und Plutonium. Insgesamt wurden 47.000 Kubikmeter eingelagert. Das Aktivitätsinventar betrug ursprünglich (bis 1978) 7,8 mal 10hoch15 Bq. Bis 1987 hat es auf 6,8 mal 10hoch15 Bq und bis Anfang 2013 auf 2,32 mal 10hoch15 Bq abgenommen. Bis 2020 wird sich der Wert weiter erheblich verringern, wie das Beispiel Caesium zeigt: Wegen seiner relativ kurzen Halbwertzeit (30,1 Jahre) liegt die Aktivität heute schon unter der Hälfte des ursprünglichen Wertes.

Von 1908 bis 1925 belief sich die Förderung von Kalisalz (Carnallitit) auf insgesamt 2 mal 10hoch6 Tonnen. Die darin mit geförderten etwa 20 Tonnen an reinem K40 hatten eine Aktivität von etwa 5 mal 10hoch12 Bq. Dabei ist das Bergwerk damals von dieser Aktivität „entlastet“ worden.

Radioaktivität

Zuerst eine Erläuterung zu der Schreibweise der Zahlenangaben: 1000 ist auch 1 mal 10hoch3; 1 Million: 1 mal 10hoch6; 1 Milliarde: 1 mal 10hoch9; 1 Billion: 1 mal 10hoch12 usw.

Kaum eine andere schädliche Wirkung ist so gut erforscht wie die Wirkung von ionisierenden – umgangssprachlich – radioaktiven Strahlen. Dabei ist zu beachten, dass sich die natürliche Radioaktivität (z.B. von K40) von der Radioaktivität künstlich erzeugter Nuklide wie z.B. Caesium im Prinzip nicht unterscheidet. Diese Strahlung in Form von Teilchen (Alpha-Strahlen) oder winzigen Energieportionen (Beta- und Gamma-Strahlen) spalten oder zerstören ein oder mehrere Moleküle eines Stoffes. Ein „Becquerel“ (Bq) bedeutet, dass sich pro Sekunde ein radioaktives Atom in ein anderes umwandelt und dabei Strahlung aussendet. Bei der biologischen Wirkung dieser unterschiedlichen Strahlungen gibt es allerdings gewaltige Unterschiede. Betas und Gammas sind locker ionisierend, also im bestrahlten Bereich relativ gleichmäßig verteilt. Die Reparaturmechanismen des Körpers werden leichter damit fertig. Ganz anders bei den Alphas: Sie ionisieren dicht auf ihrer Bahn, d.h. wo sie entlang geflogen sind, geht viel kaputt. Die Reparaturmechanismen des menschlichen Körpers werden deshalb viel schwerer damit fertig. Hier wird das Verständnis für die Bedeutung der Strahlendosis wichtig. Wie übersetzt sich nun die (in „Becquerel“ gemessene) Aktivität in die Strahlenbelastung, also in die biologisch wirksame Dosis? Sie wird in „Sievert“ (Sv) gemessen und dient zur Bewertung verschieden gewichteter Strahlendosen und zur Analyse des Strahlenrisikos. Betrachtet man etwa die hauptsächliche Eigenbestrahlung des Menschen allein durch K40 und Radium, macht das im Jahr 0,3 Millisievert (0,3 mSv). Unsere gesamte natürliche Strahlungsbelastung liegt bei ca. 2,4 mSv pro Jahr.

Wie steht es nun mit der Abschätzung der natürlichen Radioaktivität in der Umgebung der Asse? Betrachtet man dort ein Gesteinsvolumen von 1 Kilometer mal 1 Kilometer bis zur Teufe (Tiefe) von 500 Metern, so ergibt sich ein Gesteinsblock von 5 mal 10hoch8Kubikmeter. Der Block hat bei einer angenommenen Dichte von 2,8 Tonnen pro Kubikmeter eine Masse von 1,4 mal 10hoch9 Tonnen. Darin sind, wenn man den mittleren Gehalt der Erdkruste zu Grunde legt: 400 Tonnen Uran mit der Aktivität (mit Folgeprodukten) 4,3 mal 10hoch9 Bq, 13500 Tonnen Thorium mit der Aktivität (mit Folgeprodukten) 5,5 mal 10hoch14 Bq sowie 2200 Tonnen K40 mit einer Aktivität von etwa 5,72 mal 10hoch14 Bq. Die Aktivität des gesamten Blocks bzw. des „Deckels“ über dem Endlager Asse beträgt somit 1,55 mal 10hoch15 Bq also ungefähr so viel Abfall-Aktivität wie heute in der Asse eingelagert liegt. Noch einige Vergleichswerte: Das Radioaktivitätspotential eines Menschen beträgt 8 mal 10hoch3 Bq, ca. 80% davon verursacht durch das Isotop K40 (0,0117 % des Kaliums in den Knochen besteht aus K40). Oder im Meerwasser: dort sind pro Kubikmeter durchschnittlich 2,9 Milligramm Uran gelöst. Die Aktivität beträgt somit alleine schon durch das Uran 73 Bq pro Kubikmeter. Viel mehr kommt vom gelösten Kalium: 403 Gramm pro Kubikmeter. Davon stammen 47 Milligramm von K40 mit der Aktivität 1,2 mal 10hoch4 Bq pro Kubikmeter. Das ist mehr als bei einem menschlichen Skelett (ca. 8 mal 10hoch3 Bq) und viel mehr als vom Uran! Ein weiteres Beispiel: Ohne Berücksichtigung der natürlichen Aktivität der Baustoffe eines Gebäudes (Beton, Stein etc.) beläuft sich die Aktivität von 1000 Öko-Aktivisten in einer Festhalle auf 8 mal 10hoch6 Bq – hauptsächlich als Folge der Strahlung von K40. Eine hoch-aktive Kokille aus der Wiederaufarbeitung hat mehr als 4 mal 10hoch15Bq. Das ist mehr als die Radioaktivität der gesamten Abfälle in der Asse! In der Lagerhalle von Gorleben (BLG), die nur ein festes Dach hat, stehen ca. 100 Castoren mit je 21 Kokillen. Das bedeutet auf einer Fläche von 2000 Quadratmeternstehen 2100 Kokillen also 2100 mal „eine gesamte Asse-Endlager-Aktivität“!

Derzeitige Situation

Im August 1988 entdeckte man bei einer routinemäßigen Befahrung einen Wasserzutritt im Grubengebäude, verursacht durch den vor allem im oberen Bereich beobachtbaren hohen Durchbauungsgrad des Gewinnungsbergwerks. Hier wurde bis auf wenige Meter an die Grenze zum randlichen Deckgebirge Salz abgebaut. Die so entstanden Konvergenzen (Bewegungen) öffneten Wegsamkeiten für Wasser. Der Zufluss in einer Teufe von etwa 500 bis 575 Metern belief sich auf ca.12 Kubikmeter pro Tag. Von 1995 bis 2004 wurden von der GSF (Gesellschaft für Strahlenforschung) daher etwa 2,2 Millionen Kubikmeter Salzgruß (Material von alten Salzhalden) in die noch offenen Hohlräume des Bergwerks eingebracht und in die offenen Kammern eingeblasen, als erster Schritt zur Stabilisierung des Grubengebäudes und für einen anschließenden schnellen Verschluss. Ein Großteil der radioaktiven Abfälle ist dank der Einlagerungstechnik des „Verkippens“ heute schon eng mit Salz verbunden und kommt deshalb heute wie künftig viel weniger in direkten Kontakt mit Wässern und Salzlaugen.

Was passiert nun mit dem radioaktiven Abfall in dem verbleibenden offenen bzw. mit einer Na-K-Mg-Lauge gefüllten Hohlraum des Salzstocks, der selbst natürlich radioaktiv ist? Relevant dabei ist die Löslichkeit der unterschiedlichen radioaktiven Stoffe in „einer“ Salzlauge, bei der es sich zunehmend um eine „gesättigte“ Lauge handelt. Gesättigte Laugen können aber nur dann weitere Stoffe aufnehmen und mit diesen transportiert werden, wenn diese weiteren Stoffe eine größere Löslichkeit haben als die gelösten Salze in der Lauge (unterschiedliche Löslichkeitsgrenzen). Weil z.B. Plutonium- und Uran-Verbindungen als Oxide vorliegen, sind sie grundsätzlich schwer löslich. Diese können weder von dem in nur sehr geringen Mengen vorhandenen Wasser noch von den fast ausschließlich vorhandenen Laugen aufgenommen werden. Beim Caesium (ein kurzlebiges Isotop mit einer Halbwertzeit von 30,1 Jahren) ist die Situation dagegen etwas anders. Solche Isotope sind in Wasser leichter löslich und können theoretisch die in den Abfällen eingebundenen löslichen Nuklide leichter aufnehmen. Diese stetig abnehmenden gelösten Mengen sind jedoch vor allem abhängig von der Bindung der Nuklide an das Material in den Abfällen und dem eventuell noch vorhandenen „Frisch“-Wasser von übertage (Oberflächenwasser). Praktisch gesehen bleibt diese theoretische Löslichkeit trotzdem gering. Neue Studien (2012), in denen modellhaft die Strahlenexposition beim Transport aller Radionukliden durch das Deckgebirge an die Oberfläche berechnet wurde, bestätigen das unter Fachleuten erwartete Ergebnis: Die maximal freiwerdende Dosis der Asse liegt unter dem für Normalbürgern genehmigten Grenzwert (1,00 mSv pro Jahr) aber auch unter dem viel strengeren Grenzwert für in kerntechnischen Anlagen arbeitende Menschen (0,3 mSv pro Jahr), einer Dosis also, der man in Deutschland wegen der natürliche Umweltaktivität ohnehin ausgesetzt ist. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) möchte den für die Asse geltenden Grenzwert angeblich auf 0,1 mSv pro Jahr absenken, was dann durchaus auch noch eingehalten werden kann. Mit dem Kalisalzbergbau wäre es dann wegen der vom K40 ausgehenden Strahlendosis aber in Deutschland wohl vorbei.

In jedem nach der Betriebszeit verschlossenen Bergwerk (Kohle, Metall, Salz) gibt es Hohlräume, die mit Wässern bzw. Laugen gefüllt sind. Und in jedem Bergwerk gibt es Setzungen und Brüche, die z.T. bis zur Oberfläche reichen. Ausgesalzte Salzbergwerke werden meist absichtlich geflutet. Auch dabei können sich in dem umgebenden Gebirge Risse bilden. Normal es Grundwasser hat an der Oberfläche oberhalb von aktiven oder wieder verschlossen Salzbergwerken eine Dichte von eins. Mit zunehmender Teufe bis zum Kontakt mit Salz steigt die Dichte des Grundwassers auf 1,20 Gramm pro Kubikzentimeter bis 1,35 Gramm pro Kubikzentimeter, wird also bedeutend schwerer. Diese Laugen, ob sie radioaktives Material enthalten oder nicht, können sich deshalb aus physikalischen Gründen – da sie schwerer sind – nicht mit dem normalen Grundwasser mit 1,00 Gramm pro Kubikzentimeter vermischen! Auch eventuelle geringe Gasbildungen bei lösungsbedingten Reaktionen zwischen den Abfällen und Laugen sind nicht problematisch, denn da wo sich Wässer oder Laugen bewegen, entweichen Gase. Besteht keine Wegsamkeit für Gase, so bleiben sie wie in natürlichen Salzlagerstätten eingeschlossen. Seit Jahren gibt es bei Reckrod in der Nähe von Fulda mehrere künstlich ausgelaugte Salzkavernen, die zur Lagerung von unter hohem Druck stehendem Erdgas genutzt werden. Bisher ist keine Kaverne explodiert.

Verschluss

Hier stellt sich nun die Frage, warum in Deutschland seit Jahren ein schnelles und sicheres Verschließen der Asse im Gegensatz zum Verschluss von ausgesalzten Salzlagerstätten zur Katastrophe hochstilisiert wird? In anderen Ländern wurden und werden die meisten niedrig- und mittelaktiven Abfälle oberflächennah – meist weniger als zwanzig Meter tief – vergraben! Wie in meinen bisherigen Erläuterungen in aller Kürze aufgezeigt, ist die Strahlengefährdung der Bevölkerung durch das zusätzliche Einbringen schwachaktiver und geringer Mengen mittelaktiver Abfällen in einen Salzstock im Vergleich zur natürlichen Umwelt-Strahlung relativ gering. Und deshalb ist auch die Gefahr einer Verseuchung des Grundwassers nach physikalischen, geochemischen und technischen Erkenntnissen gering, nicht zuletzt auch wegen des schnellen Abklingens der Gesamtaktivität durch die geringen Halbwertzeiten von Plutonium 241 (Pu 241: 14,4 Jahre), Strontium (Sr 90: 28,5 Jahre) sowie Cäsium (Cs 137: 30,1 Jahre). Sogar das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt, dass in der näheren und weiteren Umgebung der Asse keine Anzeichen für eine über der Norm liegende Radioaktivität festgestellt wird. Deshalb ist ein umgehendes Verschließen der Grube geboten und zwar nicht wegen eines hypothetischen Auslaufens von radioaktiven Wässern in der Zukunft („Langzeitsicherheit“), sondern wegen eines zunehmenden Stabilitätsverlustes des gesamten Grubengebäudes. Ein weiteres Abwarten wird technisch immer herausfordernder sowie teurer und verhindert zunehmend einen sachgerechten und sicheren Verschluss. Wer übernimmt dafür die Verantwortung und Haftung? Sicherlich nicht die zahlreichen Vertreter der grünen Bewegungen Deutschlands!

Meine bisherigen Erläuterungen beruhen auf zahlreichen Unterlagen, Daten und Zahlen, die im Internet jedermann zugänglich sind. Sie stehen somit auch allen seriös recherchierenden Journalist(inn)en, die nicht auf einem Auge grün sind, allen Politiker(inne)n, sogenannten Umweltschützer(inne)n und interessierten Bürger(inne)n in der Umgebung der Asse (z.B. „Asse Begleitgruppe“) zur Verfügung. All das ist schon lange kein Geheimnis mehr.

Bewertung

Der Versuch einer neutralen Bewertung: Auf der Asse ist der Salzstock mit dem eingelagerten Abfall mit mindestens 500 Metern Gestein und Salz überdeckt, und dieses überlagernde Gestein enthält fast so viel natürliche Aktivität, wie heute an „künstlicher“ Aktivität noch in den Abfällen steckt. Langfristig bleibt die natürliche Umwelt-Aktivität wie sie ist, die künstliche geht dagegen auf wenige Prozent der derzeitigen Aktivität zurück. In der Tiefe bringt nicht der eingelagerte Abfall langfristig die meiste Aktivität, sondern – unabhängig von der Einlagerung – das in dem Salzstock unverändert vorhandene Kalium! Im Sinne des Strahlenschutzes, d.h. zur Minimierung der Strahlendosis für die dort unten arbeitenden Bergleute, wäre deshalb ein zügiges Verschließen des Bergwerkes mit der in Deutschland langjährig bestehenden Erfahrung im Verschließen von Salzgewinnungsbergwerken angezeigt.

Bei einer langjährigen und aufwendigen Rückholaktion der Abfälle:

  • wäre für längere Zeit vorgenannter Personenkreis unnötig einer höheren Strahlungsdosis ausgesetzt,  auch wenn diese unter dem Grenzwert liegen wird
  • wäre nichts gewonnen, weil konservative Modellrechnungen wie erwartet andeuten, dass bei einem Auspressen des gesamten Radioaktivitätsinventars an die Oberfläche die dortige Aktivität unter dem genehmigten Grenzwert liegen dürften
  • wird sich wegen des deutlich längeren Offenhaltens der Grube das Risiko eines Tagesbruchs jährlich beträchtlich erhöhen und wohl bald außer Kontrolle geraten
  • dürften sich die Verschlusskosten (F.A.Z: vom 01.03.2013) auf vier bis sechs Milliarden, - den Stuttgart 21 / Berliner Flughafen Faktor eingerechnet – acht Milliarden Euro belaufen!

Zur Rückholaktion der Abfälle kommentiert der Präsident des Fachverbands für Strahlenschutz, Joachim Breckow: „Aus Sicht des Strahlenschutzes ist die Rückholaktion der radioaktiven Abfälle aus der Asse sehr wahrscheinlich nicht die beste Lösung. Dies würde meines Erachtens zu mehr Dosis für die Beschäftigten und die Bevölkerung führen, als wenn das Atommülllager verfüllt würde. Die Rückholung wäre mehr Schaden als Nutzen!“

Verantwortung

Bis 1999 wurde das Bundesamt für Strahlenschutz von Prof. Kaul einem Medizinphysiker mit langer Erfahrung im Strahlenschutz geführt. Als Nachfolger wurde vom damaligen Umweltminister Trittin ein Diplom-Ingenieur für Stadtentwicklung mit grünem Parteibuch zum Präsidenten benannt, was bei europäischen Organisationen zu einigem Kopfschütteln führen musste. Ab 2009 liegt nun die Gesamtverantwortung „Asse“ beim BfS. Diesen Wechsel hat dessen heutiger Präsident erreicht. Mit großem politisch/taktischem Geschick hat er die Projektverantwortung der weltweit anerkannten und politisch neutralen Institution GFS, dem heutigen Helmholtz-Zentrum, abgenommen, um Bearbeitung und Genehmigung des Projekts in seinem Amt zu vereinen. Der offizielle Grund für diesen Wechsel ist die Absicht, das Projekt Asse nunmehr unter Atomrecht weiterzuführen, und zwar nur deshalb, um die „radiologische“ Langzeitsicherheit des Verschlusses der Schachtanlage zu thematisieren – obwohl es von der Gefährdung her kein wirkliches „radiologisches“ Langzeitproblem gibt. Ein zweiter Grund dürfte gewesen sein, die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des BfS zentralisieren und wohl auch besser kontrollieren zu wollen, wobei sich neuerdings einige wenige Stimmen aus dem BfS für einen möglichst schnellen Vollverschluss der Asse aussprechen. Im Zusammenhang mit dem politisch gewollten atomrechtlichen Planfeststellungsverfahren ist nun die Öffentlichkeit an der Prüfung des Verschliessungsantrages zu beteiligen, und somit ist weiterhin ein weites Feld für die ideologisch gesteuerte Propaganda sichergestellt. Das gerade von Politiker(inne)n jeglicher Couleur initiierte „Lex Asse“ wird unter anderem damit begründet, das so genannte „Vertrauen“ in der Bevölkerung (F.A.Z.: vom 01.03.2013) aufzubauen! Warum ist das bis heute nicht gelungen?

Ideologie

Als Fachmann fragt man sich, ob in unserem derzeitigen Umfeld eine vollständige und sachliche Information überhaupt gewünscht wird. Denn der Sonderweg Deutschlands, was Radioaktivität angeht, ist weltweit einzigartig. Liegt es möglicherweise daran, dass viele Politiker und Parteien sowie die bekannten, nicht demokratisch legitimierten Umweltmultis durch Desinformation, durch selektive Informationen und Halbwahrheiten ganz bewusst Angst erzeugen, um politische Macht und Geld zu erschleichen? Schon immer war Angst das beste Mittel, Menschen zu beherrschen: Man muss die Angst nur schüren, bis sie lähmt! Wirkt hier „The German Angst“? Das Angst-Ass „Asse“ hat gestochen – die Energiewende hat gewonnen, eine Billion Euro sind verloren (F.A.Z.: vom 20.02.2013), obwohl infolge der in Fukushima freigesetzten überhöhten Strahlung bis heute noch kein Toter zu beklagen ist. Seit Fukushima starben dagegen alleine in Deutschland mehr als 30.000 Menschen an Infektionen, die sie sich in Krankenhäusern holten. Und in einem Jahr sind es weitere 15.000!

Résumé

Aus Sicherheitsgründen sollte die Grube sofort saniert und verschlossen werden. Dies wird allerdings nicht der Fall sein, denn dadurch wäre in unserer heutigen Überflussgesellschaft das Angst-Pfand Asse für die grüne, ökologistische Bewegung in Deutschland verschwunden – und das darf nicht sein. So bleibt die Asse, wie Gorleben zeigt, weiterhin ein Spielball der Politik – egal welchen Schaden das anrichtet und was das kostet. Eine typisch deutsche Tragödie.

Anmerkung der Novo-Redaktion

Bereits im Januar 2001 hat sich eine hochkarätig besetzte internationale Expertengruppe gegen ein Gorleben-Moratorium ausgesprochen. Eine PDF-Version ihres Schlussberichts kann unter diesem Link eingesehen werden:

International Expert Group Gorleben: „Repository Project Gorleben – Evaluation of the Present Situation

Den Experten zufolge sei es wissenschaftlich und technisch nicht gerechtfertigt, dass die Erkundung des Salzstocks im deutschen Gorleben unterbrochen wurde. Die Expertengruppe wurde 1999 von Energieversorgungsunternehmen einberufen, um die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit in Gorleben und die bis dahin erzielten Ergebnisse im Hinblick auf den Bau und die Sicherheit eines Endlagers für radioaktive Abfälle zu bewerten.

Im Jahr 2000 veröffentlichte die rotgrüne deutsche Bundesregierung einen Katalog von Zweifeln an der Eignung des Salzstocks von Gorleben und stellte die Erkundungsarbeiten kurzerhand ein. Die Expertengruppe hält in ihrem Schlussbericht fest, dass keiner der damals vorgebrachten Zweifel den Abbruch rechtfertigte. Im Gegenteil habe die Erkundung gerade zum Ziel, die wissenschaftliche Entscheidungsgrundlage über eine Endlagerung im Salz noch zu verbessern.

Nach Auffassung der Experten gab es zum damaligen Zeitpunkt keine Erkenntnisse, die grundsätzlich einer sicheren Entsorgung in tiefen geologischen Salzformationen im Allgemeinen oder in Gorleben im Besonderen widersprechen würden. Für noch offene Fragen und Probleme könnten Untersuchungsprogramme entwickelt und durchgeführt werden. Nach der Ansicht der Experten ließe sich auch der von der Bundesregierung damals gewählte Zeitrahmen von drei bis zehn Jahren für ein Moratorium nicht logisch begründen. Außerdem fehlten die genau festgelegten Bedingungen für eine Wiederaufnahme der Erkundung oder eine Aufgabe des Standorts Gorleben.

Die Experten stellten auf die gut dokumentierten Ergebnisse der zuständigen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, ab. Sie kommen zum Schluss, dass diese Ergebnisse die Prognosen weitreichend bestätigten, obschon in der Praxis die Strukturen des Salzstocks teilweise komplizierter seien als ursprünglich angenommen. Die erwartete Dichtigkeit und Isolationsfähigkeit sei bestätigt. Im Interesse einer transparenten wissenschaftlichen Beurteilung seien die derzeitigen Untersuchungen abzuschließen und alle standortspezifischen Ergebnisse in einer Langzeit-Sicherheitsanalyse zu bewerten. Die eingetretene Entwicklung in der deutschen Atompolitik führe zu unnötigen Verzögerungen bei den Anstrengungen, eine gesellschaftlich akzeptierte Lösung für die Entsorgung zu finden.