29.01.2015

Rückblick auf den Ökozeitgeist

Kurzrezension von Johannes Richardt

Alles Grün und Gut. Eine Bilanz des ökologischen Denkens von Dirk Maxeiner und Michael Miersch (Knaus 2014, S. 384.)

Die Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch sind zweifelsohne die bekanntesten Kenner und Kritiker grüner Befindlichkeiten in Deutschland. Seit vielen Jahren legen sie in zahlreichen Büchern, Essays (u.a. auch für Novo) und Kommentaren gekonnt Widersprüche, Verstiegenheiten und Selbsttäuschungen des ökologischen Juste milieu bloß. In ihrem aktuellen Buch ziehen sie Bilanz, was 50 Jahre moderne Umweltbewegung unserer Gesellschaft wirklich gebracht haben.

Neben einer Würdigung vieler unbestreitbaren Errungenschaften des Umweltschutzes geht es den Autoren dabei vor allem um eine skeptische Auseinandersetzung mit kaum noch hinterfragten grünen Allgemeinplätzen und Dogmen.

Einst waren Maxeiner und Miersch selbst wichtige Protagonisten der Ökobewegung. In den 1980er- und 1990er-Jahren prägten sie zunächst das Umweltmagazin Chancen, anschließend Natur, die zu dieser Zeit größte europäische Umweltzeitschrift. Mitte der 1990-Jahre wurden sie dann, wie sie selbst schreiben, wegen ihres Buchs Öko-Optimismus aus der „grünen Gemeinde exkommuniziert“. Ihr Vergehen: Darauf hinzuweisen, dass die bis heute zum Standardrepertoire rechtgläubiger Grüner zählenden apokalyptischen Botschaften sich nicht mit der Realität einer immer sauberen Umwelt vereinbaren lassen. Seitdem sind die beiden („Im Herzen bleiben wir grün“) als Häretiker unterwegs.

Ungemein kenntnisreich, in einem sachlich-unterhaltsamen Ton, knüpfen sich die beiden Autoren in neun Kapiteln so ziemlich jedes Thema vor, dass in den Ökodebatten der letzten Jahrzehnte diskutiert wurde. Welches (eher romantisierende) Naturbild und welches (eher triste) Menschenbild transportiert das grüne Denken? Was ist von den großen Umweltthemen Klima, Energie, Naturschutz und Landwirtschaft zu halten? Gewinner (vor allem demokratisch nicht-legitimierte NGOs) und Verlierer (vor allem in Entwicklungsländern) des ökologischen Wandels werden vorgestellt. Die Öko-Apokalyptik wird kritisiert und es wird gezeigt, wieso Grün nicht links ist.

An manchen Stellen hätte man sich zwar eine deutlichere Abgrenzung zur grünen Irrationalität gewünscht: Weder die bestenfalls als skurril zu bezeichnende totale Mülltrennungsideologie noch der angstgetriebene deutsche Sonderweg des Atomausstiegs sind „als Akt der Selbstzähmung […] auch eine zivilisatorische Leistung“, sondern Ergebnis rückwärtsgewandten Denkens. Aber das sind Randnotizen.

Maxeiner und Miersch stehen für einen modernen, pragmatisch orientierten und wissenschaftsfreundlichen Umweltschutz, der den Menschen nicht als Problem, sondern als Lösung begreift. Das Buch sei deshalb jedem zur Lektüre empfohlen, der sich für vernünftige Lösungen tatsächlicher Umweltprobleme statt pseudoreligiöser grüner Dogmatik interessiert. (Johannes Richardt)