11.02.2015

Grenzen des Staats

Kurzrezension von Johannes Richardt

Klassischer Liberalismus – Die Staatsfrage gestern, heute und morgen von Helmut Krebst mit einem Beitrag von Michael von Prollius (Forum Freie Gesellschaft 2014, S. 215, EUR 7,99)

Angesichts einer sich auswachsenden Demokratiekrise und der zunehmenden staatlichen Regulierung unseres Alltags ist die Verteidigung der individuellen Freiheit gegen den Staat aktuell eines der drängendsten Themen. Aber eine nennenswerte politische Kraft, die sich dieses Themas annimmt, ist nicht in Sicht. Denn gerade liberalen Politikern, die – so sollte man zumindest meinen – doch eigentlich besonders prädestiniert für solch ein Vorhaben sein sollten, fällt es schwer, den Freiheitsbegriff sinnvoll und glaubwürdig mit Bedeutung zu füllen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich der liberale Pädagoge und Philosoph Helmut Krebs in seinem Buch Klassischer Liberalismus – Die Staatsfrage gestern, heute und morgen der verdienstvollen Aufgabe, bestehende geistige Ressourcen des Liberalismus freizulegen und zu fragen, wie diese für die Herausforderungen unserer Zeit nutzbar gemacht werden können. Quellennah und gut verständlich werden die maßgeblichen Erkenntnisse klassisch liberaler Staatstheoretiker rekonstruiert – von David Hume und John Locke über Immanuel Kant, Wilhelm von Humboldt und Claude-Frédéric Bastiat bis zu Jeremy Bentham und Ludwig von Mises. Dabei steht die Frage nach der Aufgabe und der Begrenzung des Staates, mit Humboldt gesprochen nach den „Grenzen der Wirksamkeit des Staats“, im Zentrum.

Historisch wurde die Staatsfrage ausgehend von John Locke seit Mitte des 17. Jahrhunderts diskutiert, so Krebs. Locke, Hume, Kant sind für ihn das große Dreigestirn der liberalen Staatsphilosophie, Bentham, W. von Humboldt und Bastiat trugen wichtige Aspekte bei. Auf dieser geistesgeschichtlichen Grundlage entwarf der österreichische Ökonom und Sozialphilosoph Ludwig von Mises eine umfassende Staatstheorie. In dem Buch werden die genannten drei Denker staatstheoretisch analysiert, Mises Lehren – in dessen minimalstaatlicher „Vision der Freiheit“ der Autor den Ausgangspunkt für eine wünschenswerte Revision des Liberalismus sieht – werden systematisch dargestellt und ihre Bezüge zu den Vordenkern aufgezeigt.

Auch wenn man das dort angerissene Staats- und Demokratieverständniss nicht teilt (gerade auch in Bezug auf Mises‘ „Vision“), ist die Lektüre des Buches ein Gewinn. Es ist eine klare und kenntnisreiche Einführung in das klassisch liberale Denken. Helmut Krebs, Gründer der Facebook-Plattform „Liberale Debatte“, stellt damit jedem, der sich für die Verteidigung der Freiheit im Hier und Jetzt interessiert, eine wertvolle Materialsammlung über einen wichtigen Strang der humanistisch-aufklärerischen Denktradition zur Diskussion. (Johannes Richardt)