11.04.2017

Wie grüne NGOs den Klimaschutz verhinderten

Analyse von Janne M. Korhonen

Titelbild

Foto: Foto-Rabe via Pixabay / CC0

Aus der Zukunft blickt ein Historiker auf das Verhalten von Umweltorganisationen im frühen 21. Jahrhundert zurück. Ihre dogmatische Ablehnung des klimafreundlichen Atomstroms ist wenig rühmlich.

Hinweis: Dieser Text aus dem Jahre 2043 wurde mir durch eine wundersame Zeit-Raum-Anomalie übermittelt. Hoffentlich stellt er nur eine mögliche – und nicht die – Zukunft dar.

Kürzlich entdeckte Dokumente beweisen, dass viele selbsternannte „Umweltorganisationen“ schon vor einem Vierteljahrhundert vor den katastrophalen Risiken ihrer eigenen Energiepläne warnten. Diese Organisationen führten jedoch jahrelang einen äußerst lautstarken Kampf gegen dringend erforderliche saubere Energie-Technologien. Deshalb wird ihnen nun vorgeworfen, zwar über die Risiken des Klimawandels Bescheid gewusst, aber nicht angemessen gehandelt zu haben.

Eines der verschollenen Dokumente beweist, dass der Energie-Experte einer „Umweltorganisation“ nach einer Debatte im Jahre 2015 zugab, dass die Umsetzung der optimistischen Energiepläne, die er noch Minuten zuvor als einzige Option dargelegt hatte, tatsächlich höchst unwahrscheinlich sei und außerdem nicht die nötigen Resultate liefern würde. Ein weiteres Dokument zitiert einen erfahrenen Energie-Spezialisten einer bedeutenden globalen Organisation, der 2011 einräumte, dass die Kerndaten der hoffnungslos optimistischen Energie-Szenarien seiner Organisation direkt von der Erneuerbaren-Energien-Branche beigesteuert wurden, und dass deren Lobbyisten außerdem die Szenarien geschrieben hatten, die die Organisation später als einzige Antwort auf den Klimawandel verkaufte.

Ähnlich offene Geständnisse wurden dem Autor dieses Artikels von zahlreichen weiteren Einzelpersonen entgegengebracht, die in diesen Organisationen arbeiteten, aber anonym bleiben wollten. Dokumente von Organisationen wie Greenpeace und Friends of the Earth UK beweisen außerdem, dass diese sehr wohl darüber im Bilde waren, dass die Nachteile und Risiken bestimmter sauberer Energien, wie zum Beispiel der Atomenergie, weitaus geringer sind als sie es der Öffentlichkeit vermittelten. Ein 2013 von Friends of the Earth UK in Auftrag gegebener Forschungsbericht besagt ganz deutlich, dass „die Sicherheitsrisiken im Laufe der Nutzungszeit, die mit Atomenergie in Verbindung gebracht werden, insgesamt wohl doch mit den Auswirkungen der Erneuerbaren Energien vergleichbar und pro MWh an gewonnener Energie deutlich geringer sind als die von Kohle und Gas“.

„Umweltorganisationen führten jahrelang einen äußerst lautstarken Kampf gegen saubere Energie-Technologien“

Doch obwohl den Umweltorganisationen die Risiken eines unkontrollierten Klimawandels bekannt waren und ein weltweiter wissenschaftlicher Konsens darüber bestand, dass saubere Energietechnologien wie CO2-Sequestierung und Atomenergie im Kampf gegen den Klimawandel wichtig, wenn nicht gar unersetzbar sind, haben sie dennoch hunderte Millionen Euro in Abschreckungskampagnen und die Verbreitung von Falschinformationen gesteckt. Umweltorganisationen haben außerdem wissenschaftliche Außenseiter finanziert und unterstützt. Diese haben den Klimawandel als Problem dargestellt, das allein durch Erneuerbare Energien gelöst werden könnte, obwohl der Weltklimarat (IPCC) und andere Experten-Gruppen die entsprechenden Forschungsergebnisse als unrealistisch einstuften.

Nach Einschätzung von sowohl heutigen als auch zeitgenössischen Beobachtern waren diese Umweltorganisationen Gefangene ihrer eigenen Geschichte geworden. Sie forderten immer weiter dieselben Maßnahmen wie seit ihrer Gründung in den 1970er Jahren (manche gingen sogar so weit, Kohle als Alternative zu Atomenergie vorzuschlagen), obwohl es zunehmend stichhaltige Beweise dafür gab, dass diese Maßnahmen nicht mehr angemessen waren.

Für Janne M. Korhonen, einen finnischen Historiker und Umweltaktivisten, ist diese Kompromisslosigkeit in Teilen nachvollziehbar: „Die Ablehnung der Atomkraft war ein Hauptgrund für die Gründung dieser Organisationen in den 1970ern und motivierte jahrelang Unterstützer, Zeit und Geld in die gute Sache zu stecken. Dass ihre Unterstützer auf überkommenen Positionen beharrten, hatten die Umweltorganisationen ihrer eigenen höchst effektiven, aber irreführenden Propaganda zu verdanken. Deshalb hätten sie für einen Kurswechsel nicht nur zugeben müssen, dass sie falsch lagen (worin Organisationen im Allgemeinen nicht gut sind), sondern auch in Kauf nehmen müssen, dass ihre Einnahmen einbrechen.“

„Manche gingen sogar so weit, Kohle als Alternative zu Atomenergie vorzuschlagen“

Doch auch die Medien und die wissenschaftliche Gemeinschaft tragen einen Teil der Schuld, so Korhonen. Sie, die sich sonst gerne als „kritisch“ bezeichnen, verhielten sich den Umweltorganisationen gegenüber äußerst unkritisch. „Es war damals wie heute naiv zu glauben, dass die Energiemaßnahmen, die die Umweltorganisationen in den 1970ern unterstützten, zufälligerweise auch die beste Antwort auf den erst später in den Fokus gerückten Klimawandel sein sollten. Die Öko-Gruppen hatten in den 1970ern beschlossen, ausschließlich Energiegewinnungsformen zu unterstützen, die von ihnen als „erneuerbare“ Energien eingeordnet wurden. Deshalb war es nicht unbedingt überrauschend, dass das wachsende Bewusstsein für das Problem des Klimawandels nichts an den Positionen dieser Organisationen änderte.“

„Und trotzdem konnten die grünen NGOs jahrelang von Lobbyisten erstellte Energieszenarien verbreiten, die mit Daten der Erneuerbaren-Branche untermauert wurden, ohne kritisiert zu werden. Auch die Einzelheiten der Pläne wurden nie hinterfragt. Ein Beispiel dafür ist ein Energieplan des WWF von 2010, der vorsah, dass Bioenergie-Monokulturen größere Flächen bedecken sollten, als momentan für den Anbau von Getreide genutzt werden – ohne jegliche Erklärung, wo diese Flächen hergenommen werden sollten. Auch hinterfragte kaum jemand, dass die Pläne des WWF Afrika im Jahre 2050 nicht einmal den durchschnittlichen Energieverbrauch Chinas im Jahre 2010 zugestanden haben. Stattdessen stellten Medien und Forscher diese Organisationen als vertrauenswürdige Stimmen in Energie-Debatten dar, besonders in Sachen Atomenergie. Und das sogar dann noch, als herauskam, dass sie wichtige Fakten unterschlagen und sogar Statistiken verfälscht hatten, um ihre Sichtweise zu stützen.“

„Obwohl sie die Wahrheit über den Klimawandel gekannt haben mussten und von allen anderen stets erwarteten, ihr Denken zu verändern, waren sie selbst nicht dazu fähig, ihres zu verändern. Es ist traurig, dass sie trotz guter Absichten zu Gegnern effektiver Klimaschutzmaßnahmen wurden, als diese noch den Ausschlag gegeben hätten.“