01.11.2002

Was der Bt-Mais-Anbau in Spanien bringt

Analyse von Graham Brookes

Von Graham Brookes. Der gewerbliche Anbau genmodifizierter Pflanzen in der EU ist zur Zeit äußerst beschränkt. Hauptgrund dafür ist das vom Ministerrat verfügte Moratorium der Genehmigungsverfahren für neues GM-Saatgut. Nur eine einzige insektenresistente Maissorte (Compa CB von Syngenta Seeds) wurde 1998 (vor dem Moratorium) zum Anbau freigegeben. Sie ist aber nur in Spanien gewerblich eingesetzt worden. Graham Brookes hat den Anbau dieser schädlingsresistenten Bt-Maissorte in Spanien untersucht und die Ergebnisse mit Berichten über Auswirkungen derselben Technologie in den USA verglichen – dem Land mit den bis heute größten Anbauflächen von schädlingsresistentem Mais.

In den Jahren 2001/02 baute Spanien auf 485.000 Hektar Getreidemais an (11 Prozent des gesamten EU-Anbaus). Über 90 Prozent dieser Anbaufläche wird bewässert. Bt-Mais wird auf 20.000 bis 25.000 Hektar angebaut (durch ein freiwilliges Abkommen mit dem Saatlieferanten Syngenta wurde diese Fläche seit 1998 nicht ausgeweitet). Die Hauptanbaugebiete für Bt-Mais befinden sich in den Provinzen Huesca, Zaragosa und Lleida (in den Regionen Aragonien und Katalanien).
Alle wichtigen Anbaugebiete für Bt-Mais liegen in Gebieten, in denen üblicherweise die Gefahr des jährlichen Befalls mit Maiszünslerlarven groß oder mittelgroß ist. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass ein Viertel der Maisanbauflächen in Spanien im hohen Gefährdungsbereich und weitere 40 Prozent im mittleren liegen.
Auf 6 Prozent bis 20 Prozent der spanischen Mais-Anbaufläche werden Insektizide eingesetzt, um den Maiszünslerbefall unter Kontrolle zu halten. Ihr Einsatz erfolgt entweder über die künstliche Bewässerung oder durch Sprühflugzeuge. Die durchschnittlichen Kosten pro Anwendung über die Bewässerung liegen bei 18-24 Euro/Hektar, bei Sprühaktionen bei 36-42 Euro/ha.
Beim größten Teil der spanischen Maisproduktion findet keine aktive Bekämpfung des Maiszünslers statt (35-54 Prozent dieser Anbaugebiete liegen in Regionen mit mittelgroßer bis großer Befallsgefahr – ohne Einsatz mit Bt-Saatgut – und 25 Prozent in Regionen mit niedriger Befallsgefahr). Die Hauptgründe hierfür sind, dass der Schädlingsbefall von Jahr zu Jahr und auch von den Anbaugebieten her variiert, und dass der Zeitpunkt der Bekämpfung zeitgenau erfolgen muss (innerhalb von 2-3 Tagen nach dem Schlüpfen der Larven). Dieser Zeitpunkt ist nicht leicht zu bestimmen, da die Larven innerhalb einer Periode von drei Wochen schlüpfen, während die Wirkzeit der Insektizide nur wenige Tage beträgt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Insektizide nur geringe Wirkung auf die Maiszünslerlarven haben, die sich bereits in die Stängel gebohrt haben. Zudem ist das Ausmaß des Befalls nur unzureichend erkennbar, und die Kosten der Bekämpfung werden als ausgesprochen hoch empfunden.
Man schätzt, dass der Maiszünsler in Regionen mit großer Befallsgefahr, in denen keine Insektizide eingesetzt werden, einen durchschnittlichen Ertragsverlust von 15 Prozent verursacht. In manchen Regionen, in denen Insektizide nicht optimal eingesetzt werden, beträgt der durchschnittliche Ertragsverlust 10 Prozent. Im Landesdurchschnitt ist der Ertragsverlust vermutlich geringer, liegt aber immer noch im Bereich von 5-7 Prozent.
 

 

Bt-Maisanbau im Oderbruch

Auch in Deutschland haben dieses Jahr Landwirte und Forschungsinstitute in begrenztem Umfang gentechnisch verbesserten Mais angebaut – u.a. auch insektenresistenten Bt-Mais, der in Spanien bereits in größerem Maßstab erfolgreich kultiviert wird. Insgesamt hat das Bundessortenamt für 2002 zeitlich und mengenmäßig begrenzte Vertriebsgenehmigungen für 11 gentechnisch veränderte Sortenkandidaten erteilt. Auf Grundlage dieser Zulassungen wurden auch auf einem Feld im Oderbruch im Umland Berlins erneut Versuchsanbauten durchgeführt. Dabei sollten die Unterschiede zwischen gentechnisch verändertem Bt-Mais und konventionellen Sorten festgestellt werden. Die Auswertungen der Versuchsanbauten zeigten eindeutig, dass das Potenzial für Bt-Mais auch hierzulande sehr groß ist. Die ungeschützten, konventionellen Pflanzen litten extrem unter dem Befall der Maiszünslerlarven, die sich in Stengel und Kolben bohren. Viele Maisstengel waren vor der Ernte abgeknickt, etliche Kolben zeigten als Folge der Maiszünslerangriffe zudem deutliche Pilzspuren, die bei Mensch und Tier zu Gesundheitsschäden führen können.

 

Auswirkungen des Anbaus von Bt-Mais

Die Kosten für Bt-Maissaatgut liegen in Relation zu vergleichbaren Alternativen bei 18-31 Euro/ha, wobei für die Mehrzahl der Landwirte, die ihr Saatgut über Kooperativen beziehen, die Kosten eher im unteren Bereich liegen.
Da der von Maiszünslern verursachte Ertragsverlust je nach Anbauort, Jahr, Klimafaktoren, Aussaatzeit, Einsatz von oder Verzicht auf Insektizide und deren optimaler Anwendung schwankt, variieren auch die positiven Auswirkungen, d. h. die Ertragssteigerungen durch den Anbau von Bt-Mais. In der Region Huesca, in der im Allgemeinen ein hohes Befallsrisiko herrscht, wird eine Ertragsverbesserung von durchschnittlich 10 Prozent erreicht (d. h. 1 Tonne/ha auf einen Basisertrag von 10 t/ha), wo früher Insektizide eingesetzt wurden, und von 15 Prozent, wo vorher keine eingesetzt wurden. Andere Untersuchungen zu einer Reihe von Anbaugebieten, allerdings nur für das Jahr 1997, geben (innerhalb einer Spanne von 2,9 Prozent bis 12,9 Prozent) Ertragssteigerungen von durchschnittlich 6,3 Prozent an. Demgegenüber liegen die Ertragsverbesserungen in Gebieten mit niedrigem, bzw. mittlerem Befallsrisiko bei etwa 1 Prozent innerhalb des Beobachtungszeitraums der letzten vier Jahre.
Der Kostenfaktor beim Anbau von Bt-Mais liegt bei etwa plus 18,5 Euro/ha für das Saatgut. Dem stehen Einsparungen von 24 bis 102 Euro/ha gegenüber, weil keine Maiszünsler-Bekämpfungsmittel mehr eingesetzt und in einigen Fällen auch keine Mittel gegen Spinnmilben mehr gespritzt werden mussten (einige Landwirte klagen, dass die Mittel gegen Maiszünsler auch Nutzinsekten vernichtet haben). Bei herkömmlichen Ernten ohne Insektizideinsatz fällt der Kostenfaktor nicht ins Gewicht. Es ergeben sich jedoch zusätzliche Kostensenkungen im Sekundärbereich, etwa im Bereich Arbeits- und Verwaltungszeit, z. B. für Feldbegehungen und/oder den Einsatz spezieller Insektizide über die Bewässerung. Die Auswirkungen des Bt-Mais-Anbaus auf den wirtschaftlichen Ertrag in der Region stellen sich wie folgt dar:

  • In der Region Sarinena (ein Gebiet mit hohem durchschnittlichen Jahresbefall) ergaben sich durch den Einsatz von Bt-Mais Gewinnsteigerungen von 67-329,5 Euro/ha (im Durchschnitt 146,5 Euro/ha). In Relation zur allgemeinen Ertragsspanne beim Maisanbau in der Region entspricht dies einer Steigerung von +5.5 Prozent bis +32.4 Prozent (Durchschnitt: +12.9 Prozent). Diese Rentabilitätssteigerung könnte ein signifikantes Gegengewicht zu jenen potenziell für die Ertragsspanne nachteiligen Effekten im Maisanbau bilden.
  • Im Barbastro-Gebiet (eine Region mit niedrigem bis mittlerem durchschnittlichem Jahresbefall) lag der Nettogewinn bei Anbau von Bt-Mais bei plus/minus Null (d. h. keine Netto-Ertragsveränderung über vier Jahre).
  • In Hinblick auf die Rentabilität werden die Kosten für die Bt-Technologie durch das Einsparen von Insektiziden für die Landwirte in der Sarinena-Region mehr als nur ausgeglichen. Für Landwirte, die den Maiszünsler generell nicht bekämpfen, liegt die Rentabilitätsschwelle für Bt-Technologie (bei einem Marktpreis von 123 Euro pro Tonne im Jahr 2001) bei einer Produktionssteigerung von 0,15 t/ha (1,5 Prozent Produktionssteigerung gegenüber der durchschnittlichen Maisproduktion in ganz Spanien im Jahr 2001).

Weitere Auswirkungen und Aspekte

  • Beitrag zum Produktions-Risikomanagement: Für einige Landwirte ist der versicherungsrelevante Aspekt beim Anbau von Bt-Mais besonders wichtig – sie müssen sich nicht mehr gegen mögliche schwere Schäden durch Maiszünslerbefall absichern.
  • Der „Annehmlichkeitsfaktor“: Es muss weniger Zeit für Feldbegehungen und/oder Schädlingsbekämpfung aufgewandt werden
  • Verbesserung der Getreidequalität: Bt-Mais weist geringere Spuren von Mycotoxinen auf als herkömmlicher Mais.
  • Deutliche Vorteile für die menschliche Gesundheit (Landwirte und Landarbeiter): Reduzierung der Risiken von Unfällen beim Hantieren mit Insektiziden.
  • Deutliche Vorteile für die Umwelt, da einige Insektizide nicht länger eingesetzt werden (s. u.).
  • Der Einsatz dieser Transgen-Technologie ist unbeschränkt: Kleine und große Landwirtschaftsbetriebe setzen sie ein (die durchschnittliche Hofgröße Bt-Mais-anbauender Landwirte liegt bei 50 Hektar oder weniger (50 Hektar ist die Durchschnittsfläche in der Region Huesca; im Zaragossa-Gebiet sind Durchschnittsflächen unter 20 Hektar üblich).
  • Alle genmodifizierten Maissorten werden über normale Vertriebswege an Verbraucher im Tierfuttersektor verkauft. Eine Trennung von genmodifiziertem Mais und nicht-genmodifiziertem Mais ist nicht erforderlich.

“Wir gehen davon aus, dass fast 36 Prozent des Maisanbaus in Spanien auf Bt-Mais umgestellt würde, falls alle führenden Sorten der Bt-Technologie im Handel erhältlich wären und keine Lieferbeschränkungen für Saatgutmengen vorlägen.”

Chancen für den Bt-Mais in Spanien

Wir gehen davon aus, dass fast 36 Prozent (173.00 Hektar) des Maisanbaus in Spanien unter der Voraussetzung auf Bt-Mais umgestellt würde, dass alle führenden Sorten der Bt-Technologie im Handel erhältlich sind und keine Lieferbeschränkungen für Saatgutmengen vorliegen.
Geht man von einer Ernteertragssteigerung um 5-7 Prozent gegenüber konventionellen Maissorten aus, würde das beim genannten Akzeptanzgrad eine Steigerung der spanischen Maisproduktion um 88.000 bis 123.000 Tonnen ermöglichen (um 1.8-2.5 Prozent). Für die Landwirte bedeutete dies einen zusätzlichen Gewinn von 10,82 bis 15,22 Mio. Euro.

Auswirkungen auf die Umwelt

Ausgehend von Untersuchungen in Landwirtschaftsbetrieben der Region Huesca wird deutlich, dass die beiden gegenwärtig zur Bekämpfung des Maiszünslers eingesetzten Insektizide nahezu ausschließlich gegen diesen spezifischen Schädling eingesetzt werden. Würde Bt-Mais im oben erwarteten Maße angebaut, würden diese Insektizide wahrscheinlich im spanischen Maisanbau generell nicht mehr genutzt werden. Das würde eine Nettoreduzierung der besprühten Fläche um 59.000 bis 98.000 Hektar und eine Reduzierung der eingesetzten Wirkstoffmenge um 35 bis 54 Tonnen bedeuten. Hinsichtlich der Gesamtmenge der Insektizide im spanischen Maisanbau (einschließlich der Bodeninsektizide) bedeutete das eine Reduzierung der gesamten Sprühflächen um 27-45 Prozent und eine Reduktion der eingesetzten Wirkstoffmenge um 26-35 Prozent.
Da diese Insektizide manchmal auch gegen andere Schädlinge wie Heliothis und Agrotis eingesetzt werden, könnte die Einsparung von Insektiziden etwas geringer ausfallen, möglicherweise sogar um zwei Drittel (d. h. eine Reduzierung der Sprühflächen um 15.000 bis 32.000 Hektar und der Wirkstoffmenge um 12-19 Tonnen).