14.11.2008

Wann platzt die Kreditblase der Automobilindustrie?

Von Alexander Horn

Die gegenwärtigen Absatzprobleme der Automobilhersteller resultieren nicht aus der Not der am Abgrund stehenden Finanzwirtschaft – beide Krisen haben vielmehr die gleichen Wurzeln. Die Lösung kann nur darin liegen, dass wieder Autos gebaut werden, die die Kundschaft auch ohne nachgeworfenes Geld haben will.

Der Finanzkrise ist eine massive Ausweitung der Konsumentenkredite vorausgegangen. Nicht nur in den USA wurde mittels günstiger Kredite der Immobilienmarkt angefacht. Mit dieser politisch gewollten Kreditausweitung gelang es, den Konsum zu stärken und das chronisch schwache Wirtschaftswachstum der entwickelten Welt aufrecht zu erhalten.

Die Verfügbarkeit billigen Geldes bot die Möglichkeit, Kredite sehr günstig zu finanzieren. Das stabile wirtschaftliche Umfeld verleitete dazu, die Verschuldungsgrenzen auszuweiten und auch weniger finanzkräftige Schuldner zu berücksichtigen. Von dieser Expansion der Konsumentenkredite haben nicht nur die Banken profitiert – auch die Konsumnachfrage in den westlichen wie auch in den osteuropäischen Staaten wurde hierdurch künstlich hoch gehalten. Gerade auch die Automobilhersteller selbst haben mit ihren Finanzsparten diese Art der Absatzförderung in der letzten Zeit immer aggressiver betrieben.

Dies Kreditblase scheint nun zu platzen. Ford machte für den jüngsten Absatzeinbruch in den USA auch die strengeren Richtlinien für neu vergebene Kredite verantwortlich. BMW hat offensichtlich – noch stärker als andere deutsche Hersteller – die eigenen Verkaufszahlen mit unverantwortlichen Finanzierungsangeboten in die Höhe getrieben, sodass aus dem Kredit- und Leasinggeschäft des Konzerns alleine in den ersten neun Monaten diesen Jahres Verluste von einer Milliarde Euro eingefahren wurde. Den Automobilherstellern gehen offenbar die Schuldner aus, und das Kreditgeschäft verlangt restriktivere Regeln. Insofern sind die Ursachen und die unmittelbaren Folgen der Absatzkrise und die der Finanzkrise identisch.

Die eigentlichen Gefahren der Finanzkrise für die „Realwirtschaft“ liegen darin, dass der Kapitalmarkt und insbesondere die Banken ihrer kreditvermittelnden Rolle nicht mehr gerecht werden könnten. Diese besteht in Krisenzeiten vor allem darin, wirtschaftlich gesunden Unternehmen zu helfen, um wirtschaftliche Durststrecken zu überwinden. Zudem müssen die Banken in der Lage sein, diesen Unternehmen die Finanzkraft zu verleihen, um die Industrie umzustrukturieren. Die Forderungen nach staatlichen Finanzspritzen wie auch der Verzicht auf die Kraftfahrzeugsteuer sind jedenfalls nicht dazu geeignet, das „Durchschlagen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft“ zu verhindern.