27.08.2009

Wahlkampf – nicht mal mehr Meinungsmache!

Von Matthias Heitmann

Kommentatoren nahezu aller Medien sind sich darüber einig, dass die Aufgeregtheiten um Abendessen im Kanzleramt und um Dienstwägen künstlich und ohne jede Substanz sind. Und genau diese Einmütigkeit ist das Problem.

Ja, es ist ekelhaft, wenn sich Wahlkämpfe darin erschöpfen, über die Kosten von Abendessen im Kanzleramt zu spekulieren und darüber, ob eine Kanzlerin sich überhaupt mit Vertretern der Wirtschaft an einen Tisch setzen dürfe.

Und ja, es ist auch ekelhaft, wenn das Automobilitätsverhalten der Gesundheitsministerin über Wochen zum Hauptthema aufgeblasen wird. Sicherlich ist es auch richtig, dass solcherlei vor allen Dingen der Überlappung von inhaltslosen Wahlkämpfen und dem Sommerloch zuzurechnen ist.

Kommentatoren nahezu aller Medien sind sich darüber einig, dass, wenn dies die einzigen Probleme wären, die unser Land habe, es eigentlich gar nicht so düster um uns bestellt sei. Und das genau ist das Problem: Denn was ist von dieser scheinbar einsichtigen Einmütigkeit zu halten, wenn zugleich diese Themen dennoch in den Schlagzeilen bleiben? Ist es die Hoffnung, aus der fortgesetzten Präsenz solcher „Skandale“ ableiten zu können, dass es tatsächlich nicht so schlecht um die Zukunft Deutschlands steht?

Es ist interessant zu beobachten, dass mittlerweile selbst medialen Meinungsmachern das bewusste und gezielte Machen von Meinungen ganz offensichtlich entglitten oder die Lust daran abhanden gekommen ist. Keiner will es gewesen sein, keiner will den Schmidtschen Dienstwagen und die Merkelschen Häppchen tatsächlich als ernst zu nehmende Themen in die Schlagzeilen gehievt haben. Aber wer war es dann? War es überhaupt jemand, oder geschicht sowas mittlerweile automatisch?

Der anscheinend nicht mehr von Personen mit bestimmten Motiven und Interessen gesteuerte Prozess der medialen Themenaufbereitung steht sinnbildlich für eine Politik, die dasselbe Schicksal der Kopf- und Orientierungslosigkeit erleidet. Schlimmer als Niveaulosigkeit ist nur, wenn sie von allen gleichermaßen beklagt wird. Dann ist sie bereits zur Ausweglosigkeit mutiert.