10.04.2018

Von Bienchen und Glyphosat

Von Frank Nagel

Titelbild

Foto: Chafer Machinery via Flickr / CC BY 2.0

Umweltministerin Svenja Schulze macht das Herbizid Glyphosat für ein angebliches Bienen- bzw. Insektensterben verantwortlich. Das zeigt, wie wenig Ahnung sie von Biologie und Landwirtschaft hat.

Unsere neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigt sich genauso kompetent wie ihre Vorgängerin Barbara Hendricks. Sie erklärte, den Einsatz von Glyphosat in der deutschen Landwirtschaft spätestens 2021 beenden zu wollen. Denn „das Insektensterben nehme massiv zu. Sie stimme Landwirtschaftsministerin Klöckner darin zu, dass Bienen systemrelevant seien. Zusammen mit ihr wolle sie deshalb dafür sorgen, dass es draußen weiter brumme“.

Wer sich mit dem Thema auskennt, fragt sich bei solchen Äußerungen automatisch, wie denn Insekten durch ein Herbizid bedroht sein könnten, also durch ein Mittel, welches nur gegen Pflanzen wirkt? Glyphosat hat gegenüber älteren Herbiziden den Vorteil, keine bekannten Nebenwirkungen auf andere Organismen zu haben. Aber Glyphosat muss selbstverständlich am Insektensterben schuld sein, genauso wie am Aussterben der Bienen. Die Mehrheit der Bevölkerung scheint das zu denken, nachdem es von NGOs und Journalisten lange genug behauptet wurde. Und wir leben nun einmal in einer Demokratie, wo das gemacht wird, was die Mehrheit will. Also muss das insektenschädliche Glyphosat weg. Auf keinen Fall kann es nach der Minderheit von Experten und Landwirten gehen, die darüber besser Bescheid wissen – wo kämen wir denn da hin?

Wieso sind Bienen und andere Insekten durch Glyphosat angeblich gefährdet? Es vernichtet zwar nur Pflanzen, aber laut vorherrschender Meinung sind diese die Nahrung für unsere bedrohten Bienen und aller anderen Insekten. Anscheinend denken die Leute, alle Insekten ernähren sich wie Bienen von Blüten, also von Nektar oder Pollen. Anscheinend denken die Leute auch, alles was vor der Aussaat auf Feldern wächst, trägt nahrhafte Blüten. Beides stimmt aber nicht. Nur die wenigsten Insekten fressen Pollen, Nektar oder andere Blütenteile. Auf Feldern blüht vor der Aussaat nichts. Nebenbei bemerkt sterben die Bienen auch nicht aus.

„Bundesumweltministerin Schulze wird in ihrer Amtszeit außerdem noch das Pflügen verbieten.“

Mir fiel es jetzt in der Osterzeit bei Wanderungen auf: Es war meist noch kühl, nur wenige erste Insekten waren schon aus dem Winterschlaf erschienen, von Bienen noch keine Spur, aber die meisten Felder waren bereits bestellt. Insekten wären also schon zu spät dran, von dem angeblich so nahrhaften Bewuchs der Felder fressen zu können. Den hatten die Bauern schon beseitigt. Es war gar nicht so leicht, noch ein paar unbestellte Ackerflächen zu finden. Hier ist eine davon. Ein absolutes Bienenparadies! Blüten, wohin man blickt!

Abb. 1: Ein bestelltes Ackerfeld.

Nein, das sind natürlich keine geeigneten Flächen für Bienen. Höchstens für Kellerasseln, Tausendfüßler, Regenwürmer und andere Lebewesen, die sich von Pflanzenresten ernähren. Das waren jetzt zwar keine Insekten, aber jedenfalls: Hier blüht nichts. Es blüht in dieser Jahreszeit auch nichts auf anderen Flächen, wie Feldrändern und Weiden.

Das einzige, was jetzt schon in größeren Mengen blüht, sind zum Beispiel die Weidenkätzchen. Wir haben in der Schule gelernt, dass diese Blüten die erste wichtige Nahrung der Bienen im Jahr sind. Niemand hat aber je gehört, Unkraut auf den Feldern wäre eine wichtige Bienennahrung. Weil es ja auch nicht so ist. Das, was dort so herumsteht, ist für Insekten völlig uninteressant. Der Bauer muss es aber beseitigen. Und dafür hat er, neben Methoden der Unkrautvermeidung, hauptsächlich zwei Möglichkeiten.

Die eine ist Pflügen. Eine alte bewährte Methode mit mehreren Nachteilen. Sie schädigt die Bodenfauna, also hauptsächlich Regenwürmer, Kellerasseln und Tausendfüßler, sie setzt CO2 frei, sie fördert die Erosion und sie benötigt deutlich mehr Treibstoff. Man hat deshalb schon lange versucht, pfluglose Methoden der Bodenbearbeitung zu finden. Deshalb gibt es die zweite Methode: Ein Herbizid verwenden, üblicherweise Glyphosat. Nachteile: Keine. Vorteile: Beseitigt nur Pflanzen, danach ist es biologisch abbaubar. Aber wie gesagt: Frau Schulze hat gesagt, Glyphosat sei für Bienen und andere Insekten trotzdem schädlich. Und sie muss es ja wissen, schließlich wäre sie sonst nicht Bundesumweltministerin geworden. Auf solche Posten kommt man bekanntlich nur mit dem nötigen Fachwissen. Also weg mit diesem Glyphosat!

Wenn dieser Bewuchs, den Bauern im Frühjahr mit Glyphosat oder mit Pflügen beseitigen müssen, für Insekten so wichtig ist (auch wenn sie in der Zeit noch in der Winterruhe sind), dann ist logisch absehbar, was Bundesumweltministerin Schulze in ihrer Amtszeit außerdem noch verbieten wird: Das Pflügen.