26.03.2020

Sprachpolitik und soziale Kontrolle

Von Marcel Matthies

Titelbild

Foto: Steven Straiton (CC BY 2.0 / bearbeitet)

Öffentliche Sprache und Redefreiheit unterliegen zunehmend einem Konformitätsdruck. Ihre Kontrolle verengt Diskurse. Oft wird dabei sogar der Nationalsozialismus instrumentalisiert.

„Die Lakaien der herrschenden gesellschaftlichen Tendenzen sind auch die Papageien des herrschenden Sprachgebrauchs – und umgekehrt.“1 (Dolf Sternberger)

In der neuen Politisierung der Sprache spiegelt sich ein virulenter Umbau von Sprache in Gebrauch und Funktion wider. Das hängt weniger mit den sich aneinander verhärtenden Polarisierungen zusammen – die symptomatisch, nicht aber ursächlich dafür sind –, als vielmehr damit, dass laut dem Philosophen Kenan Malik an eine plurale Gesellschaft paradoxerweise Vorstellungen einer Begrenzung der Redefreiheit und Verengung der Meinungsvielfalt geknüpft sind.2

Wer durch Anwendung selektiver Informationsfilter sowie über die Auslegung politischer Begriffe in der Massenmediendemokratie entscheidet, bestimmt – anknüpfend an Überlegungen der Demoskopin Elisabeth Noelle-Neumann – das Meinungsklima maßgeblich.3 Die Ausdrucksformen eines scheinbar fortschrittlichen Weltbilds manifestieren sich derzeit besonders drastisch in einer eingehegten, politisch überformten Sprache des Medienbetriebs, die – insbesondere während der ‚Flüchtlingskrise‘ – im permanenten Ausnahmezustand eine einigermaßen distanzierte Berichterstattung verunmöglicht.4

Kritische Töne – wie die des Präsidenten der Migrantenorganisation BAGIV Ali Ertan Toprak, dessen Positionspapier beim 10. Integrationsgipfel 2018 nicht für das Plenum zugelassen wurde – fallen der Verengung der Meinungsvielfalt zum Opfer. Toprak wich zu sehr von den zur Reklame aufgeblasenen Narrativen ab, lehnt er doch die den (Post-) Migranten zugewiesene Opferrolle ab und bezweifelt, dass gelingendes Zusammenleben ausschließlich von den Einstellungen einer als zutiefst rassistisch ausgewiesenen Aufnahmegesellschaft abhängig sei.

„Im hermeneutischen Netz postpanoptischer Sprachbeaufsichtigung ist Islamkritik eng mit Vorstellungen von Rassismus und rechter Hetze verknüpft.“

Exemplarisch ist zudem die Zurechtweisung des Autors Michael Kleeberg im Rahmen der Frankfurter Poetik-Dozentur 2017. Deren Geschäftsführerin Susanne Komfort-Hein sah sich veranlasst, den Dozenten für dessen islamkritische Aussagen zu maßregeln, indem sie ihn mit der „unbedingte[n] Sensibilität für unsere Sprachregelungen“ und der „kritische[n] Analyse demokratiefeindlicher Rhetorik“ konfrontiert. Zuvor hatte Kleeberg seine Angst davor zum Ausdruck gebracht, die Transformation der Bevölkerungszusammensetzung könne desintegrativ auf das demokratische Zusammenleben wirken:

„Vieles in der deutschen Politik, was unsere Nachbarn aufgrund seiner Irrationalität wahnsinnig macht, erklärt sich aus dieser deutschen Neurose, das für alle Zeiten schuldig gewordene nationale Element zum einen in dem Abstraktum Europa aufgehen zu lassen, das so kein anderes Land sich wünscht, und zum anderen in der irrsinnigen Hoffnung, dass sich das ‚Nazi-Gen‘ der Deutschen irgendwann in einem großen ‚Multikulti-Genpool‘ vollständig aufgelöst haben wird. [...] Ich habe Angst davor, dass wenn in einer europäischen Demokratie – und ganz besonders in Deutschland, wo das nationale Bewusstsein ungleich schwächer entwickelt ist als bei allen seiner Nachbarn und Partner – der moslemische Bevölkerungsanteil eine gewisse kritische Größe überschritte, sich auf Dauer sowohl das europäische als auch das demokratische Element verlieren könnte.“

Beaufsichtigung von Sprache und Bildsprache

Im hermeneutischen Netz postpanoptischer Sprachbeaufsichtigung ist Islamkritik eng mit Vorstellungen von Rassismus und rechter Hetze verknüpft, so der Intellektuelle Kacem El Ghazzali. Davon weiß auch die Illustratorin Bianca Tschaikner ein Lied zu singen, wurde sie doch aufgrund der verwendeten Bildsprache in ihrer Darstellung der Ereignisse in der Kölner Silvesternacht 2015 auf der Titelseite des Wiener Falter zur Rassistin erklärt und die Wochenzeitung offiziell vom Presserat gerügt. Ihre Illustration bildet über drei Dutzend ähnlich aussehende, dunkelhaarige Männer ab, deren Hände nach fünf hellhaarigen Frauen greifen und grapschen. Sämtliche Figuren haben unterschiedslos die gleiche Hautfarbe. Die durch Fremdeinwirkung teilweise entblößten Frauen sind in arger Bedrängnis, voneinander isoliert und in der Männerhorde eingekesselt. Ihre Gesichter sind benetzt von Tränen, wohingegen die Gesichter der fies dreinblickenden Männer mit geöffneten Mündern gezeichnet sind. Ein Polizist ist völlig machtlos am Rande des Szenarios. Unterlegt ist die Darstellung mit einem Zitat der Philosophin Simone de Beauvoir, das einen kontextgebundenen Bildlesehinweis gibt: „Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der sich seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.“

„Die monokausale Verknüpfung von Terroranschlägen mit ‚Hate Speech‘ zeigt auf, dass die Macht der Sprache maßlos überschätzt wird.“

Passagen aus dem von der Europäischen Kommission herausgegebenen „Handbuch zur Integration für Entscheidungsträger und Praktiker“ betonen implizit die bewusstseinskonstituierende Wirkung von Sprache sowie die Möglichkeiten der Beeinflussung öffentlicher Meinung: „Strategische Bündnisse zwischen der Zivilgesellschaft, der Regierung, Forschungsinstituten und Berufsverbänden der Medien können dazu beitragen, auf einen so breitgefächerten und vielfältigen Bereich wie den der Medien Einfluss zu nehmen. [...] Damit Diversitätsstrategien erfolgreich sind, müssen Medienorganisationen Mechanismen zur Implementierung konzipieren und deren Erfolg überprüfen. [...] Verhaltensregeln sollten darum auch versuchen, die Verwendung falscher [...] Ausdrücke wie ‚illegale Asylbewerber‘ zu vermeiden. [...] Beschwerdegremien und Bürgerbeauftragte für Medien können bei der Selbstregulierung der Branche eine konstruktive Rolle spielen und auf folgende Weise die ethischen Standards verstärken [...]. Die Leistung kann von unabhängigen Beobachtungsstellen, durchsetzungsfähigen Presseräten und anderen Integrationsakteuren überwacht werden. [...] Zeitlich gut geplante Erhebungen zur öffentlichen Meinung können die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sowie der Medien auf wichtige Themen lenken und die Umstände der Debatten zu neuen Initiativen bestimmen. Der richtige Zeitpunkt für die Veröffentlichung dieser Studien ist daher für Projekte zur Bewusstseinsbildung und für den politischen Entscheidungsprozess entscheidend. Die Schärfung des öffentlichen Bewusstseins zu Integrationsthemen bedeutet auch, die Erwartungen der Öffentlichkeit an die Reaktionen der Politik zu erhöhen.“

Die Notwendigkeit für eine Anleitung zur Überwachung von Sprache beruht auf der begründeten Annahme, durch Sprachsensibilisierungsmaßnahmen und Verengung der Diskursregeln ließe sich direkt Einfluss auf die öffentliche Meinung nehmen. Falsch ist hingegen die Schlussfolgerung, soziale Widersprüche ließen sich damit auflösen, so dass die Entstehung konfliktfreier Räume der Sozialität zwischen diversen Ursprungskulturen begünstigt würde. Ungeachtet dessen ist die Suggestionskraft von Sprache in Form sprachmächtiger Exorzismen, Beschwörungen und Achtsamkeitsregeln im spröder werdenden Alltag verhaltenstherapeutischer Selbstermächtigung längst zum Spektakel geworden. Denn Sprachsensibilität ist als Konstituens öffentlicher Wirklichkeit tief in das private Empfinden eingedrungen.

Das der Sprache innewohnende Verletzungspotential ist zum Dauerthema geworden. Die monokausale Verknüpfung von Terroranschlägen mit ‚Hate Speech‘ zeigt auf, dass die Macht der Sprache maßlos überschätzt wird. Die Annahme, Worte würden sich zwangsläufig in Taten verwandeln, hat einen ähnlichen Realitätsgehalt wie die Annahme, Menschen mit Affinität zu Ego-Shooter-Spielen würden eines Tages selbst einen Amoklauf unternehmen. Die Infantilisierung der Debatte schreitet voran, wie der Hype um gewaltfreie Kommunikation, Achtsamkeitstraining zur Herstellung idealer Sprechsituationen, die Gründung von Beratungsstellen für Opfer von Mikroaggressionen, Triggerwarnungen auf Büchern und in Filmen oder die zwanghaft-pedantische Verwendung von Gendersternchen und Unterstrichen zeigen. Besonders grotesk ist es, wenn Vertreter des sprachpädagogischen Projekts gelegentlich mit übersteigerter sprachlicher Aggression gegen Antagonisten vorgehen.5

Produktion von Bewusstsein

Weiterhin lässt sich in der veröffentlichten Meinung neben den Thematisierungs- und Themenstrukturierungseffekten ein Aufweichen der Faktenstruktur beobachten. Über welche Ereignisse wie und in welcher Häufigkeit berichtet wird, ist konstitutiv für die Herstellung von Bewusstsein. Die Vermittlung informativer Fakten verschwindet dabei beinahe gänzlich hinter der Ausdeutung ihrer Zeichen. Der Dramatiker Peter Hacks spitzt das zu: „Ein Land, das Medien hat, braucht keine Zensur mehr.“6 Soll heißen, die Vermittlung der Fakten dient vor allem einer tendenziösen Aufladung mit symbolträchtiger Bedeutung. Mustergültig lässt sich das an der inhaltlichen Aufbereitung von Reportagen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen studieren.7 Deren Konzeption läuft meist darauf hinaus, Gegner der Einwanderung und der EU als Wiedergänger der Nationalsozialisten zu präsentieren. Zur Diffamierung des politischen Gegners nimmt man in Kauf, den Nationalsozialismus vehement zu banalisieren und zu instrumentalisieren.

„Wer meint, die Bevölkerung in der Bewusstseinsbildung umfassend betreuen zu müssen, traut der Überzeugungskraft seiner Argumente nicht.“

Wer an den Erfolg sprachsterilisierender Formulierungshilfen glaubt, um die verführbaren Massen vor rechten Rattenfängern zu schützen, wer also meint, die Bevölkerung in der Bewusstseinsbildung umfassend betreuen zu müssen, traut der Überzeugungskraft seiner Argumente nicht. Zudem unterschätzt er das sozialpsychologische Moment der Reaktanz, das sich dadurch auszeichnet, gegen eine als Bevormundung erlebte Sprachpolitik aufzubegehren. Ein mittels rigider Sprachhygiene erzeugter Bewusstseinsfilter, dessen Wirksamkeit auch darin besteht, auf eine überwiegend von politischer Urteilskraft befreite Sprachschaumkraft zurückgreifen zu können, geht mit einem stark schematisierten Denken einher, das Verstehen durch Identifizieren ersetzt.

Die Ausstrahlungskraft der Sprache geht auf Kosten der Bezeichnungskraft. Sprachpolitik will weniger erklären als vielmehr ausstrahlen. Sie ist darauf angelegt, sich in die Akteure öffentlicher Wirklichkeit hinein zu verlängern. Ihre semantische Elastizität ermöglicht es, konkrete Widersprüche zu irrealisieren – indem Regeln des Diskurses problematisiert werden – oder in einen anderen vorstrukturierten Deutungsrahmen zu lenken, um die hegemoniale Diskursherrschaft auszuweiten.

Das Bemühen um Herstellung von Konformität durch den Gebrauch politisch richtiger Diktion schafft Gefühle der Orientierung und Zugehörigkeit. Wer die Machttechniken der Sprachpolitik verinnerlicht, erfährt ihre Anwendung im Sinne Michel Foucaults als stimulierend. Ihr anti-liberaler Kern besteht darin, einen Konformitätsdruck in der Öffentlichkeit schaffen zu wollen, um das kollektive Bewusstsein der Vielen derart zu konditionieren, dass abweichende Gedanken möglichst gar nicht erst entstehen.

„Die obsessive Konzentration auf die Wirkung von Sprache und der Konformitätsdruck der öffentlichen Meinung blockieren ihr Potential, das Denken an der begrifflich reflektierten Erfahrung auszubilden.“

Das heißt, dass es überwiegend darum geht, wie über Dinge gesprochen wird. Denn Sprache sei vor allem ein Ausdrucksmittel von Macht. Wirklichkeit sei vor allem eine Frage der Interpretation. Die obsessive Konzentration auf die Wirkung von Sprache und der Konformitätsdruck der öffentlichen Meinung blockieren ihr Potential, das Denken an der begrifflich reflektierten Erfahrung auszubilden. Die Feministin Nancy Fraser sieht das sich verschärfende Legitimationsdefizit politischer Herrschaft genau darin zum Ausdruck kommen, eine regressiver werdende Verteilungspolitik mit einer ‚progressiven‘ Anerkennungspolitik zu kombinieren.8

Die Ausweitung des Rassismusbegriffs

Nicht zuletzt die Avantgarde ambiguitätsintoleranter Akademiker greift auf wissenschaftsförmige Wortschablonen (wie ‚Allianzen‘, ‚terroristische Assemblage‘, ‚DWEM‘, ‚Homonationalismus‘, ‚Intersektionalität‘‚ ‚Phallogozentrismus‘ oder ‚Sprechort‘) zurück, um einen ausgeweiteten Rassismusbegriff durch sprach- und medienpolitische Maßnahmen zu institutionalisieren.

Wer obige Begriffe benutzt, ist umhüllt von einer Aura des Besonderen, geben die ausgehüllten Worthülsen doch vor, in sich etwas unfassbar Relevantes zu enthalten. Der ‚progressive‘ Sprachgestus gibt sich zwar betont nonkonformistisch, erstarrt bei genauerer Betrachtung aber – wie dessen fremdenfeindliches Pendant – zu einer flachen Semantik konnotativer Stereotypie. Gesinnungsgeneratoren der Grünen oder der AfD ist weniger an einer Auseinandersetzung mit der Geschichte der Juden im Dritten Reich gelegen als vielmehr daran, den Umgang mit der Erinnerung für politische Zwecke auszuschlachten.

Großzügig vom Staat geförderte Institutionen – wie das Jüdische Museum Berlin und die Bildungsstätte Anne Frank – arbeiten gezielt an der Ausweitung des Rassismusbegriffs. Die Implementierung bewusstseinsbildender Diversitätsstrategien läuft auf eine narrative Verzerrung hinaus, um Antisemitismus und Islamophobie strukturell anzugleichen. Hierzu bemüht man sich bspw. darum, eine semantische und weltanschauliche Verwandtschaft zwischen Kampfbegriffen wie ‚Verjudung‘ und ‚Islamisierung‘ nachzuweisen. Elaborierte Sprech- und Schreibweisen empirieresistenter Islamophobieforscher – wie Iman Attia, Saba-Nur Cheema, Farid Hafez oder Yasemin Shooman – zielen darauf ab, Moslems als Juden des 21. Jahrhunderts zu präsentieren.

Allein zahlenmäßig hinkt der Vergleich: Während 1933 zirka eine halbe Million Juden über eine deutsche Staatsbürgerschaft verfügte, leben heute zirka fünf Millionen Moslems in der BRD (davon allerdings nur zirka zwei Millionen mit deutscher Staatsbürgerschaft). Juden hatten im Gegensatz zu Anhängern Allahs keine Schutzmacht hinter sich, sondern begriffen sich im Zuge der Assimilation kaum als eigene Gruppe – sieht man von den Zionisten ab. Heute leben etwa 15 Millionen Juden und 1,8 Milliarden Moslems auf der Welt.

„Solange Rassismus eine Frage identitärer Selbstbestimmungsdiskurse ist, droht sich die gesellschaftliche Fragmentierung zu intensivieren.“

Auch die ideologische Dimension macht augenscheinlich, wie absurd der Vergleich ist: Die Differenz zwischen Juden und Nichtjuden wurde durch das Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze im Jahr 1935 zur Frage des Bluts erklärt und damit unaufhebbar essentialisiert. Dagegen gelten Moslems in der Bundesrepublik heute weder als Angehörige einer Rasse noch als Inbegriff einer Anti-Rasse, deren latentes Ziel die parasitäre Zersetzung anderer Rassen ist. Zweifellos bestehen gebietsweise Vorbehalte gegenüber Moslems. Eine systematische Dehumanisierung im politischen Gemeinwesen zeichnet sich jedoch nicht ab. Der Antisemit ist hingegen von der Wahnidee besessen, Juden würden insgeheim die Welt beherrschen. Demnach verkörpern Juden das negative Prinzip, durch das alle Kriege und Krisen erklärbar sind. Das unterscheidet Antisemitismus grundlegend von x-beliebigen Formen der Fremdenfeindlichkeit.

Wer allerdings den modernen Antisemitismus mit der bloßen Diskriminierung einer Minderheit verwechselt, macht aus einem Wahnsystem, dem jede reale Grundlage fehlt, eine Frage von Vorurteilsstrukturen und Diskriminierungsformen. Juden rufen nicht im Namen ihres Gottes zum Mord an Ungläubigen auf, wohingegen Dschihadisten weltweit Kriege führen. Besonders problematisch ist die geopolitische Reproduktion des Antisemitismus im Antizionismus, ist der Heilige Krieg gegen den Judenstaat doch Dreh- und Angelpunkt des politischen Islam. Die meisten Opfer von islamistischen Terroranschlägen sind (Ex-)Moslems. Wer sich von Allah lossagt, ist dem Tode geweiht. Wer ein Leben unter Rahmenbedingungen zumindest formaler Freiheit und Gleichheit den von Allah diktierten Regeln seines Herkunftslandes vorzieht, hat allen Grund zur Flucht.

Indes lassen sich Bedenken gegen anti-säkulare, antisemitische und patriarchale Ausprägungen dogmatischer islamischer Verbände mit Verweis auf Sprachregelungen ausgrenzen – im Zeichen eines bunten Karnevals der Kulturen. Hanebüchene Shitstorms gegen die Cartoonistin Franziska Becker, die Frauenrechtlerin Naïla Chikhi oder die Ethnologin Susanne Schröter, allesamt des Rassismus bezichtigt, entspringen der lauten Gefolgschaft dieses noch relativ kleinen Milieus. Doch solange Rassismus eine Frage identitärer Selbstbestimmungsdiskurse ist, droht sich die gesellschaftliche Fragmentierung zu intensivieren.