26.04.2010

Sollten wir Angst haben vor Außerirdischen?

Von Matthias Heitmann

Der britische Astrophysiker Stephen Hawking warnt vor dem „Columbus-Effekt“ und „technisch überlegenen Zivilisationen“ im All:

„Fortschrittlichen Aliens wären vielleicht Nomaden, die darauf aus sein könnten, was immer sie erreichen können, zu erobern und zu kolonisieren“, sagte Hawking nach Informationen der AFP in seiner neuen TV-Serie, die am Sonntag erstmals in den USA ausgestrahlt wurde. Kurz zuvor hatte er bei seinem Festvortrag zum 50. Jahrestag der Gründung der US-Weltraumbehörde Nasa, bei der es um „Visionen für die Zukunft der Raumfahrt“ ging, die Ansicht vertreten, wir seien wohl nicht allein im All: „Primitives Leben ist sehr weit verbreitet, intelligentes Leben eher selten.“ Den Spiegel veranlassten Hawkings Aussagen dazu, sie in einem Artikel mit der Überschrift „Es gibt Aliens, aber sie sind dumm!“  zu zitieren.

Das Nachdenken über Aliens ist nach Meinung von Hawkings „völlig rational“. Weniger rational ist wohl eher die Art, wie wir darüber nachdenken. Ob Außerirdische nun existieren oder nicht, ob sie dumm sind oder clever, gefräßig oder freundlich, gelb oder grün, ist hier nicht das Interessante. Viel spannender ist die Sichtweise auf die Menschheit, die hier zum Tragen kommt. Manche, so wird Hawkins zum Thema „intelligentes Leben“ im Spiegel-Artikel zitiert, „meinten gar, dass auch auf der Erde erst noch welches gefunden werden müsse“. Was tun mit solcherlei Aussagen? Sollte es intelligentes Leben im All geben, so wird es sich wahrscheinlich nicht von einer derart ängstlichen, sich selbst geißelnden und risikoaversen Spezies, die zudem gerade dabei ist, die bemannte Raumfahrt endgültig in die Geschichtsbücher zu verfrachten, positiv beeindrucken oder gar davon abbringen lassen, den Planeten zu übernehmen.

Von außen betrachtet gibt die Erde höchstwahrscheinlich ein seltsames Bild ab: Ihre Bewohner versuchen, das Klima zu verstehen und „zu retten“ und blenden dabei den entscheidenden Faktor – die Sonne – bei ihren Modellen und Hochrechnungen geflissentlich aus. Sie halten ihre Welt, die zu mehr als 70 Prozent mit Wasser bedeckt ist, für „überbevölkert“ und glauben gleichzeitig, sie leide unter Wassermangel – und dies alles nur, da sie Angst davor haben, ihre Fähigkeiten und Potenziale, was Intelligenz und deren konkrete technologische Umsetzung anbelangt, für sich zu nutzen.

Immerhin geht Hawking davon aus, dass die Menschheit in rund 30 Jahren eine Basis auf dem Mond errichten und in 200 bis 500 Jahren auf die Suche nach einem bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems gehen werde. Die Reise ins All werde die „jetzigen Probleme auf der Erde nicht lösen, aber neue Perspektiven geben“, so der Astrophysiker. Da bleibt nur zu hoffen, dass wir nicht bis dahin auf „neue Perspektiven“ warten müssen, sondern die Menschen schon früher zu der Einsicht gelangen, dass ein Großteil der Probleme, mit dem sie sich im Jahr 2010 konfrontiert sahen, durch die eigene Geringschätzung verursacht wurden.