11.03.2010

Schumi? Schumi!

Von Stefan Chatrath

Mit dem Großen Preis von Bahrain beginnt am Sonntag die neue Formel 1-Saison. Mit dabei: Comebacker Michael Schumacher – und die Hoffnung der Verantwortlichen, dass die Formel 1 mit ihm an Bord sich wieder wirtschaftlich konsolidieren kann.

Schumi is back! Am kommenden Sonntag startet der Deutsche im Silberpfeil in seinen 251. „Großen Preis“. Von ihm wird nichts Geringeres erwartet als das Unmögliche: Er soll die Formel 1 aus der (Wirtschafts-)Krise „fahren“ – dadurch, dass er wieder mehr Zuschauer und Werbetreibende anlockt. Seit seinem Rücktritt geht es abwärts mit der Formel 1: 2006 verfolgten sie in Deutschland durchschnittlich 7,4 Mio. im Fernsehen, vergangenes Jahr waren gerade einmal 5 Mio. – und das, obwohl ein Deutscher, Sebastian Vettel, um den Titel mitfuhr. 2009 konnten außerdem, bedingt durch die weltweite Wirtschaftskrise, so gut wie keine Werbeverträge abgeschlossen werden. So verlor die Formel 1 in 12 Monaten 70 Mio. Euro der Werbetreibenden, die sie nicht der Lage war, adäquat zu ersetzen. „Höhepunkt“ der Abwärtsentwicklung: Mit BMW, Honda und Toyota entschieden sich innerhalb eines halben Jahres gleich drei Automobilhersteller, ihre Werkteams aus der Formel 1 zurückzuziehen. 2010 sind somit nur noch drei Werkteams in der Formel 1 vertreten: Ferrari, Mercedes und Renault. Alle anderen Teams, insgesamt zehn, sind privat finanziert.
Dass die Formel 1 derzeit kriselt, ist allerdings zum großen Teil auch selbstverschuldet: Die Kosten sind in den letzten Jahren geradezu explodiert, weil es versäumt wurde, eine Obergrenze einzuführen – wie z.B. in den nordamerikanischen Profiligen, in denen sich eine solche bewährt hat. So entwickelte sich ein „ungebremster“ Wettlauf um den Titel, an deren Ende die drei o.g. Werkteams die Reißleine zogen: BMW, Honda, Toyota, Mercedes, Ferrari und Renault haben seit 2005 4,4 Mrd. Euro für die Formel 1 ausgegeben. 880 Mio. Euro pro Jahr. Fast genauso so viel wie in den 55 Jahren zuvor.
Dabei war eine solche „kritische“ Entwicklung vorhersehbar: Im Mannschaftssport entsteht für gewöhnlich aufgrund des Wettbewerbs, wird nicht gegengesteuert, ein „Teufelskreislauf“, der dazu führt, dass die Kosten, die den einzelnen Mannschaften anfallen, nicht zu 100% gedeckt werden können. Der Grund dafür ist, dass es für eine einzelne Mannschaft generell immer sinnvoll ist, in zusätzliche „Spielstärke“ zu investieren, da so die Siegwahrscheinlichkeit erhöht wird, eine solche Handlung aber, wie Ökonomen sagen, zu kollektiver Irrationalität führt: Die sich nicht „verstärkenden“ Mannschaften werden vergleichsweise schwächer und müssen daher nun ebenfalls tätig werden und sich „verstärken“, wollen sie weiterhin wettbewerbsfähig sein – sodass dann die erstgenannte Mannschaft wiederum tätig werden muss, will sie ihren Wettbewerbsvorteil sichern usw. Wer nicht mitspielt, hat keine Chance zu gewinnen. Das Problem dabei ist, dass im Mannschaftssport meistens das (Preis-)Geld, das zu gewinnen ist, „fix“ ist, ganz gleich, wie groß die (finanzielle) Anstrengung ist. Der „Jackpot“ bleibt damit gleichgroß, der Gewinn aber schrumpft, je mehr dafür ausgegeben wird, den Sieg (oder eine bestimmte Platzierung) zu erreichen. In Mannschaftssportarten droht somit grundsätzlich immer die Gefahr, dass die Verantwortlichen für den Erfolg so viel ausgeben müssen (z.B. für Gehälter) wie gerade noch möglich ist, sodass bei einem Misserfolg sofort erhebliche Finanzierungsprobleme auftreten, wenn nicht gar, im schlimmsten Fall, die Zahlungsunfähigkeit eintritt – so wie es auch in der Formel 1 in den letzten Jahren vermehrt vorgekommen ist. So stand z.B. 2008 selbst das traditionsreiche Privatteam Williams, gegründet 1977, kurz vor dem Aus. 2010 gilt nun erstmals das „Resource Restriction Agreement“. Es soll die Kosten begrenzen und dafür Sorge tragen, dass in Zukunft auch „kleinere“ Teams wieder vorne mitfahren können – eine längst überfällige Maßnahme und ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung.
Ob die Formel 1 mithilfe von „Schumi“ zurück in die Erfolgsspur findet, ist noch offen. Es wird wohl darauf ankommen, ob er in der Lage ist, um die vorderen Plätze mitzufahren. Spielt er im Titelkampf keine große Rolle, dürfte das große Interesse an der Formel 1 sich schon bald wieder „normalisieren“. Ich jedenfalls werde es mir nicht nehmen lassen, am Sonntag den ersten „Großen Preis“ des Jahres zu verfolgen. Und Sie?