25.04.2012

Schlechte Bilanz für Windräder und Photovoltaik in Deutschland

Kurzkommentar von Heinz Horeis

Gemessen an Kohle- oder Kernkraftwerken sind Windräder und Solarzellen ineffizient. In Deutschland ganz besonders. Strom aus „erneuerbaren“ Quellen wird hierzulande viel aufwendiger produziert als im europäischen Durchschnitt. Wieso setzen wir trotzdem so stark darauf, fragt Heinz Horeis

Zahlen sind etwas Schönes. Rechnet man ein wenig damit herum, so findet man oftmals überraschende Ergebnisse. So auch in den Daten, die das Unternehmen EurObserv’ER jährlich im Auftrag der Europäischen Union zur Lage der erneuerbaren Energien in den 27 Ländern der EU bereitstellt. Vor ein paar Wochen ist nun der elfte Bericht, die Edition 2011 [1] erschienen. Das 130-seitige Werk enthält die Daten für die Jahre 2009 und 2010 und liegt nur in französischer und englischer Sprache vor.

Auf den ersten Blick imponieren die Zahlen. Laut EurObserv’ER gab es in den 27 EU-Ländern im Jahr 2010 Anlagen mit einer installierten Leistung von rund 110 Gigawatt (GW), die Strom aus Wind und Sonne erzeugten. Der Aussagewert dieser Zahl ist allerdings klein; zwischen tatsächlicher und installierter Leistung (auch Nennleistung) können Welten liegen. Die Nennleistung kann man der Typenplakette eines Windrads oder eines Solarpanels entnehmen. Sie ist die maximale Leistung, die eine Anlage erreichen kann. Für Solarzellen zum Beispiel wird dieser Wert, auch als „Watt Peak“ bezeichnet, bei einer Bestrahlungsstärke von 1000 Watt/m² (und einer Anlagentemperatur von 25°C) ermittelt. Selbst im amerikanischen Wüstenstaat Arizona erreicht die Sonnenstrahlung diesen Spitzenwert nur an wenigen Wochen im Jahr zur Mittagszeit. In Deutschland können Dachbesitzer davon nur träumen.

Befürworter der erneuerbaren Energien rechnen die Nennleistung von Solarzellen und Windrädern gerne eins zu eins gegen die von Kern- oder Kohlekraftwerken auf. So kommen sie schnell zu der Behauptung, dass 110 Gigawatt aus Sonne und Wind rund hundert Kernkraftwerke ersetzen könnten. Was aber zählt, ist natürlich das, was die Anlage tatsächlich leistet. Wie viele Kilowattstunden (kWh) an Strom produziert sie im Jahr? Setzt man diesen Ertrag ins Verhältnis zu der Zahl an kWh, welche die Anlage bei stetiger maximaler Leistung pro Jahr produzieren könnte, erhält man einen Wert für die Auslastung der Anlage. Die besten Kernkraftwerke weltweit (zu denen stets auch deutsche Anlagen zählen) erreichen eine Auslastung von über 90 Prozent. Im Schnitt liegt dieser Wert für deutsche KKWs bei etwa 75 Prozent.

Aus EurObserv’ERs Daten lässt sich die jährliche Auslastung der europäischen Sonnen- und Windanlagen einfach berechnen. Sie liegt bei 20 Prozent für Windräder und 10 Prozent für Photovoltaik-Anlagen. Aus dieser geringen Auslastung folgt: Man benötigt rund 1200 Windräder von je drei Megawatt, um die gleiche Menge an Strom zu produzieren wie ein 1000-MW-KKW. Die dreißig Gigawatt an Photovoltaik in Deutschland schnurren bei dieser Berechnung auf bloße vier Gigawatt an KKW-Kapazität zusammen.

Wie steht es nun um die deutschen Windräder? Deren Auslastung liegt bei nur 16 Prozent und ist damit ein Fünftel kleiner als der europäische Schnitt. Noch größer wird der Unterschied, wenn man deutsche Windräder mit englischen und spanischen Anlagen vergleicht. Aus den Daten der Edition 2011 ergibt sich für beide Länder eine durchschnittliche Auslastung von 23 bis 24 Prozent der dortigen Anlagen! Das sind 50 Prozent mehr als der deutsche Windmüller erntet.

Diese Vergleiche spiegeln die geringe Windergiebigkeit deutscher Standorte wider – vor allem im Binnenland. Ausgleichen will die Windindustrie diesen Mangel durch den Bau von bis zu 200 Meter hoher Anlagen. Im Visier haben die Betreiber außerdem die exponierten Kammlagen der Mittelgebirge. Gebaut wird im Wald und in Landschaftsschutzgebieten. „Auch Naturparks sind kein Tabu“, hat die grüne rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke wiederholt erklärt.

„Eine ‚Verspargelung’ der reizvollen Mittelgebirgs-Landschaften ist übrigens nicht zu befürchten“, heißt es dazu in einer neuen Broschüre des Bundesverbandes Windenergie. Worauf sich diese Behauptung gründet, ist nicht auszumachen. Den „reizvollen“ vorderen Hunsrück haben etwa hundert Windräder, die in weniger als einem Jahr aus dem Boden geschossen sind, bereits grundlegend verhäßlicht. 400 sollen es im Laufe der nächsten Jahre werden.

Auch die PV-Anlagen in Deutschland stehen im Vergleich mit anderen europäischen Ländern nicht gut da. Das wundert nicht, denn das Land zwischen Ostsee und Alpen gilt nicht als sonnenverwöhntes Gebiet. So liegt der Auslastungsfaktor für Solaranlagen auf deutschen Dächern bei 8 Prozent; Anlagen in Spanien sind übers Jahr immerhin zu 20 Prozent ausgelastet. Dieser Vergleich belegt den Irrsinn der deutschen Solarförderung, die Hunderte von Milliarden Euro für diese besonders ineffiziente Art der Stromerzeugung „verbrennt“. Man kann Jürgen Großmann, dem Vorstandsvorsitzenden der RWE, nur zustimmen, der im Januar sagte: „Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland ist so sinnvoll wie Ananas züchten in Alaska.“

Spanien hat, trotz besserer natürlicher Bedingungen, die Solarförderung schon seit längerem zurückgefahren. Großbritannien, mit mehr Wind als Deutschland gesegnet, will sich nicht nur auf Windräder verlassen, sondern hält weiterhin an der Kernenergie fest. Warum setzt ausgerechnet das Land, in dem diese ohnehin dünnen Naturenergien besonders unergiebig sind, alles auf Sonne und Wind?