01.05.2008

Wer gewinnt den Kampf der Ideen?

Kommentar von Frank Furedi

Der Westen führt den Krieg gegen den Terror, ist aber nicht in der Lage zu formulieren, auf welche Werte er sich stützt, sagt Frank Furedi.

Seit fast sieben Jahren wird uns erzählt, der Krieg gegen den Terrorismus sei prinzipiell ein „ideologischer Kampf“ oder ein „Kampf der Ideen“, ohne dass dieser Begriff dabei erklärt wird. In den öffentlichen Debatten wird er lediglich oberflächlich und rhetorisch verwendet. Offenbar meiden es Politiker, offen auszusprechen, was das für eine Ideologie sein soll, gegen die sie vorgehen wollen, und stellen stattdessen Vergleiche mit dem Nationalsozialismus, dem Totalitarismus oder dem stalinistischen Russland an.1 Zudem hüllt man sich bezüglich des Inhalts dieser ideologischen Bedrohung in Schweigen. Die Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, verweist auf Defensivität und Unentschlossenheit bezüglich der eigenen Stellung in diesem vorgeblichen Kampf der Ideen.

Offenbar fehlt der Politik eine Sprache, um die Realität in einen bedeutungshaltigen Rahmen einzuordnen. Statt Ziele klar zu benennen, verwendet man seine Energie darauf, den Leuten zu erklären, was man nicht sagen darf. So bestand der Chef der britischen Geheimdienstabteilung MI5, Jonathan Evans, im November 2007 darauf, dass wir „auf unseren Sprachgebrauch genau achten müssen“. Ausdrücke, die eine Assoziation des Terrorismus mit dem Islam befördern könnten, seien zu meiden, denn sonst werde es der Regierung erschwert, Herz und Seele der muslimischen Gemeinschaft in Großbritannien für sich zu gewinnen.2 So sollen die Minister künftig nicht mehr vom „Krieg gegen den Terror“ oder von einem „Islam-Problem“ sprechen.3

Sogar US-Befürworter des Krieges gegen den Terror haben Vorbehalte gegenüber diesem Begriff. So meint etwa der ehemalige US-Senator Rick Santorum, zu sagen „wir führen einen Krieg gegen den Terror“ sei so, als sage man „der Zweite Weltkrieg war ein Krieg gegen den Blitzkrieg“, denn der Terror sei bloße Taktik, nicht aber der Feind selbst.4 Auch US-Präsident Bush räumte im August 2004 ein: „Wir haben den Krieg gegen den Terror falsch benannt.“ Allen Ernstes empfahl er die Umschreibung „Kampf gegen ideologische Extremisten, die nicht an freiheitliche Gesellschaften glauben und die Terror als Waffe einsetzen, um das Vertrauen der freien Welt zu erschüttern“.5 Noch im Versuch einer Korrektur der verfehlten Benennung des Krieges offenbarte Bush, dass der Krieg gegen den Terror mit mangelhaften intellektuellen Ressourcen geführt wird.

Aber uns interessieren hier nicht etwaige rhetorische Mängel im Weißen Haus. Die sprachliche Verwirrung verweist auf umfassende Orientierungslosigkeit in der Frage, was dieser Krieg bedeutet. Laut einem Bericht zur Lage der öffentlichen Diplomatie in Großbritannien „unterscheiden sich die Strategien in Hinblick auf Herausforderungen im Bereich Sicherheit deutlich von denen des Kalten Krieges, und in der Öffentlichkeit ist viel mehr Überzeugungsarbeit zu leisten“. Weiter heißt es: „Die Maßnahmen gegen die Bedrohung durch einen Atomkrieg oder eine russische Invasion fanden erheblich breitere öffentliche Unterstützung als die gegen terroristische Angriffe, denn hier ist die öffentliche Haltung durch tief greifende Skepsis gegenüber Präventivkriegen und dem Prinzip des Regimewechsels in ‚den Terrorismus unterstützende Staaten‘ geprägt.“6 Die brüchige Haltung der Öffentlichkeit verweist darauf, dass dieser Konflikt gesellschaftliche Solidarität im Westen keineswegs stärkt. Weil die westlichen Eliten – insbesondere in der EU – unfähig sind, der eigenen Politik Sinn zu geben, gewinnen sie den Kampf der Ideen nicht einmal in ihrer eigenen Öffentlichkeit. Und das gilt in besonderem Maße für die in westlichen Ländern lebenden Muslime. Umfragen verweisen auf den entfremdenden Effekt, den bestimmte säkulare und liberale Werte auf beträchtliche Teile der muslimischen Bevölkerung in Europa haben.

Eine neuartige ideologische Bedrohung

Die Sorge über eine zunehmende Bedrohung durch den hausgemachten Extremismus unterscheidet sich gravierend davon, wie der Terrorismus früher verstanden wurde. Man sieht ihn nicht als nur physische Bedrohung, sondern unterstellt ihm eine ideologische Kraft, die anscheinend signifikante Teile der eigenen Bevölkerung zu beeinflussen imstande ist. So erklärt etwa Sir David Omand, ehemaliger Koordinator der britischen Sicherheits- und Geheimdienste, zurzeit sei die „wirksamste Waffe des Terroristen seine Ideologie“.7 Noch unlängst meinte man, die Gefahr des Terrors liege darin, dass er in der Bevölkerung Angst und Schrecken verbreiten kann. Erst seit Neustem betrachtet man ihn als ideologischen Rivalen.

Der Schluss liegt nahe, dass die politischen und kulturellen Eliten westlicher Gesellschaften bezweifeln, eine erfolgreiche Kampagne auf dem Feld der Ideen führen zu können. In den amerikanischen und britischen Sicherheitsanalysen wird zunehmend die Sorge über die Anziehungskraft des Radikalismus geäußert. Ian Blair von der Londoner Polizei sagte unlängst, junge britische Muslime seien „bereit, für eine Idee zu sterben“, was es „in dieser Breite seit dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Kampf gegen den Faschismus“ nicht mehr gegeben habe. Besonders problematisch empfand Blair die „sehr potent“ wirkenden „kohärenten Erzählungen zu Unterdrückung, Krieg und Dschihad“ junger britischer Muslime: „Es ist schockierend, wie schnell junge, eher wohlhabende und mitunter gut gebildete, in Großbritannien geborene Menschen innerhalb weniger Wochen oder Monate ... ihr normales Leben hinter sich lassen und zu einer Haltung bekehrt werden, in der sie bereit sind, Selbstmord zu begehen und Tausende von Menschen mit in den Tod zu reißen.“8

Dass hier ein ernst zu nehmendes gesellschaftliches Problem vorliegt, ist das zentrale Thema des jüngsten Berichts des britischen Royal United Services Institute (RUSI) zum Thema Sicherheit.9 Gwyn Prins, Professor an der London School of Economics, und der ehemalige konservative Minister Lord Salisbury argumentieren dort, die Stärke jeder Gesellschaft beruhe auf dem Vertrauen in gemeinsame Werte und einem Empfinden gemeinsamer Ziele, und konstatieren diesbezüglich in Großbritannien einen ausgeprägten Vertrauensverlust. Die Autoren bewerten ihn als direkte Sicherheitsgefährdung, denn die britische Gesellschaft stelle sich dar als „einladendes Angriffsziel, als fragmentierte, nachchristliche Gesellschaft, die bezüglich der Interpretation ihrer Geschichte, ihrer nationalen Ziele, Werte und politischen Identität zunehmend gespalten ist“. Und sie fügten dankenswerterweise auch hinzu, was sonst öffentlich keiner auszusprechen wagt: „Das mangelnde Selbstvertrauen des Landes steht in deutlichem Gegensatz zur Unbeugsamkeit seiner inneren und äußeren islamistischen Feinde.“

Oft wird der Extremismus als eine Art psychologischer Virus verstanden, der primär psychisch Anfällige erfasst. Dabei übersieht man, dass der Radikalismus junger Muslime durchaus Zuversicht und Selbstvertrauen zum Ausdruck bringt. Der Idealismus dieser Menschen ist durchaus beachtlich. Auch sind sie zumeist nicht Opfer von Manipulateuren, sondern haben dschihadistische Webseiten meist von sich aus aufgesucht. Vermutlich haben sie sich also aktiv zu ihrem Handeln entschieden.10

Was ist, wenn sie wir sind?

Das Problem der hausgemachten Bedrohung gibt der von US-Präsident George Bush nach dem 11. September 2001 aufgeworfenen Frage „Warum hassen sie uns?“ eine neue Bedeutung. Sie setzt implizit voraus, dass „sie“ eigentlich wie „wir“ sein müssten. Das wäre kaum so, wenn der Feind klar als solcher identifiziert wäre. Weder Roosevelt noch Churchill hatten es nötig zu fragen, warum die Nazis „uns“ hassen. Und auch im Hinblick auf den Kreml hat der Westen im Kalten Krieg nie eine derartige Frage gestellt. In ihr artikuliert sich die Befürchtung, dass „sie“ uns eventuell unangenehm nahe stehen. Vor dem Hintergrund des „hausgemachten Terrorismus“ befürchtet man, dass „sie“ einfach zu „uns“ gehören könnten.

Die Frage ist aber nicht nur, warum „sie“ uns nicht mögen, sondern auch, warum wir „sie“ ablehnen und „sie“ wiederum nicht sein wollen wie „wir“. Immer wieder wird darüber berichtet, dass junge, scheinbar verwestlichte Teenager durch plötzliche Radikalisierung zu erbitterten Feinden des eigenen Landes werden. Das gilt beispielsweise für Hasib Hussain, einen der Selbstmordattentäter vom 7. Juli in London, der sich scheinbar plötzlich gegen seine Nachbarn und sein Land wandte.11 Wie die Verantwortlichen der Bombenanschläge von Madrid lebte und arbeitete auch er inmitten der Menschen, die er zum Ziel seines Anschlags erkoren hatte.

Die hausgemachte Radikalisierung stellt die konventionelle Darstellung des Krieges gegen den Terror infrage. Die Unterscheidung zwischen „denen“ und „uns“ verschwimmt, und der Konflikt verweist auf Spannungen innerhalb der westlichen Gesellschaft selbst. Es ist bekannt, dass in den letzten Jahren „die Mehrheit der terroristischen Aktivitäten im Westen von unabhängigen lokalen Netzwerken“ ausging.12

Angesichts dieses Charakters des Terrorismus ist es nicht besonders überzeugend, ihn zum Feind zu erheben. Immer häufiger wird das Problem darin gesehen, dass Unzufriedene potenziell radikalisiert und in eine Bewegung hineingezogen werden können, die Anziehungskraft auf die Bevölkerung ausübe. Ein Experte schreibt, der Dschihad sei „eine das Millenium kennzeichnende Bewegung mit Attraktivität für die breite Masse geworden“; man müsse daher der „terroristischen Darstellung“ etwas entgegensetzen, um „potenzielle Rekruten den Verlockungen des Dschihad zu entziehen“.13 Worin die Verlockungen des Dschihad bestehen, bleibt allerdings unklar. Junge Leute, die von Videos angesprochen werden, unterscheiden sich in ihrer Reaktion kaum von vielen nicht-muslimischen westlichen Menschen, die nihilistische Webseiten besuchen und sich von destruktiven Themen und Vorstellungen faszinieren lassen. Deshalb entsprechen auch manche der in Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten verhafteten Radikalen keineswegs dem Bild des religiösen Fanatikers. Laut einem Bericht über die Mitglieder des schwedischen Internetforums Mujahedon Network hätten diese „praktisch kein Wissen über den Islam“: „Ihre Faszination für den Dschihad wird offenbar eher durch ihre rebellische Natur als durch tiefe ideologische Überzeugung gespeist.“14

Verantwortlich für die Bedrohung ist also nicht die Überzeugungskraft einer gesellschaftlichen Alternative, sondern der Sinnverlust der westlichen Politik und Kultur. Westliche politische Ideen erlitten spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges eine Schwächung und können die konkreten Erfahrungen des Einzelnen nicht mehr mit einem umfassenden Bedeutungsrahmen ausstatten.15 So schreibt Zaki Laidi: „Es macht keinen Sinn mehr, sich im Gegensatz zum Kommunismus zu definieren.“16 Zudem sind dem Westen im Zuge der letzten Jahrzehnte die eigene Tradition und sein intellektuelles, wissenschaftliches und moralisches Erbe suspekt geworden. Folglich gelingt es nicht, neuen Sinn zu stiften. Selbst Osama bin Laden hat im Westen populäre Selbstzweifel – etwa bezüglich Umwelt, Konsum oder Frauenrechte – mittlerweile in seine Botschaften integriert.17 Konventionelle Konsumkritik und ökologische Themen gehen in seinen Videobotschaften Hand in Hand mit dschihadistischen Appellen – ein Hinweis darauf, dass der interne westliche Antimodernismus mit dem externen gegen den Westen gerichteten zusammenfließt. Daher überrascht es nicht, wenn Regierungen es schwer finden, den Feind zu benennen.

Manche Experten sehen den Westen in einer moralischen Krise, die ihm den Glauben an sich selbst erschwert. So schreiben Richard Koch und Chris Smith in ihrem Buch Suicide of the West: „Die meisten Menschen im Westen glauben nicht mehr an die Ideen, die den Westen so erfolgreich gemacht haben.“18 Andere sehen selbst die Polizei und die Geheimdienste von einer Stimmung „westlichen Selbsthasses beeinflusst“, der ihre Urteilskraft lähmt.19 Wer dschihadistische Webseiten besucht und dort heimisch wird, ist vermutlich lediglich ein Vertreter einer Variante dieser Vertrauenskrise des Westens. Sie ist einer der Gründe, weshalb der „Krieg gegen den Terror“ anders als frühere Kriege nicht zu einer Solidarität gegen den Feind führt. Die Bedrohung durch den Terror tritt nicht vor dem Hintergrund eines robusten Bedeutungssystems auf und erzeugt daher eher Unsicherheit, als zur Entstehung neuer Solidarität beizutragen. Die Gemeinsamkeit beschränkt sich bei den meisten Menschen auf die Angst davor, zur Zielscheibe zu werden. Inspiration dafür, für den eigenen Lebensstil einzustehen, ist so gut wie nirgends anzutreffen.

Die Bedeutungskrise

Dass der Terrorismus heute als ideologischen Wettbewerber verstanden wird, hat also mit dem geminderten Vertrauen des Westens in sich selbst zu tun. Was die Fähigkeit westlicher Werte angeht, sich gegen die feindlicher Rivalen durchzusetzen, so bestanden schon vor dem 11. September deutliche Anzeichen von Defensivität. So schrieb ein konservativer amerikanischer Kommentator: „Um die westliche Kultur gegen fremde Angriffe zu schützen, brauchen wir eine interne Wiederbelebung.“ Bereits zehn Jahre vor dem 11. September warnte er: „Vielleicht steht der Islam im 21. Jahrhundert wieder vor den Toren Wiens, wenn nicht als Armee, dann in Form von Immigranten oder Terroristen.“20 Anzeichen einer internen Wiederbelebung gibt es bis heute nicht. Vielmehr reagieren westliche Regierungen scheu, wenn es darum geht, die eigene Bevölkerung zu inspirieren.

Fast unmerklich ist die Bedrohung durch den Terrorismus zu einer primär ideologischen uminterpretiert worden. Joseph Nye, ein führender Experte für internationale Beziehungen, betont vor allem die Soft Power terroristischer Organisationen. „Soft Power“ ist für Nye „die Fähigkeit, eigene Forderungen durch Anziehungskraft und nicht durch Zwang oder wirtschaftliche Macht durchzusetzen“. Diese Definition steht in offenkundigem Widerspruch zur konventionellen Definition des Terrorismus, derzufolge er seine Ziele durch die Verbreitung von Angst und Schrecken erreichen will.21 Angesichts der offiziellen Besorgnis über den Einfluss islamistischer Webseiten, Videos und sonstiger Kommunikationsforen ist zu konstatieren, dass diese Soft Power sehr ernst genommen wird. „Für einen endgültigen Sieg braucht der Terrorismus Soft Power“, so Nye, demzufolge er „ebenso von seiner Fähigkeit abhängt, die Unterstützung der Massen zu gewinnen, wie von seiner Fähigkeit, die Kampfbereitschaft des Feindes zu zerstören.“22

Nyes Verlagerung des Schwerpunktes von einem durch die angestrebte Vernichtung ziviler Opfer charakterisierten Terrorismus zu einer Gefährdung durch Soft Power entspricht der Veränderung im Denken westlicher Regierungen. Paradoxerweise übertreiben die Regierungen einerseits ständig die physische Bedrohung durch den Terrorismus und geben andererseits nicht zu, dass sie Zweifel an ihrer eigenen Fähigkeit haben, die relevanten Teile der eigenen Bevölkerung für sich zu gewinnen. Die Überlegungen zum hausgemachten Terrorismus konzentrieren sich zumeist auf das Problem der „Radikalisierung“. Diese versteht man als Folge des externen Einflusses globaler Kräfte, obwohl sie genauso gut Symptom der Entfremdung vom westlichen Lebensstil sein kann. Die Neigung, das Radikalisierungsproblem auf den Einfluss externer globaler Kräfte zurückzuführen, lenkt die Aufmerksamkeit von der Autoritätskrise der westlichen Eliten ab. Das von US-Geheimdienstquellen verzeichnete Wachstum „antiamerikanischer und globalisierungsfeindlicher Stimmungen“ wird in weitaus höherem Maße durch Kräfte vor Ort gespeist als gemeinhin angenommen.23 In vielen europäischen Ländern haben Antiamerikanismus und Ressentiments gegen den westlichen Lebensstil erheblich an Einfluss gewonnen. Am systematischsten äußern sich diese geistigen Strömungen in der Kulturkritik an der Konsumgesellschaft und materialistischer „Gier“. Ideen, die das westliche Vertrauen in Wissenschaft und Wirtschaftswachstum anprangern, gedeihen auf dem Boden der amerikanischen und europäischen Gesellschaften. Die Krise des Westens ist „intern erzeugt“ und „besteht in westlichen Köpfen“.24 Und zwischen der intern generierten Kritik am Westen und derjenigen dschihadistischer Bewegungen bestehen viele Überschneidungen.

Anstatt sich auf externe Einflüsse zu konzentrieren, die vermeintlich eine Radikalisierung antreiben, könnte es dem britischen Experten Bill Durodie zufolge effektiver sein, Entwicklungen vor Ort zu untersuchen. „Es ist möglicherweise produktiver, die Frage zu stellen, warum ein kleiner Teil asiatischer und anderer Jugendlicher in der westlichen Gesellschaft keinen Sinn finden und sich mit ihr nicht solidarisieren kann“, so Durodie.25 „Man kann sagen, die weltweit größte Bedrohung geht heute von lokalen, gleichgestellten muslimischen jungen Erwachsenen in europäischen Städten aus, die sowohl das Personal für den 11. September als auch für Zuganschläge in Madrid gestellt haben“, sagt auch Scot Atran.26 Wie eine Minderheit zu einer solchen Verachtung der eigenen Gesellschaft kommt, fragt indessen keiner. Diejenigen, die dazu neigen, die Bedrohung des Terrorismus zu übertreiben, schenken diesem Sachverhalt nur flüchtige Aufmerksamkeit. Das diesbezügliche Schweigen steht im krassen Gegensatz zur schrillen Rhetorik bezüglich der Gefährdung durch islamistische Webseiten. Der Schluss liegt nahe: Wir brauchen weniger Rhetorik, sondern sollten den Inhalt und Sinn eines Lebensstils explizieren, den zu verteidigen wir für lohnenswert halten.